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Krebs

Claus Riemann
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Samstag, 16. September 2000, 10:37

'Krebs' - Beitrag von Claus RiemannAusführliche Beschreibung des Tierkreiszeichen Krebs.


Die Sommersonnwende markiert den Eintritt der Sonne in das Tierkreiszeichen Krebs. Zwar ist die sommerliche Wärme jetzt zu spüren, Mutter Natur ist freundlich und großzü-gig, und doch ist der längste Tag vorbei, das lichte Prinzip nimmt wieder ab, die Sonne hat den Rückwärtsgang eingelegt. Das Symboltier, der rückwärtsgehende Krebs, ist ein ent-wicklungsgeschichtlich uraltes Tier und weist auf Frühformen des Lebens hin. Rückwärts, dort ist die Welt der Großen Mutter, aus der wir alle kommen, zu der wir alle irgendwann zurückkehren.
Im Zeichen Zwillinge hatte die Sonne, das Symbol für Bewusstsein und Lichtkraft des Geistes ihren höchsten Stand erreicht. Die große Gefahr an diesem Punkt bestand darin, von dieser geistigen Höhe aus zum interessierten Zuschauer, zum coolen Beobachter und persönlich weder betroffenen noch berührten Kritiker des Lebens zu werden. Geradezu als ausgleichende und ausbalancierende Reaktion auf diesen geistigen Höhenflug folgt nun im Tierkreiszeichen Krebs der Abstieg in die tiefsten Gründe und Abgründe des Gefühlsle-bens. Hier begegnen wir unserem sensibelsten Organ, der Hautlosigkeit und Unge-schütztheit des Seelenkernes. Wer mit diesem Innersten in Kontakt ist, sieht die Welt mit anderen Augen. Was sieht man mit diesen anderen Augen? Wie sieht man mit diesen an-deren Augen? Herz und Auge sind für uns in erster Linie Körperentsprechungen des Tier-kreiszeichens Löwe und seiner Herrscherin, der Sonne. Die alte Astrologie ordnete jedoch das rechte Auge der Sonne zu und das linke dem Mond. Die westliche Menschheit hat zwischenzeitlich verlernt, auf dem Mondauge zu sehen. Das Mondauge sieht im Dunkeln, es sieht das, was nicht augenfällig ist. Organisch blinde Menschen machen sich zum Bei-spiel ein Bild von ihrer Umwelt, das meist sehr viel präziser ist, als das der organisch Se-henden. Mit dem Sonnenauge gesehen ist das Herz ein kräftiger Motor, ein Hort der Le-benskraft, mit dem Mondauge gesehen ist es ein abhängiges Organ, das mit Blut und Sauerstoff versorgt werden muss; ein Organ, das nicht nur agiert, sondern auch reagiert: empfindsam, berührbar, verletzbar. Dieses Krebs-Herz-Sehen versucht nicht zu differen-zieren, zu kategorisieren und zu strukturieren, es versucht einfach nur zu verstehen, wie's Dir geht und was Du brauchst, bzw. was Dir fehlt. Gibt es Wärme und liebevolle Begeg-nung in Deinem Leben? Oder bist Du so vernünftig, dass Du glaubst, Dir Gefühle nicht leisten zu können? Dürfen Deine Gefühle fließen, erlaubst Du Dir zu lachen, wenn Du Dich freust, und zu weinen, wenn Du traurig bist? Das sind Fragen aus dem Geiste des Krebs-Prinzips - nicht nur an den Krebs.
Es sind urmütterliche Augen, die Dich da anschauen, wissende Augen, eine Qualität von der Erich Neumann schreibt: "Diese weiblich-mütterliche Weisheit ist eine Weisheit lieben-der Bezogenheit, kein abstrakt 'interesseloses' Wissen". Ein anderes Beispiel: In einem Fernsehinterview sagte ein Gentechniker: "Meine Auftraggeber sind nur daran interessiert, was ich als Wissenschaftler zu sagen hebe, das was der ehemalige Bauernbub in mir dar-über zu sagen hat, wie man mit Tieren umgehen kann und wie nicht, das interessiert nie-manden von denen". Um diese, außer Mode gekommene, nicht auf Effektivität und Ge-winn ausgerichtete Sichtweise der Dinge geht es im Zeichen Krebs. "Man sieht nur mit dem Herzen gut" - um die Qualität dieses Sehens zu erlernen oder wiederzuerwerben, müssen wir zunächst mal den Blick abwenden von den scheinbaren Gegebenheiten und Sachzwängen der äußeren Realität.
Dazu eine kurze Geschichte: Rabia, eine weise Frau, lebt in Indien in einem kleinen Dorf. Eines Tages wird sie auf dem Marktplatz gesehen, wie sie angestrengt etwas zu suchen scheint. Die Leute kommen und fragen: "Hast Du etwas verloren? Sollen wir Dir suchen helfen?" "Ich habe meine Nähnadel verloren" sagt sie. "Wo hast Du sie denn verloren?" "Ich habe sie bei mir zuhause verloren." "Warum suchst Du sie dann auf dem Marktplatz?" "Ich wollte Euch nur einen Spiegel vorhalten: ihr alle sucht etwas draußen, was ihr drinnen verloren habt!" Der Blick nach innen ist gefragt: Einsicht. Aber nach innen schauen hat auch was mit Erinnern zu tun, so wie sich der oben genannte Gentechniker an den Bau-ernbuben von damals erinnerte.
Als wir die Welt aus der Stier-Perspektive betrachteten, waren "Erinnern" und "Gedächt-nis" ganz zentrale Themen: Mutter Erde als Erbgedächtnis der Menschheit und der Baum, der seine inneren Jahresringe nie verliert, sind uns als symbolträchtige Bilder in Erinne-rung geblieben. Im Zeichen Krebs geht es nun um eine ganz andere Art von Erinnern. Der Herrscher dieses Zeichens, der Mond, ist, wie man heute weiß, sehr viel älter als die Erde. Der Mond erinnert uns an etwas, das war, bevor es die materielle Realität der Erde für uns gab, an etwas, das nicht im Erbgedächtnis der Erde gespeichert ist, an etwas, für das es keine sichtbaren und nachzählbaren Jahresringe gibt. Die Geschichte der Menschheit, aber auch die des Einzelnen reicht viel weiter zurück, als das bewusste Gedächtnis. Für den Einzelmenschen ist es die Zeit, die er im Mutterleib verbracht hat und auch noch ein Teil der ganz frühen Kindheit. Menschheitsgeschichtlich gesehen erinnert uns der Mond an eine vorbewusste Zeit. Inzwischen sind wir mehr oder weniger bewusste Beobachter unserer Bewegtheit geworden, aber die uralten Kräfte, die uns bewegen, sind dieselben geblieben.
E. Neumann meint dazu: "Die tiefenpsychologische Forschung hat nachgewiesen, dass das Bewusstsein mit seinen Erwerbungen ein später 'Sohn' des Unbewussten ist, und dass die Entwicklung der Menschheit im Ganzen und der menschlichen Persönlichkeit im Einzelnen in positiver Abhängigkeit von den im Unbewussten schlummernden Geistkräften verlaufen ist und verlaufen muss."
Man kann wohl sagen, dass die Erde das bewusste Gedächtnis der Menschheit symboli-siert, der Mond aber das vorbewusste Gedächtnis. So wie der Mond etwas außerhalb oder jenseits der Erde Liegendes ist, das vor ihr da war, so gibt es für jeden Menschen etwas außerhalb der Mutter Seiendes, das vor ihr da war: die Großmutter, als symbolische Vertreterin der Urquelle des Lebens, der Großen Mutter. Und wieder erscheint das Bild des Baumes, aber diesmal in Form des Stammbaumes; nicht nur unsere eigenen Jahres-ringe tragen wir in uns, wir sind zudem noch die Erben der Menschheitsgeschichte und die Erben unserer eigenen Familiengeschichte. Alles was mit Geschichte, Herkunft, Heim und Heimat, aber auch mit Gebären, Ernähren, Wärmen, Bekleiden, Versorgen, mit mütterlich Lieben zu tun hat, begegnet uns im Horoskop über den Mond und über das Tierkreiszei-chen Krebs. Wenn der Mond uns heimsucht, dann widerfährt uns das manchmal als ein heimliches Glück, das uns beschleicht, und andere Male als das Unheimliche, das aus alten Grüften und Gräbern erwacht. Dieses Alte, Uralte, das immer noch unser Heute mit-bestimmt, reicht viel weiter zurück als das Licht, in eine Zeit als es noch kein Sehen gab, aber schon ein Hören. So kann es zum spannenden Abenteuer werden, tief in uns hinein-lauschen, ob da eine Stimme ist, die uns Geschichten erzählt über das Leben, die nie-mand weiß, niemand wissen kann. Wenn wir voll in der Welt engagiert sind, wenn unsere geistigen Zentren auf Hochtouren laufen, dann können wir diese Stimme nicht vernehmen. Erst im Zustand der Entspannung, im Traum oder in einer depressiven Phase, wenn wir nicht mehr ein noch aus wissen, dann kann es sein, dass sie sich meldet: die Stimme des inneren Kindes.
Saint-Exupéry hat in seinem "Kleinen Prinzen" eine solche Situation geschildert. Als er mitten in der Wüste mit seinem Flugzeug abgestürzt war, weckte ihn in dieser aussichtslo-sen Situation plötzlich eine "seltsame kleine Stimme" aus dem Schlaf. Der Krebs Saint-Exupéry macht sich in diesem Buch über die Wirklichkeit der Erwachsenen lustig; denn sie sehen in seiner Kinderzeichnung nicht den Elefanten, der von einer Boa verschluckt wur-de, sondern einfach einen banalen Hut. Die Erwachsenen verstehen eben nicht die Weis-heit des Kindes. Die Lektüre des "Kleinen Prinzen" führt in eine Welt, in der man sich als Krebs sehr zuhause fühlt: in der der Fuchs meint: "man kennt nur die Dinge, die man zähmt" und er meint mit "Zähmen" Vertrautmachen. Eine vertraute Welt, das ist eine Krebs-Welt. Dieses Buch berührt unmittelbar Dein Herz, spricht eine Sehnsucht und Trau-rigkeit an, von der du weißt, dass sie zu Dir gehört.
Aber, wie Marie Luise von Franz in ihrem Buch "Der ewige Jüngling" plausibel nachweist, geht von diesem Kind, dem Kleinen Prinzen, auch eine große Gefahr aus. Er will sich nämlich den Realitäten dieser Welt nicht stellen, es zieht ihn dorthin zurück, wo er herge-kommen ist. Die Gefahr der Regression, des Wunsches, in die schützende, wärmende, nährende, verwöhnende Geborgenheit des Mutter- oder Familienleibes zurückzukehren, ist in keinem Tierkreisabschnitt so groß wie hier. Diese Zeit kann natürlich auch eine Ka-tastrophe gewesen sein, aber als Krebs-Geborenen zieht es Dich immer zurück in das Vertraute. Die vertauten Orte, die vertrauten Menschen, die vertrauten Lebensgewohn-heiten kleben an Dir und Du an ihnen zu Deinem Gedeihen oder Verderben. Und zu alle-dem gedeihen in der Innenwelt der Krebs-Wirklichkeit Träume und Wünsche auf das Prächtigste.
Eine der zwölf Aufgaben des Herakles war die Auseinandersetzung mit Hydra, der neun-köpfigen Schlange. Man kann die Hydra als die urmächtige Wunschnatur des Menschen sehen, die Dich in Ihr Reich der Lüste und Süchte und leicht zu habenden Vergnügungen lockt, um Dich dort zu verschlingen. Hier ist der Gegenpol Steinbock gefragt: Verzichten können, Selbstdisziplin; erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Ganz so einfach geht es al-lerdings nicht; denn schlug man der Hydra einen Kopf ab, so wuchsen an seiner Stelle zwei neue nach. Um dies zu verhindern, musste Herakles die frischgeschlagenen Wunden ausbrennen.
Das kann nichts anderes heißen, als dass jede über Bord geworfene Bedürftigkeit oder schlechte Gewohnheit zwei neue hervorruft, solange man nicht bereit ist, den brennenden Seelenschmerz, der mit dem Verzicht verbunden ist, zu erleben und auszuhalten. Dass nicht jeder Wunsch erfüllbar ist und, dass Rosen in dieser Welt mit Dornen wachsen; das sind bittere Lektionen für den Krebs-Menschen. Dass Leben immer mit Leiden verbunden ist, das wissen die Krebse nur zu gut; wie man sich aber dem Leid in einer Wese stellt, dass es sich in Entwicklung, Erfolg und Freude verwandeln kann, das kann man vom Ge-genpol Steinbock lernen: aus der Badewanne des eigenen Leids heraussteigen und ak-zeptieren, dass das Leben grundsätzlich schwierig ist und uns mit einer Reihe von Prob-lemen konfrontiert, die gelöst werden müssen. Das Lösen dieser Probleme gibt dem Le-ben erst seinen Sinn und ist meistens auch die Wurzel echter Freude und die Triebkraft persönlicher Entwicklung.
Und um Wachstum und Entwicklung geht es auch im Tierkreiszeichen Krebs, obwohl hier starke entwicklungshemmende Kräfte am Werk sind, und zwar, um zu verhindern, dass durch eine Entwicklung ohne "Rücksicht" die Nabelschnur, die uns mit dem Ursprung ver-bindet, reißt. Das heißt, wenn die moderne Gentechnik die jahrhundertealten Erfahrungen und das Wissen der Bauern einfach über Bord wirft, dann reißt der Kontakt zur Großen Mutter ab, mit den entsprechenden Konsequenzen. Erich Neumann unterscheidet zwi-schen dem Elementarcharakter und dem Wandlungscharakter des Weiblichen. Der Ele-mentarcharakter beinhaltet die gebärende und nährende Mutter ebenso wie die Todes-mutter, die ihre Kinder wieder verschlingt; das Fruchtbare und das Furchtbare liegt hier zum Verwechseln ähnlich so nahe beieinander wie die Begriffe, die es ausdrücken. Die furchtbare Seite des Weiblichen gebiert und zerstört nach Lust und Laune, jede Art von Entwicklung wird unmöglich gemacht.
Der Elefant als Symbol der Heldenhaftigkeit und Großartigkeit bleibt, wie im "Kleinen Prin-zen", von der Boa, der verschlingenden Kraft des Unbewussten, verschluckt. Alles er-scheint sinnlos. So fallen viele mutterverschlungenen Krebse in eine Art Lebensuntüchtig-keit und Lebensunlust bis hin zu der Aussage: es gibt Tage, an denen sollte man gar nicht erst aufstehen, zum Beispiel Montag bis Freitag.
Zum anderen ist dieses innere Kind die Quelle jeglicher Entwicklung. In der Astrologie symbolisiert der Mond sowohl das Innere Kind, wie auch die Innere Mutter und das Tier-kreiszeichen Krebs steht sowohl für das Reich der Mütter, wie auch für die eigene Kind-heit. Mutter und Kind sind hier wie in Mythologie und Religion, zum Beispiel Maria mit dem Jesuskind, untrennbar miteinander verbunden. So begegnen uns auch beide, Inneres Kind und Innere Mutter, sowohl als entwicklungshemmende oder -verhindernde, wie auch als entwicklungsfördernde Kräfte.
E. Neumann äußert sich zum Wandlungscharakter des Weiblichen wie folgt: "Es ist im Unbewussten der gebärenden und nährenden, schützenden und wandelnden weiblichen Kraft der Tiefe eine Weisheit wirksam, die der Weisheit des Tagesbewusstseins unendlich überlegen ist und die, als Ursprung von Vision und Symbol, Ritual und Gesetz, Dichtung und Wahrheitsschau, erlösend und richtunggebend, gerufen und ungerufen, in das menschliche Leben eingreift." Im Gegensatz zum "rücksichtslosen" Widder, der den kos-mischen Auftrag hat, durch Taten Tatsachen zu schaffen, die die Welt verändern, ist es die Aufgabe des Tierkreiszeichens Krebs, das Neue immer wieder liebevoll dem Alten ein-zugliedern, was auch die Welt verändert und sie doch gleichzeitig bewahrt. Zum Thema Krebs könnten noch unzählige Märchen und Mythen angeführt werden, weil diese Aus-drucksform der Weisheit des kollektiven Unbewussten hier zuhause ist, wie nirgendwo anders.
Auch die Wiege aller Religion dürfte hier zu finden sein: die Frage nach dem Wesen des Menschen und nach seiner Herkunft. Die lateinische Wurzel für das Wort Religion ist "reli-gio", was auch "gewissenhafte Berücksichtigung" heißt. Das ist es, worum es im Tierkreis-zeichen Krebs in jeder Hinsicht geht: um "gewissenhafte Berücksichtigung".
Heute meint man, Märchen seien etwas für Kinder, dabei enthalten sie archetypische Ent-wicklungsmotive, die uns Erwachsenen mindestens genauso viel zu sagen haben. Die Krebsweisheit als Weisheit des Mütterreichs ist so verachtet, wie die Weisheit der Großen Göttin im Patriarchat es immer war. Aber, die kollektive Entwicklung dreht sich, zwar hof-fentlich nicht in Richtung eines neuen Matriarchats, aber in Richtung Rehabilitierung der matriarchalen Weisheit. Vielleicht bewirkt der Zeitgeist des Wassermann-Zeichens, dass Sonnen- und Mondgottheit ihre Gleichwertigkeit wiedererlangen UND, dass wir wieder auf beiden Augen sehend werden.

Familien- und Beziehungssystem
Das Familiensystem einer krebsbetonten Familie ist das warme, bergende Nest, in dem sich jeder einzelne geschützt und genährt fühlen kann. Der Umgang miteinander ist rück-sichtsvoll und einfühlsam; wenn Du Dich klein, schwach oder krank fühlst, wirst Du Trost und Anteilnahme finden. Musische und künstlerische Interessen werden geachtet und ge-fördert, oft sind sie es, die die Familie verbinden. Hier steht immer ein Bett für Dich bereit; hierher kannst Du heimkommen und Dich vom harten Lebenskampf erholen. Die Schat-tenseite dieses Systems ist der ängstliche Kleinfamilienwichtel, der sich und die seinen von der Außenwelt abschottet und zum Nesthocker ohne Entwicklung wird. In dieser Fa-milie ist pausenlos jemand gekränkt, verletzt oder beleidigt; vor lauter Rücksicht und dröh-nender Empfindsamkeit schleicht man permanent um einen heißen Konfliktbrei herum. Kranksein ist hier an der Tagesordnung, schließlich ist optimale Versorgung immer garan-tiert. In dieser Familie gedeihen Hühner, aber keine Adler; Schafe, aber keine Tiger. Das ist alles natürlich sehr idealtypisch formuliert, und in der Realität gibt es tausende Varian-ten.
Eine interessante Variante ist der gepanzerte Krebs, der so hart werden hat müssen, weil er so weich ist. Es handelt sich hier vor allem um ein Problem von Männern, die sich not-gedrungen mit dem Gegenpol Steinbock (gelobt sei, was hart macht!) identifizieren und ihre weibliche Seite unterdrücken. Entsprechend tyrannisch treten sie dann Frau und Kin-dern gegenüber auf. Diese Steinbeißerkrebse, die in unserer Leistungsgesellschaft gar nicht so selten vorkommen, haben dann oft Magengeschwüre und werden von ihren Fami-lien als sogenannte "geliebte Ekel" trotzdem umsorgt und bemuttert, weil man ja spürt, dass sie "gar nicht so sind" und weil man irgendwie Mitleid mit ihnen hat. Beziehungen, in denen das Krebsmotiv eine wichtige Rolle spielt, sind oft Badewannenbeziehungen, in denen es warm und gemütlich zugeht, in denen das Mutter-Kind-Schema zu finden ist. Das Orale ist meist sehr betont. Die Partnerschaft soll ein Zuhause sein und der Rahmen der Herkunftsfamilien ist meist sehr wichtig. Nicht selten sucht man sich im Partner, die beschützende Mutter oder man lebt diese Rolle selbst, indem man ein hilfsbedürftiges Kind heiratet. Das "ich brauch Dich" spielt als Beziehungsgrundlage eine große Rolle. Nun ist dies nicht nur zu verurteilen. Jeder Mensch braucht Liebe und Seelennahrung, so wie auch jeder von uns einmal die Mutter gebraucht hat; sei's manchen von uns auch noch so unangenehm.
In einer Zeit, in der Trennung, Verlassen und Verlassenwerden völlig alltäglich sind, ist ein positives "ich brauche Dich", ein Bekenntnis zu einer Beziehung, enorm wichtig, wenn auch nicht modern. Die von Erich Fromm in seinem Buch "Die Kunst des Liebens" formu-lierten Varianten "ich liebe Dich, weil ich Dich brauche" und "ich brauche Dich, weil ich Dich liebe" sind in der fließenden Realität des menschlichen Lebens immer beide gleich-zeitig vorhanden oder nicht vorhanden. Als aufgeklärte Menschen streben wir eine reife Form der Beziehung an und entscheiden uns natürlich für das "ich brauche Dich, weil ich Dich liebe". Das Motiv ist edel, es zeigt, wie wir zu sein streben. Mutterliebe aber sieht und nimmt uns so, wie wir sind.
Als Krebsmensch weißt Du, dass die Wurzel aller Liebe darin besteht, Dein inneres Kind so zu lieben, wie es ist, Dein "ich liebe Dich, weil ich Dich brauche" liebevoll anzunehmen und auch dem anderen seines zuzugestehen; auf solchem Boden kann mit der Zeit heim-lich und still eine tiefe und echte Liebe reifen. Die Blüte oder die Frucht der Pflanze, deren Wurzel "ich brauch Dich" heißt, kann dann ein tiefes und aufrichtiges "ich liebe Dich" sein. Tiefe Verbundenheit einer echten Begegnung wird durch Krebsenergie möglich, sowie Anteilnahme am Leben des anderen, wenn er leidet, anstelle der "Das-ist-Dein-Problem"-Haltung. Wenn das innere Kind in einer Beziehung nicht mitleben darf, wenn kein Raum für Gefühl und Nähe ist, wird es kalt und unmenschlich.
Die Gratwanderung ist allerdings: Wie kann ich den Kontakt zur Gefühlsweisheit des inne-ren Kindes bewahren, ohne mich von ihm tyrannisieren zu lassen, ohne kindisch und sen-timental zu werden? Aus dem Gefühl der eigenen Abhängigkeit heraus, aus dem "ich brauch Dich" und "ich kann ohne Dich nicht leben" entwickeln Krebsmenschen mitunter eine zweifache Strategie. Diejenigen, die in der Kindheit verwöhnt worden sind, bleiben ihr Lebtag lang in irgendeiner Weise hilfsbedürftig und locken auf diese Weise die "hilflosen Retter" an, die dann an Mutters Stelle der Speck für die Made sind, sie werden aufgezehrt. Die anderen, die verlassenen und unterversorgten werden selbst zu Helfern, jedoch nicht zu hilflosen, sie helfen wirklich, aber das geheime Motiv ist, möglichst viele von diesen, denen sie helfen, von sich abhängig zu machen; denn man braucht sie so sehr. Die Hilfe dieser Menschen ist sehr einseitig; man bekommt keine Gelegenheit auch mal für sie et-was zu tun, man ist und bleibt ihnen immer etwas schuldig und somit ist und bleibt man an sie gebunden; als man ihre Hilfe in Anspruch nahm, ist man unmerklich zu ihrem Kind ge-worden. Mütter brauchen Kinder, sonst sind sie als Mütter überflüssig. Daher die geduldi-gen Frauen, die ihrem alkoholabhängigen Mann jeden Rückfall großmütig verzeihen und sich selbst und den anderen weismachen, dass sie nichts so sehr wünschen, wie seine Gesundung.
Oder Männer und Frauen, die immer wieder an kranke oder depressive Partner geraten. Oft ist eine tiefe Angst davor, nicht mehr gebraucht zu werden, als Mutter überflüssig zu werden, der Grund dafür. Im negativen Fall wird hier unendlich viel Energie in "schwarze Löcher" investiert, in Rette-mich-Spiele hilfloser Helfer. Natürlich ist es zu achten und an-zuerkennen, wenn jemand sich der Hilflosen annimmt, sozial denkt und handelt. Aber ge-rade Therapeuten wissen, dass manche Menschen aufgrund einer inneren Dynamik nicht gesund werden können oder wollen, was auch immer gesund sein mag. Wenn Du diesen Menschen immer wieder gibst und gibst, fütterst Du den Teufel. Aber als echten Krebs kann man Dich kriegen an Deinem Mitgefühl und an Deiner Fürsorglichkeit - im positiven, wie im negativen Sinn. Die Einfühlung in fremdes Seelenleben, die untrügliche Stimme des Gefühls, das ist Deine Stärke. "Ich hatte noch nichts begriffen, aber alles gefühlt" sagte Rousseau (Sonne in Krebs). Du wirst hier geboren mit dem Gefühl eines nackten Seelenleibes, verletzlich und schutzbedürftig. Der erste Mensch, der die schützende Haut für Dich bedeutet, ist Deine Mutter. Später ist es die Liebe und Zuneigung anderer, die als Seelennahrung notwendig sind. Und es ist wichtig, die eigene mütterliche Liebesenergie zu GEBEN, "Kinder" dafür zu haben. So finden sich Nester von Krebsen in sozialen Beru-fen; der Bezug zum kollektiven Leid ist hier, wie auch bei Fische, sehr stark - ist man doch selbst ein Leidender, empfindsam und hautlos. Die Gratwanderung ist sicherlich zwischen Leidensbereitschaft und Leidverliebtheit zu gehen. Schmerz, Trauer, Tränen gehören zum Leben, und wenn Du diesen Energien keinen Platz einräumst, versteinerst Du und wirst zum lebenden Toten. Sich von diesen Energien nicht verschlingen zu lassen, ist allerdings genauso wichtig. Prasad, ein Widder-Astrologe, sagt: "Wenn Du als Krebs oder Fisch in einen Raum kommst, in dem fünf Leidende sind, leidest Du gleich mit. Einziger Erfolg ist, dass es jetzt sechs Leidende sind."

Therapie
"Wohl dem, der seiner Ahnen gern gedenkt" sagt Goethe. Unsere Kindheit, unsere Ver-gangenheit, unser Stammbaum, unsere Position in der Ahnenreihe können zum Verständ-nis unseres heutigen Lebens Entscheidendes beitragen, das weiß nicht nur die Psycho-analyse. Wir alle sind bestimmt von alten Lebensmustern, die ihre Wurzel in der frühen Kindheit haben, und sind nicht halb so frei, wie wir meinen. Und doch ist durch Bewusst machen, durch Erinnern von Lebensgeschichte, vor allem von schmerzhaft-traumatischen Erlebnissen, auch die Möglichkeit gegeben, von alten, überholten Programmen Abschied zu nehmen; dazu ist es allerdings notwendig, die "Wunde des Ungeliebtseins" noch einmal anzusehen und zu spüren.
Die dunkle Seite dieser Rückwärtsorientierung ist Regression. Die Krebsscheren halten Dich dann gefangen in Kindheitsmustern; Individuation und Entwicklung finden nicht statt. Die Körperentsprechung für das Tierkreiszeichen Krebs sind der Magen und die Ohren. Die Redewendungen "eine bestimmte Geschichte nicht verdauen zu können" und "einen verstimmten Magen zu haben" deuten schon an, dass der Magen nicht nur das zu verdau-en hat, was den Körper über die Mundöffnung betritt; auch das, was über die Ohren he-reinkommt, wandert in Richtung Magen und macht sich dort bemerkbar. Und überhaupt braucht jeder Mensch, um zu überleben, nicht nur physische Ernährung sondern auch Seelennahrung.
Die Studien über hospitalisierte Kinder zeigen, dass diese trotz ausreichender physischer Ernährung starben, wenn menschliche Zuwendung, mütterliche Liebesenergie fehlte. Alle Eß- und Trinkprobleme sind Mutterprobleme. Bulimie ist der Kampf gegen die Mutter. Männer mit übermütterlichen Frauen tendieren zur Schwerhörigkeit: es ist der Versuch aufzuhören, auf sie zu hören; so nach dem Motto: wenn ich die Augen zumache, sieht sie mich nicht.
Bei therapeutischen Anregungen muss berücksichtigt werden, ob es sich um einen ver-trockneten oder um einen überbehüteten, lebensuntüchtigen Krebs handelt. Der zweite Fall ist besonders undankbar: lieber zehn Versagungsneurosen, als eine Verwöhnungs-neurose - das sagte einmal ein berühmter Therapeut. Verwöhnte Krebse möchten sich schon auch entwickeln, aber unter von ihnen bestimmten Bedingungen. "Wasch mich, a-ber mach mich nicht nass" ist ihre Botschaft an den Therapeuten. Der vertrocknete Krebs dagegen muss viel nährendes Urvertrauen nachholen, am besten bei einem Therapeuten oder einer Therapeutin mit viel mütterlicher Wärme. Hier hat die Psychoanalyse ihren Platz, vor allem auch wegen ihrer Betonung auf der frühen Kindheit, der Möglichkeit von Regressionsarbeit. Aber auch hier lauert die Gefahr, dem Regressionsmonster zuviel Futter zu geben und darüber das Hier und Jetzt zu vergessen. Auch die Gefahr einer Endlosanalyse besteht, zumindest für die, die sich das leisten können; die therapeutische Badewanne dient dann mehr zur Stabilisierung der Symptome, als zu deren Verabschie-dung. Therapeutische Gruppenarbeit kann ebenso in diesem Sinne missbraucht werden; man saugt sich dann an einem Wochenende Nähe und Gefühl rein, stets bereit, andere Gruppenmitglieder nach der ersten Träne im Hechtsprung zu erbeuten, um sie dann ka-puttzutrösten. Und die Gruppensucht gedeiht, solange Du die dort gemachten Erfahrungen nicht in Deine Alltagswelt hinüberbringst.
Versiegte Krebsenergien wieder in Fluss zu bringen, hat viel mit Trauerarbeit zu tun. Wann hast Du das letzte Mal geweint? Tränen sind Deine besten Freunde; außerdem enthalten sie eine Menge Körpergift, das Du in Dir behältst, wenn Du Dir das Weinen untersagst. Gefühle von Trauer und Sehnsucht machen das Herz weit - letztlich ist es die Sehnsucht, die uns allen in der Tiefe gemeinsam ist: Heimkommen. Dieser Sehnsucht bewusst Kraft zu geben bedeutet, den Weg nach innen zu gehen, sei es durch Meditation, Imaginatio-nen, Traumarbeit oder ähnliches: Eintauchen in die innere Welt ist der Weg. Musik ist e-benfalls ein heilender Weg. Finde Deine Seelenmusik, ob Du nun selbst ein Instrument spielst oder einfach nur eintauchst in die Musik, die Du hörst. Wie schon erwähnt, ist das Ohr eine der Körperentsprechungen des Mondes. Erlaube Dir zu lauschen und zu träu-men, verurteile Deine Phantasie nicht als unrealistische Spinnerei. Vertraue der Weisheit Deines inneren Kindes! Und: "Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben." Diese Weisheit stammt von Erik H. Erikson. Du kannst als Erwachsener nach dem Motto leben: "Wie kann ich mich heute freuen am Leben, wo ich doch eine so schwere Kindheit hatte - oder Verantwortung für Dein Leben hier und jetzt übernehmen, Verantwortung auch für das Kind, das heute noch in Dir lebt und genährt werden will.

Sonne in Krebs
Hast Du die Sonne im Zeichen Krebs, so ist Dein innerer König ein matriarchaler Herr-scher, der sein Reich mit mütterlicher Liebe, mit Mitgefühl und Verständnis regiert. Seine Macht ist die Sanftheit, sein Wissen kommt aus der Tiefe; er ist beliebt auch beim niede-ren Volk. Seine Entscheidungen fällt er aus dem Bauch heraus, aus intuitiver Schau, nicht aus rationaler Überlegung. Entsprechend diesem inneren Vaterbild hast Du die Sehn-sucht, von Deinem leiblichen Vater - und später von Vatervertretern in der Gesellschaft - beschützt und auf einfühlsame Art geliebt zu werden. Dein Vater soll gefühlsmäßig er-reichbar sein, er darf ruhig auch mal ein schwacher Held sein, krank sein, weinen. Väter, die nie weinen, sind für Wasserkinder eine schwere Hypothek. Ist Dein Vater solch ein weicher, liebevoller Mensch, so wirst Du eine innige Gefühlsbeziehung mit ihm aufbauen; vielleicht wirst Du über ihn viel mehr Mütterlichkeit erfahren oder zulassen, als von Deiner Mutter. Ist er unerreichbar, hart oder lieblos, so ist dies für ein Kind mit diesem Son-nenstand schwerer zu verarbeiten als für viele andere. Es wird dann sein Herz schützen und verstecken, aus enttäuschter Liebe in Selbstschutzprogrammen versteinern und oft unversöhnlich und nachtragend sein.
Der Weg wäre hier, die enttäuschte Sehnsucht wieder aufzuspüren, die Trauer über den nicht vorhandenen liebevollen Vater zu durchleben und dann selbst ein liebevollerer König zu werden. Als Mann wirst Du dann Deine Kinder auf den Arm nehmen, ihnen zuhören und mütterliche Zuneigung zu ihnen verspüren. Oder Du wirst den liebevollen Vater im beruflichen Rahmen leben als Arzt, Sozialarbeiter, Therapeut oder hinter dem Tresen der gemütlichen Kneipe, in der man selbstverständlich auch anschreiben lassen darf. In der Frau wird dieser Vater-König genauso leben wollen, aber auch ihre Begegnungen mit äu-ßeren Repräsentanten des Vater-Archetyps bestimmen. Ein Mann, den zu heiraten sie sich vorstellen könnte, der der Vater ihrer Kinder sein könnte, der sollte die positiven Ei-genschaften eines solchen Krebs-Vaters haben.
Ein Märchen für den männlichen Krebs-Helden ist "Die drei Federn" von Grimm. Der Held ist der dritte Sohn, der "Dummling", der von seinen älteren Brüdern, die eher merkuriale Trickster-Typen sind, verachtet und nicht ganz für voll genommen wird. Der alte König will seinen Nachfolger bestimmen. Derjenige soll seinen Thron erben, der ihm den schönsten Teppich bringt. Um den Söhnen die Richtung vorzugeben, in der sie suchen sollen, wirft er drei Federn in die Luft. Die der Brüder fliegen waagrecht nach Osten und Westen, die des Dummlings direkt auf den Boden. Dort sitzt er ganz traurig, bis er bemerkt, dass dort ein Weg in die Tiefe geht. Unten ist eine Kröte mit ihren Jungen. Von der bekommt er einen wunderschönen Teppich; später den schönsten Ring und auch die schönste Frau. Die Brüder wollen es lange nicht glauben, aber er übertrifft sie immer wieder und erbt am Ende den Königsthron. Die Sonne zeigt an, welches Dein zentrales inneres Energiepotential ist, welche Deiner latenten Möglichkeiten der rechtmäßige Erbe des inneren Königsthrones ist.
Der Krebsheld ist so ein Dummling - allerdings nur aus der Sicht der "schlauen" merkuria-len Brüder. In unseren Breitengraden gelten Gefühlsmenschen als dumm, Intellektuelle als klug. Die Klugheit des Krebses allerdings ist diese "Dummheit" des Menschen, der seinem Gefühl vertraut, auch wenn das unvernünftig zu sein scheint. Was ist die Stärke dieses Helden? Seine Anbindung ans Unbewusste! Der Krebs-Held muss abwärts, nach unten, in die Tiefe des Mütterreichs gehen, um sich zu entwickeln. Manchen mag dieses Märchen langweilig erscheinen, es gibt darin keine getöteten Drachen, keine Gewalt, kein Stirb-und-Werde. Es ist ein sanfter Entwicklungsweg. Das hilfreiche Tier ist die Kröte, eine Reprä-sentantin der Urmutter. Dieses Märchen kann dem Krebs-Mann eine große Hilfe sein: Steh zu Deiner Empfindsamkeit, zu Deinem Gefühl, auch wenn alle Welt Dich für dumm erklärt. Mag sein, dass Du kurzfristig Erfolge verbuchen kannst, wenn Du im Rattenrennen mitmachst, langfristig begehst Du Verrat an Deiner Seele. Das Wasser überwindet durch Nachgiebigkeit - dieser Satz aus dem I-Ging könnte Dein Leitsatz werden.
Krebs-Motive enthält unter anderem auch das Grimm'sche Märchen "Die Gänsemagd". Die Heldin kommt aus einer ausschließlich weiblichen Welt, von einem Vater ist nicht die Rede, und ihre Mutter ist eine einseitig "gute", versorgende Mutter, die ihr auf die Reise zum Prinzgemahlen ein Taschentuch mit drei Tropfen ihres Blutes mitgibt als magischen Schutz. Die dunkle Gestalt taucht hier auf als die Kammerzofe, die mit fortschreitender Entfernung zum Mutterhaus Macht über die Heldin bekommt. Als die Heldin das Ta-schentuch und damit den Schutz der Mutter verliert, zwingt die Kammerzofe sie, die Rollen zu tauschen und ihr sprechendes Pferd Falada und ihre Kleider an die Zofe abzugeben. Am Königshof angekommen, lebt die falsche Braut zunächst mit dem Prinzen, der nicht allzu viel Ahnung vom Weiblichen zu haben scheint, und die wahre Braut hütet die Gänse, zusammen mit dem kleinen Kürdchen. Dann wird sie allmählich selbst mit ihrer Hexen-energie vertraut, sie spielt mit ihrem Begleiter mit Hilfe des Windes, der Kürdchens Hut durch die Gegend weht, während sie sich ihr wunderschönes Haar in Ordnung bringt. Durch den alten König kommt schließlich die Wahrheit ans Licht, die böse Zofe wird nach üblicher Grimm'scher Moral unsanft zu Tode gebracht, die Hochzeit kann stattfinden.
So wie der Mond uns von Vollmond zu Neumond immer wieder ein anderes Gesicht zeigt, so erscheint das Weibliche in vielfacher Gestalt. Die Mondphasen wurden schon immer durch verschiedene Göttinnen ausgedrückt. Zwischen der einseitig hellen Vollmondwelt, der nur guten Mutter, und der Neumondwelt, der bösen Kammerzofe, macht die Heldin ihren Weg. Da in jedem Paradies eine Schlange wohnt, da Unschuld das Böse anzieht, ist es nicht verwunderlich, dass die Heldin, die zunächst als reines Unschuldslamm und damit ziemlich langweilig erscheint, den dunklen Hexenaspekt ihrer Weiblichkeit integrieren muss. Das macht sie unter anderem dadurch, dass sie Gänse hütet. Die Gans symboli-sierte aber schon im alten Ägypten die Fruchtbarkeit der Urmutter Hathor als Gebärerin des Welteis und repräsentiert in diesem Zusammenhang wohl die schlammige, erdnahe Seite der weiblichen Sexualität. Die Mutter, die wir alle hatten, ist eine gespaltene Person, gespalten in Maria und Hexe.
Die Hexenseite der Frau wurde jahrhundertelang verbrannt und verachtet. Daher mussten unsere Mütter lernen, die Hexenenergie abzuspalten, zu verdrängen oder sie heimlich und mit Schuldgefühlen zu leben. Sie haben ihre Töchter nicht einweihen können in die Welt der Hexengeheimnisse. Töchter dieser Mütter sind daher zunächst völlig hilflos, wenn der Neumondaspekt der Kammerzofe in ihr Leben tritt, sei es von außen durch "böse Men-schen" oder von innen durch ihre eigenen dunklen Gefühle und sexuellen Sehnsüchte. Da hilft nur fleißiges Gänsehüten, sich vertraut machen mit den lustvollen und gefährlichen Hexenenergien, sie hegen und pflegen, damit vollständige Weiblichkeit geboren werden kann. Dann wirst Du nicht mehr so schnell zum Opfer der äußeren Hexe. Die Große Mut-ter ist in fast allen Märchen vertreten, sei es durch die Großmutter, die russische Baba Jaga, die Hexe oder das Kräuterweiblein - und es hängt sehr viel davon ab, wie Held und Heldin mit ihr umgehen; sie kann je nach Kontext gut oder böse sein. Aber auch da, wo sie böse ist, ermöglicht sie meist Entwicklung.
Im Märchen "Das Mädchen mit den goldenen Zöpfen" wird die Braut des Prinzen durch Einwirkung von Hexenkräften in den Bauch eines Walfisches gezaubert. Symbolisch ge-sehen wird sie von der Urmutter verschlungen und ist somit für den Mann unerreichbar. Erst als der Prinz einen Garten angelegt hat, mit Brücken und fließenden Gewässern mit Fischen darin, wird der Bann gelöst und die Hochzeit kann stattfinden. Das Eingreifen der Hexenkräfte hat bewirkt, dass der junge König seine Braut nicht haben konnte, bevor er nicht seine weiblichen Qualitäten, seine Beziehungsfähigkeit entwickelt hatte. Als Frau mit Sonne in Krebs bist Du dem Urweiblichen verpflichtet und darfst Dich nicht von einer rei-nen, meist auch noch dazu weibliche Werte verachtenden, Männerwelt in Besitz nehmen lassen; dazu aber benötigst Du Deine Hexenkräfte. Im griechischen Mythos ist Endymion ein Krebs-Vertreter. Selene, die Mondgöttin küsste den schönen Jüngling im Schlaf, davon war er so verzaubert, dass er sich von Zeus erbat, immer schlafen und träumen zu dürfen. Es wurde ihm gewährt. Niemals wirklich aufwachen wollen in diese harte Erdenwelt, im Dunkelparadies des Unbewussten zu bleiben, das ist eine tiefe Krebs-Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Heimkehr ist das Entwicklungsmotiv und das kann der bewusste Weg nach innen oder die todessehnsüchtige Reise in irgendeine Drogenwelt sein.
Der Gegenpol Steinbock schreit nach Anerkennung, auch Winter und Berge gehören zum Leben; die Herausforderung der materiellen Welt will angenommen sein. Erst und gerade in der Auseinandersetzung mit den Härten und Widrigkeiten des Lebens bekommt die nährende und tröstende Einfühlsamkeit des Krebs-Menschen ihre wahre Qualität. Seine Weichheit und Verletzbarkeit zu entdecken und anzunehmen, ist in seiner Entwicklung ein wichtiger Schritt, aber ein zweiter, genauso wichtiger Schritt ist es, dem Leben entgegen-zutreten und standzuhalten. Seine Aufgabe ist es, in der Gesellschaft ein wandelnder Ma-gen zu sein und da gibt es täglich eine Menge zu verdauen. Aber die Steinbock-Seite wirklich integriert zu haben, heißt auch, sich nicht alles reindrücken zu lassen und sich nicht mitleidsvoll aufzuopfern, sondern konsequent sein soziales und humanitäres Ziel zu verfolgen und: bleibe verletzbar, aber lass Dich nicht verletzen.

Textauszug aus:
Claus Riemann - Astrologische Seminare - Krebs.
Erhältlich als CD bei
VanTastik
Lerchenstr. 20
84307 Eggenfelden
Tel/Fax 08721-7421
Email: info@vantastik.de
Internet: www.vantastik.de


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