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Robert Powell: Die Geschichte des Tierkreises
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Mittwoch, 16. Mai 2007, 20:08
Robert Powell
Die Geschichte des Tierkreises
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ISBN 978-3-937077-23-9
Die Haupt-Hypothese dieser Untersuchung lautet: Diese Stellung von Aldebaran und Antares in der Mitte ihrer jeweiligen Zeichen bildet die innere Definition des babyloni-schen siderischen Tierkreises – die „innere“, weil sie, obwohl sie nirgendwo in den uns zugänglichen Keilschrift-Quellen ausdrücklich genannt wird, nichtsdestoweniger die Grundlage bildet, auf der der Tierkreis beruht. Der Inhalt dieser Untersuchung unter-stützt die Hypothese, dass die Aldebaran-Antares-Achse wirklich die den babylonischen Tierkreis definierende Fiduzialachse war. Auf der Grundlage dieser Schlussfolgerung wurde der babylonische siderische Tierkreis im Anhang I in erweiterter Form rekon-struiert (im Anschluss an den Sternenkatalog des Ptolemäus in seinem Almagest), was, durch eben diese Rekonstruktion des ältesten Sternenkatalogs der Welt, einen eigenen Beitrag zur Geschichte der alten Astronomie darstellt. Dadurch wird ein alter Standard-Sternenkatalog bereitgestellt, mit dem aus der Antike wiedergewonnene astronomische Daten verglichen werden können. Die Frucht dieser Untersuchung, im Anhang I tabella-risch dargestellt, ist der dem babylonischen siderischen Tierkreis zugrundeliegende re-konstruierte Sternenkatalog. Drei Punkte sollen hinsichtlich dieses Sternenkatalogs an-gemerkt werden.
(1) Dieser rekonstruierte Sternenkatalog hat eine viel umfassendere Form als der ur-sprüngliche Sternenkatalog der Babylonier. Ein Fragment des ursprünglichen Katalogs, des ältesten der Welt, ist gefunden worden. Dieses Fragment listet sieben Sterne auf, von denen nur drei mit ihren angegebenen Längen identifiziert wurden. Diese sieben Sterne gehören zu der Standardliste von 32 Referenz-Sternen („Normalsterne“ genannt), die von den Babyloniern vor (und auch nach) der Innovation des Tierkreises verwendet wurde.
Für die Rekonstruktion des babylonischen Sternenkataloges würde es genügen, die Liste der 32 Normalsterne mit ihren ekliptischen Koordinaten tabellarisch aufzuführen, wäh-rend der rekonstruierte Sternenkatalog im Anhang I die im Katalog des „Almagest“ von Ptolemäus aufgelisteten 1022 Sterne tabellarisch darstellt. Der Grund für diese erweiterte Form liegt, wie oben bereits angedeutet, darin, einen umfassenden Sternenkatalog „baby-lonischen Stils“ zu liefern, der zum Zwecke des Vergleichs mit alten astronomischen Da-ten aus den Keilschrifttafeln oder aus anderen Quellen verwendet werden kann.
(2) Der ursprüngliche Sternenkatalog der Babylonier hat die Sterne in ihren siderischen ekliptischen Längen unter Angabe des nächstliegenden ganzen Grades aufgelistet, wäh-rend der rekonstruierte babylonische Sternenkalender im Anhang I aus Gründen der Ge-nauigkeit auf der Grundlage moderner astronomischer Berechnungen ihre siderischen ekliptischen Längen mit Grad und Minute angibt. Wenn dieser Sternenkatalog anderen Forschern nützlich sein soll, muss er genau sein. Wie im Anhang I angezeigt, müssen die drei Sterne, die mit ihren Längen aus dem ursprünglichen Sternenkatalog wiedergewon-nen wurden, im rekonstruierten Sternenkatalog genau lokalisiert zu finden sein. Wenn man die Längen dieser drei Sterne auf den nächstliegenden Grad aufrundet, werden da-mit genau die für diese Sterne im ursprünglichen Sternenkatalog angegebenen Längen geliefert.
(3) Der ursprüngliche babylonische Sternenkatalog listete die Sterne nur nach ihrer eklip-tischen Länge auf, ohne jede Angabe ihrer Breite. Im rekonstruierten babylonischen Ster-nenkatalog werden aber auch die Breiten der Sterne angegeben, weil diese zum Zwecke des Vergleichs mit astronomischen Daten, die aus den Keilschrifttafeln oder anderen Quellen wiedergewonnen wurden, von Wert sein könnten. So wiesen die Babylonier in den Beschreibungen der Positionen der Planeten im Verhältnis zu den 32 Referenzster-nen (Normalsterne) oft darauf hin, ob ein Planet „über“ oder „unter“ einem Stern stand, was offensichtlich eine Einschätzung der Planetenbreite bedeutete. In ähnlicher Weise bezog sich die Beobachtung, ob ein Planet „vor“ oder „hinter“ einem Stern stand, offen-sichtlich auf die Länge des Planeten.
(4) Im ursprünglichen babylonischen Sternenkatalog gab es keinen Hinweis auf die sicht-bare Größe eines Sterns. Zum Zwecke der Vollständigkeit ist im rekonstruierten Sternen-katalog die offensichtliche Sternengröße angegeben.
(5) Der rekonstruierte babylonische Sternenkatalog basiert auf dem Sternenkatalog des Ptolemäus, dem berühmtesten und umfassendsten antiken Sternenkatalog. Es gibt aber einen fundamentalen Unterschied zwischen der Konstruktion des babylonischen Ster-nenkatalogs und dem des Ptolemäus. Ptolemäus benutzte, wie die Babylonier, das eklip-tische Koordinatensystem des Tierkreises, das bei den Babyloniern seinen Ursprung hat-te. Während der babylonische Sternenkatalog aber siderische ekliptische Längen benutzt, verwendet der Sternenkatalog des Ptolemäus tropische ekliptische Längen der Sterne, d. h. gemessen am mit x0° definierten Frühlingspunkt. Das bedeutet: Ptolemäus übernahm zwar die babylonische Einführung des Tierkreises als sein Koordinatensystem, definierte es aber neu. Diese Forschungsarbeit untersucht die dem System der siderischen eklipti-schen Längen der Babylonier zugrunde liegende ursprüngliche Definition; sie untersucht auch, wie es dazu kam, dass der babylonische Tierkreis durch griechische Astronomen neu definiert wurde.
Diese Untersuchung erforscht also den Einfluss der babylonischen Astronomie auf die nachfolgenden Definitionen des Tierkreises. Nach der Darlegung grundlegender Betrach-tungen in den ersten beiden Kapiteln ist Kapitel 3 der Geschichte des tropischen Tierkrei-ses gewidmet, in dem definitionsgemäß der Nullpunkt (x0°) mit dem Frühlingspunkt übereinstimmt. Im Verhältnis zum tropischen Tierkreis wird in Kapitel 3 eine mögliche Herkunftslinie aus der babylonischen Astronomie aufgezeigt, wo darauf hingewiesen wird, dass der alte Sonnenkalender aus der MUL.APIN-Tafelserie der Prototyp des von den griechischen Astronomen angenommenen tropischen Tierkreises gewesen sein kann. Das Aufzeigen dieser zur spezifischen Bestimmung des tropischen Tierkreises führenden Herkunftslinie aus der babylonischen Astronomie ist ein ureigener Beitrag dieser Unter-suchung. Außerdem wird in verschiedenen Kapiteln dieser Arbeit die Überlieferung des babylonischen Tierkreises in die griechische, ägyptische (hellenistische) und indische (hinduistische) Kultur hinein erforscht und aufgezeigt, dass und inwiefern all diese Kul-turen den Babyloniern vieles verdanken – besonders hinsichtlich der ursprünglichen De-finition des Tierkreises durch die Babylonier.
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