Astrologie | klassische Astrologie
Aspekte der Angst
Barbara Egert
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Dienstag, 18. Dezember 2007, 17:43
Aspekte der Angst
Angst gehört unausweichlich zu unserem Leben. Wie Freude, Trauer und Wut begleitet sie unser Dasein, und sie hat ihre Berechtigung, denn wir Menschen sind wirklich bedroht von Verlusten, Katastrophen und Krankheiten. Es gibt wohl nichts, wovor wir nicht Angst entwickeln könnten, vor allem ist uns unsere Sterblichkeit bewusst und damit die existenzielle Angst vor dem Tod. „Es gibt eine kreatürliche Angst, eine zutiefst verankerte Urangst alles Lebendigen. Für sie, die existenzielle Angst, gilt das viel zitierte Wort Heideggers über die Angst „des-in-der-Welt-Seins“. Ohne Angst gibt es keine tiefe Ehrfurcht, keine heilige Scheu vor dem Tremendum, keine Gottesfurcht – und damit auch keine Ehrfurcht vor der Würde und der einzigartigen Berufung jedes einzelnen Menschen.“ *1
Angst ist aber immer auch eine Warnung, sie schützt uns vor Gefahren und signalisiert uns, dass wir bedroht sind. Wäre die Angst nicht, würden wir uns in Situationen begeben, die wir vielleicht mit unserem Leben bezahlen müssten, oder aber sie gibt uns den Anstoß, etwas in Angriff zu nehmen, was erledigt oder bewältigt werden muss, bevor wir oder andere Schaden nehmen. Und dennoch – wir sind verständlicherweise mit allen denkbaren Möglichkeiten der Angstabwehr beschäftigt, die, wenn man genauer hinschaut, schon absurd anmuten: Was helfen uns ein Bankkonto, wenn uns die Angst schüttelt, auf dem Unsummen von Geld gehortet werden, Alkohol, der uns benebelt, Macht, die uns vor Hilflosigkeit schützen soll etc.?
Innerpsychisch entwickeln wir die bekannten Abwehrmechanismen, wie Verdrängung, Distanzieren und Rationalisieren, wir analysieren die Situation, reden uns selbst gut zu, oder wir projizieren unsere unbestimmte Angst auf einen anderen Menschen, den wir schließlich für die Ursache unserer Gefühle verantwortlich machen. Und schon geht es uns besser, denn eine gerichtete Angst ist leichter zu ertragen als dieses bedrückende und lähmende diffuse Gefühl, diese irrationale Angst, die wir nicht benennen und zuordnen können. Was wir uns auch immer einfallen lassen (müssen), um unsere Angst zu verdrängen, sie verschwindet nicht einfach so und löst sich auch im Allgemeinen nicht in Wohlgefallen auf, sie wirkt stattdessen unterschwellig fort, und wir müssen neue Abwehrstrategien erfinden, um sie unterdrückt zu halten. Unser Ziel sollte es jedoch sein, nicht die Angst zu vermeiden, sondern ihre Ursache und damit ihren Sinn zu erfahren.
Sehr häufig finden wir eine Übertragung der unverarbeiteten Kindheitsängste auf die aktuelle Angstsituation. Die Furcht erregenden Gespenster der Kindheit belasten uns besonders, wenn wir ihnen zu früh begegneten, so dass wir ihnen nicht gewachsen waren und unser schwaches Ich die Angsterfahrungen nicht einordnen und verarbeiten konnte. Diese sind besonders prägend, wenn wir von unseren Eltern keine Hilfe erfuhren, uns allein gelassen und dem Angstobjekt hilflos ausgeliefert fühlten, wobei es unerheblich ist, ob die Angst von innen oder von außen auf uns zukam. So sind unsere Ängste im Erwachsenenalter sehr oft von unseren Kindheitsängsten beeinflusst und mitbestimmt. Freud hat vermutet, dass in Augenblicken der Angst die schmerzhaften Empfindungen wiederkehren, die die erste Trennung von der Mutter, die Geburtskrise, mit sich bringt.
Betonen möchte ich aber, dass Angst „normal“ ist und auch größere Angstphasen nicht als pathologisch einzustufen sind. Die Angst wird erst zu einer ernsthaften Störung, wenn unser Leben von ihr bestimmt wird, wir uns in unseren Handlungen und Gefühlen über längere Zeit stark beeinträchtigt erfahren, die körperlichen Reaktionen, wie Zittern, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Atemnot etc. unser Wohlbefinden nachhaltig stören und weitere Angstattacken provozieren.
Welchen Ängsten wir uns als Kind ausgesetzt fühlten, zeigt uns unser Radix, das uns damit auch Hinweise auf unsere Grundängstlichkeit gibt. Wenn die Transsaturnier unsere persönlichen Planeten hart aspektieren, finden wir entsprechende aussagekräftige Hinweise, aber darauf werde ich näher in meinen Ausführungen über Beziehungsängste eingehen. Allerdings können wir ohne Kenntnis der Lebensgeschichte aus dem Horoskop nicht erfahren, ob die Ängste verarbeitet werden konnten oder ob sie sich zu einer Angststörung entwickelt oder ausgeweitet haben. Jeder Entwicklungsschritt ist mit Angst verbunden, da wir mit etwas Neuem und bislang Unbekanntem konfrontiert werden, aber jeder Mensch hat dennoch seine individuelle Form der Angst, die mit unserer Lebensgeschichte und unseren Umwelterfahrungen zusammenhängen und bereits mit unserer Geburt beginnen.
Wahrscheinlich kennen wir uns mit den Jahren so gut, dass wir schon die ersten Anzeichen unserer Ängste wahrnehmen und je nach Stärke auch gelernt haben, mit ihnen umzugehen. Wenn wir unsere bedrohlichen Gefühle bewältigen, heißt das aber keinesfalls, dass wir nun keine Angst mehr haben, denn Angstfreiheit gibt es nicht. Nun können uns aber auch Angststörungen überfallen, die so heftig und beeinträchtigend sind, dass wir kaum noch in der Lage sind, sie zu verdrängen, zu projizieren oder alleine durchzustehen. Wir erleben einen Identitätsverlust, Bewältigungsmechanismen bzw. Abwehrstrategien versagen, und wir fühlen uns einer Hilflosigkeit ausgesetzt, die uns auf uns selbst zurückwirft.
Ich möchte im Folgenden einen Überblick über die wichtigsten Angststörungen geben und wie wir sie im Horoskop erkennen können. Hauptsächlich beteiligte Planeten werden Mars, Saturn, Neptun, Pluto und fallweise auch Uranus sein, die durch ihre Platzierung und Aspekte im Radix anzeigen, warum und in welchem Lebensbereich wir besonders ängstlich sind bis hin zu Panikattacken und Phobien. Natürlich treten auch astrologische Mischformen auf: Aus einer generalisierten Angststörung können durch verstärkten Uranus- und Neptuneinfluss Panikattacken hervorgehen, obwohl diese eher plutonischer Natur sind. Wir müssen das ganze Geschehen im Zusammenhang und Zusammenspiel mit Transiten, Progressionen, Direktionen und dem Solarhoroskop für den betreffenden Zeitraum sehen und deuten.
Generalisierte Angst
Diese Gefühle werden nur zu einer Störung, wenn sie uns über längere Zeit in stärkerem Ausmaß beeinträchtigen, unsere Handlungsfähigkeit einschränken und körperliche Angstsymptome überhand nehmen. Von Zeit zu Zeit werden wir alle von einer ängstlichen Erwartungshaltung überfallen, von unbestimmten Angstgefühlen, die besonders in Übergangsphasen oder vor schwerwiegenden Entscheidungen auftreten. Wir sind nervös und angespannt, können nicht mehr schlafen und wälzen Probleme hin und her, ohne eine Lösung zu finden. Vielleicht projizieren wir unsere Angst in die äußeren Umstände, in einen bestimmten Menschen, der uns nach unserer Ansicht Böses will, wir werden wütend, ohne die Gefühle ausleben zu können.
Unsere Befürchtungen müssen gar nicht eintreten und existieren manchmal nur in unserer Vorstellung, aber wenn wir in einer Unsicherheits- und Angstphase sind, fällt uns eine Distanzierung von den realen Gegebenheiten und unseren inneren Gefühlen äußerst schwer. Auch nachdem wir eine Entscheidung gefällt haben, können wir von unbestimmten Ängsten überfallen werden, da wir nicht wissen, ob unser Entschluss falsch oder richtig war. Werden wir von diesen Angstgefühlen besetzt und fühlen uns als Gefangene(r), so dass wir unseren Alltag nicht mehr bewältigen können und nur noch verängstigt und wie gelähmt sind, dann handelt es sich um eine Störung.
Astrologisch würde ich diese Angst, auch wenn sie zu einer Störung wird, am ehesten mit Saturn in Verbindung bringen. Saturn weist in unserem Horoskop auf unsere Schwachstellen hin, die durch unser fehlendes Selbstvertrauen in dem von ihm besetzten Bereich und durch seine disharmonischen Winkel zu unseren wunden Punkten werden können. Dort finden wir verstärkt unsere Ängste, wie zum Beispiel bei einer Platzierung von Saturn im zweiten Haus oder im Stier die Angst vor materiellem Verlust und vor Armut latent vorhanden ist. Bei einem realen Anlass, der gar nicht mal gravierend sein muss, und entsprechender Aktivierung durch einen harten Transit bricht diese Angst dann über uns herein. Vielleicht steht Saturn in Konjunktion zu Merkur im dritten Haus und lässt uns vor einer Prüfungssituation zittern, obwohl wir bestens vorbereitet sind. Gerade Prüfungsängste können einen Menschen so beeinträchtigen, dass er vor lauter Black-outs den Eindruck erweckt, er wisse tatsächlich nichts. Haben wir einmal die Erfahrung gemacht, dass wir in einer Prüfung aus Angst versagt haben, kann sich daraus eine Prüfungsphobie entwickeln.
Im Allgemeinen ist zu einer Saturn-Ängstlichkeit zu bemerken, dass diese zu überwinden und sie uns auch oft bewusst ist, wir daran arbeiten und sie schließlich mit Geduld und Disziplin bewältigen können. Aber auch Fische/Neptun und das zwölfte Haus erzeugen eine gewisse Grundängstlichkeit, denn unser Ich, unsere Identität ist zum Beispiel bei einem harten Winkel von Neptun auf Sonne oder der Platzierung von Sonne und weiteren Planeten im zwölften Haus nicht sehr stark und unterliegt so vielen Einflüssen, dass wir mit sehr diffusen Erscheinungen zu kämpfen haben.
Wenn wir von einer Grundängstlichkeit sprechen, so impliziert diese meistens eine Aggressionshemmung, die uns wehrlos, unsicher und nicht fähig zur Durchsetzung macht. Da aber Wut, Feindseligkeit und Aggressionen zur Angst gehören, müssen wir uns fragen, wohin mit diesen Emotionen? Unterdrücken wir unsere Aggressionen, dann könnten wir depressiv und noch ängstlicher werden. Leben wir sie aus, weil wir sie nicht mehr kontrollieren können oder wollen, dann wehrt unsere Wut die Angst zwar besser ab, wir laufen aber in Gefahr, durch unsere verzweifelte Ohnmacht Situationen zu provozieren, die Gewalt hervorrufen und uns und anderen schaden.
Wir müssen uns also auch unseren Mars anschauen, seine Platzierung und Aspektierung, die uns darüber Auskunft geben, ob wir den Mut zur Aggression und damit auch den Mut, uns unserer Angst zu stellen und zu kämpfen, haben. Ist Mars in irgendeiner Form mit Neptun/Fische verbunden, werden wir kein großes Aggressionspotenzial besitzen oder zumindest nicht wagen, es auszuleben; stehen Mars und Saturn in einer Verbindung, in der Saturn dominanter ist, wird es ebenfalls Probleme geben wie auch bei disharmonischen Pluto-Aspekten auf unseren Mars.
Panikattacken
Bei panischen Angstanfällen fühlen wir uns psychisch und physisch extrem bedroht, wir haben das Gefühl, verrückt oder ohnmächtig zu werden. Diese Attacken sind jedoch nicht lebensbedrohlich, wenn auch die Anzeichen von Atemnot, Herzrasen, Zittern, Unwirklichkeit und kalten Schweißausbrüchen uns sterbenselend fühlen lassen. Sie sind eine Überreaktion auf seelische und/oder körperliche Extrembelastungen, wobei mehrere Auslöser - physisch und/oder psychisch - möglich sind, die sich gegenseitig verstärken. „Die Panikattacken stellen oft die Wellengipfel auf einem ‚Meer der Angst’ dar“.
Wer jemals eine Panikattacke erlebt hat, wird zunächst voller Angst vor dieser extremen Angst sein, bevor er nach einer gewissen Zeit wieder Vertrauen gewinnt, dass er vor weiteren Anfällen dieser Art verschont bleibt. Panikstörungen und Depressionen treten oftmals gemeinsam auf, und es ist schwierig festzustellen, was zuerst da war. Die erste Panikattacke kommt meistens völlig unerwartet ohne konkreten - oder vielleicht eher uns bislang unbewusstem - Anlass auf, sie überrascht uns im Fahrstuhl, in der U-Bahn, im Supermarkt etc. und verlangt nach sofortigen Maßnahmen, die nicht immer möglich sind, denn wir können aus einem Flugzeug zum Beispiel nicht fliehen, und das Wissen darum lässt uns noch panischer werden. Es ist verständlich, dass wir nach einer durchstandenen Panikattacke den vermeintlichen äußeren Auslöser (U-Bahn, Flugzeug etc.) meiden, aus lauter Angst, die Angst könne uns wieder überfallen.
Von einer Panikstörung spricht man, wenn drei Panikattacken innerhalb von drei Wochen aufgetreten sind oder wenn der Mensch sich nach einer Attacke mindestens vier Wochen lang vor dem nächsten Anfall ängstigt. Da der Auslöser zunächst häufig im Dunkeln bleibt, können wir die Ursachen unserer panischen Ängste erst nach geraumer Zeit finden und verstehen, was aber nicht unbedingt heißt, dass wir dann von der panischen Störung befreit sind. Wir beginnen eine Vermeidestrategie, um nur nicht in die Gefahr eines panischen Anfalls zu laufen, beschränken unser Wirkungsfeld und damit unser alltägliches Leben.
Astrologisch ist hier vor allem Pluto zuständig, was sich schon aus der Heftigkeit dieser Attacken ableiten lässt. Diese bedrohlichen Energien können nur schwer kanalisiert werden, oftmals lauern sie schon seit geraumer Zeit, wenn nicht seit unserer Kindheit, in unserem Unbewussten und werden durch aktuelle Erfahrungen aktiviert. Sie treten umso heftiger in Erscheinung oder ins Bewusstsein, je mehr ähnliche Angstinhalte im Laufe des Lebens dem ursprünglichen Angsterlebnis hinzugefügt und nicht verarbeitet wurden; die eruptive Macht dieser Attacken können wir zum Zeitpunkt ihres Ausbruchs natürlich nicht steuern.
Diese Panikattacken kommen meistens in Wellen, wir werden überschwemmt von extremen Angstgefühlen, dann ebben sie wieder ab, um uns nach kurzer Zeit wieder zu überfallen. Es ist wahrscheinlich, dass entsprechende Transite, Progressionen oder Direktionen an diesem Geschehen maßgeblich beteiligt sind, nur können wir leider kaum vorbeugen, denn bei entsprechender Disposition kann uns eine Panikattacke überfallen, sie muss es aber nicht. Wenn wir an die Direkt- und Rückläufigkeit der Transsaturnier denken, dann müssten wir mit heftigen Ängsten jeglicher Art über einen langen Zeitraum rechnen, doch die Manifestationen dieser Planeten halten sich meistens nicht an die von uns aufgestellten Regeln. Aber vielleicht reicht ja eine Panikattacke völlig aus, um uns zum Nachdenken und damit zum Umdenken zu bringen. Es könnte sehr wohl sein, dass wir etwas zu lernen haben, wachsen oder besser überwachsen sollen, und den Mut aufbringen, uns diesen Ängsten zu stellen, damit wir ihren Sinn erfahren und gelassener leben können.
Phobien und posttraumatische Belastungsstörungen
stehen meines Erachtens in engem Zusammenhang mit den plutonischen Manifestationen. Es gibt bekannte Phobien, wie die Platzangst (Agoraphobie), man reagiert übersteigert ängstlich auf Spinnen, Schlangen, kann nicht mehr Brücken überqueren etc. oder man steigert sich in eine phobische Angst vor Krankheiten hinein. Die Ursachen liegen in unserer Psyche begraben und werden durch reale Ereignisse ausgelöst, ähnlich wie bei traumatischen Störungen, die noch schwerer zu verkraften und zu bewältigen sind als generalisierte Ängste und Panikstörungen. Unsere Erfahrungen mit Gewalt, Vergewaltigung, Krebsdiagnose, Tod des Partners sind so einschneidend und traumatisierend, dass wir total hilflos, verängstigt und verzweifelt nach Hilfe suchen müssen, denn wir stehen diesen Kräften ohn-mächtig gegenüber. Auch hier müssen wir uns auf Pluto-Aspekte und seine Platzierung konzentrieren, denn solche Schicksalseinbrüche, überhaupt wenn sie in jungen Jahren geschehen, haben durch ihre Intensität die deutliche Handschrift von Pluto.
Es fällt mir etwas schwer, Neptun so eindeutig zuzuordnen wie Pluto oder auch Saturn, Tatsache ist jedoch, dass neptunische Ängste jedem Neptuniker wohl bekannt und vertraut sind und von ihm gefürchtet werden. Diese spezifische Angst, ist es nun eine Grundängstlichkeit oder eine Art Panik als „Gipfelerlebnis“, unterscheidet sich von den anderen Ängsten durch ihre auflösenden Energien, die – so scheint es jedenfalls – alle Kräfte aus Körper, Geist und Seele herausziehen oder fliehen lassen, so dass wir das Gefühl haben, wir existieren nur noch als Schablone. Manchmal haben diese Ängste auch eine Sogwirkung, als ob wir in ein dunkles, diffuses Loch gezogen werden, wir sind de-zentriert, wo einst mal so etwas wie ein Persönlichkeitszentrum war, gibt es nur noch Nebel.
Diese Gefühle können natürlich auch Panik auslösen, aber eigentlich ist unsere Reaktion nicht übersteigert, übererregt oder bedrohlich intensiv-emotional, sondern so zersetzend, dass wir uns mehr tot als lebendig fühlen. Ein weiteres Problem stellt sich dem Betroffenen hier dadurch, dass er seinem Umfeld kaum erklären kann, was in ihm vor sich geht, natürlich ist es auch Angst, aber eine Angst, deren Auswirkungen man kaum beschreiben kann, es sei denn, unser Ansprechpartner ist selbst Neptuniker. Aspekte und Platzierungen eines stark gestellten Neptun zu den persönlichen Planeten oder im zwölften Haus erzeugen also die beschriebenen Angstgefühle, die allerdings durch eine starke Saturn-Stellung oder Betonung des Erdelements weitgehend aufgefangen werden können. Hier also ist Saturn kein Angstauslöser, sondern hat einen strukturierenden und sichernden Einfluss auf unsere Psyche.
Beziehungsängste
sind in fast jedem Leben von besonderer Bedeutung und oftmals der Auslöser für Panikattacken und sogar traumatische Belastungsstörungen. Eine der größten Angstquellen sind unsere Beziehungen, wenn wir Trennungen und Verluste befürchten, aber auch die Ängste vor Nähe und Bindung, vor Alleinsein und Einsamkeit erleben wir als eine massive Bedrohung, die verzweifelte Gefühle in uns auslösen. Wenn wir Depressionen und Angstzustände näher betrachten, werden wir fast immer die vergebliche Suche nach Nähe und Geborgenheit finden.
Trennungsängste sind für Kinder und Erwachsene die fundamentalste Angst, ein Urtrauma des Menschen im Allgemeinen, der die Geborgenheit des mütterlichen Schoßes bei der Geburt für immer verlassen musste. Auch hier müssen wir also einen Blick zurück in unsere Kindheit und somit auf unsere Entwicklungsgeschichte werfen, denn unsere heutige Trennungsangst, die das normale Maß übersteigt und uns psychisch und physisch krank macht, hat ihren Ursprung vor allem in der Beziehung zu unseren Eltern.
Bei harten Saturn-Aspekten auf Sonne, Mond und Venus sowie schwierigen Platzierungen haben wir in der Kindheit womöglich ein Defizit an Liebe und Geborgenheit erfahren, wir fühlen uns somit nicht liebenswert und sind noch lange auf der Suche nach Partnerschaften, die uns die Gefühle geben, nach denen wir mehr oder weniger bewusst Sehnsucht haben. Wir möchten um unserer Selbst willen geliebt werden, und die geringste Ablehnung unseres Partners oder Freundes kann uns in Abgründe stürzen, bestätigt sie doch nur das, was wir sowieso schon meinen zu wissen: Wir werden nicht geliebt.
Wenn wir uns die Trennungsangst genauer anschauen, dann finden wir einmal übermächtige und von Angst begleitete Gefühle, ständig von Verlust bedroht zu sein, zum anderen aber auch den Zwiespalt zwischen unserem Wunsch nach Symbiose und dem Erhalt oder Ausleben unserer Individualität. Im Horoskop zeigen sich diese Probleme zum Beispiel in einer starken Mond/Neptun-, Venus/Neptun-Aspektierung und in der Platzierung von Mond und Venus in Fische oder im zwölften Haus. Haben wir neben einer nach Symbiose verlangenden neptunischen Aspektierung zusätzlich eine Uranus-Verbindung, die nach Freiheit und Individualität strebt, dann sind wir hin- und her gerissen zwischen unseren Ängsten vor Alleinseinsein, Einsamkeit, Abgelehnt- und Abgewiesensein und einer Näheangst, weil wir befürchten, unsere Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu verlieren.
Diese Ängste resultieren höchst wahrscheinlich aus einer nicht ganz geglückten Beziehung zu unserer Mutter. Leider verhält es sich so, dass wir als Erwachsene immer wieder in ähnliche Angstsituationen geraten, die die nicht verarbeiteten Ängste der Kindheit aktivieren. So treffen wir später auf Partner, mit denen ein ähnliches Szenario wie früher mit unserer Mutter oder Erziehungsperson wiederholt wird, und unsere Trennungsängste, die latent in uns schlummern, werden bei dem leisesten Verdacht, dass der Partner uns verlassen könnte, aktiviert, brechen über uns herein und können bei einem Transit von Pluto zum Beispiel eine Panikattacke auslösen. Auch Uranus spielt bei diesen Beziehungsängsten eine deutliche Rolle, denn unter Einfluss dieser Kräfte, überhaupt wenn eine entsprechende Disposition im Radix besteht, reagieren wir übererregt bis hin zu hysterischen und kopflosen Angstanfällen.
Es gibt noch eine andere Variante der Näheangst, die von Pluto bestimmt wird, nämlich die Angst vor dem Vereinnahmt- und Verschlungenwerden. Pluto in disharmonischem Winkel zu Mond und Venus ist hierfür symptomatisch, aber auch Skorpionelemente und das achte Haus. Da wir die Schreckens- und Angsterfahrungen und Furcht erregenden Bilder der Kindheit aber auch subjektstufig sehen müssen – schließlich finden wir die astrologischen Faktoren ja auch in unserem Horoskop - haben wir nach der Jung’schen Theorie das, was wir auf einen anderen Menschen projizieren, also in diesem Fall total vereinnahmt und aufgefressen zu werden, selbst in uns. Das sollte zu denken geben, wenn wir uns an die Klärung der Ursachen unserer uns bedrohenden Ängste heranwagen.
Beziehungsängste können zu schweren Depressionen bis zum Selbstmord führen, wobei es erstaunlich ist, dass Menschen so lange miteinander auskommen können und Partnerschaften bestehen bleiben, obwohl es keine Gefühle mehr gibt. Wenn es aber um eine reale Trennung geht, brechen die Ängste bis hin zur Panik über uns herein. Es ist also nicht a priori die fehlende Liebe, die so heftige Angstgefühle aufkommen lässt, sondern eine befürchtete Trennung. Das erklärt vielleicht, dass so viele Beziehungen, vor allem auch plutonische Partnerschaften, fortgeführt werden, obwohl es mehr Streit und Hässlichkeiten gibt, als positive Gefühle.
Traumatisierend sind vor allem der Verlust eines Partners durch Tod oder auch die Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit. Die Härte und somit einsetzenden Ängste und Panikreaktionen können wir mit Pluto in Verbindung bringen, denn das plutonische „Stirb und Werde“ überschreitet bei weitem alle anderen Planeten-Manifestationen. Ich kenne zwei – inzwischen verstorbene – Frauen mit hartem Pluto/Venus-Aspekt, die ihre jeweils drei Ehemänner durch den Tod verloren. Im Alter waren sie sehr starke Frauen, von denen man den Eindruck gewann, dass sie so leicht nichts mehr ängstigen oder erschüttern könne, und – sie waren dem Leben zugewandt und heiter.
Wie begegnen wir nun diesen bedrohlichen Angstgefühlen oder der Panik? Was will die Angst von uns, was will sie uns vielleicht eröffnen? Schicksalsschläge und extreme Angst auslösende Einbrüche in unser Leben sind nur sehr schwer zu verkraften: „Das bringt mich noch um“, sagen wir. Und wir haben nicht Unrecht damit, denn einen Teil von uns wird es umbringen. Was allerdings schließlich zählt, ist unsere Antwort auf diese Zufügung. Wenn wir aus lauter Angst resignieren und uns vom Leben abwenden, werden wir geschwächt, mit Mut und Vertrauen werden wir aus dieser Erfahrung lebendiger und stärker hervorgehen.
„Wir wissen, dass Mut Furcht voraussetzt. Das trifft selbst auf den Glaubensmut zu. Ohne Furcht gibt es keinen Mut. Kinder tun manchmal Dinge, die von einem Erwachsenen großen Mut verlangen. Aber die Kinder setzen sich Gefahren nur aus, weil sie sie nicht kennen. Je klarer wir die Gefahr erkennen, umso größer ist die Furcht, aber umso größer auch der Mut, der unsere Furcht überwindet“.*2
Vielleicht sollten wir überlegen, welcher Wert in Gefahr ist und was wir verlieren, wenn wir der Angst erliegen. Oder was gewinnen wir dazu, wenn wir uns der Angst stellen? Wenn es sich um reaktivierte Kindheitsängste handelt, und das ist sicher in Erfahrung zu bringen, dann können wir uns klar machen, dass wir heute erwachsen und unseren Erziehungspersonen nicht mehr ausgeliefert sind. Warum gehen wir nicht auf den anderen, auf Freunde zu und bitten um Hilfe, wenn wir uns einsam fühlen und von vielen Ängsten oder auch nur einer geplagt werden? Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern, und unser Ansprechpartner ist erleichtert, dass er nun seinerseits auch über seine Ängste sprechen kann. Oftmals, gerade bei Beziehungsängsten, ist es die mangelnde oder fehlende Kommunikation, die alles so unerträglich macht.
Wenn wir im Laufe unseres Lebens viele Angsterfahrungen bewältigt und sogar Panikattacken überwunden haben, dann wissen wir, dass wir zwar mit dem Schlimmsten rechnen müssen, aber dennoch Vertrauen haben können. Im besten Falle werden wir gelassener mit größerer Zuversicht, dass sich doch wieder eine Lösung finden lassen wird – spätestens dann, wenn die Transite der Transsaturnier sich von unseren persönlichen Planeten (endlich) entfernt haben.
„Wo wir eine der großen Ängste erleben, stehen wir immer in einer der großen Forderungen des Lebens; im Annehmen der Angst und im Versuch, sie zu überwinden, wächst uns ein neues Können zu – jede Angstbewältigung ist ein Sieg, der uns stärker macht; jedes Ausweichen vor ihr ist eine Niederlage, die uns schwächt.“ *3
BITTER, Wilhelm - Die Angstneurose - Kindler, München 1971
STEINDL-RAST, David - Fülle und Nichts - Goldmann, Band 12001
RIEMANN, Fritz - Lebenshilfe Astrologie - J. Pfeiffer, München 1976
Erstveröffentlichung in:
Meine psychologischen Deutungstexte für die Software Galiastro finden Sie in:
www.galiastro.de/probedeutungen/barbara_egert
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