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Mond/Neptun und das 12. Haus - Chancen u. Schwierigkeiten mit sensitiven Kräfen

Barbara Egert
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Samstag, 9. Dezember 2006, 08:53

Mond/Neptun und das zwölfte Haus
Chancen und Schwierigkeiten mit sensitiven Kräften

von Barbara Egert


Mond/Neptun-Kräfte wirklich zu verstehen, scheint mir sehr schwierig und stellt meines Erachtens auch für einen guten Astrologen eine Heraus- forderung dar, sofern er in seinem Radix keine entsprechende Verbindung hat. Wer kann schon wirklich nachvollziehen, welch geheimnisvolle Schwingungen einen verwirren, in unbekannte Gefilde wehen oder uns soghaft in die Tiefe ziehen? Zudem sind diese inneren Erfahrungen so schwer in Worte zu fassen, sie entgleiten einem, weil es für Mond/Neptun keine konkrete Sprache gibt.

Ja, eine Melodie, eine Atmosphäre, ein Traum, ein Bild – all diese Möglichkeiten scheinen besser auszudrücken, was in einem vor sich geht. Eine Gedichtzeile berührt, das Fallen der Herbst- blätter in der Dämmerung erzeugt eine Stimmung, die nicht in Worte zu fassen ist. Wir ahnen etwas von ungeahnten Weiten, Tiefen und Höhen und können doch nie ganz sicher sein, dass unsere intuitive Wahrnehmung auch wahr ist. Ein Trugbild, ein Wunschbild oder eine neue Möglichkeit des spirituellen Erlebens?

Bei vielen Mond/Neptun-Aspektierten habe ich festgestellt, dass diese Planetenkombination eine ausschlaggebende Bedeutung für ihr ganzes Leben hatte. Auch wenn Mond und/oder Neptun nicht dominant standen, beeinflussten diese Kräfte in hohem Maße die innere Entwicklung und somit auch äußeren Ziele der Betroffenen, ob sie sich dessen bewusst waren oder nicht. Leider können ja die meisten Menschen nicht auf die Astrologie zurück- greifen und somit besser verstehen, was sie bewegt, ängstigt oder ermutigt, diese oder jene Schritte zu gehen, verunsichert stehen zu bleiben oder sich lieber zurückzuziehen.

Jeder Mensch findet in seinem Radix Mond und Neptun vor, aber ohne Aspekt oder eine Stellung in Fische oder dem zwölften Haus kann eine Bekanntschaft im Sinne dieses Themas mit diesen Kräften fast nur gemacht werden, wenn zum Beispiel Neptun als Transit, Progression oder Direktion den Mond berührt und somit Kräfte entfaltet, die der latenten Grundstimmung eines Mond/Neptun-Aspektierten nahe kommt. Das heißt, fast jeder Astrologe hat also doch die Mög- lichkeit, diese zwielichtigen Manifestationen zu erfühlen und nachzuvollziehen, was in einem Menschen vor sich geht, dessen Leben von mond- haft/neptunischen Schwingungen durchwoben ist. Ich möchte hier keineswegs den Astrologiekundigen die Kenntnis oder Einfühlung in diese Kräfte- kombination absprechen, bin aber der Ansicht, dass manche Erlebniswelten, und hier besonders die neptunischen, erst durch eigene Erfahrungen ausreichend tief verstanden werden können. Ein guter Psychologe kann theoretisch Depressionen behandeln und sicher auch heilen, aber um wie viel einfühlsamer wäre er jedoch im Umgang mit dem erkrankten Patienten, wenn er selbst depressive Stimmungen erlitten hätte.

Aus heutiger Sicht würde ich mir zwar wünschen, dass mir in jungen Jahren ein Rat gebender Mensch die Chancen und Schwierigkeiten eines voll besetzten zwölften Hauses mit einer Mond/Neptun-Konjunktion erklärt hätte, aber wahrscheinlich war mein Lebensweg ohne diese Kenntnis genau der Richtige für mich, und es ist ja nie zu spät, „Aha“ zu sagen und sich noch etwas bewusster seiner Bestimmung gemäß weiter zu entwickeln oder aber auch – endlich – besser zu begreifen, warum wir in eine bestimmte Richtung gingen oder wir uns mit unseren Gefühlen so unverstanden vorkamen bzw. sie auch anderen nicht verständlich machen konnten. Es ist wirklich schwierig, für unsere Ahnungen, Intuitionen, Verletzlich-keiten und subtilen Wahrnehmungen eine plausible Erklärung zu verbalisieren und begreiflich zu machen, uns und anderen, wieso unser inneres Erleben eine größere Bedeutung hat als die konkrete Wirklichkeit und wie es in uns aussieht.

„Als Kind fühlte ich mich einsam und bin es noch heute, weil ich Dinge weiß und andeuten muss, von denen die anderen anscheinend nichts wissen und meistens auch gar nichts wissen wollen. Einsamkeit entsteht nicht dadurch, daß man keine Menschen um sich hat, sondern vielmehr dadurch, daß man ihnen die Dinge, die einem wichtig erscheinen, nicht mitteilen kann, oder daß man Gedanken für gültig ansieht, die anderen als unwahrscheinlich gelten. *1

Mond und Neptun herrschen beide über Wasser- zeichen und sind sich somit nicht ganz fremd, auch die Beziehung zur Mutter, dem Mütterlichen haben beide gemeinsam. Der Mond im Radix gibt uns gute Hinweise auf die frühe Beziehung zu unserer Mutter und beschreibt unsere Erfahrungen in der Kindheit, schildert unsere emotionalen Bedürf- nisse, aber auch Vernachlässigungen. Der Mond symbolisiert unsere bereits vorgeprägte Muttererwartung und wie wir die reale Mutter erfahren, woraus sich später unsere Einstellung zum Weiblichen/ Mütterlichen entwickelt. Unsere Bedürfnisse nach Zuwendung, Zugehörigkeit und Fürsorge erfahren wir also durch den Mond, seine Stellung und Aspekte im Horoskop.

Ich möchte mich hier astrologisch auf die Mond/Neptun-Aspekte und die Platzierung des Mondes im zwölften Haus konzentrieren, wodurch alle Deutungsmöglichkeiten und – Beispiele nur als Anregung gelten können, da eine differenzierte Deutung immer nur im Gesamtkontext eines Horoskops möglich ist. Es versteht sich, dass eine Konjunktion von Mond/Neptun im zwölften Haus die größten Schwierigkeiten, aber auch besten Chancen dieser Kräfte mitbringt. Meines Erachtens ist eine Konjunktion von Mond und Neptun einfacher zu leben als zum Beispiel ein Quadrat oder eine Opposition. Hier gibt es noch häufiger als bei der Konjunktion Probleme mit der Mutter, die wir als Märtyrerin, als Opfer, als unzufriedene Frau erlebten oder die wir idealisierten mit späterer schmerzhafter Ent-Täuschung. Ich glaube nicht, dass wir konkrete Einzelheiten dieser Kindheitssituation behalten, sondern es sind vielmehr die Atmosphäre, die Schwingung, das Ungesagte und Ungelebte, was sich einem Mond/Neptun-Kind mitteilt und das emotionale Klima der Kindheit und somit der späteren Verhaltens- und Reaktionsweisen bestimmen.

Mit Mond/Neptun sind wir mit unserer Mutter zumeist symbiotisch verbunden, und eine Ablösung von ihr gestaltet sich sehr schwer, d.h. es ist wahrscheinlich, dass wir späterhin Mutter-Figuren suchen, mit denen wir uns identifizieren und uns dadurch wieder sicher, aufgehoben und weniger ängstlich fühlen können. Da bei Mond/Neptun-Aspektierten eine Überanpassungs-Bereitschaft besteht, könnten unsere Eigenständigkeit und damit Entwicklung sehr eingeschränkt werden.

Der Mond hat ganz konkrete Bedürfnisse, um sich gut zu fühlen, die wir – manchmal durchaus egoistisch - erfüllt sehen möchten, was Neptun mit seiner grenzenlosen Liebe aber gar nicht passt. Wenn nun Neptun unseren Mond mit einem harten Aspekt attackiert, dann wissen wir bald selbst nicht mehr, was wir eigentlich wirklich wollen, fühlen mehr und mehr ein Loch in uns, eine unbestimmte Sehnsucht, dass es dies nicht ist und das auch nicht, wir suchen eine Zuflucht, die uns trägt oder eine Aufgabe, die uns über uns hinausführt. Wie diese aussehen könnte, wissen wir noch nicht, aber es wäre wunderbar, die in uns unbewusst schlummernde Erinnerung an die Symbiose mit der Mutter zu wiederholen, sich wieder ganz geborgen zu fühlen und im Einklang mit dem Kosmos. Und alsbald entsteht eine „göttliche Unzufriedenheit“, weil unsere irdische Suche uns mehr und mehr unerfüllt lässt. Wir haben einfach Hunger nach Verschmelzung, Erfüllung und ozeanischen Gefühlen, die wir eventuell gar nicht benennen können, die aber als eine archetypische Erfahrung latent in uns ruht.

Diesen Hunger mag man mit Alkohol, Essensorgien und anderen Suchtformen bzw. Fluchtmöglichkeiten zu stillen versuchen, aber wir werden dadurch niemals satt. Besonders für Mond/Neptun mag das Bibelwort gelten:

„Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ (Joh. 6.35)

Er ruft ihnen also zu, ich alleine mache euch wirklich satt, ich stille eure wahren, tiefsten und innersten Bedürfnisse, die nicht im Außen zu finden sind. Jesus steht für göttliche Heilung, die uns wieder „ganz“ macht, uns ans Überirdische anbindet, uns von unserer Einsamkeit und den damit aufsteigenden Ängsten erlöst. Hiermit will ich natürlich nicht sagen, dass wir uns alle Jesus zuwenden müssen. Jeder mag seinen Weg finden oder eine höhere Macht suchen, die seinem Wesen und seiner Glaubensrichtung entspricht.

Nun sind aber die meisten Menschen – so glaube ich jedenfalls – nicht auf der Suche nach einer göttlichen Anbindung, getrieben von einer unerklärlichen Sehnsucht, sondern sie leben
ihr Leben mit allen Freuden und Schwierigkeiten, ohne an etwas Höheres glauben zu müssen, zu wollen oder auch zu können. Wenn diese Menschen herausfordernde Mond/Neptun-Faktoren im Radix haben, zeigen sich bei ihnen oftmals ganz welt- liche, aber unrealistische Wünsche, die eine Desillusionierung nach sich ziehen, da sie eine besondere Begabung haben, die Realität schwärmerisch zu idealisieren, obwohl die Tücken und Unwägbarkeiten von Vornherein klar sind. Ein gemeinsames Merkmal von harten Mond/Neptun-Winkeln ist mir immer wieder aufgefallen, nämlich eine nagende Unzufriedenheit, deren Ursache sehr oft nach Außen, auf den Partner und/oder die Umstände projiziert wird und den Nörgler/die Nörglerin charakterisiert, die durch nichts zufrieden zu stellen sind.

In konkreten Fällen zeigt sich das oftmals – überhaupt bei Frauen - in einer Baby-Sprache, wobei die Betroffenen in quängelndem Tonfall klagen und sich selbst bedauern, weil sie sich stets vernachlässigt, übersehen und zurückgesetzt fühlen. Für Mond/Neptun-Menschen ist es sehr wichtig zu lernen „Nein“ zu sagen und die eigenen emotionalen Bedürfnisse einzufor- dern, denn die falsche Zurückhaltung, der Verzicht auf berechtigte Ansprüche erzeugen Missmut, Wut und eben diese konstante Unzufriedenheit, durch die sie wieder regredieren und damit das egoistisch-weinerliche Kind aus ihnen spricht. Die Schwierigkeit, ihre Be-dürfnisse zu äußern, liegt zum Teil sicher darin begründet, dass sie Angst haben, zurückge- wiesen zu werden und sich dadurch verletzt fühlen würden – also bitten sie erst gar nicht um etwas.

In manchen – meist älteren - Astrologiebüchern ist das zwölfte Haus eindeutig der Bereich, in dem man das Fürchten lernen könnte, überhaupt wenn gewisse Planeten darin platziert sind. Da das zwölfte Haus auch als das Haus der Selbstauflösung bezeichnet wird, kann man sich lebhaft vorstellen, wie wir uns mit Mond/Neptun darin fühlen müssen: verloren, einsam,
ängstlich, irreal, zwanghaft an die Mutter gebunden, prädestiniert für Alkoholexzesse und
gefährlich umzingelt von inneren Feinden, die uns vernichten, auflösen wollen, wir sind An-
wärter für geschlossene Anstalten, im besten Falle landen wir noch in einem Kloster…

Nun ja, das zwölfte Haus mit Mond/Neptun ist nicht einfach zu leben, sofern wir unbewusst und somit unerlöst unseren Lebensweg gestalten. Jedoch welches Kind oder welcher Heran-
wachsende hat soviel Bewusstheit, dass sie den Gefahren dieser Konstellation erfolgreich begegnen könnten? So fühlen wir uns schon in jungen Jahren oft von unsichtbaren Kräften verunsichert, und es wäre sehr wünschenswert, wenn kluge Erwachsene eine schützende Hand über uns hielten und uns auf den Irr- und Umwegen des so besetzten zwölften Hauses begleiteten.

Diese sind meistens nur halb so dramatisch wie oben geschildert, aber wir können uns dem durch viele Generationen Ererbten nur schwerlich entziehen. Hier liegen unsere tiefsten Wurzeln, die Geister der familiären Vergangenheit, aber auch der Zugang zum kollektiven Unbewussten und einer Innenschau, einer Ursehnsucht, die uns treibt, umtreibt und suchen lässt. Eine Chance zur Selbstfindung, wie sie anderen Häusern und ihren Planeten eben nicht gegeben ist. Fritz Rieman bezeichnet den Mond als das „persönliche Unbewusste“, und so erklärt sich auch noch besser die hohe Durchlässigkeit und Transparenz von Mond und Neptun im zwölften Haus oder mit etwas abgeschwächter Wirkung als Aspekt.

Durch die hohe Empfindsamkeit und Einfühlsamkeit, die Mond/Neptun-Kräftekombinationen mit sich bringen, kann sich ein intensives Mitgefühl entwickeln, und der Wunsch zu helfen, zu retten mag sich besonders in späteren Jahren sehr stark entwickeln, so dass wir uns allzu schnell der Probleme anderer Menschen annehmen, ihnen helfen und sie erlösen wollen. Abgesehen davon, dass das eine Ablenkung von eigenen Schwierigkeiten bedeuten kann, sind Mond/Neptun-Menschen tatsächlich voller einfühlsamer Hilfsbereitschaft und einer Empathie, die sie zu begehrten Gesprächspartnern macht. Aber hier liegt auch schon die Gefahr der Identifikation mit dem Leidenden und der Wunsch, der/die Retter(in) zu sein. Die Vorstellung von einer schöneren Welt, einem Ideal-Dasein ist für die meisten Menschen mit Mond und/oder Neptun-Aspekten oder mit einer Platzierung im zwölften Haus ganz normal und bei dominanten oder verstärkenden Aspekten, wie z.B. Jupiter in zwölf oder in einem Aspekt zu Mond/Neptun, ist der Gedanke der All-Liebe und des grenzenlosen Verstehens, zu dem sie gerne beitragen möchten, eine echte innere Motivation. Eine der schwierigsten Aufgaben mag die Erkennt- nis sein, dass es auch das Böse gibt – auch in uns – und dass Sokrates Satz: „Wer das Gute kennt, tut es auch“ keinesfalls für alle von Bedeutung ist.

Wie schon angedeutet, sind harte Aspekte zwischen Mond und Neptun ein Quell der Frustrationen und Enttäuschungen, weil die Erwartungen nicht mit der Realität zu vereinbaren sind. Angebundene Aspekte und eine genaue Untersuchung der Häuser und Zeichen im Gesamtkontext des Horoskops geben dann weitere differenzierte Aussagen.

Mond oder Neptun im Wasserzeichen werden sich immer gefühliger und empfindlicher verhalten als bei einer Platzierung in Feuerzeichen. Bei Mond/Neptun wäre eine Prise Saturn oder Erde dringend notwendig, damit diese Menschen nicht ganz realitätsfern werden, ihre Identität nicht verlieren und ihre eigenen Bedürfnisse realistischer einschätzen und verwirk- lichen können. Ein stabilisierender Ich-Kern, eine gesunde Portion Egoismus, der ja so verpönt, aber meines Erachtens zum Selbstschutz und zur Selbsterhaltung oftmals dringend notwendig ist, könnten eine Überfremdung oder auch Fremdbestimmung einschränken.

Stellen wir uns einmal ein Radix vor mit einer Mond/Neptun-Konjunktion im Krebs im siebten Haus. Durch das weibliche empfängliche und empfindsame Mond-Zeichen Krebs werden die beiden Planeten- kräfte noch verstärkt und zeigen sich besonders in Partnerschaften und im Umgang mit Menschen. Durch die Verletzlichkeiten, hohe Sensitivität und Symbiosebestrebungen des Mond/Neptun-Partners könnte ein Zusammenleben äußerst schwierig werden und in der Beziehung Verwirrungen schaffen, die kaum lösbar sind. Auf den Partner wird ein Wunschbild projiziert, dem dieser gar nie gewachsen ist. Auch kann Mond/Neptun im siebten Haus eines Mannes sich als eine ausgezeichnete Anima-Projektion manifestieren, bei der man die so Angebetete auf einen Sockel stellt mit Denkmalschutz und zu ihren Füßen als Minne-Sänger bewundernd die Laute schlägt. Für eine weltliche Beziehung ist das nicht unbedingt die beste Voraussetzung…..

Auch könnte bei dieser Konstellation ein heilender oder helfender Beruf ergriffen werden, in dem man durch das Mitgefühl für leidende Menschen sich in der richtigen Atmosphäre und am rechten Platz fühlt. Von großer Bedeutung wären besonders hier auch stabilisiernde Saturn-Aspekte, um dem Menschen Standfestigkeit zu geben und die Aufopferungstendenzen etwas einzudämmen. Natürlich könnte man sich hier auch einen musischen Menschen vorstellen oder aber auf ganz „normaler“ Ebene eine Person, die in Partner- schaften und Beziehungen von einer Unzufrieden- heit in die nächste und zwischendurch in diverse Gekränktheiten fällt, so dass sich ein Zusammen- leben wirklich schwierig gestalten würde. Wie und ob welche Möglichkeiten bestehen, kann man sehr gut den anderen Faktoren des Horoskops entnehmen.

Mir ist das Horoskop einer Frau bekannt (leider ohne ganz genaue Geburtszeit), in dem ein
Waage-Neptun im zehnten Haus ein Quadrat zu einer Steinbock-Mond/Mars-Konjunktion im zweiten Haus bildet. Die Beziehung zur „Opfer-Mutter“ war von der Kindheit an mehr als schlecht, und die Tochter heiratete hauptsächlich, um dem Elternhaus, insbesondere der Mutter, zu entfliehen. Der Vater starb recht früh, und die nun allein lebende Mutter fiel immer mehr in eine Märthyrerrolle und erwartete die Fürsorge der Tochter. Diese kümmerte sich übellaunig, aber pflichtbewusst um sie, zum Teil auch deshalb, um die sicher aufkeimenden Schuldgefühle, die auch aus der Erziehung der Mutter herrührten, abzuwehren und schwankte regelmäßig zwischen Wut, Hilflosigkeit, Mitleid und Ablehnung. Wir sehen auch hier, wie sehr diese Konstellation Einfluss auf das ganze Leben eines Mond/Neptun-Aspektierten ausübt.

Ich möchte Ihnen nun das Horoskop von Anna vorstellen mit den für unser Thema relevanten Faktoren: Jungfrau-Mond/Neptun-Konjunktion im zwölften Haus in Opposition zur Fische-Sonne mit Quinkunx zur Jupiter in fünf. Die weiteren Platzierungen und Aspekte in Annas Radix geben natürlich auch noch wichtige Hinweise:

Anna wuchs mit noch zwei Geschwistern in einem Elternhaus auf, in dem die Atmosphäre
von einer leidenden Mutter bestimmt war, deren Mann (fast offiziell) eine Geliebte hatte.
Da das Geld für alle nicht ausreichte, ging die Mutter noch arbeiten, um das Einkommen ihres
Mannes aufzubessern. Die Mutter war die sich aufopfernde Märthyrerin, die nichts unter-
nahm, um dieser mehr als misslichen Situation ein Ende zu setzen. Annas Vater hatte ebenfalls eine Fische-Sonne und die Mutter war Löwe (!); leider sind keine weiteren Daten mehr bekannt.

Anna erzählte mir, dass sie einerseits sehr viel Mitleid für ihre Mutter hatte und sie bedauerte und tröstete, zum anderen aber wurde sie oftmals von einer heftigen, ohn-mächtigen Wutgepackt (Mars Quadrat Pluto), die sie abwechselnd auf Vater, Mutter, Geliebte verteilte, aber nicht ausleben durfte, da diese Dreiecks-Beziehung in der Familie auch noch ein Tabu-Thema war. Annas Lebensweg war durch diese Atmosphäre in der Kindheit, unter der sie durch die genannten Horoskopfaktoren besonders zu leiden hatte, vorbestimmt. Den Mann, den sie später liebte, heiratete sie nicht, weil sie – vorausahnend - vermutete, er würde sie später betrügen. Stattdessen ging sie eine Ehe mit einem Steinbock-Mann mit Stier-AC ein, der ihr Sicherheit und Treue versprach und auch hielt. Annas Saturn steht in Konjunktion zum DC und Opposition zur Venus lassen schon auf ein Liebesdefizit in der Jugend schließen und weisen außerdem auf die Beziehung zu einem Saturn-betonten Mann hin. Was sie später in dieser Ehe vermisste, war vor allen Dingen Liebe und emotionale Geborgenheit.

Analog der Opposition von Sonne und Mond in ihrem Radix, die auch die Konfrontations- haltung ihrer Eltern symbolisiert, gelang es ihr ebenfalls nicht, in Einklang mit ihrem Ehepartner zu kommen. Das Quinkunx von Jupiter auf die Mond/Neptun-Konjunktion ist auch schwierig zu leben, da dieser sogenannte „Tantalos“-Aspekt (Thomas Ring) schon durch seinen Namen darauf hinweist, dass die beteiligten Planetenkräfte schwer in Einklang zu bringen sind, das so sehr Ersehnte sich einem immer wieder entzieht und eine Synthese oftmals erst nach leidvollen Erfahrungen möglich ist.

Durch ihre hohe Sensibilität und immer stärker werdende Sehnsucht nach Erfüllung, Erlösung und liebevoller Geborgenheit begann sie ihre Suche. Fort von der irdischen, für sie so schmerzhaften Realität wandte sie sich der Spiritualität zu, besuchte Yoga-Kurse, Medi-tationszentren, und neue Wege und Einsichten öffneten sich ihr. Schließlich fühlte sie sich angekommen und aufgehoben in der buddhistischen Glaubenslehre und bei einem indischen Heiligen. Als ich Anna einmal fragte, warum sie eigentlich keinen Tropfen Alkohol tränke, erklärte sie mir, dass sie bereits nach ihren ersten Erfahrungen mit dieser „Wunderdroge“ erkannt hatte, wie außerordentlich gefährdet sie sei und dass sie starke Suchttendenzen entwickelt habe.

Während ich diesen Text verfasse, begegnen mir merkwürdiger Weise immer wieder Situationen und Menschen, bei denen es um Geborgenheit geht. Und so möchte ich auch noch auf dieses Thema eingehen, weil es – wie ich aus eigener Erfahrung weiß – sehr bedeutsam für die Bedürfnisse des Mondes, überhaupt im Verbund mit Neptun, dem zwölften und auch dem vierten Haus ist.

Mein Mann zum Beispiel hat seinen Krebs-Mond als Geburtsherrscher im zwölften Haus platziert und kann auf eine sehr schöne Beziehung zu seiner Mutter zurückblicken. Im Laufe seines Lebens suchte er mehr oder weniger bewusst immer wieder Situationen, Atmosphären, innere Räume und äußere Möglichkeiten, um sich aufgehoben und geborgen zu fühlen. Bei der Synastrie unserer Horoskope musste ich dann wirklich schmunzeln, weil mein Stellium mit Mond, Neptun, Jupiter, Chiron, Merkur, Sonne und AC in sein viertes Haus fällt und zeigt, wie angekommen und gut aufgehoben er sich bei mir fühlt....

Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, kann es nicht nur für Ehen schöner und einfacher sein, wenn beide Partner eine positive Mond/Neptun-Verbindung im Radix haben, sondern auch Freundschaften gestalten sich weitaus erfül- lender. Diese subtile seelische Verständigungs- ebene schafft eine Vertrautheit, ein Geborgenheits- und Zugehörigkeitsgefühl, wie es meist nicht möglich zu sein scheint, wenn nur eine(r) der Partner/-innen von Mond/Neptun bestrahlt wird oder den Mond im zwölften Haus hat. Allerdings könnten harte Winkel in beiden Horoskopen durch die hohe Empfindsamkeit Missverständnisse und Verletzlichkeiten bringen, die schließlich eher trennend wirken.

An manchen Orten, mit einigen Menschen und in diversen Atmosphären fühlen wir uns gut und geborgen, während andere Plätze und Räumlichkei- ten uns ein hohles, fast beängstigendes Gefühl der Verlorenheit hinterlassen. Ich bin sicher, fast alle Mond/Neptun-Menschen kennen diese Schwingungen und sind immer wieder, vielleicht sogar ganz unbewusst, auf der Suche nach Geborgenheit. Komme ich zum Beispiel in unseren Stadtteil und sehe die vertrauten Straßen und Plätze, sitze ich mit guten Freunden zusammen oder mit einer Freundin in unserem Lieblings-Café, so stellt sich ebenfalls dieses vertraute Gefühl ein. Manchmal, so scheint es mir, gibt uns auch ein gutes Buch, dessen Inhalt uns berührt und von dem wir hoffen, dass es nie endet, dieses Geborgenheitsgefühl. Fallen wir dann am Ende dieser Lektüre aus der Atmosphäre, die uns getragen hat, muss dieses „Loch“ erst mal wieder gefüllt werden.

Auch Neptun im vierten Haus scheint stets auf der Suche nach einem wahren Zuhause zu seinoder aber er verschmilzt mit der häuslichen Atmosphäre der Kindheit, aus der es oftmals ein böses Erwachen geben kann. Auch ein diffuses Gefühl der Ungeborgenheit und Verlorenheit mag Menschen mit einem Vierhaus-Neptun nach einer Heimat, einem Hafen suchen, einem Zuhause, das unvergänglicher ist als unsere irdische Wohnung.

Das Thema Geborgenheit hat die Menschen schon in uralten Zeiten bewegt, und in diesem Zusammenhang möchte ich auf die Symbolik des Teppichs verweisen: „ Für arabische Nomadenstämme stellen Teppiche die Fortdauer der Erde dar, die sie brauchen, um nicht das Gefühl zu bekommen, keine Erde unter ihren Füßen zu haben. Überall, wo sie hingehen, breiten sie als erstes einen dieser schönen Teppiche aus.“ *2

Wir kennen wohl alle die Situation eines Umzugs, wo wir plötzlich den vertrauten Boden unter den Füßen zu verlieren scheinen, unser Territorium, das uns Sicherheit vermittelte. „Auch für uns bedeutet das Territorium die Mutter, und für einige dieser afrikanischen Nomadenstämme bedeutet der Teppich das gleiche, denn sie brauchen die Kontinuität der mütterlichen Erde.“ *3

Und hier sind wir wieder bei der Symbolik des Mondes/des Mütterlichen angelangt, der durch eine Platzierung im zwölften Haus oder durch harte Neptun-Aspekte geschwächt und/oder verunsichert ist und dringend einen inneren Teppich zur Stabilisierung braucht. Der Teppich steht hier also auch für Geborgenheit und Zugehörigkeit, die für Mond/Neptun-Menschen so wichtig sind. Allerdings könnte man ihn bei einer Anbindung durch Jupiter-Aspekte auch als „fliegenden Teppich“ benutzen, um auf einer höheren Ebene dem Licht entgegen zu schweben…


Quellenverzeichnis


1) JUNG, C.G.
Erinnerungen, Träume, Gedanken
Walter-Verlag, Olten 1971

2) FRANZ, Marie Louise
Psychologische Märcheninterpretationen

Kösel, München 1986

3) FRANZ, Marie Louise ebda.


* Daten von Anna:

15.03.1938, 19.28 Uhr (MET), Berlin 13°22 öL, 52°30 nB (Placidus)





















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