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Beatrix Braukmüller: Vererbung von Konstellationen
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Freitag, 13. Juli 2007, 10:29
Beatrix Braukmüller
Vererbung von Konstellationen
ISBN 3-978-89997-149-
Die Analyse des Geburtshoroskops
Um herauszufinden, welche tatsächliche Verbindung zwischen Eltern und Kind besteht, welche karmische Aufgabe, bzw. welcher tiefere Sinn mit dieser Beziehung verbunden ist, und wie sich das auf das Verhalten des Kindes im zwischenmenschlichen Bereich auswirken kann, ist es notwendig, dass wir das Elternbild im Geburtshoroskop des Kindes eingehend untersuchen.
Mit Hilfe des Vergleichs der gegenseitigen Konstellationen von Eltern und Kind – der Synastrie – können wir erkennen, in welchen Bereichen die Bindung am stärksten ist, wo Machtkonflikte auftreten und wie wir Möglichkeiten, so genannte Anknüpfungspunkte, finden können, um (Stress-)Situationen oder Abhängigkeiten zu lösen.
Der Vergleich der einzelnen Horoskope von Eltern und Kind zeigt anhand wiederkehrender Aspekte und Konstellationen, welche Anlagen und Verhaltensmuster ver- bzw. geerbt wurden. Normalerweise werden die Sonnen-Aspekte vom Vater und die Mond-Aspekte von der Mutter geerbt. Die individuellen Einzelaspekte geben jedoch sehr viel konkreter Aufschluss über die Fortsetzung der Themen und Muster.
Zudem erhalten wir durch das Horoskop des Kindes einen weiteren Hinweis auf die Situation, in der sich die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes befanden. Im Horoskop des Kindes ist diese Situation manifestiert, denn deren Konstellationen sind gleichzeitig die Transite der Eltern. Durch das Kind werden die Eltern kontinuierlich aufgefordert, sich mit ihrer Entwicklung auseinanderzusetzen und aus ihren Erfahrungen zu lernen.
Bei der Analyse der Eltern-Kind-Beziehungen sollten wir Folgendes berücksichtigen:
1. Die Konstellationen von Sonne und Saturn als Vatersymbole sowie Mond und Venus als Muttersymbole im Horoskop geben Aufschluss darüber, welches Elternbild wir haben, bzw. wie wir die elterlichen Einflüsse während der frühen Kindheit wahrgenommen haben.
2. Anhand der Synastrie, dem Vergleich der Horoskope von Eltern und Kind, erkennen wir die Beziehung zwischen beiden und die damit verbundenen Anknüpfungspunkte und Schwierigkeiten. Außerdem stellen wir anhand der einzelnen Horoskope fest, welche Aspektverbindungen, bzw. welche Muster wir von den Eltern geerbt haben.
3. Das Horoskop des Kindes zeigt die aktuellen Transite – also die Einflüsse, mit denen die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes konfrontiert waren. Diese Situation wird im Horoskop des Kindes manifestiert.
Anhand verschiedener Beispiele möchte ich deutlich machen, wie wir in unserem eigenen Horoskop unser Elternbild, das in den meisten Fällen noch aus der Sicht des Kindes resultiert, analysieren können. Es geht mir darum festzustellen, wie wir unsere Eltern wahrgenommen und erlebt haben – nicht darum, wie sie wirklich waren. Darüber kann nur die individuelle Analyse der Elternhoroskope in der Beratung Aufschluss geben.
Die rein subjektive Wahrnehmung der Eltern spielt eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Kindes. Da viele Paare mehrere Kinder haben, die alle mit unterschiedlichen Konstellationen geboren wurden, dürfte jedes Kind ein anderes Bild von seinen Eltern haben.
Eine Klientin mit Steinbock-Sonne und Mond-Venus-Konjunktion im Wassermann, die mit einem Jungfrau-Mann mit Fische-Mond verheiratet ist, bekam als erstes Kind einen Sohn mit Stier-Sonne und Skorpion-Mond. Sonne und Mond stehen in Oppositions-Zeichen. Der Sohn ist mit der Sonne im weiblichen Zeichen mutterorientiert. Er erlebt die Beziehung seiner Eltern zwar als solidarisch, aber nicht als seelisch unbeschwert. Seine Mutter, zu der er eine tiefe Bindung hat, nimmt mit ihrer intensiven Mutterliebe großen Einfluss auf seine Werte und Gefühle, so dass ein unbewusstes Abhängigkeitsverhältnis entsteht. Er nimmt sie als dominant, kontrollierend und wenig spontan wahr und meint ihr Gutes tun zu müssen, um ihr zu beweisen, wie verantwortungsbewusst er ist.
Der zweite Sohn wurde mit Löwe-Sonne und Jungfrau-Mond – Sonne und Mond in Nachbarzeichen – geboren. Er ist vaterorientiert (Sonne im männlichen Zeichen), möchte gern so stark sein, wie er seinen Vater wahrnimmt, und will anerkannt und bewundert werden. Seine Mutter empfindet er als ordnungsliebend, pflichtbewusst und praktisch veranlagt, aber nicht als sehr liebevoll. Er passt sich an, ist vernünftig und hält seine Gefühle unter Kontrolle, um der Mutter keine Probleme zu bereiten und um die Beziehung der Eltern nicht zu beeinträchtigen. Das wird von den Eltern jedoch so nicht wahrgenommen; sie sind erfreut über ihr anpassungsfähiges und „pflegeleichtes“ Kind, das sehr hilfsbereit ist und ihnen immer „zur Hand geht“.
Die Tochter kam als „Nachkömmling“ mit Stier-Sonne – wie der älteste Sohn – und Waage-Mond zur Welt. Sonne und Mond befinden sich im Quincunx und in Venus-Zeichen. Auch sie empfindet die Mutter einerseits als dominant, sicherheitsbedürftig und materiell orientiert, andererseits aber auch als ausgleichend und harmonieliebend, als eine Frau, die zu vermitteln versucht und um des lieben Friedens willen Auseinandersetzungen vermeidet. Dennoch fühlt sich die Tochter eng mit der Mutter verbunden und hat Angst, von ihr verlassen zu werden.
Mit der Sonne im weiblichen Zeichen Steinbock ist die Klientin selbst muttergeprägt. Ihre Mutter hat sie als unberechenbar und unzuverlässig erlebt (Mond und Venus in Wassermann), da sie die Familie verließ, als die Klientin zehn Jahre alt war. Sie wuchs bei ihrem Vater auf und hatte nie ein echtes Zugehörigkeitsgefühl. Doch die Konjunktion von Mond und Venus spricht für eine sehr starke Mutterbindung: Die Tochter kann sich seelisch nur schwer von ihrer Mutter trennen. Deshalb baut sie sich ein negatives Mutterbild auf, das sie dazu anspornt ihren Kindern eine „bessere“ Mutter zu sein und „bloß nicht so zu werden wie ihre eigene Mutter.“ Damit setzte sie sich so lange unter Druck, bis sie erkannte, dass sie liebevoll und intuitiv auf jedes einzelne Kind eingehen kann, wenn sie sich von dem Gedanken an ihre eigene Mutter löst.
Natürlich ist das nur ein erster Eindruck, denn es sollten auf jeden Fall alle Aspekte berücksichtigt werden. Eine ganzheitliche Aussage ergibt sich erst mit dem Blick auf das gesamte Horoskop. Und ein vertiefender Blick auf das Horoskop der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern zeigt anhand übereinstimmender Konstellationen ganz konkret, welche Muster geerbt oder übernommen wurden, welche Verhaltensweisen mitunter über Generationen fortgesetzt werden – insbesondere, wenn Saturn, Uranus, Neptun und Pluto Aspekte mit persönlichen Planeten bilden.
Es geht mir nicht darum, mit dieser Analyse Entschuldigungen für bestimmte Reaktionen oder Verhaltensweisen zu suchen oder Schuldzuweisungen zu machen, sondern darum, dass wir aus der Sicht eines reifen Erwachsenen erkennen, welche Rolle unsere Eltern für uns und welche Rolle wir für sie spielen und was wir gegenseitig voneinander lernen können. Wenn wir diese Erkenntnis nachvollziehen, verstehen und akzeptieren lernen, sind wir dazu in der Lage, Verantwortung für unser Leben und unser Schicksal zu übernehmen und eine tolerantere Einstellung sowohl zu unseren Eltern als auch zu unseren Kindern zu entwickeln. Durch die Bewusstmachung unseres Elternbildes können wir lernen unser Verhalten so zu verändern, dass unsere Beziehungen zu anderen Menschen, insbesondere zu unserem Partner bzw. unserer Partnerin und zu unseren Kindern entspannter verlaufen.
Unsere Lebensaufgabe besteht darin, unser wahres Ich zu entwickeln, unseren eigenen Weg zu finden, diesen mit allen Konsequenzen verantwortungsbewusst zu gehen und nach unseren Bedürfnissen zu leben. Grundlage dafür bildet ein gesundes Selbstwertgefühl sowie das Bewusstsein, dass unsere Eltern dazu beitragen, uns auf unseren Weg zu bringen – wie auch immer – denn „sie schenken uns das Leben und dafür sollten wir sie lieben“, meint Bert Hellinger.
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