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Die neue Sehnsucht nach Bindung

Friedrich Maier Systemische Astrologie
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Mittwoch, 11. April 2001, 10:22

'Die neue Sehnsucht nach Bindung' - Beitrag von Friedrich Maier Systemische AstrologiePartnerschaft
Neue Sehnsucht nach Bindung
Der früher so gepriesene Single ist „out“, genauso wie der lässige Seitensprung, glauben Paartherapeuten. Gleichzeitig beobachten sie einen vermehrten Wunsch nach Bindung und stabiler Zweisamkeit. Vor allem in der Generation der 16 bis 28jährigen; die haben Pluto in der Waage.

Von Friedrich Maier

„Im ewigen Wettstreit zwischen Freiheit und Bindung setzt sich nach drei Jahrzehnten, die im Zeichen von Selbstverwirklichung und Egoismus standen, eine neue Sehnsucht nach Bindung durch“, schrieb der Spiegel in einer Titelstory (Nr. 43/2000). Ist das so? Wenn ja, was sind die Auslöser eines solchen Wertewandels?
Zum einen erscheint der vermehrte Wunsch nach Bindung als fällige Reaktion auf unsere schnelllebige, globalisierte Ökonomie; der Einsamkeit erzeugende, computerisierte Leistungsanspruch (besser sein als andere!) läßt das Bedürfnis nach „gegenseitigem Festhalten“ wachsen. Plötzlich ist das Bild der schicksalhaften Lebensgemeinschaft, die Sicherheit und Zugehörigkeit bietet, wieder erstrebenswert. Astrologisch erkennen wir die Neubelebung des Fixen Kreuzes (Löwe-Wassermann/Stier-Skorpion): die bis dato allzu einseitige, ungesunde Betonung der Selbstverwirklichungs-Achse Löwe-Wassermann - mit besonderer Hofierung des Wassermann-Pols (Neptun und Uranus in diesem Zeichen) - strebt nach einem kollektiv-psychischen Gegengewicht. Stier-Skorpion, Sicherheit in der „eigenen Burg“ und Bindung, erscheinen mit einem Mal als überlebensnotwendiger Werterahmen im rasanten Tohuwabohu der Internet- und Selbstdarstellungsgesellschaft. Man kann auch sagen: Viele Menschen spüren unbewusst: Zu viel „Freiheit“ (Uranus) läßt mich, einem losgelassenen Luftballon gleich, unberechenbar trudeln in der Vielfalt der geistigen Welten. Ich brauche „etwas“, das mich anbindet (Skorpion-Pluto).
Auch ist natürlich kein Zufall, dass das Thema derzeit fokussiert wird. Denn gerade die jungen Leute, die in der Internet- und Info-Society aufwachsen und mit ihr leben, spüren den Zwiespalt. Es sind die heute 16- bis 28jährigen, die unsere rasante Fortschritts- und Beschleunigungsgesellschaft tragend vorantreiben, andererseits aber mit Pluto in der Waage (1972 - 1984) zugleich eine feste, bindende Partnerschaft suchen. Untersuchungen bestätigen diese Entwicklung. So erklärten laut einer Umfrage neun von zehn Jugendliche, sie glaubten an die große Liebe, 70 Prozent wünschten sich gar „eine einzige Beziehung für den Rest des Lebens“, und nur vier Prozent zeigten sich nicht an einer Bindung interessiert (Quelle: Spiegel). Ähnliches offenbart die Shell-Jugendstudie 2000. Danach wollen 73 Prozent aller Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren „mit einem Partner/einer Partnerin in einer Wohnung zusammenleben und vielleicht später einmal heiraten“. Bloße Selbstbezogenheit ist demnach „uncool“.
Marianne Wellershoff beschrieb im Spiegel die Problematik so: „Angesichts einer eiskalt gewordenen, auf Geld und Karriere fixierten Gesellschaft, die ihre Individuen mit komplizierter Kommunikations- und Gentechnik, mit dem Zwang zu schier grenzenloser Flexibilität und Lernbereitschaft, dazu mit global erlebten Krisen aller Art mehr und mehr überfordert, lockt das familiäre Duo...wie eine rettende Höhle; diese verspricht Schutz, Nähe, Vertrautheit, Sicherheit..“.
Knapper formuliert es der Züricher Paartherapeut Jürg Willi: „In einer Welt, in der alles in Wandel und Auflösung begriffen ist, gewinnt die Dauerhaftigkeit einer Partnerschaft an Wert zurück“ (Achse Skorpion-Stier).
Damit verliert auch der Seitensprung mit Selbstverwirklichungsanspruch an Faszination (Wassermann-Uranus vs. Löwe-Sonne). Der Frankfurter Psychoanalytiker und Paartherapeut Michael Lukas Moeller sagt dazu: „In Zeiten der schnellen Veränderung und der Unübersichtlichkeit wird die Treue tatsächlich wieder sehr hoch bewertet“.
Ein Motiv des neuen Bindungswunsches ist dabei anscheinend auch, dass die Partner sich vom anderen Anerkennung und Bestärkung des eigenen Wertes erhoffen, ein Anliegen, das im sich rasch verändernden Wirtschaftsleben kaum mehr erfüllt wird (beachte: Skorpion/Pluto ist auch der „Wert des anderen“). Indes steckt dahinter nicht selten auch ein narzistisches Motiv, nämlich dann, wenn zwei selbstverliebte Partner sich unentwegt gegenseitig beweihräuchern...
Überhaupt ist unverkennbar, dass das Thema „feste Beziehung“ unter jungen Leuten oft idealisiert und romantisch verklärt wird. Verständlich, denn das Gros der heute 16- bis 28jährigen mit Pluto in der Waage hat auch Neptun im Schützen, was die „Ideologie der Zweisamkeit“ mit der vermeintlichen Chance koppelt, glücksverheißende Einheit zu erfahren (Waage und Schütze stehen im Sextil zueinander!).


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