Astrologie | klassische Astrologie
Stimmungen und Emotionen
Barbara Egert
Verantwortlich für den Inhalt ist der oben genannte Autor/Anbieter.
Samstag, 17. November 2007, 11:30
Stimmungen und Emotionen
Emotionen sind in unserem Leben von ausschlaggebender Bedeutung, denn weder in Beziehungen und Freundschaft, noch in der Familie und am Arbeitsplatz kommen wir ohne sie aus. Sie bestimmen oftmals unser Handeln, sie bringen uns in Schwierigkeiten, sie retten uns vor falschen Entscheidungen und beeinflussen maßgeblich unser Auftreten und das Bild, das andere von uns haben, sie lösen Erfolge und Niederlagen aus, machen uns vorübergehend glücklich oder unglücklich. Emotionen kommen ganz plötzlich und dann verschwinden sie wieder, manchmal wissen wir gar nicht, warum wir so emotional reagiert haben und schütteln über uns den Kopf, nehmen uns vor, nie mehr so heftige Gefühlsausbrüche zu bekommen, und bei nächster Gelegenheit wiederholen wir unser emotionales Reaktionsmuster.
Der Forscher Paul Ekmann postuliert, dass es sechzehn Basisemotionen gibt, während Charles Darwin im Jahr 1872 noch von nur sechs Emotionen sprach. Um „fundamental“ oder „elementar“ zu sein, muss eine Emotion eine Reihe von Kriterien aufweisen, wie zum Beispiel:
- Sie betrifft etwas, das von großer Bedeutung für uns ist,
- sie geschieht uns plötzlich, wir entscheiden uns nicht für sie,
- die emotionale Phase ist relativ kurz und hält manchmal nur wenigeSekunden an; ist sie von längerer Dauer, dann handelt es sich um
eine Stimmung etc.
Während meines Studiums von Menschen und Horoskopen hatte ich schon sehr oft die Vermutung geäußert, dass manche Menschen fast nur aus Emotionen bestehen, aber ich löste mit diesem Gedanken bei anderen fragendes Erstaunen aus, worin denn der Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen bestehe. Gefühle sind nach meinem Verständnis eher ein Überbegriff, während eine Emotion eine „Bewegung“ mit einer Reaktion auf ein Ereignis oder eine Situation ist, die sich in unserem gesamten Organismus widerspiegelt, und keinen Dauerzustand darstellt, während Gefühle, ähnlich den Stimmungen, weitaus langlebiger sind. Eine Emotion kommt und geht, wir fallen in ein heftiges Gefühl und dann fühlen wir nichts mehr, während fließende Gefühle für mich eine ganz andere Qualität haben und sich eher durch harmonische Planetenaspekte und -stellungen manifestieren.
Nehmen wir das Horoskop eines Menschen mit einem Widder-Mond, auf den der transitierende Uranus ein Quadrat wirft: Wir werden von einer Emotion überfallen, die sich in diesem Fall als ein plötzlicher heftiger Erregungszustand äußern und körperlich durch Herzklopfen, Schweißausbrüche und der entsprechenden Mimik etc. zeigen kann. Hat derjenige eine Mond/Uranus-Opposition im Horoskop, so wird seine emotionale Reaktion verstärkt, und wir können ziemlich sicher sein, dass er eine leicht erregbare Grundstimmung hat.
Um dieses Beispiel weiter zu differenzieren, müssen wir uns das gesamte Radix anschauen und versuchen zu erkennen, ob diese Emotion tatsächlich nach außen sichtbar werden kann oder ob wir es mit einem Menschen zu tun haben, der sich kontrolliert und beherrscht, wie bei einem dominanten Saturn-/Steinbock- oder Pluto/Skorpion-Einfluss, bei dem Emotionen für Außenstehende, aber weniger für nahe stehende Menschen, ohne äußere Reaktionsbildung ablaufen.
Diese geschilderte Emotion kann sich schließlich in einen Zustand wandeln, in dem wir in einer erregbaren Stimmung leben, die dann allerdings keine Emotion mehr ist. Die Unterscheidung zwischen Emotionen und Stimmungen ist relativ einfach, denn bei einer Emotion ist uns der Auslöser bekannt, und wir können sie auf das eingetretene Ereignis zurückführen. Warum wir in eine bestimmte Stimmung fallen, können wir uns meistens nicht erklären, sie scheint uns einfach zu passieren. Wir wachen morgens mit einer miesen Stimmung schon auf, und wenn wir Pech haben, hält sie den ganzen Tag an. Ärgern wir uns kräftig, dann können wir dauerhaft gereizt sein, viele kleine glückliche Ereignisse können uns in eine anhaltende freudige Stimmung versetzen. Wir finden analoge Ausdrücke in der Musik und in unserem Wetter: „Wir sind verstimmt“ oder „es ziehen dunkle Wolken auf“, was impliziert, dass wir über unsere Grundstimmung, die zu uns gehört, und somit über unser Stimmungsbarometer sehr wohl Bescheid wissen.
Die Atmosphäre unseres psychischen Lebenshintergrundes ist heiter oder ernsthaft, reizbar oder verträumt, aggressiv oder fröhlich etc. und in unserem Radix nicht allzu schwer zu ergründen, wobei wir natürlich beachten müssen, dass wir wohl alle zwiespältig sind und wir durchaus eine Grundstimmung von Reizbarkeit und Fröhlichkeit haben können. Wenn unser Radix ein Quadrat vom Widder-Mond zum Krebs-Mars aufweist und der Mond außerdem ein Trigon vom Schütze-Jupiter erhält, dann werden uns und anderen beide Stimmungs-Grundmuster bekannt sein. Allerdings können sich in unserem Leben Stimmungen grundsätzlich verändern, wenn zum Beispiel ein bedeutungsvolles Ereignis gravierende innere und äußere Änderungen und/oder Transformationen mit sich bringt. Es mag sein, dass bei unserem Beispiel nur die reizbare Mond/Mars-Stimmung gelebt und durch einen starken Transit oder Progression von Uranus und ein grundlegend uns wandelndes Ereignis unsere begeisterungsfähige Seite geweckt wurde.
Wir können aus einem Radix ebenso erkennen, welche Leitemotion(en) unsere Persönlichkeit bestimmt; andere, meist nahe stehende, Menschen wissen hingegen, wie sie uns emotional einzuordnen haben: Wir sind schließlich bekannt dafür, dass wir mit heftiger Angst reagieren oder mit übermäßigem Zorn und Ärger, dass uns tiefste Traurigkeit oder auch eine unmäßige Eifersuchtsattacke und widerliche Ekelgefühle überfallen können. Wenn negative Gefühlsausbrüche schon in der Kindheit unterdrückt werden mussten, weil unsere Erziehungspersonen mit unseren (und sicher auch mit ihren eigenen) Emotionen nicht umgehen konnten, werden sie im Laufe der Zeit immer gefährlicher, da sie ja nicht einfach verschwinden, wenn wir sie nicht wahrnehmen. Sie suchen sich stattdessen ein Ventil, einen Ausdruckskanal und brechen dann urplötzlich hervor, richten Unheil an und können sich auch in einer Krankheit somatisieren. Darüber hinaus vermitteln wir unserem Umfeld den Eindruck, dass man uns reizen und angreifen kann, ohne dass wir uns wehren. Dadurch können sich die Provokationen an unsere Adresse verstärken und uns immer wütender, trauriger und hilfloser machen.
In einem Radix schauen wir erst mal die Platzierung unseres Mondes mit allen Aspekten an und haben so schon einen guten Überblick über unsere Emotionalität. Es versteht sich, dass harte Winkel von Pluto, Uranus und Mars auf unseren Mond die heftigsten Reaktionen auslösen können, das heißt wir sind natürlich nicht ständig voller Emotionen, aber unser Grundmuster besagt, dass wir bei entsprechender Gelegenheit sehr emotional reagieren können, zumal wenn ein Transit diese Winkel attackiert. Wenn wir außerdem sehr sensibel sind (Krebs-, Fische-, Neptun-, Zwölfthaus-Betonung) werden wir uns viel schneller in Wallung bringen lassen; diese Hypersensibilität forciert unsere Emotionsbildung, aber auch nur dann, wenn wir entsprechende Grundkonstellationen in unserem Horoskop vorfinden. Ansonsten lässt ein Neptuniker nur schwerlich heftige Gefühle zu oder aber er nimmt sie nur diffus wahr, verdrängt sie, um niemanden zu verletzen, schlüpft auch in eine Opferrolle oder reagiert emotional mit einem Tränenausbruch, der oft auf tiefes Mitleid, Enttäuschungen und/oder unausgelebte Wut zurückzuführen ist.
Ich möchte an einigen Basisemotionen verdeutlichen, wie sie bei einem Menschen entsprechend seinem Radix zum Ausdruck kommen könnten:
Freude und Glück
Es ist erstaunlich, wie wenig Literatur es über diese sehr wichtige Emotion gibt, die uns zu einem besseren Selbstgefühl verhilft, uns mutiger und selbstbewusster macht. Freude und Glück können wir mit der Gefühlsfamilie gute Laune und Zufriedenheit in Verbindung bringen. Leider sind Freude und Glück nur von kürzerer Dauer, sie sind eine Reaktion auf eine wunderbare Erfahrung oder Situation. Freude kann sich über Begeisterung bis zur Ekstase steigern und schließlich in eine konstantere Stimmung der Zufriedenheit münden. Ich kenne einige Personen, die sich riesig freuen und begeistern können und habe ausnahmslos eine Verbindung von Mond und Jupiter festgestellt, wobei ein harter Winkel zwischen diesen beiden Planeten eher zur Übertreibung neigt. Selbstverständlich haben auch Menschen ohne diese spezielle Planetenverbindung Glücksgefühle, überhaupt wenn entsprechende Transite, Progressionen oder Direktionen fällig sind, aber diese jupiterhafte Grundstimmung verstärkt die Gefühle von Glück und zeigt eine unglaubliche Begeisterungsfähigkeit, die durch Platzierungen in den Feuerzeichen noch gesteigert wird. Interessant ist die Beobachtung, dass Menschen, die sich übermäßig freuen und diese Freude auch zum Ausdruck bringen, bei negativen Erfahrungen sehr oft ebenso stark emotional reagieren.
Freude verbindet, sie lässt uns über uns hinauswachsen, sie schenkt uns Selbstvertrauen, und wir fühlen uns bedeutsam, wir sind von Freude überrascht worden, und diese Glücksemotion kann uns in jedem Lebensbereich treffen. So finden wir die Fähigkeit zu Glücksgefühlen, Begeisterung und freudiger Erregung oftmals in dem Haus, in dem unser Jupiter platziert ist und je nach Ereignis ist dieser mit unserer Sonne (Selbstvertrauen, Entfaltungsmöglichkeiten), Mond (Gefühle, Begeisterung), Merkur (Erfolge im Studium, Kommunikation), Venus (Beziehungen, Kreativität), etc. verbunden. Jupiter im Aspekt zu Mars mit seinem Drang nach Selbstbehauptung und Beweis seiner Willenskraft wird sich über einen Sieg maßlos freuen und, wie schon in uralten Zeiten die Jäger und Sammler, ihre Trophäen mit Begeisterung vorzeigen und feiern; Siege in Wettkämpfen und Erfolge jeglicher Art können die glücklichsten Emotionen hervorrufen.
Wir können Freude und Glück nicht erzwingen und der aufmunternde Satz: „Nun freu’ dich doch!“ ist für den Betreffenden eher lästig, denn er hat nicht die Begabung, seine positiven Emotionen auszudrücken, was nicht impliziert, dass er sich nicht freut. Als meine 9-jährige von uns als Überraschung das lang ersehnte Handy geschenkt bekam, wiederholte sie mehrmals: „Ich freue mich so“, aber die Gefühle der Freude selbst waren nicht sichtbar. Die Grundstimmung in ihrem Radix ist durch das Mond/Saturn-Quadrat bestimmt und somit durch ihren recht ernsthaften und zurückhaltenden Gefühlsausdruck. Wenn man das weiß, ist man selbst nicht so enttäuscht über die fehlende Reaktion, was allerdings für begeisterungsfähige Menschen schwer verständlich ist.
Erregung
Erregung ist in ihrer Qualität unverwechselbar, sie kann mit Glück und Freude vermischt sein, sie kann aber auch Zorn und Wutanfälle auslösen oder uns vor Angst erstarren lassen. Manche Menschen brauchen und suchen die Erregung, wie Autorennfahrer, Stuntmen etc. Die Erregung als Basisemotion überfällt uns plötzlich oder aber sie steigert sich von einer erregten Grundstimmung zu einer kaum auszuhaltenden Spannung, die sich dann je nach Ereignis positiv oder negativ entlädt.
Wenn wir nach dieser Grundemotion in unserem Horoskop suchen, dann konzentrieren wir uns erst mal auf Uranus, seine Platzierung und Aspekte. Es ist nicht schwer herauszufinden, ob der Mensch leicht erregbar oder eher gelassen reagieren müsste, allerdings können wir uns gerade bei dieser Emotion sehr täuschen lassen. Ich kenne viele Menschen, die einen stark platzierten Uranus haben, die von ihrer Grundstimmung her leicht erregbar, unruhig, aufgeregt und anregend sind, die aber so gut wie niemals eine plötzlich ausbrechende Erregbarkeit nach außen dringen lassen. Wenn wir genau hinschauen, sehen wir vielleicht, dass die Hände verräterisch leicht zittern, aber das ist auch schon alles. „Wieso bist du so ruhig geblieben?“, fragen wir nach diesem eklatanten Ereignis, was uns die letzten Nerven geraubt hat, und unser uranischer Mensch zuckt gleichmütig mit seinen Schultern („echt cool?“).
Wenn wir sein Horoskop kennen, dann können wir davon ausgehen, dass er durch seine Steinbock-/Saturn- und/oder Pluto-Dominanz sich dazu erziehen konnte, keine Emotion nach außen dringen zu lassen, weil das zu seinem Selbstbild nicht (mehr) passt. Das heißt aber keinesfalls, dass er früher oder später nicht emotional übererregt war, sondern eher im Gegenteil: Er hat aus diversen Gründen gelernt, seine Erregbarkeit unter Kontrolle zu halten, vielleicht gerade weil er früher so emotional reagierte und deswegen gehänselt wurde. Ein Mensch mit einer erregbaren Grundstimmung im Horoskop jedoch wird bei einem entsprechenden Ereignis immer mit emotionaler Erregung reagieren, ob sichtbar oder versteckt. Wir brauchen einem „echten“ Uranier gar nicht zu sagen: “Nun reg dich doch nicht so auf“. Er muss sich aufregen und kann nicht anders, sonst würde er „platzen“ – so hörte ich jedenfalls. Selbstverständlich gibt es auch die Horoskope, in denen Uranus sehr positiv platziert und aspektiert ist, so dass diese Menschen wirklich schwer erregbare Gemüter haben und mit Weitblick und Intuition Situationen meistern, vor denen andere aufgeregt davon laufen möchten.
Wut und Zorn
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, einen Menschen in Rage zu versetzen, vor allem wenn er einen dominanten Mars im Radix hat, der in seinem eigenen Zeichen steht und mit Sonne oder Mond durch herausfordernde Winkel verbunden ist. Wenn wir uns ein Ziel gesetzt haben, und sei es nur ein kleines, wenn uns jemand bei dem stört, was wir gerade erledigen wollen, wenn wir bei einem Vorhaben scheitern, dann löst diese Frustration Zorn und Wut aus, die sich noch verstärken, wenn wir von jemanden absichtlich behindert und verärgert werden. Diese Emotion kann explosionsartig, also unkontrolliert, aus uns herausbrechen und uns und anderen Schaden zufügen.
Zorn kann von einem eher harmlosen verbalen Wutanfall, der andere Menschen aber dennoch zutiefst erschreckt und verletzt, bis zu einem physischen Gewaltakt reichen, der für uns und unsere Beziehungen katastrophale Folgen haben kann. Die verbalen „Schläge“ finden wir vornehmlich bei Merkur/Mars oder auch Merkur/Uranus, die archaische Gewalt mag hauptsächlich mit Pluto/Skorpion zusammen hängen, aber einer der persönlichen Planeten sollte schon beteiligt sein. Wenn wir also in einem Radix Mars- und Pluto-Aspekte zu Sonne, Mond und Merkur – allenfalls auch Venus -, finden, können wir von einem emotionalen Grundmuster der Wut ausgehen, das latent immer vorhanden ist, sich in unserer Grundstimmung vielleicht nur als Reizbarkeit zeigt, aber bei einem uns betreffenden, gravierenden Ereignis als eine schwer zu kontrollierende Emotion hervorbricht.
Natürlich gibt es auch Menschen, für die es einfach unmöglich ist, in Wut auszubrechen, in blindem Zorn um sich zu schlagen oder andere verbal zu attackieren, wie zum Beispiel bei Merkur/Saturn- und Pluto/Mars-Aspektierungen sowie Fische/Neptun-Betonung. Es ist für unsere körperliche und psychische Verfassung nicht unbedingt wünschenswert, Aggressionen zu unterdrücken, denn wenn man seine Emotionen völlig nach innen kehrt, können wir früher oder später krank werden. Es gibt aber auch komplizierte „Fälle“: Ich kenne eine Frau lange und gut, die ein Mond/Mars-Quadrat im Radix hat und die offensichtlich nur bedingt wütend werden kann bzw. manche heftigen Gefühle einfach nicht zu fühlen scheint. Der Mars steht in ihrem Horoskop in Fische im elften Haus, und so lösen sich ihre Aggressionen stets in neptunischen Dimensionen auf. Dafür schafft sie es regelmäßig, ihren angeblich nicht vorhandenen Zorn auf mich zu übertragen, so dass ich schließlich an ihrer Stelle schrecklich ärgerlich werde. Dafür hat sie Pluto im vierten (Mond-) Haus und kann sehr wohl tobsüchtig werden, wenn ihre Kinder ihr nicht gehorchen.
Es ist also nie ganz einfach, Stimmungsgrundmustern und emotionalen Reaktionsmustern in einem Horoskop auf die Spur zu kommen, aber zusammenfassend lässt sich folgendes sagen:
Wir finden unsere Grundstimmung durch Analyse der persönlichen Planeten, besonders Mond, in Verbindung zu
Mars – Reizbarkeit, latente Aggressionsbereitschaft
Jupiter - Heiterkeit und Optimismus
Saturn - Ernsthaftigkeit, Misstrauen, Traurigkeit
Uranus - Erregbarkeit, Unruhe, Nervosität
Pluto - Entschlossenheit, Besessenheit, intensive Gefühle
Wenn wir also eine oder mehrere dieser Stimmungsgrundmuster in einem Horoskop finden, können wir davon ausgehen, dass sie sich zu einer starken Emotion steigern können, so dass ein fröhlicher Jupiter in Verbindung zum Mond in helle Begeisterungsstürme ausbricht, zu der ein Aspekt von Saturn zu Mond niemals fähig wäre. Haben wir eine saturnische Grundstimmung, so können wir uns natürlich auch sehr freuen, die entsprechende Emotion wird allerdings eher verhalten sein, und wir fallen dann alsbald in unsere eher ernsthafte Stimmungslage zurück. Wir sind an diese innere Atmosphäre gewöhnt und sie ist uns vertraut, auch wenn sie uns nicht besonders gut tut oder sogar missfällt.
Emotionen haben eine große Macht über uns und unsere Beziehungen, und es ist für die meisten Menschen schwierig, nicht emotional zu reagieren, wenn es um etwas Entscheidendes in ihrem Leben geht. Reagieren wir zu emotional, kann uns das größte Nachteile bringen, bleiben wir verschlossen und zeigen kein Gefühl, erwecken wir den Eindruck, wir seien gefühllos. Leider können wir bei heftigen Emotionen nicht selbst entscheiden, wie wir ihnen konstruktiv Ausdruck verleihen sollten. Das emotionale Profil eines Menschen, wie wir reagieren, was wir fühlen, tun und sagen, kann also sehr kritische Auswirkungen haben, und meines Erachtens ist ein Horoskop sehr hilfreich, dem anderen mit mehr Toleranz und Verständnis begegnen zu können, wenn er (mal wieder) in seine Stimmung fällt und sich so emotional verhält, dass wir es kaum nachvollziehen können. Es ist allerdings immer notwendig, den Menschen selbst zu erleben und seine Lebensgeschichte zu kennen und zu beobachten, was er wie ausdrückt und bewegt, denn seine Mimik und Gestik geben uns hinreichenden Aufschluss gerade über Emotionen, ebenso Krankheitssymptome, die auf unterdrückte Gefühle schließen lassen können. Wir suchen ja auch keinen Arzt auf und bitten ihn um eine Diagnose, ohne ihm unsere Symptome zu schildern.
Ich möchte jetzt das Horoskop von Janine vorstellen, aus dem wir sehr prägnant ihre Grundstimmung und die daraus resultierenden Emotionsmuster erkennen:
Wir finden in dem Radix eine Widder-Sonne im Quadrat zum Krebs-Mars im dritten Haus, eine Mond-/Uranus-Konjunktion in Löwe im fünften Haus, ein Anderthalbquadrat von Uranus auf die Sonne und eine Merkur/Pluto-Opposition.
Janines Stimmungslage ist von großer Reizbarkeit und einer latenten Unruhe, die fast schon ansteckend ist. Man weiß nie genau, wann ihr plötzlich etwas missfällt und ein kurzer, aber heftiger Wutanfall hervorbricht, der von verbalen Attacken begleitet wird. Genauso schnell wie die latente Grundstimmung in eine Emotion umschlägt, ist sie auch wieder vorbei, nur dass sie in verhältnismäßig kurzer Zeit sehr viel Porzellan zerschlagen kann. Da die Mond-/Uranus-Konjunktion in Löwe im fünften Haus steht, fällt es ihr ungemein schwer, ihre Emotionen zu kontrollieren, sie muss sie einfach ausdrücken. Die meisten Menschen fühlen sich in ihrer Gegenwart nicht sehr wohl, und sie schafft es nicht, ihre Energien zu kanalisieren, so dass zumindest sporadisch ein kreativer Prozess in Gang gesetzt werden könnte. Janine ist sich ihrer Stimmungen und Emotionen bewusst, zumal sie damit schon einige Beziehungen (Neptun in Konjunktion zum DC) zerstört hat, aber es hat den Anschein, als müsse sie erst in eine echte und wirklich tiefe Krise geraten, ehe sie sich wandeln kann.
Eine ganz andere Grundstimmung finden wir bei Steffi, die mit ihrer Konjunktion von Sonne/Merkur/Saturn in Jungfrau nicht nur ernsthaft, sondern phasenweise sehr grüblerisch bis depressiv ist. Der Schütze-AC (Jupiter in Fische in zwei), dem man eigentlich viel Begeisterungsfähigkeit nachsagt, hat wenig Einfluss auf ihre Freudefähigkeit, die wirklich sehr gebremst ist. Als jetzt Pluto im Quadrat Sonne und Saturn transitierte und auf Merkur stationär verweilte, reagierte sie auf ein betrübliches Ereignis mit heftiger Trauer, die ihre an sich schon traurige Grundstimmung verstärkte.
Traurigkeit gehört auch zu den Basisemotionen, sie wird meistens durch irgendeine Art von Verlust ausgelöst und erhält sich als Stimmung am Leben, weil die Gedanken immer wieder bei diesem traurigen Ereignis verweilen und sich nicht lösen können. Steffis Mann, der eigentlich viel tiefer von dieser Situation betroffen war, konnte alsbald wieder zu seiner Grundstimmung zurückkehren (Jupiter und Sonne Trigon Merkur, Mond Trigon Mars).
Meine Vermutung, dass sich Steffis Grundstimmung durch den Transit von Pluto wandeln sollte, impliziert, dass sie sich diesem Thema intensiv widmen müsste und sie ihren positiven Radix-Elementen zum Leben verhilft. Aber woher den Optimismus nehmen, wenn es einem stimmungsmäßig gerade so schlecht geht? Irgendwo habe ich gelesen, dass man in das Element seines Sonnenzeichens gehen solle, um sich zu regenerieren und neue Kräfte sammeln zu können. Als Steffi mir erzählte, sie arbeite sehr viel im Garten (Erde = Jungfrau-Sonne) und das täte ihr gut, hatte ich den Eindruck, dass sie sich instinktiv auf den richtigen Weg bringt, allerdings noch viel zu tun hat, um die Herausforderungen Plutos zu erfüllen.
Wenn wir also nun unser Grundstimmungsmuster und unsere emotionalen Reaktionen erkannt haben, dann können wir es natürlich, sofern sie negativ sind, dabei belassen, aber sinnvoller wäre es schon zu überlegen, wie wir damit besser umgehen, um uns und anderen Probleme zu ersparen. Zumal die Emotionen, mit denen wir einem anderen Menschen begegnen, bei jenem meistens die gleiche Emotion auslöst und diese unsere Ursprungsemotion verstärkt. Das ist ein Emotionszirkel, der viel Unfrieden anstiften kann, den wir und nicht der andere verursacht hat. Und genau hier setzen die Projektionen ein, indem wir unser Gegenüber verantwortlich für unsere Emotionen machen, und ihm vorwerfen: „Wenn du nicht so und so wärst, würde ich mich auch nicht aufregen, so traurig reagieren etc.“ Oder wir wundern uns wie Janine, dass in unseren Beziehungen der Partner/die Partnerin ebenfalls ausrastet, wenn wir uns so unberechenbar emotional verhalten.
Um mit unserem emotionalen Verhalten umgehen zu lernen, müssten wir ein emotionales Bewusstsein entwickeln, das heißt vor dem zu erwartenden Gefühlsausbruch einen Schritt von uns zurücktreten können, einen kurzen Moment wenigstens innehalten und uns fragen, ob wir nun wirklich so reagieren wollen. Manche schlagen vor, ein Glas Wasser in kleinen Schlucken zu trinken, was eher unpraktisch ist, da uns dieses ja wohl kaum immer zur Verfügung steht; mehrmals tief durchzuatmen, bevor man reagiert, wäre schon eine bessere Lösung. Ich finde, dass die buddhistische „bewusste Wachsamkeit für das, was dein Geist tut“ (mindfulness = Achtsamkeit) von uns so trainiert werden könnte, dass wir mit der Zeit lernen, unsere Emotionen rechtzeitig zu erkennen und zu regulieren. Da wir alle auch Neptun in unserem Horoskop haben, könnten wir über diese sensiblen und mitfühlenden Energien vielleicht lernen, etwas einfühlsamer zu reagieren und den anderen nicht zu verletzen bzw. ihm das nicht zufügen, was wir selbst nicht akzeptieren können. Unsere traurigen Stimmungen oder Emotionen könnten uns darüber hinaus empfänglicher für das Leid von anderen Menschen machen und unsere eigenen Gefühle relativieren.
Ich weiß persönlich, wie schwierig der Umgang mit Stimmungen und Emotionen ist, denn mein Quadrat von Mars auf Sonne, Merkur und AC verselbständigt sich nur allzu gerne und genau das, was ich dieses Mal nicht sagen oder tun wollte, geschieht trotz aller guten Vorsätze. Aber ich kann allen emotional reagierenden Menschen nur Mut zusprechen, denn im Laufe der Jahre erscheint es mir möglicher, mich zu beherrschen oder zumindest zu mäßigen und wenn es mal wieder nicht geklappt hat, kann man sich zumindest für seine Unangemessenheit entschuldigen. Nach einigen Jahren echten Bemühens und Achtsamkeit können wir mit Sicherheit Gleichmut oder heitere Gelassenheit ernten, aber wir müssen wirklich wollen und nicht mit unseren Emotionen kokettieren à la „So bin ich nun mal“.
Unsere positiven Emotionen der Freude und Begeisterungsfähigkeit sollten wir uns nicht nehmen lassen, denn leider scheint es für manche Menschen wirklich schwierig zu sein, glückliche Gefühle zu teilen, wodurch sie sich ja noch vermehren können. Unsere Ich-Begrenztheit öffnet sich (Saturn ist überlistet), wir können die Emotion der Freude nicht auf Morgen verschieben, wir müssen sie jetzt leben, sie bereichert uns, und wir können damit andere Menschen beglücken. Auch wenn wir eine eher ernsthafte Grundstimmung haben, so gibt es genug Anlässe, Freude zu fühlen und zuzulassen, wir müssen sie nur sehen wollen und wecken. Wir müssen ja nicht gleich mit Mond/Jupiter in Begeisterungsstürme ausbrechen, die stillen Freuden sind ebenso schön.
Erstveröffentlichung in ATROLOGIE HEUTE
Meine Deutungstexte für die Software Galiastro finden Sie unter:
www.galiastro.de/probedeutungen/barbara_egert
Diese Seite wurde bisher 1.030 mal aufgerufen.






