Astrologie | Medizinische Astrologie

Astropraxis: Anders als die Anderen

Friedrich Maier Systemische Astrologie
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Sonntag, 6. Mai 2001, 16:22

'Astropraxis: Anders als die Anderen' - Beitrag von Friedrich Maier Systemische AstrologieWie Chiron uns heil werden lässt

Schon das Symbol Chirons zeigt uns den „Schlüssel“, mit dem wir die Tür zur Ganzheit aufschließen können und die geistige Welt mit der Welt der Formen verbinden können. Kein leichter Weg, aber ein Weg, der sich lohnt.

Von Eva Stangenberg

Die astrologische Deutung eines neu entdeckten Planeten bezieht ihre Informationen primär aus drei Quellen:
 aus der Mythologie,
 aus den astronomischen Gegebenheiten, der Anschauung am Himmel,
 aus den Entsprechungen der Zeit, den Beobachtungen auf der Erde.
Durch Beobachtung aller drei Ebenen versuchen wir, den archetypischen Anteil, der durch den Planeten beschrieben ist, zu verstehen; denn sowohl den Planeten am Himmel als auch den Mythos gab es schon lange vorher, und doch ist es erst mit der konkreten „Entdeckung möglich, diesen symbolisierten Teil auch als Wesensmerkmal des Menschen zu entdecken.
Überprüft, ergänzt, manchmal auch revidiert werden die Deutungsansätze dann im individuellen Horoskop. Hier wird quasi die Symbolik, die Bedeutung, die geistige Botschaft der gefundenen Beschreibungen gesucht - inwieweit diese „Idee“ sich auch im menschlichen Erleben zeigt.
Chiron wurde am 1.11.1977 von Charles T. Kowal entdeckt, im Hale Observatory, Kalifornien. Die „Erkenntnisebenen“ stellen sich hier wie folgt dar: In der Mythologie ist die Gestalt Chirons die einer gespaltenen Persönlichkeit. Chiron ist halb Pferd, halb Gott, also zur Hälfte triebhaft, instinkthaft, sterblich, zum anderen aber rein, geistig, unsterblich (ein Bild auch für uns Menschen?). Zu Beginn des Mythos verdrängt der Kentaur den Teil an sich, mit dem er leidvolle Erfahrungen gemacht hat, seinen Pferdeanteil, und er betont den Teil, der Anerkennung verspricht, den göttlichen Part. Er hat damit Erfolg, gewinnt Ansehen und Achtung. Er wird zum Lehrer der Göttersöhne und zum Pontifax der wilden, triebhaften Kentauren. Gewiss eine verständliche und nachvollziehbare Reaktion zum Schutze vor weiteren Verletzungen!
Im zweiten Teil des Mythos wird Chiron gezwungen, sich mit seinem verdrängten Anteil auseinanderzusetzen; Auslöser ist der Giftpfeil des Herakles, der ihn unbeabsichtigt trifft. Das heisst: Er muss sich mit seinem (nun leidenden) Körper beschäftigen. Vielleicht kennen wir das aus eigenen Erfahrungen: Irgendwann werden wir genau auf dem Gebiet getroffen, das wir so sehr verborgen hatten. Und wir müssen nun genau hinsehen ...
Indes gibt der Mythos nicht eindeutig wieder, wo Chiron der Pfeil trifft: am Knie (Saturn), an der Wade (Uranus) oder an der Ferse (Neptun)...Aber auch diese Un-eindeutigkeit hart wohl ihre Bedeutung!
Chiron wechselt also die Seiten, bleibt aber weiterhin gespalten. Denn auch der Versuch, sich zu heilen, indem er sich intensiv mit der Wunde beschäftigt - scheitert. Und so kann der „verwundete Heiler“ zwar vielen helfen - er hat ja viel geforscht -, aber nicht sich selbst. Er leidet weiter unter seinem tierischen Körper(anteil). Erst zum Schluss überwindet er die Spaltung, indem er Prometheus genau das „opfert“, das ihn so leiden lässt: nämlich seinen unsterblichen Körper. Er wird daraufhin nach drei Tagen in der Unterwelt des Hades von Jupiter im Sternbild der Kentauren am Himmel unsterblich gemacht, das meint hier: beide Teile sind verbunden zu einer Einheit, sind „heil“.
Astronomisch ist Chiron ein Kleinplanet (Kerndurchmesser 100 bis 160 km) mit einem Schweif und einer Koma; er gehört zur Gruppe der Kentauren (siehe S. ...). Seine Umlaufbahn liegt zwischen der des Saturn und der des Uranus. An seiner erdnächsten Stelle in der Waage schneidet er die Saturnbahn. Das heisst, Chiron verbindet bildlich die Bereiche von Saturn und Uranus, er baut quasi eine Brücke zwischen den Welten des Himmels und der Erde (Pontifax). Ja, er durchbricht sogar die engen Grenzen der saturnischen Realität, „öffnet“ als „Schlüssel“, seinem Symbol, die Tür in der Mauer, damit die geistige Energie des Uranus sich mit der Welt der Formen verbinden kann.
Chirons Symbolik enthält also auch hier das Bild der Spaltung zwischen Körper und Geist - wie auch deren „Über-windung“. Im Mythos sind es Tier und Gott, am Himmel vertreten Saturn und Uranus die beiden Ebenen.
Diese Symbolik finden wir auch im konkreten Erleben. Die rein auf den Körper und seine Funktionen reduzierte Apparatemedizin wird immer mehr ergänzt durch Heilmethoden, die Geist und Seele mit einbeziehen, wie z.B. die Homööpathie oder die Bachblüten. Auch in den Naturwissenschaften ist man an die Grenzen des materiellen Weltbildes gestoßen, und wir stehen hier wohl vor einem Paradigmenwechsel.
Immer mehr Menschen suchen in fremden Religionen oder auch in der Esoterik wieder den Zugang zu ihrer geistig-seelischen Seite. Gott war aus der Welt an den Himmel verbannt und damit in ein Jenseits abgespalten. Auch mittels der Symbolik in der Astrologie versuchen viele, die Verbindung zwischem ihrem geistigen Anteil und dem realen Leben herzustellen...
Am Ende des Fische-Zeitalters, nach 2000 Jahren unter der Herrschaft Neptuns, ist es sich auch höchste Zeit, die Botschaft der christlichen Lehre anders zu verstehen, um die Spaltung der zwei „Welten“ zu überwinden - um die Einheit herzustellen.
Chirons Deutung im eigenen Horoskop hat also damit zu tun, dass wir etwas in uns „abspalten“, das wir für „unwert“, „falsch“ oder „schlecht“ halten. Dieser Bereich, dieser An-teil ist durch die Häuserstellung Chirons symbolisiert. Hier „öffnet“ der Schlüssel Chirons die saturnischen Formen der „normalen“ Realität, lässt Uranus’ Energie eindringen, uns „anders“ sein als die anderen. Das aber ist gerade in der Kindheit oft schwer zu ertragen und schmerzt - eine Wunde.
Nehmen wir ein Beispiel. Eine Klientin mit Chiron in Haus 4 fühlt sich u.a. in ihrer Familie, ihrer Herkunft, „anders als andere“, als „nicht normal“. Sie litt unter den „chaotischen Verhältnissen“ zu hause und schämte sich zu sagen, wer ihr Vater war. Sie selbst „schwang“ mit allem und jedem so stark mit, dass sie oft emotional überwältigt war von ihren vielen Empfindungen. Da aber die Mutter so mit sich selbst beschäftigt war, gab es keinen Raum für ein empfindsames Kind. Sie erfuhr nur Ablehnung, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse anmeldete.
Schon früh fühlte sie sich verantwortlich für die kleine Schwester, versuchte ihr Halt und Schutz zu geben vor den Gefühlsausbrüchen der Eltern. Sie selbst nahm sich sehr zurück, konnte auch mit niemandem über ihre verletzten Gefühle rerden, wirkte nach aussen stark und bekam noch vor der Pubertät die ganze Last der Familiendramatik aufgeladen.
Mit der Zeit hatte sie ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle völlig unter Kontrolle („Flucht“ ins 10. Haus), hatte auch panische Angst, sich damit zu beschäftigen, war doch zu befürchten, dass ein ähnliches „Chaos“ in ihr herrschen würde wie in ihren Eltern. Und das Leben schien diese Vorgehensweise zu rechtfertigen, denn viele ihrer Bekannten, Kollegen, Freunde, kamen mit ihrem eigenen seelischen Innenleben nicht zurecht und suchten bei ihr Halt und Orientierung. Sie zog solche „lebensuntüchtigen“ Menschen - wie sie es nannte - geradezu magisch an. Und wieder „kümmerte“ sie sich um andere (Pontifax der Kentauren). Schon früh gründete sie eine Familie, ging nebenher arbeiten, sorgte für die Eltern in deren häufigen Krisen, unterstützte die Schwester beim Studium und besuchte sie später einmal pro Woche in der Psychiatrie.
Auch zu Hause bei ihrem Mann und den Kindern konnte sie kaum ihre Seele baumeln lassen, denn sie galt ja als die „Starke“, die für andere sorgen kann und selbst nichts braucht. Damit „verdiente“ sie sich ihre Anerkennung.
Der Zusammenbruch kam zwangsläufig. Sie musste wegen akuter Probleme mit der Gebärmutter ins Krankenhaus. Schon Wochen zuvor hatte sie über Erschöpfung geklagt, ohne jedoch die Aufmerksamkeit ihrer Umwelt zu bekommen. Der Aufenthalt im Bett gab ihr nun endlich Zeit, über sich selbst „nachzufühlen“. Aus dem Krankenhaus entlassen, machte sie eine Therapie, und lernte darin, ihre Art der Lebensführung, die demonstrierte Stärke und die Verdrängung des eigenen reichen Seelenlebens vor dem Hintergrund ihrer Kindheitserlebnisse zu verstehen.
Der Beruf der Therapeutin faszinierte sie. Sie machte eine Ausbildung und kann heute durch ihre besondere Sensibilität und ihr großes Einfühlungsvermögen und wegen ihrer eigenen leidvollen Erfahrungen anderen Menschen in einem klaren, abgegrenzten Rahmen von Therapiesitzungen helfen (Chiron „schenkt“ Prometheus seinen leidvollen Anteil und wird dadurch selbst heil, integriert den abgespaltenen Teil).
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* Wer Interesse hat, kann den Chiron-Vortrag, den Eva Stangenberg auf dem DAV Kongress 1997 in Heidelberg hilt, auf Kassette beziehen.
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Eva Stangenberg ist gepr. Astrologin DAV und leitet seit sieben Jahren zusammen mit Ernst Ott das DAV Ausbildungszentrum in Karlsruhe, Rottenburg und München. Eigene Beratungspraxis.
Kontakt: Eva Stangenberg, Dörnle 13, 72108 Rottenburg

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