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Mars - unser kämpferischer Freund und der Mut zur Aggression

Barbara Egert
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Samstag, 16. Dezember 2006, 11:59

Mars - unser kämpferischer Freund
Mut zur Aggression


In alten Astrologiebüchern wird der Planet Mars noch zu den "Übeltätern" gezählt, sein schlechter Ruf als aggressiver, cholerischer und rachsüchtiger Kriegsgott hat sich lange gehalten. Sogar noch in dem Buch von Roberto Sicuteri "Astrologie und Mythos" *1 wird Mars teilweise so negativ geschildert, dass man das Fürchten lernen könnte. Ich jedoch würde mich eher ängstigen, wenn Mars in meinem Horoskop keine dominante Stellung mit herausfordernden Aspekten hätte.

Vorerst möchte ich den Begriff der Aggression erklären, wie ich ihn hier verwende. Wenn ich von mehr Mut zur Aggression schreibe, dann meine ich natürlich nicht feindselige Attacken und verletzende Wutanfälle, sondern den Wunsch und die Fähigkeit eines Menschen zur Selbstbehauptung, Durchsetzung und somit Selbstbewahrung, und bei dem Begriff Wut un- terscheide ich in diesem Kontext die gesunde, positive und berechtigte Aggression, die wir in diesem Sinne manchmal einsetzen müssen, von dem unbewussten und daher zerstörerischen Zorn.

Es ist nicht unsere Aufgabe, Planetenkräfte zu verdrängen, sondern ihnen die durch Stellung und Aspekte im Horoskop definierten Ausdrucksmöglichkeiten zu geben, damit sie sich positiv entfalten können. Das gilt besonders auch für Mars, der nicht per se bösartig ist, aber er kann einem selbst und anderen übel und vielleicht sogar grausam mitspielen, wenn wir ihn verleugnen oder abspalten.

Mars muss in einem Horoskop seine kämpferischen Kräfte der Sonne und allen inneren Planeten, mit denen er verbunden ist, konstruktiv zur Verfügung stellen. Das ist keine leichte Aufgabe, überhaupt wenn es sich um harte Winkel handelt. Darüber hinaus sind harte Aspekte der Transsaturnier auf Mars noch schwieriger zu bewältigen. So halte ich es für sinnvoll, wenn ich erst einmal versuche, die marsischen Kräfte in uns und deren Aus- wirkungen - überhaupt, wenn sie nicht gelebt werden - zu betrachten, bevor ich dann eine Auswahl seiner Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Aufgaben im Horoskop beleuchte.

Das vor vielen Jahren veröffentlichte Buch "Gute Mädchen kommen in den Himmel - böse überall hin" wurde nicht umsonst ein Beststeller. Ich hatte es seinerzeit nicht gelesen (ich zähle sowieso zu den "bösen Mädchen"), aber jetzt mit Hinblick auf dieses Thema interessierte es mich brennend, denn mir wurde schlagartig klar, dass es hierin um (leider) allzu viele Frauen geht, die ihren Mars nicht leben lassen und sich somit durch Überan- passung und Nettsein um Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und ihre individuelle Ent- wicklung bringen.

"Anstatt sich anzustrengen, die eigenen Kräfte in Selbstorganisation, Selbstbehauptung und eigene Stabilität zu investieren, schließen sie (die "guten Mädchen") faule Kompromisse.... Aggressivität leugnen sie auch vor sich selbst, denn sie befürchten, die Zuneigung ihrer Mitmenschen zu verlieren und fürchten auch, mit zunehmender Kompetenz weniger gemocht zu werden. Risiko ist für sie immer gleichbedeutend mit der Gefahr zu verlieren." *2

Es wurden oder werden eben immer noch besonders Mädchen so erzogen, dass sie vor allem freundlich und friedlich zu sein haben, und so bleiben sie liebenswert und "nett" - sie gehen kein Risiko ein, denn das haben sie nicht gelernt oder mussten es wieder verlernen. Einem Vorgesetzten zu widersprechen, seinen Ärger zu verbalisieren und die offene Missbilligung der Handlungsweise eines uns nahe stehenden Menschen erfordern natürlich ein gewisses Maß an Courage, die nicht aufgebracht werden kann. Erst bei wachsender physischer und/oder psychischer Belastung wagt man zögerlich, die Frage nach der tieferen Ursache zu stellen.

Mir fällt hierzu der bekannte Gestaltpsychologe Fritz Perls ein, der seine Patienten immer korrigierte, wenn sie "ich kann nicht" klagten. Sie mussten stattdessen "ich will nicht" sagen, und hier wäre ein guter Ansatzpunkt, nämlich die Frage: warum will ich nicht? Wenn wir schweigen, anstatt wütend zu werden, wenn wir immer wieder Ja sagen, obwohl wir Nein meinen, wenn wir nachgeben und uns anpassen, anstatt unsere Wünsche und berechtigten Forderungen versuchen durchzusetzen, dann richtet sich die Energie, die in unserer ohnmächtigen und meist unbewussten Wut gebunden ist, gegen uns, und all die Kränkungen, an denen wir durch unsere passive Haltung nicht unschuldig sind, machen uns schließlich krank. Oder wir kontrollieren unsere aggressiven Emotionen, und der psychische Schaden der uns zugefügt wurde, wird vielleicht rationalisiert, aber damit ist der Schmerz nicht wirklich vergessen. Er sammelt sich im Unbewussten zu einem Aggressionspotential, das immer weiter anwächst, wenn wir bei dieser inneren Haltung bleiben.

Das marsische Prinzip verlangt von uns die Bereitschaft zur Selbstbehauptung, Durchsetzung und Inititative, den Einsatz für die eigenen Rechte, den Mut zur Konfrontation und zum Risiko, aber auch zur Verteidigung und Selbstbewahrung. Wir alle haben marsische Kräfte in uns und sind somit von Geburt an mit einem Aggressionspotential ausgestattet, das je nach Horoskop stärker oder schwächer ausgebildet, jedoch immer vorhanden ist. Hätten wir diese marsische Ego-Funktion nicht, würden wir langsam aber sicher zu zweifeln beginnen, wer wir denn überhaupt sind und was wir wollen und können, denn alle anderen scheinen es besser zu wissen.

Diese entstehenden Identitätsdefizite gehen nicht nur auf Kosten der Persönlichkeitsbildung, sondern vor allem können sich die Folgen in psychischen und psychosomatischen Krankheiten zeigen, nicht zuletzt durch ein aufgespeichertes Wutpotential, das latent und hoch explosiv im Unbewussten lauert, um sich dann eines Tages gefährlich zu entladen - obwohl dies angesichts der Folgen einer verdrängten Wut mir manchmal als die noch bessere Möglichkeit erscheint.

Ein blockierter Mars und die damit verbundene Unfähigkeit, seinen gerechtfertigten Emotionen Ausdruck geben zu können, erzeugen einen emotionalen Zustand, der auf die Dauer selbstzerstörerisch wirken und in eine chronische Depression münden kann. Dieses Gefühl des Gefangenseins, keine Wahl zu haben, da wir sowieso nichts ändern können, bewirkt Antriebslosigkeit, Frustration und immer wieder schmerzliche Nieder-lagen und Versagensängste.

"Wird Zorn über einige Zeit hinweg nicht ausgedrückt, wie es oft in Ehen, Liebesbeziehungen oder innerhalb von Familien geschieht, wird er entweder unterdrückt oder verdrängt und kann so nicht mehr wahrgenommen werden. Anstelle der nicht wahrgenommenen oder annehmbaren Emotion spürt man oft ein Unbehagen, gewöhnlich eine Mischung von Angst und Schuld. Dieses Unbehagen zeigt uns, dass etwas nicht stimmt. Wird es chronisch, entwickelt es sich zur Melancholie oder zu einer Depression." *3

Unterdrückte Wut und Gefühle der Unfähigkeit sind öfter als wir vermuten die Ursache für ernste körperliche Krankheiten, wie Hautprobleme, Herzkrankheiten, Magengeschwüre, Migräne etc., da diese negative Energie in dem betreffenden Körperteil gespiegelt wird. Besonders Männer, die im "Karriere-Karussel" sitzen und sich aus ihrer beruflichen Position heraus keine Wut leisten dürfen, schaffen es über lange Zeit, trotz dieser inneren Misere zu funktionieren. Terrence Real unterscheidet in seinem sehr guten Buch "Mir geht's doch gut" die verborgene von der offenen Depression und bezieht sich hier auf seine therapeutischen Erfahrungen ausschließlich mit Männern.

"Die Flucht vor Scham in Grandiosität ist der Kern der verborgenen männlichen Depression. Wo immer die Surrogate (beruflicher Erfolg, Bankkonto Berühmtheit etc.) nicht mehr ausreichen, um die Illusion eines stabilen Selbstwertgefühls aufrechtzuerhalten, wendet sich der Betroffene entschieden gegen sich selbst. Genau das ist die Dynamik der verborgenen Depression. In der offenen Depression wird die Qual der Scham, der Schmerz der vergifteten Beziehung zum Selbst ertragen. In der verborgenen Depression verteidigt sich der Mann verzweifelt gegen den Angriff. Eine Möglichkeit, die schmerzhafte Erfahrung eines verminderten Selbstwertgefühls zu kompensieren, ist die Flucht in die Grandiosität, in die Illusion von der eigenen Überlegenheit". *4

Manche Menschen behaupten von sich, dass sie gar keine Wut hätten oder spüren würden, und behalten ein freundliches Lächeln, während ihnen die übelsten Boshaftigkeiten an den Kopf geworfen werden. Hier könnte es sich auch um eine Abspaltung und/oder Kastration handeln, da eine solche primitive, rohe Energie früher als Kind verboten war und somit der Erwachsene sie heute immer noch nicht zulässt. Ich würde jedoch sehr wachsam werden, wenn mir ständig Menschen begegnen, die mich durch provozierendes Verhalten versuchen zu erzürnen. Mit Sicherheit habe ich hier etwas zu lernen, und ein ehrlicher Blick in meine innere "Schattenlandschaft" scheint dringend notwendig zu werden.

Es ist nicht selten, dass die nicht ausgelebte Wut eines Menschen sich auf andere übertragen kann, sie quasi stellvertretend übernommen wird. Dieses Muster finden wir häufig in Beziehungen, in denen zum Beispiel ein Partner den anderen durch seine unterdrückte Wut, deren unsichtbare Energie aber im Raum schwingt, und einem harmlos-freundlichen Lächeln so in Rage bringt, dass dieser schließlich "ausrastet". Es kann tatsächlich so sein, dass der scheinbar wutlose Mensch seine Emotionen gar nicht spürt oder fühlen kann, will und darf und rigoros abstreitet, auch nur eine Spur von Zorn zu haben.

Ich kenne viele Menschen mit einem vordergründig sanften Wesen und einem Blick, als ob sie "kein Wässerchen trüben" könnten. In gewissen Situationen, wenn meiner Meinung nach dieser Mensch eigentlich verärgert reagieren müsste, weil er zum Beispiel ungerechtfertigt angegriffen wurde, ist meine intuitive Wahrnehmung ganz anders als die nach außen gezeigte Haltung des Betroffenen. Ich spüre eine sonderbare aggressive Regung in mir, obwohl mich diese Angelegenheit gar nicht weiter betrifft, und kann nur folgern, dass die unterdrückten Wutschwingungen des anderen bei mir angekommen sind; gleichzeitig muss ich mich hüten, nicht für ihn zu agieren, denn mein kämpferischer Mars springt nur allzu gerne auch für andere ein.

Warum fehlt so vielen Menschen der Mut zur Aggression? Mögliche Ursachen sind mit Sicherheit in der Kindheit zu finden, wenn wir von unseren Eltern so erzogen wurden, dass zornige Reaktionen "böse" sind, und wir nicht mehr gemocht werden, wenn wir nicht endlich wieder lieb sind. Diese Angst vor Liebesentzug sitzt so tief, dass wir auch späterhin nicht mehr wagen, wütend zu werden, denn dann, so vermuten wir, drohen mehr oder weniger offensichtliche Strafen.

Die frühen Botschaften der Eltern an die Kinder, wie zum Beispiel "Wenn du wütend bist, hab ich dich nicht mehr lieb", bleiben lange als Überzeugungen erhalten. Da diese intro-jizierten Einstellungen sich so früh im Leben gebildet haben, konnten sie auch rational nicht hinterfragt werden, sie verfestigen sich eher im Laufe der Zeit und zusätzlich mögen sie durch entsprechende Erfahrungen untermauert werden. Aber auch hierbei ist es nie zu spät, alte Überzeugungen in Frage zu stellen und durch neue zu ersetzen.

Ich hatte das Glück, in einem Elternhaus erzogen worden zu sein, wo Ärger und Wut ausgedrückt werden durften - natürlich bis zu einer gewissen Grenze. Meine Eltern hatten beide den Mond im Widder und - wie meine vier älteren Geschwister - einen dominanten Mars. Meine Eltern konnten die Streitereien und Kämpfe zwischen ihren Kindern nur mehr oder weniger gelassen hinnehmen, weil ihnen die marsische Energie vertraut und bewusst war. Ein "Donnerwetter" unseres Vaters ließ uns zwar erzittern, aber danach war die Luft immer wieder rein, und keine unterdrückten Aggressionen vergifteten die Atmosphäre.

Nun gibt es auch Eltern, die Auseinandersetzungen mit ihren Kindern durch einen liebevollen Erziehungsstil geschickt umgehen, sie zu friedfertigen und freiwillig gehorchenden Menschen erziehen. In dem Buch "Mit der Aggression leben" zeigt die Psychagogin Christa Meves auf, dass solch ein in besten Absichten erzogenes Kind später sehr oft wehrlos bleibt, Lebensbe-lastungen, die bereits in der Schule und Pubertät beginnen, kaum gewachsen ist und eine größere Anfälligkeit für psychosomatische Krankheiten aufweist.

"Es gehört zur verblüffenden Gesetzmäßigkeit bei der Charakterentwicklung solcher Menschen, dass ihre Erziehung zur Wehrlosigkeit trotz ihrer primären Sanftheit keine echte Friedfertigkeit zur Folge hat.....Der Wille zur Selbstbehauptung wird bei ihnen nicht angemessen zur Verteidigung berechtigter Ansprüche eingesetzt - dazu ist er oft keineswegs verfügbar - , sondern er quillt gewissermaßen auf Schleichwegen durch die Ritzen des künstlich errichteten Sperrzauns". *5

Ich bin der Meinung, wir können unserem Elternhaus nicht lebenslänglich die Schuld für eine falsche Erziehung geben. Irgendwann sind wir für uns selbst verantwortlich, und in der heutigen Zeit stehen uns so viele Möglichkeiten offen, unseren Angstgefühlen und Traumata, Unfähigkeiten und psychischen Störungen auf den Grund zu gehen, dass jeder die Chance hat, sich zu entwickeln, d.h. eben auch sein marsisches Potential positiv zu entfalten.

"Wir sollten unsere Wut nicht fürchten und sie ablehnen oder gegen uns selbst richten oder verleugnen, dass es überhaupt Gründe gibt, wütend zu werden. Wir sollten anfangen, die Energie, die in unserer Wut gebunden ist, in den Dienst unserer eigenen Würde und unserer persönlichen Entwicklung zu stellen." *6

Wenn wir erst einmal zugegeben haben, dass wir nicht nur "nett" sind, sondern auch schrecklich wütende Emotionen in uns verspüren, wird es wichtig, sich nach den wahren Ursachen unserer Wut zu fragen. Was ist der tiefe Grund, warum mich dieses Verhalten, diese Bemerkung, diese Ablehnung so zornig macht? Welchen "wunden Punkt" berührt sie? Im Zorn an seine Kindheit zu denken, reicht mit Sicherheit nicht aus. Bin ich unter anderem vielleicht auch wütend auf mich selbst, weil ich es nicht wage, so zu reagieren, wie ich eigentlich möchte und mich daher wieder als Opfer fühlen muss?

Ich weiß aus Erfahrung, dass es viele Menschen, besonders Frauen, gibt, die um ihre Un- fähigkeit zur Selbstbestimmung, zu positiven Aggressionen im Hinblick auf ihre Wünsche und berechtigten Forderungen wissen, und damit wäre schon ein Anfang gemacht. Aber auch hier brauchen sie Mut, und zwar den Mut zur Selbsterkenntnis, um sich den in uns schlummernden oder aber auch lauernden Wesenspotentialen zu stellen.

Wenn wir unsere innere Einstellung tatsächlich geändert haben und entschlossen sind, diesen Zustand nicht mehr hinnehmen zu wollen, d.h. uns - wenn notwendig - zu widersetzen und das Risiko einer Auseinandersetzung einzugehen, werden wir plötzlich feststellen, dass die Menschen, die uns sonst immer provozierten und/oder in Rage brachten, uns ganz anders begegnen, als ob sie unbewusst ahnten, dass sie uns nun ernst zu nehmen haben und wir auch "Täter" werden könnten, anstatt uns als Opfer anzubieten. Wir werden vielleicht nicht mehr als nett und lieb bezeichnet, aber ich bin sicher, dass wir geschätzt und respektiert werden - wir müssen uns ja nicht gleich so benehmen, dass wir gefürchtet werden, obwohl das in gewissen Situationen manchmal auch nicht schaden kann. Menschen, die sich nicht zu behaupten und eigene Ziele durchzusetzen wagen, fehlt es schließlich an Selbstachtung.

Die in diesem Komplex bestehenden Ängste müssen nach und nach abgebaut werden, wie zum Beispiel die Furcht vor Kritik, Konkurrenz, klar und deutlich Nein zu sagen, Stellung zu beziehen und konstruktiver Kritik am Gegenüber. Es reicht nicht aus, seine Position zu be- haupten und eine Ablehnung auszusprechen, wir sollten ruhig und bestimmt unsere Entschei- dung begründen können, ohne uns - und das erscheint mir sehr wichtig - dabei zu rechtfer- tigen!

Bei unseren ersten Versuchen, uns marsisch zu behaupten, mag es allerdings anfänglich zu einigen Ausrutschern kommen, denn durch unsere Ungeübtheit vergreifen wir uns vielleicht im Ton, und unser Gegenüber schreckt vor unserer barschen Ablehnung erstaunt zurück. Bevor wir zum Beispiel unserem Chef auf seine Bitte, dieses und jenes auch noch zu erle-digen, ein böses Nein entgegen zischen, sollten wir unseren Selbstbehauptungswillen eventuell erst einmal bei Verwandten üben, die wir sowieso nicht besonders mögen......

Mars ist nicht bösartig, aber er schlägt um sich und kann grausam werden, wenn er kastriert, verwundet und missachtet wird. Die marsische Energie ist direkt und zielgerichtet, offen und kämpferisch - warum sollten wir uns nicht mit ihr befreunden und unsere inneren und äußeren Ziele ohne Manipulationen in Klarheit zu verfolgen? Er wird uns mit Sicherheit in den Bestrebungen unterstützen, uns mutig den Feinden in uns und den Gegnern außerhalb von uns zu stellen, und nicht zuletzt den unzähligen und oftmals sehr schwierigen Herausforderungen, denen wir im Leben begegnen müssen.

Wie ich anfangs schon erwähnte, haben wir alle von Geburt an ein gewisses Aggressions- potential, und es ist für mich immer wieder spannend, ein Horoskop mit Hinblick auf die marsischen Energien zu ergründen. Überhaupt bei den Menschen, vor allem Frauen, die mir mit sanftmütigem Blick signalisierten und es späterhin auch deutlich verbalisierten, dass sie einfach nicht wütend werden. Abgesehen davon, dass ich persönlich das sehr schlechtnachvollziehen kann, zeigt mir der Blick in das entsprechende Horoskop dann auch noch einen dominanten Mars mit herausfordernden Aspekten.

Bei Kenntnis der Lebensgeschichte und in vielen vertrauensvollen Gesprächen kommt man dann doch - mit beträchtlichem detektivistischen Spürsinn - dahinter, wieviel Frustration, Ängste, Herabsetzungen und nicht zuletzt narzisstische Störungen den Menschen hindern, seine gesunde Wut und/oder Aggression zu leben, und dass sie sich deshalb anpassen und mit sich und anderen arrangieren. In diesen Fällen habe ich bei fast allen Menschen die Neigung zur Manipulation entdeckt, die ihnen so zur Gewohntheit geworden war, dass sie diese Art der Kompensation schon gar nicht mehr merkten. Es gibt sicherlich schwierige Mars-Platzierungen, aber alles Jammern hilft nicht, wenn wir nicht den Mut aufbringen, bewusst um das zu kämpfen, was wir sind oder sein könnten.

Im Gegensatz dazu gibt es natürlich Mars-Aspekte, die uns zu waghalsig und egoistisch ("mit dem Kopf durch die Wand") handeln lassen, wo wir lernen müssen, die eigene Selbstbehauptung und Durchsetzung durch Disziplin und Einsicht in die Rechte des an-deren zu zügeln.

Was hierzu allerdings in manchen Astrologiebüchern geschrieben steht, halte ich für eine Zu-mutung, überhaupt, wenn man diese Platzierung in seinem Horoskop findet bzw. Astrologie- schüler diese Deutungen übernehmen, weil sie noch noch nicht ausreichend differenzieren können oder ihnen die psychologische Vorbildung fehlt, und sie diese dann noch ungeprüft auf die so Konstellierten übertragen. Hier auszugsweise einige Kostproben:

"Mars und Mond in einem Konfliktaspekt ergeben oft die großen Frauenhasser...; Mars im Konflikt mit Sonne und Uranus bewirkt die cholerische Anfälle der Schüchternen oder seelisch Impotenten. Ein negativer Mars (im Horoskop einer Frau) im 7. Haus kann eine phallische Frau mit sadistisch-aggressivem Verhalten dem Partner oder den Mitarbeitern gegenüber bedeuten etc....*7

Ich kann hier nur vermuten, dass Roberto Sicuteri vielleicht persönlich ein Problem mit seinem Mars und darüber hinaus mit willensstarken und durchsetzungsfähigen Frauen hat...

Wenden wir uns nun einer Auswahl von markanten Mars-Platzierungen mit den ent- sprechenden Beispielen zu, wobei es mir hier nicht um einen bewusst gelebten Mars geht, sondern um Menschen, die Probleme mit dem Ausdruck der marsischen Energien haben.

Die Hausplatzierung von Mars gibt schon Hinweise, in welchem Lebensbereich wir uns behaupten, durchsetzen und ausdrücken sollen. Mars im dritten Haus verlangt zum Beispiel nach Kommunikation, Schreiben, Lernen etc. Wenn wir uns hier passiv verhalten und die marsische Energie kein Ziel findet, könnte es sein, dass wir uns lustlos und schließlich auch deprimiert fühlen. Bei Mars im zehnten Haus sollten wir energievoll unsere Lebensziele verfolgen, seien es ein aktiver Einsatz für beruflichen Fortschritt oder auch - je nach Lebenssituation - andere Tätigkeiten, die für unser Weiterkommen wichtig sind. Immer wird bei Mars jedoch eine Art Kampfgeist notwendig, um unsere Potentiale zu entwickeln.

Idealistische Naturen haben verständlicherweise einige Probleme mit der marsischen Energie, die nicht aufopfernd und selbstlos ihre Ziele verfolgt, sondern oftmals auch zur Befriedigung von egoistischen Bedürfnissen eingesetzt wird. Dabei ist der so handelnde Mensch aber nicht hinterhältig und hält seine Motive selbst nicht für selbstsüchtig. Ihm geht es einfach darum, sein Ziel zu erreichen, und zwar so schnell und so effektiv wie möglich, und wer ihm dabei im Wege steht, hat das Nachsehen.

Stellen wir uns ein Horoskop mit starker Neptun/Fische-Betonung vor, in dem ein dominanter Widder-Mars ein Quadrat auf einen Krebs-AC wirft. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Mensch hin- und hergerissen ist zwischen seinem hilfsbereiten und einfühlsamen Wesen mit entsprechenden idealistischen Bestrebungen und einem inneren Drang, sich das zu erobern, was ihm seiner Meinung nach zusteht.

Ähnliche Probleme mag es mit einem harten Mars/Neptun-Aspekt geben, den Sasportas ein "Meister passiver Aggression" nennt. Die Anpassungsbereitschaft ist hier sehr hoch,
und daraus kann Fremdbestimmung resultieren, so dass man sich leicht als Opfer anderer ühlen kann, allerdings ist es der Mensch selbst, der die Umstände anzieht, die ihn zu Opfern zwingen.

Das marsische Verlangen, seine Individualität zu behaupten und sich durchzusetzen, steht im krassen Gegensatz zu der neptunischen mitfühlenden Hilfsbereitschaft. Die sich immer wieder auflösenden marsischen Energien gefährden nicht nur das Identitätsgefühl, sondern die ins Unbewusste verbannten begehrlichen Wünsche können eine beträchtliche Wut erzeugen, die sich heimlich oder sogar hinterhältig gegen andere und natürlich auch gegen uns selbst richten kann. Durch Manipulationen und undurchsichtige Kompensationen sucht man nun - mehr oder weniger verzweifelt und vor allem nicht sehr bewusst - einen vermeintlichen Ausgleich.

Das muss nicht so schrecklich sein, wie es sich anhört, denn je nach Gesamthoroskop hat jeder Mensch positive Möglichkeiten, auch schwierige Konstellationen in die richtige Bahn zu lenken. Eine Lösung wäre hier, sich zum Wohle anderer aktiv einzusetzen, für religiöse Ideale zu kämpfen oder seine neptunisch-inspirativen Kräfte in kreative Ausdrucksmöglich-keiten zu leiten. Sicherlich ist es sehr schwierig, mit einem dominanten Mars die ego-losen neptunischen Kräfte zu leben, aber hat nicht jeder Mensch früher oder später die Aufgabe, seine Ego-Kräfte, die ja sehr wichtig sind, positiv für höhere, nicht selbst-bezogene Zieleeinzusetzen?

Zu meinem engeren Bekanntenkreis gehören einige Menschen, die einen harten Mars/Pluto-Aspekt in ihren Horoskopen haben, und mir kam schon der Gedanke, dass wir uns gegensei-tig anziehen, weil ich mir in vielen Jahren meinen dominanten Mars mit Quadraten zu Sonne, Jupiter, Chiron, Merkur, AC zum Freund gemacht habe, während sie unter der scheinbarenUnmöglichkeit, ihre Aggressionen und Selbstbehauptung zum Ausdruck zu bringen, sehr litten.

Die beiden Frauen, deren Horoskope ich hier erläutern möchte, wiesen sehr große Ähnlich-keiten in der Unterdrückung ihrer Emotionen, der Unfähigkeit zur Verteidigung und der For-derung nach ihren Rechten auf. Darüber hinaus neigten sie beide zu verdeckten oder ver-steckten Handlungen, also zu Manipulationen, um doch noch das zu erreichen oder zuerhalten, was sie nicht zu äußern wagten. Außerdem waren sie nachtragend, was verständlich ist, wenn man die Wut bedenkt, die in ihrem Unbewussten lauerte und keinen Ausdruckskanal fand. Sehr interessant fand ich auch die Gemeinsamkeit, wie sie es schafften, ihre Ehemänner mehr oder weniger lautlos zu Wutanfällen zu provozieren. Ihr eigener angesammelter Zorn brach ganz selten mal hervor, dann aber mit solch einer Gewalt, dass
alle in Deckung gehen mussten.

Nachstehend gebe ich Ihnen die für unser Thema relevanten Aspekte:
Beispiel eins: Stier-Mars in acht Quadrat Pluto in zehn, Mond/Neptun-Konjunktion in Jungfrau in zwölf Opposition Fische-Sonne in sechs, Fische-Merkur in sechs Konjunktion Widder-Saturn Spitze sieben.
Beispiel zwei: Skorpion-Mars in zwölf Quadrat Pluto in acht, Mond/Neptun-Konjunktion in Waage in zehn, Jungfrau-Sonne/Merkur/Saturn-Konj. in neun.

Beiden gemeinsam war ein sehr schlechtes Gewissen, wenn sie überhaupt Wut empfanden, und zugleich fürchteten sie die Intensität ihrer aggressiven Gefühle. Sie wussten immer sehr genau, was sie wollten und warum, hatten aber nicht den Mut, ihre Wünsche zu ver-
balisieren (Merkur/Saturn), geschweige denn, sich konsequent zu behaupten. Die Neptun-Betonung erschwerte ihnen zusätzlich eine konkrete Durchsetzungsfähigkeit, auch aus der Angst heraus, den anderen zu verletzen (Mond/Neptun). Die Folge waren eigene innere see-lische Verletzungen, die sich dann sporadisch in zum Teil schweren Depressionen, Migräne, Bluthochdruck und ständiger Anfälligkeit für kleinere Krankheiten zeigten bzw. manifes- tierten.

Natürlich wirkt sich nicht jede Mars/Pluto-Konstellation wie oben geschildert aus, positive Jupiter- und Saturn-Winkel oder eine starke Platzierung der AC/DC-Achse zum Beispiel können stützend wirken und den Menschen mit etwas mehr Geduld und Beharrlichkeit doch noch zu seinem Recht kommen lassen.

Anders als bei den vorgenannten Konstellationen haben Menschen mit Mars/Uranus-Aspek- ten meistens einen eher bewusst starken Selbstbehauptungsdrang mit einem spontanen Durchsetzungswillen und individualistischen Tendenzen. Weist das Gesamthoroskop nun aber auf einen scheuen und zurückhaltenden Menschen hin, so wird sich dennoch diese intensive Energie nicht verleugnen lassen. Wenn nichts "passiert" oder stagnierende Lebensphasen den inneren und/oder äußeren Ausdruck blockieren, könnten diese Menschen sehr reizbar werden mit extremer Nervosität, aber dieses Verhalten ist im Gegensatz zu den Pluto- und Neptun-Aspekten offensichtlich, und ihre sprunghafte Eigenwilligkeit kann an- deren Menschen beträchtlich auf die Nerven gehen.

Die Gefahren dieser Konstellation, wenn die kraftvollen und kreativen Energien verdrängt oder nicht gelebt werden können, liegen in einer extremen Unruhe, impulsiven, unberechenbaren Handlungen, weil die Energie keinen Ausweg findet, sich nach innen wendet und somit zu Krankheit und Depression, aber auch zu Unfällen führen kann.

Nun gehören Wut oder Zorn aber auch zu den Sieben Todsünden, die Anne Maguire in ihremsehr lesenswerten Buch "Die dunklen Begleiter der Seele" ausführlich beschreibt, und viele Menschen erlauben sich diese Emotion nicht, weil sie in dem vorgenannten Sinne streng (reli-giös) erzogen wurden ("Die andere Backe hinhalten"), oder auch ihre heutige innere Glaubenshaltung dies nicht zulässt.

Beim Blättern in dem Buch von Herbert v. Klöckler "Astrologie als Erfahrungswissenschaft" *8 stieß ich zu meinem großen Erstaunen bei den "Statistischen Untersuchungen" von Mars auf folgende Ergebnisse: Mit Mars im Skorpion hatten Raubmörder die sehr hohe Prozentzahl von 11,63 %, aber Evangelische Geistliche lagen noch höher, nämlich bei 12,37 %. Vielleicht sollten wir hier keine voreiligen Schlüsse ziehen......

Mein Verständnis von religiöser Erziehung beinhaltet nicht, dass unsere Kinder mit verküm- merten Gefühlen, zu denen auch Emotionen, wie Wut und Zorn gehören, aufwachsen. Erst das, was wir in uns erfahren und durchleben konnten oder mussten, dringt in unser Bewusst-sein und kann mit wachsendem Alter und steigender Unterscheidungsfähigkeit gewandelt werden. Hier geht es um das Gewahrwerden der "dunklen Begleiter der Seele", damit sie aus unserem Schattenreich nicht zu einer "Todsünde" werden. Hinter der Wut verbirgt sich ein in uns schlummerndes hoch energetisches Potential, das - in positive Aggression gewandelt - uns den Weg zu unserem wahren Selbst zeigen kann und wird.

Machen wir Mars mutig und bewusst zu unserem kämpferischen Freund, und seien wir mit ihm herzhaft aggressiv - er wird uns nicht im Stich lassen.



Literaturverzeichnis


*1 SICUTERI, Roberto
Astrologie und Mythos
Aurum-Verlag Freiburg i. Breisgau 1983

*2 ERHARDT, Ute
Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin –
Warum Bravsein uns nicht weiterbringt
S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt/Main 1994

*3 MAGUIRE, Anne
Die dunklen Begleiter der Seele
Walter Verlag, Zürich und Düsseldorf 1996

*4 REAL, Terrence
Mir geht's doch gut
Scherz Verlag, Bern, München, Wien 1999

*5 MEVES, Christa/
Das Böse in uns und in anderen - Der Lebenssinn von Aggression
ILLIES, Joachim
Verlag Herder KG Freiburg i. Breisgau 1975, Bd. 536

*6 LEARNER, Harriet G.
Wohin mit meiner Wut?
Fischer Taschenbuch Verlag GmbH,
Frankfurt am Main 1990

*7 SICUTERI, Roberto
a.a.O.

*8 KLÖCKNER von, Herbert
Astrologie als Erfahrungswissenschaft
Eugen Diederichs Verlag München 1989


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