Astrologie | Horoskop als Hilfe

Mars: Tat oder Trieb?

Friedrich Maier Systemische Astrologie
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Sonntag, 15. April 2001, 14:27

'Mars: Tat oder Trieb?' - Beitrag von Friedrich Maier Systemische AstrologieWozu wir marsische Energie wirklich brauchen

An ihm haften Mißverständnisse, ihm wird mehr aufgehalst, als er haben will: Der pure Mars, als Herrscher des Widders, führt aus, ist reine Energie und Tatkraft, die uns überhaupt zur Existenz befähigt. Trieb, Geilheit und Sexualität aber all das wird ihm oft gedankenlos zugeschrieben sind gefühls oder bedürfnisgesteuert und daher „weiblich“: Sie gehören eher in Plutos Reich. Erst wenn wir Mars als klassischen Herrscher des Skorpions mit würdigen, wird der Deutungsbrei verständlich. Ein Diskussionsbeitrag...

von Wilfried Schütz

Am Anfang steht der Schrei, der erste Schrei des neugeborenen Kindes. Ein Schrei, der ankündigt: Ich bin da, ich will leben, ich habe Schmerzen, ich habe Lust auf das, was kommt, ich habe Forderungen an die Welt, sie soll mich nähren und tragen. Hier bringt ein ganz eigenes Wesen seine vitalen Interessen noch ungebrochen egoistisch zum Ausdruck. Hier zeigt jemand im Schrei noch sehr ursprünglich all seine Bedürfnisse: Seine Bedürfnisse nach Geborgenheit, Kontakt, Luft, Nahrung und danach, daß die Mutter auch zukünftig für es verantwortlich sein möge. Der Mars gibt dem Kind die Fähigkeit und die Kraft zu schreien.
Die Motivation zu schreien stammt aber nicht von Mars. Sie entsteht aus den kindlichen Bedürfnissen unter anderem nach Entfaltung, Lebendigkeit und Lebensfreude (Sonne) und nach Geborgenheit und Nahrung (Mond). Die Kraft des Kindes ist damit lediglich Ausdruckskanal der dahinter stehenden Interessen. Im Schrei, in der Bewegung, und später in der Tat drücken sich letztendlich die Anliegen des ganzen Tier-kreises aus.
Der Mars repräsentiert die Kraft, die uns zur Tat befähigt, die alles Körperliche bewegt. Ob im Kleinen, dem Mikrokosmos, in den Bewegungen der Elektronen um den Atomkern, oder aber im Großen, dem Makrokosmos, in den Bewegungen der Planeten um die Sonne, bis hin zur Bewegung der Galaxien. Überall auch in den Zwischenebenen begegnen wir Mars. Diese Kraft aber ist lediglich Ausdruckskanal. Hinter ihr steht und über sie drückt sich letztendlich das Geistige (Spirit) aus, das wir Gott nennen können. Aber Mars ist nicht selbst das Göttliche, Mars ist nicht der Wille, Mars ist nicht das, was uns zur Tat drängt. Er ist lediglich die Kraft unserer Muskeln, die uns zur Tat in der körperlichen Welt befähigt.
Ich möchte dies an drei Beispielen deulich machen. Zuerst am Rover „Sojourner“ (engl. Besucher) der neuesten Marsmission „Pathfinder“: Dieses kleine Wägelchen kam zunächst durch die Kraft des Marses (Raketenantrieb) von der Erde zum Mars und ermöglichte dort durch seine eigene Kraft die Bewegung auf dem Planeten. So konnte es seinen Auftrag in die Tat umsetzen und etwas bewirken. Seine Beweglichkeit war kein Selbstzweck, sondern über sie konnte sich ein dahinterstehender Auftrag zeigen. Dahinter stand der Entdeckungsdrang der Forscher und Wissenschaftler. Dahinter standen deren Interessen nach mehr Erkenntnissen, aber auch nach mehr Ruhm. Ruhm für sich selbst und ihre Nation, die USA.

Die Lokomotive will aus sich
heraus nur ihre Kraft entfalten

Ein weiteres Beispiel. Immer wenn ich zu meinen Seminaren fahre, stehe ich auf den Bahnhöfen und warte auf den Mars. Er schiebt sich mit einer ungeheuren Kraft in den Bahnhof hinein, in der Regel feuerrot lackiert und fauchend, um die enorme Hitze, die in seinem Inneren entstanden ist, nach außen zu bringen. Es ist die Lokomotive, hinter der sich eine lange Schlange von Wagen reiht. Welcher Bub wünschte sich nicht in der Kindheit als Lokomotivführer Herr über ein solches kraftstrotzendes Wesen zu sein. Diese Lokomotive zusammen mit ihren Wagen wird mich durch ihre Kraft von Hannover nach Luzern bringen. Wiederum ist es aber nicht die Lokomotive, die nach Luzern will, sondern es ist der Wille der Passagiere, dorthin zu fahren. Die Lokomotive (Mars) will aus sich heraus nur die Entfaltung ihrer Kraft. Die Kraft steht also immer im Dienste dessen, was wir wollen. Darüberhinaus ist diese Kraft steuerbar. Der Lokomotivführer kann sie voll entfalten, aber auch jederzeit nach Bedarf drosseln und abschalten. Diese Steuerungsaufgabe hat im Tierkreis der Zwillingsmerkur. Er ist der Götterbote, der die Botschaft der Götter des 2. (Psyche), 3. (mentaler Geist) und 4. (spiritueller Geist) Tierkreisquadranten an die Kraftzentrale überbringt.
Ein drittes Beispiel. In der freien Natur be-gegnen wir besonders im Frühling dieser marsischen Kraft. Es ist die Kraft, die das winzige Samenkorn sich entfalten läßt, so-daß es auch unter schwersten Bedingungen wächst und sogar die Asphaltdecke durchdringt. Aber nicht der Mars selbst „treibt“ die kleine Pflanze dazu, sich zu entfalten, es ist vielmehr der dahinter vorhandene Wille zum Leben (Sonne), zur Verwirklichung, und dahinter „treiben“ die Gene (Pluto). Diese be-dienen sich der in der Pflanze vorhandenen Kraft.
In vielen astrologischen Büchern wird dieser Wille und das Triebhafte in uns direkt dem Mars zugeordnet. Es ist aber an der Zeit, den Willen dort zu suchen, wo er ent-steht. In der Sonne begegnen wir dem: Ich will lebendig sein, ich will etwas konkretes leben. Was wir aber konkret leben wollen entspringt unseren inneren Bildern, Vorstellungen und Genen (Pluto). Es entstammt unserem mentalen Bereich (3.Quadrant). In all unserem Handeln können wir diese Reihenfolge beobachten. Zunächst entsteht auf der mentalen Ebene ei-ne Vorstellung, ein Plan. Irgendwann wollen wir diesen Plan (Pluto) verwirklichen (Son-ne) und es kommt zur Ausführung, zur Tat (Mars). Wollen wir ein Haus bauen, ist der Mars derjenige, der den Speis anrührt und einen Stein auf den anderen setzt. Seine Rolle besteht lediglich darin, das, was in uns als Bild existiert, materiell, körperlich ver-mittels seiner Kraft in die Erscheinung zu bringen. Gleichzeitig denkt der Mensch sich helfende Kräfte - zum Beispiel in Form von Baumaschinen dann aus, wenn er an die Grenze seiner eigenen Kräfte stößt oder wenn er sich von Kraftanstrengungen befreien will. Er entdeckte die Hebelgesetze, den Flaschenzug, die Dampfmaschine, den Verbrennungsmotor, den Elektromotor, die Turbine und den Raketenantrieb.

Mars gleich männlich und
triebhaft: Er will nur das eine!

Mittlerweile hat es sich auf dem Hintergrund der Geschlechterkämpfe zwischen Mann und Frau eingebürgert, das Männliche schlechthin mit dem Symbol des Marses zu belegen, aber möglichst mit einem abge-knickten Pfeil. Es ist der „body ge-build-ete“ Muskelmann mit dem Waschbrettbauch, der triebhaft mit seinem prall erigierten Penis „nur das eine will“. Im Gegensatz zu den Frauen, die mit dem Gehirn denken, „denkt er eine Etage tiefer“. Dieses triebhafte, sexbesessene Männerbild jagt manchen Frauen eine derartige Angst ein, daß sie sich auf die „Suche nach dem impotenten Mann fürs Leben“ machen (z.B. Roman v. Gaby Hauptmann: Suche impotenten Mann fürs Leben).
Abgesehen davon, daß die Frau in diesem Bild ihrem eigenen ins Unbewußte verdrängten Schatten begegnet, stellt sich im Astrologischen die Frage: Handelt es sich dabei tatsächlich um den Marsarchetypus? Ich denke: Nein! Wie kommt es aber zu diesem Bild? Zum einen kommt es den kirchlichen Interessen entgegen, die den Körper als triebhaft verteufeln möchten, um den menschlichen Geist hiervon frei zu sprechen, nach dem Motto: “Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach“.
Zum anderen entstammt das Bild der alten, klassischen Astrologie. Dort herrschte noch Mars über die Tierkreiszeichen Widder (männlich) und Skorpion (weiblich). Damit war der Mars ein Prinzip, das eine männliche und eine weibliche Seite in sich vereinigte. Er stand für die Kraft (Widder), und als ganz anderer Mars für die aus unserem Unbewußten aufsteigenden, treibenden Vorstellungen (Skorpion), die für uns zwingend werden und sich unter anderem in der Leidenschaft und Sexualität entladen. Damit stand er für die Triebhaftigkeit, deren Energien, wenn sie nicht natürlich ausgelebt werden, in Unterdrückung, Opfer, Gewalt, Zerstörung, Machtansprüchen, Eifersucht und Kontrolle münden. Dort, in der „weiblichen“ Seite des Marses, ist das Trieb-hafte und die Sexualität zu suchen. Geilheit ist ein Gefühl, ein haftendes dazu, und keine Kraftanstrengung. Natürlich ist auch der Mars (Widder) am Akt als vollzie-hende Kraft beteiligt. Aber nicht als das Triebhafte.
Konsequenterweise werden die Geschlechtsorgane ja seit jeher dem Skorpion zugeordnet. Nach der kollektiven Bewußtseinserweiterung durch die Entdeckung des Pluto 1930 müssen wir in ihm, Pluto, denjenigen sehen, der auch für das so bedrohliche männliche Glied zuständig ist. Der innere Mann in uns (an sich und per se) ist damit bei weitem nicht so sexuell, wie Frau meint. Krafttraining steigert entgegen landläufiger Meinung eben nicht die sexuelle Potenz. Ebenso zeigt die menschliche Physiologie, daß die geschlechtliche Erregung des Mannes „weiblichen“ Charakter besitzt. Ist sie doch Wirkung des Parasympatikus (= weiblicher Teil des autonomen Nervensystems) und nicht das Resultat des Sympatikus und des ihm zugehörigen Hormon Adrenalin (= männlicher Teil des autonomen Nervensystems). Ganz im Gegenteil bewirkt eine starke Ausschüttung von Adrenalin ein starkes Schrumpfen des männlichen Gliedes. So beobachtet in einer Therapiegruppe, in der Männer nackt miteinander kämpften. Das marsische Hormon Adrenalin kann damit gerade nicht als Aphrodisiakum dienen.
Auch im Bereich der Gefühle ist die Unter-scheidung zwischen dem kardinalen männlichen Widder-Mars und dem fixen weiblichen Skorpion-Mars (Pluto) wichtig. Ersterer speist seine Wut und seinen Zorn aus konkreten Widerständen, die seine Durchsetzung im Hier und Jetzt behindern. Schon bald ist die Energie verraucht, und er ist nicht nachtragend. Ganz anders verhält sich der Pluto (Skorpion-Mars). Als fixes Zeichen kann er nicht vergessen, in welchen Situationen er sich geopfert und nichts dafür zurückbekommen hat, oder wo er zum Opfer wurde. Daraus entsteht ein unterschwellig andauernder Groll und Haß, der Rachegefühle nach sich zieht. Bringt der Mars seine Wut sehr schnell und kurzfristig (kardinales Prinzip) nach außen zum Ausdruck, richtet der Pluto (Skorpion-Mars) seinen Stachel oft langandauernd gegen sich selbst (Autoaggression, Harakiri, Kamikaze).


Der innere Mann ist
eigentlich eine Dreiheit

Betrachten wir den inneren Mann (Prinz, Animus), so setzt er sich aus meiner Sicht aus einer Dreiheit (Feuertrigon) zusammen. Er besitzt körperliche Kraft (Mars), einen starken Willen zur Gestaltung des Lebens (Sonne) und was ihn für die innere und äußere Frau manchmal unerträglich macht ein ausgeprägtes logisches Denkvermögen (Jupiter), das mit einer starken Begeisterungsfähigkeit (Jupiter) gepaart ist. Er ist halt viel im „Kopf“. Konsequenterweise besteht die innere Frau (Prinzessin, Anima, große Mutter) ebenfalls aus einer Dreiheit (Wassertrigon). Entsprechend begegnen wir ihr in der Mythologie oft als dreifaltigem Wesen. Sie ist erlebnishungrig (Mond). Sie ist diejenige, die wahrnimmt und erlebt (Mond). Sie ist Herrscherin über die inneren Bilder, welche Leidenschaft und den Wunsch nach energetischer Verbindung mit dem DU erzeugen und die, wenn es gut läuft, in erfüllender Sexualität gelebt werden (Pluto, weiblicher Mars). Und sie ist diejenige, die aufgrund ihrer Intuition sehr sensibel ist und die Hintergründe des SEINs durchschaut (Neptun). Wobei sie mit ihren Ahnungen und Gefühlen wiederum nicht selten die männliche Logik verunsichert.
Damit keine Mißverständnisse auftauchen, jeder Mensch, ob körperlich als Mann oder als Frau inkarniert, das zeigt unser Horoskop, trägt gleichermaßen beide Seiten in sich. Wie sich diese beiden Seiten in uns miteinander vertragen, können wir in der äußeren Welt daran erkennen, wie wir uns mit dem anderen Geschlecht vertra-gen. Der Geschlechterkampf ist ja nichts anderes als die Projektion des Kampfes zwischen männlicher und weiblicher Seite in uns! Das Problem liegt meist darin, daß der Mann in uns bei seiner Gestaltung des Lebens wenig danach fragt, wie sich die Frau in uns dabei fühlt, die ja das alles erleben muß. Sie wird dann allzuoft zur Erleidenden, zum Opfer. Kein Wunder, daß sie sich dann verschließt und, um sich zu schützen, nichts mehr in sich hineinläßt.
Da wir gerade beim Kampf und Streit sind, hier finden wir eine der großen Domänen des Mars. Die Kraft ist die „Waffe“, die es uns ermöglicht, auch gegen Widerstände unser Anliegen durch- und in die Tat umzusetzen. Eine der stäksten „Waffen“ des kleinen Kindes haben wir oben schon kennengelernt. Es ist der Schrei. Auch in bestimmten Kampfsportarten, wie zum Beispiel Kung Fu, wird der Schrei zur konzentrativen Verstärkung der Energie genutzt. Das Schreien des Kindes ist aber vielen Eltern zuwider. Aus diesem Grunde negieren sie ihr schreiendes Kind, schieben es eventuell in einen dunklen Raum und reagieren erst dann wieder, wenn es aufgehört hat zu schreien. Diese Reaktion der Eltern ist zwar verständlich und wird als Erziehungsmaßname sogar empfohlen. Sie ist aber die beste Methode, die Entwicklung der kindlichen Kraft und Durchsetzungsfähigkeit zu verhindern, da das Kind gerade durch sein Tun das Gefühl hat, die Anerkennung der Eltern zu verlieren. Schuldgefühle entstehen, und die Angst, die Eltern zu verlieren und dadurch sterben zu müssen.
Behinderte Kraft aber wird zur Aggression. Das Kind wird zwar auch in Zukunft Energie zur Durchsetzung bereitstellen und entsprechend der äußeren Widerstände ein hohes Aggressionspotential in sich aufbauen. Gleichzeitig aber muß es in sich eine Gegenkraft mobilisieren, die die Tat verhindert. Die Ebene dieses Geschehens ist unsere Muskulatur. Die Folge sind muskuläre Verkrampfungen, die sich bis hin zur muskulären Panzerung entwickeln können. Ein Zusammenhang, auf den Wilhelm Reich, der Pionier bioenergetischer Therapien, mit Nachdruck hingewiesen hat. Der Nachteil dieser Panzerung ist die massive Behinderung des Energieflusses im Körper mit all ihren pathogenen Folgen. Andere Folgen blockierter Kraft sind konkret körperliche Schmerzen, häufig Kopfschmerzen und Entzündungen.

Mars-Kinder bevorzugen es,
sich den Kopf zu stoßen

Betrachten wir das Gegenstück zum ge-hemmten Mars, so haben wir vor uns das Bild des rücksichtslos vorwärts stürmenden Kriegers, der mit dem Kopf durch die Wand will. Der Kopf ist dabei ganz vorne und damit natürlich sehr stark verletzungsgefährdet. Mars-Kinder „bevorzugen“ es geradezu, sich den Kopf zu stoßen. Ja, der Kopf dient gleichermaßen als die erste natürliche Waffe. Historische Rammböcke besaßen oft an ih-rer Spitze die Nachbildung eines Widderkopfes. Weitere natürliche Waffen vieler Lebewesen sind ihre Zähne, Krallen/Nägel, Stacheln und Pranken/Fäuste. Ihre Nachbildung führte zu Hammer, Meißel, Axt, Messer, Gabel, Schere, Säge, Speer, Pfeil, Schwert, Degen, Sense und der Kugel aus dem Gewehr bzw. der Kanone. Kombiniert mit unserer Kraft sind sie zunächst wirksame körperliche Werkzeuge, können aber darüber hinaus auch zu „Durchsetzungs-zwecken“ verwendet werden.
Die Durchsetzung der EGO-Interessen ist dabei unproblematisch und problematisch zugleich. Es kommt darauf an, in welchen Dienst die Kraft des Marses gestellt wird. Nehmen wir das Beispiel der Rose. Ihre Stacheln verletzen von sich aus niemanden, geben ihr aber die Möglichkeit, sich zu behaupten und sich zu verteidigen. Im menschlichen Bereich wirkt oft die Kraft am verheerendsten im Dienste Saturns (Erziehung, Staat, Eltern) und Plutos (Macht, Unterdrückung, Zwang, Rache): zum einen in Form körperlicher Züchtigung als Erziehungsmaßnahme, die als letzte Strafmaßnahme des Staates auch zum Scharfrichter (Mars-Saturn) aufs Schafott führt, und zum anderen in der körperliche Gewalt, die in Folter und Mord (Mars-Pluto) gipfeln kann.
Auf kollektiver Ebene führt die Marskraft leider allzuoft in den Krieg. Die Ursache der Kriege liegt aber nicht bei den Männern, sondern in der gesellschaftlichen Aufforderung an die Eltern, die natürliche Entfaltung des kindlichen Durchsetzungsvermögens (zum Beispiel Schrei des Babys) möglichst zu beschränken, zu kultivieren, wie es so schön heißt. Das führt, wie oben beschrieben, zur kollektiven Verdrängung unserer Aggressionen und ihrer Projektion nach außen. Frauen, die noch stärker durch die Erziehung zur Verdrängung ihrer Aggressionen gezwungen werden, tragen daher ebenso entscheidend zum „Phänomen“ Krieg bei, wie die Männer.

Mit der Gesellschaft kommt
die Konkurrenz ins Spiel

Die gesellschaftlich erlaubten Ausgleichs-möglichkeiten (Kompensation, Sublimierung) liegen im Sport und im karrierebewußten beruflichen Ehrgeiz. Ist der Mars an sich nicht darauf aus, andere zu besiegen, sondern lediglich an der Entfaltung seiner Kraft interessiert, kommt mit dem gesellschaftlich Anerkannten (Saturn) die Konkurrenz ins Spiel. Der Krafteinsatz wird auf Karriere und Gewinn programmiert; er wird zum Kampf, bei dem der andere besiegt werden muß. Ist der sportliche Krafteinsatz oft zur sinnentleerten Bewegung verkommen, so bekommt er über den Sieg seinen Sinn auf einer Ersatzebene zurück. Da wir uns in der Welt der Computer einen Lebens- und Arbeitsstil zugelegt haben, der körperliche Kraftanstrengungen weitgehend vermeidet, wird der Sport zur Erhaltung der körperlichen Funktion immer zwingender.
Steht das Feuerelement in der Astrologie grundsätzlich für Vitalität, so ist der Mars Träger der körperlichen Vitalität. Zum Unterschied dazu repräsentiert die Sonne die psychische Vitalität und Jupiter unsere geistige Vitalität. Körperliche Vitalität geht einher mit einem starken Abwehrsystem. Bei Infektionen ist dieses in der Lage, über Fieber und vermehrte Blutzufuhr im betroffenen Gewebe (Rötung, Schwellung) den Erreger zu vernichten. Säuren entsprechen ebenfalls dem Mars. So dient das Blut bevorzugt dem Transport der sauren Stoffe (Sauer-stoff, Kohlensäure). Durch das Hämoglobin sind die roten Blutkörperchen in der Lage, diese Stoffe zu Transportzwecken an sich zu binden. Und wie könnte es anders sein, eine zentale Rolle spielt dabei das Eisenatom (Mars). Es bewirkt außerdem die rote Farbe des Blutes. Wollen wir unser Blut reinigen, so können wir dazu marsanaloge Pflanzen wie beispielsweise die Brennessel verwenden. Auch die rote Aurafarbe ver-weist auf hohe Antriebskraft. Menschen, die körperlich anstrengend arbeiten, sehen im Fleischverzehr die angemessene Nahrung (Mond-Mars). Die Metzger-Innung greift es in ihrer Reklame: „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ auf. Um sich diese Nahrung zu besorgen, ging der Mensch von alters her auf die Jagd (Mond-Mars). Heute dient die Jagd im Gegensatz zu früher viel öfter dazu, nicht gelebte Aggressionen, insbesondere gegenüber der Mutter und Frau (Mond-Natur-Frau), abzureagieren.
Schlußendlich noch ein Plädoyer für den Körper und seine Kraft. Ohne sie gäbe es in dieser Welt nichts sichtbar Gestaltetes. Damit gäbe es aber auch nichts zu sehen, zu erkennen und als Folge keine Bewußtwerdung. Voraussetzung für unsere spirituelle Entwicklung, für unsere Bewußtwerdung ist also die gestaltete körperliche Welt. Und wie könnten wir etwas gestalten ohne den Mars? Diese Zusammenhänge hatten leider die Priester, die den Körper in seiner Herrlichkeit verteufelten, vergessen!
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Wilfried Schütz ist psychologischer Astrologe und Referent beim Institut für psychologische Astrologie Hermann Meyer in München.
Wilfried Schütz, Bahnhofstraße 50, D-21357 Bardo-wick, Tel.: 04131/12257

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