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Die unglaubliche Fahrt in einer verrückten U-Bahn

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Sonntag, 24. September 2006, 19:42

Die unglaubliche Fahrt in einer verrückten U-Bahn


von Dagmar Wäscher, astrophoenix-Autorin

Diese Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen oder Tierkreiszeichen ist rein zufällig.

Welche Tierkreiszeichen haben sich hier unter das Volk gemischt? Viel Vergnügen beim Raten!


Einmal werden wir noch wach, dann ist sie endlich da - die Zeit der Feiern und der Feste! Nachdem wir behutsam die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen getan haben (Jungfrau-Zeit), können wir beruhigt dem schönen Miteinander in der Waage-Zeit frönen. Eines der größten Feste der Welt findet in der südlichsten Landeshauptstadt der Bundesrepublik statt, nämlich in München.

Wer kennt sie nicht, diese berühmten Worte, die so herrlich in den Ohren summen, wenn der Oberbürgermeister mit einem gewaltigen "Ozapft is!" den Startschuss gibt. Natürlich. Das Oktoberfest, oder die Wies'n, wie die Münchner es liebevoll benennen.

Ausgerechnet dieses Oktoberfest findet nicht im Oktober, sondern im September statt. Der Auftakt geht in den letzten Tagen der Jungfrau-Zeit einher und mündet dann mit einem goldenen Finale in der Waage-Zeit. Und wieder ist die Welt zu Gast in München (München - I love you :) )! Übrigens, nicht nur wegen der Wies'n eine der schönsten Jahreszeiten in Bayern. Kein Wunder zieht es die Menschen aus aller Welt hier her. Wer also während dieser Zeit hinaus in die Welt will, der kann getrost zu Hause in München bleiben (oder München besuchen), denn die Welt ist zu Gast in der U-Bahn. Es ist viel kostengünstiger als eine Reise und man erlebt hier eine Begegnungsvielfalt der besonderen Art.
Erst gestern sind mir die leibhaftigen Tierkreiszeichen im Untergrund über dem Weg gelaufen! Nichts ahnend stieg ich abends in meine U-Bahnlinie, um zu einem Vortrag über Astrologie zu gelangen. Ich wohne genau an einer Linie, die direkt an der Wies'n liegt. Ich staune jedes Jahr, wie der öffentliche Nahverkehr die Menschenmassen dorthin und wieder zurück bringt, ohne dabei endgültig zu kollabieren.

Kaum betrete ich die Plattform, schwappt mir ein Meer von Dirndln und Lederhosen entgegen. Spätestens jetzt ist mir klar, dass ich auf alles gefasst sein muss. Was die Touristen und Fremden nicht wissen können, ist, dass die Münchner U-Bahn- und Busfahrer zur Wies'n-Zeit einen ganz eigenen Humor entwickeln (ich nehme an, um diese Zeit psychisch verarbeiten und bewältigen zu können; ihr Nervengeflecht ist das am meisten strapazierte in dieser Zeitspanne). Der nächste Zug fährt sogleich ein. Es ist einer der schönen, neuen, münchnerblauen Züge, in denen man von vorne bis hinten durchgehen kann. Ja, nur das Beste für unsere Gäste!

Als sich die Türen schließen, ertönt die bayerische Stimme des Fahrers aus dem Lautsprecher (ich gebe sie zum besseren Verständnis in Schriftdeutsch wieder): "Verehrte Gäste, nun beginnt sie, unsere Fahrt in die Geisterbahn! Tauchen sie mit uns ein, in die Welt der Gespenstertunnels! Wir haben uns schrecklich bemüht, ihnen die Fahrt so unangenehm wie möglich zu machen..... uuuuuuunnnnnnnnnnnd ab geht's!" Auf einmal herrscht mucksmäuserische Stille. Die Einheimischen und die, die schon länger in München leben, sind an ihrem Schmunzeln und dem Zucken an den Mundwinkeln zu erkennen. Alle anderen Erwachsenen wissen nicht so recht, was sie davon halten sollen. Kinder, die gerade noch mit ihren Eltern stritten, warum sie anstatt zehn Zuckerwatten nur drei bekommen, fallen diesen nun erschreckt in die Arme und suchen darin Schutz. Nachdem für die "Eingeweihten" der münchnerischen Bevölkerung klar ist, wer wer ist, ist es ebenso klare Sache, dass wir das Spiel mitspielen und dem MVG unter die Arme greifen. Normalerweise besteht so eine Art Feindschaft zwischen dem Volk und der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG. Aber in dieser stimmungsvollen Zeit erklären wir uns solidarisch. Ein bisschen Spaß muss schließlich sein, meine Damen und Herren!

Einige nervös wirkende Teenager machen den ersten Schritt und stellen die Verbindung her. Sie quatschen den auserkorenen "Opfern" die Ohren voll, z.B. wer schwarzfährt, der muss mitten im Tunnel aussteigen und das Ziel selbst finden. Seit der letzten Wies'n werden 43 Leute vermisst; als letztes Überlebenszeichen fand man bisher nur die Wandmalereien der Vermissten. Einige würden sie gleich zu Gesicht bekommen, und da brausen wir an den ersten Graffiti-Kunstwerken vorbei. In Überdimensionalität erkennt man gerade noch, dass es sich um verschiedene Ausführungen von Schreien und Schrecken handelt. Aha, es wirkt. Außer bei denen, die in der bayerischen Sprachkultur nicht bewandert sind und daher fröhlich die Animatoren anlächeln. Sie denken sicherlich, dass die Bayern ein freundliches Völkchen sind. Genau so wie in einer besagten Bier-Werbung.

Kaum gedacht, schon steigt eine Koryphäe von Bayer hinzu. In richtig münchnerisch-bayerischer Tracht, einem gigantischen Oberlippenbart (ich denke dabei immer an zwei Hörner) und einem nicht weniger beträchtlichen Bierbauch. Gemächlich suchen er und seine Frau zwei Sitzplätze, ein unmögliches Vorhaben, wie sich herausstellt. Die zwei lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und stellen sich gemütlich in die Runde. Jetzt erst merke ich, dass sie zu der Ansammlung der Trachtenvereins- oder Schuhplattlergruppe dazu gehören. Zur Begrüßung wird ein lautstarker Jodler durch die U-Bahn gejagt - die Menschenmenge applaudiert!

Plötzlich springt ein großer Mann in Hawaiihemd und Bermudashorts auf die Gruppe zu. Er hat was in der Hand - o Gott! - was kann das sein? Ein Attentäter oder Terrorist etwa? Ich spüre wie der Schreck durch die Menge rauscht und wir wie betäubt dastehen und dann macht es -TSsSSsst- und ein gewaltiger Blitz durchzuckt den Raum! Eine Frau schreit auf und verkriecht sich unter die Sitzbank. Obwohl ich mich noch gar nicht von dem Schock erholt habe, erkenne ich, dass sie zwei Scheren in ihren Händen hält. Wohl gerade aus einem Bastelladen entsprungen?


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