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Scheitern als Chance?
Barbara Egert
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Sonntag, 13. Januar 2008, 17:38
Scheitern als Chance?
"Chef, hast du schon einmal etwas so wunderschön zusammenbrechen sehen?“ lacht Alexis Sorbas und beginnt zu tanzen. Wer kennt nicht das wunderschöne Buch von Nikos Kazantzakis und den ebenso herrlichen Film? Sorbas baut mit dem Geld seines Freundes Basil, einem Schriftsteller, den er „Chef“ nennt, in einer kretanischen Bucht eine Seilbahn, die vom Berg hinunter bis zum Meer Baumstämme befördern soll. Bei der feierlichen Einweihung, an der das ganze Dorf und sogar die Mönche voller Erwartung teilnehmen, bricht die ganze Konstruktion zusammen. Der Traum ist aus, die Enttäuschung riesengroß, Basils Vermögen weg – und Sorbas lacht, singt und tanzt und steckt Basil schließlich mit seinem Frohsinn an. *1
Das Projekt ist gescheitert, dazu noch vor allen Augen der Dorfbewohner, die das Treiben sowieso schon argwöhnisch beobachtet hatten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in dem Radix von Alexis Sorbas einen Jupiter/Neptun-Aspekt und als Auslöser für dieses Ereignis einen harten Uranus-Transit finden würden. Scheitern ist für viele Menschen eine demütigende Erfahrung, die wir lieber unter den Tisch kehren und über die wir eher schweigen. Scheitern bedeutet Erfolglosigkeit, zerbrochene Träume, geplatzte Ehen oder Beziehungen, eine Desillusionierung in vieler Hinsicht – Scheitern kann ein Albtraum sein, es sei denn, wir haben ein Gemüt wie Alexis Sorbas. Man könnte jetzt einwenden, dass es ja nicht sein Vermögen war, das da bergab ging, aber es ist auch bei uns nicht nur der Verlust von finanziellen Mitteln, sondern mit Scheitern sind die Gefühle des Versagens, des Verlustes von Selbstvertrauen, Liebe und Zugehörigkeit, sind Scham und Schuld etc. verbunden. Um bei Alexis Sorbas zu bleiben: Wie hätte er mit einem harten Pluto-Aspekt im Radix reagiert? Mit Sicherheit würde er nicht tanzen und lachen, sondern voller Verzweiflung den Prozess des Sterbens durchleben müssen, den Verlust seiner Selbstachtung, seiner Würde, seiner Kompetenz und aller Hoffnung, auch für die Zukunft. Der Misserfolg durch diese Grenzerfahrung wäre bei einem plutonischen Menschen, der vielleicht gerade zum Zeitpunkt dieses Desasters auch noch unter einem plutonischen Transit steht, das Ende; erst wollte er „Alles“ und nun bleibt ihm „Nichts“. Bei anderen astrologischen Einflüssen wird sich auch die Reaktion des Betroffenen entsprechend modifizieren. Aber darauf gehe ich später noch genauer ein.
Der amerikanische Soziologe Richard Sennett bezeichnete das Scheitern Ende der 90er Jahre als das letzte große Tabu der modernen und ausschließlich erfolgsorientierten Gesellschaft. Ich wundere mich allerdings, dass wir so wenig über gescheiterte Einzelschicksale erfahren. Stattdessen werden wir mit generellen Scheiter-Ereignissen geradezu überhäuft: Das Scheitern von Koalitionsgesprächen, der Arbeitsmarktpolitik, der Gesundheits-Reform etc. Eine gescheiterte Firmenpolitik mag zur Folge haben, dass wir als Einzelner schließlich scheitern und unseren Arbeitsplatz verlieren, in der Biografie des/der Verursacher(s) erscheint dieses Scheitern nicht, mit Sicherheit jedoch in unserem Lebenslauf.
Nun muss Arbeitslosigkeit nicht unbedingt mit dem Gefühl des Scheiterns verbunden sein, denn es hängt weitestgehend von unserer Erwartungshaltung an uns und die Arbeitsstelle ab, wie viele Erfolgsaussichten wir uns versprochen haben und ob wir uns nun als Versager einschätzen. Bei steigenden Erwartungen an uns selbst und unseren Erfolg trifft uns ein Verlust des Arbeitsplatzes natürlich viel härter, als wenn wir realistisch einschätzen, dass wir „einer von vielen“ werden könnten und diese Entwicklung nicht selbst zu verantworten haben. Bei über vier Millionen Arbeitslosen in Deutschland ist Arbeitslosigkeit auch kein Tabu-Thema mehr, aber dennoch scheuen wir uns, diese vermeintliche „Niederlage“ einzugestehen, wenn sie uns schließlich persönlich trifft.
Scheitern ist eine Erfahrung, die uns in ihrer Schrecklichkeit lange, vielleicht sogar lebenslänglich, verfolgt. Nichts ist mehr so, wie es vorher war, wir haben es nicht gewollt und sind machtlos, uns dagegen zu wehren. Was können wir gegen diese Katastrophe tun? Scheitern impliziert, dass wir nicht wissen, wie es nun weitergehen soll. Unsere Familie leidet mit, aber ebenso unerträglich, wenn nicht noch unerträglicher, ist der nun auftretende Verlust des Selbstvertrauens, des Selbstwertes, des Ansehens und der Autonomie. Wenn wir die damalige Entscheidung, diese berufliche Position einzunehmen, diesen Partner zu heiraten, ins Ausland zu gehen, freiwillig getroffen haben, vielleicht sogar noch gegen die Warnungen unseres wohl meinenden Umfeldes, dann trifft uns die Erfahrung unseres Scheiterns umso härter.
In der heutigen Zeit wird Scheitern immer aktueller, denn uns wird analog zum Fortschritt unserer Gesellschaft suggeriert, dass wir irgendwann fast alles erreichen können, wenn wir nur wirklich wollen. Im Idealfall besitzen wir die Freiheit, unser Leben so zu gestalten, wie es unserer Vorstellung entspricht. Ich meine jetzt nicht die Erfüllung von utopischen Wunschträumen – obwohl viele Horoskope auf solche Ikarus-Kandidaten hinweisen -, sondern von den im Laufe der Jahrzehnte sich uns öffnenden und zur freien Wahl stehenden Möglichkeiten, die aber dadurch auch mit steigender Unsicherheit, Enttäuschungen und eben Scheitern verbunden sind. Wenn der Unterschied zwischen der Realität, in der wir leben, und der Art, wie wir leben möchten oder glauben, leben zu können, immer größer wird, laufen wir verstärkt Gefahr zu scheitern.
Gerade in der Phase unseres Scheiterns brauchten wir Freunde, vertraute Menschen, mit denen wir über unsere Hoffnungslosigkeit oder auch zaghaften neuen Pläne sprechen können. Aber das ist schwierig, denn unsere Gesprächspartner reagieren – wie bei schlimmen Krankheiten – allzu gerne mit dem lapidaren Satz: „Nimm es als Chance!“ Hiermit offenbaren wir mehr oder weniger unsere eigenen Ängste, denn wir wissen, dass auch wir scheitern könnten oder haben diese Erfahrung schon hinter uns und wollen mit den Erinnerungen und dem ganzen damit verbundenen Thema nichts mehr zu tun haben. Sollen wir also als Gescheiterte sagen: „Ich bin ja so großartig gescheitert, das ist die Chance meines Lebens?“.
Wenn unser Umfeld uns mit dem schon fast phrasenhaften Satz begegnet, wir sollen unser Scheitern als Chance sehen, wird unsere Verzweiflung vielleicht noch schlimmer. Wenn mir ein(e) Freund(in) sagte: „Eine gute Chance für einen Neubeginn“ wäre für mich wahrscheinlich auch noch diese Beziehung gescheitert, denn das fehlende Verständnis, herzlose Abwehren und die mangelnde Empathie in meine hoffnungslosen Gedanken und Situation würden mich – und wahrscheinlich die meisten von uns – tief treffen, zumal man in solch einer kritischen Phase überaus sensibel ist.
Ich möchte nun versuchen, die astrologischen Ursachen des Scheiterns zu ergründen, obschon mir bewusst ist, dass Antworten auf schicksalhafte Lebensereignisse fast immer nur eine Annäherung sein können. Die zahlreichen Möglichkeiten des Scheiterns implizieren, dass es ebenso unzählige astrologische Deutungs- und Manifestationsvarianten gibt, die ich hier natürlich nicht alle vorstellen kann. So beschränke ich mich auf einige Beispiele, die als Richtlinie für dieses Thema gelten könnten:
Wie verhalten wir uns bei einem harten Radix-Aspekt von Neptun auf Jupiter? Wir merken so lange nicht, dass wir Überflieger sind, hoch fliegende Pläne haben, wir die Realität falsch einschätzen, bis wir „auf die Nase“ fallen, und dann? Dann fliegen wir weiter (oder tanzen wie Sorbas...). Ursache ist unser grenzenloses Bedürfnis nach Expansion über alle materiellen Grenzen hinaus, und wahrscheinlich scheint auch unser gesunder Menschenverstand irgendwie abhanden gekommen zu sein, falls unser Merkur nicht stark von Saturn oder Pluto aspektiert wird oder unser Erdelement ausreichend betont ist. Wir fühlen uns von höheren Mächten geschützt, glauben unverwüstlich an unser Glück und ein gutes Ende. Bei allen positiven Attributen, die wir diesem astrologischen „Pärchen“ auch zugestehen, besteht doch eine wundersame Gabe zur Selbsttäuschung und Idealisierung, die jedem Saturniker das Blut in den Adern gefrieren ließe. Deshalb sind Saturn-/Steinbock-Elemente und Betonung von Erde von ausschlaggebender Bedeutung und würden ggf. ein Scheitern unserer Pläne verhindern.
Ich gehe davon aus, dass jede gravierende Erfahrung, die wir als negativ bezeichnen, die auf lange Sicht sich aber durchaus als Glück bringend erweisen kann, einen Sinn hat. So versuche ich persönlich immer, diesen zu ergründen, was leider nur selten gelingt, wenn man sich mitten im Geschehen befinden. Die Überlegungen, wozu uns unser Scheitern passierte, könnten dazu führen, dass wir bei Jupiter/Neptun unsere Selbstüberschätzung und ausgeprägte Neigung zur Übertreibung erkennen und mäßigen sollten. Uns fehlt eindeutig die Bodenhaftung, ein gesunder Realismus, der uns die gegebenen und zu erwartenden Möglichkeiten einschätzen lässt. In den Mythen wurde solch eine Selbstüberhebung, mit der die Gesetze der Götter ignoriert wurden, von der Rächerin Nemesis bestraft. Wir werden also durch unser (wiederholtes) unglückliches Scheitern dazu aufgefordert, uns den irdischen Gesetzen zu beugen, unsere Anmaßung abzulegen und mehr Bescheidenheit zu entwickeln.
In welchem Bereich sich dieses Thema manifestiert, können wir aus den Platzierungen von Jupiter und Neptun in den Häusern erkennen: Materielle Werte, Besitz und Finanzen finden wir in den Feldern zwei und acht, wobei ich auch eine geschäftliche Partnerschaft mit einem Menschen, der diese Opposition hat, ablehnen würde. Die Manifestationen des fünften Hauses sind nicht ungefährlich, symbolisiert es doch auch das Spiel, wobei wir durchaus unser Geld, unser Hab und Gut verspielen könnten, so dass wir ohne alles da stehen. Das siebte Haus kann auf Täuschungen in der Partnerschaft verweisen, die schließlich durch herbe Desillusionierung ein Scheitern nach sich ziehen. Die Häuser neun und zwölf lassen uns vielleicht im spirituellen Bereich scheitern, unsere idealistischen Vorstellungen und Hingabe an einen Guru oder eine spirituelle Gemeinschaft war nur eine Illusion; unser Scheitern ist auch hier äußerst schmerzhaft, denn der Verlust eines Glaubens, einer Lebensphilosophie zieht uns erst mal den Boden unter den Füßen weg, denn sie bedeuteten uns jene Basis, ohne die uns ein sinnvolles Leben nicht vorstellbar ist.
Bei einem Aspekt von Neptun auf unsere Venus können wir sehr viel Leid erfahren, wenn unsere Beziehungen, unsere Ehe durch unsere Illusionen, Idealisierung und massiven Projektionen scheitern. Dieser Verlust des Partners, und womöglich auch noch unserer Kinder, ist oftmals mit einem langsamen Sterben von Gefühlen verbunden, das schließlich in einer Katastrophe endet, zumindest für den, dessen Liebe noch stärker ist, obwohl sicher für beide Partner ein Traum zu Ende geht. Es versteht sich, dass diese Scheitererfahrung sich besonders manifestieren wird, wenn einer der beiden Planeten oder sogar beide im fünften, siebten oder achten Haus stehen.
Uranus stellt uns vor die Herausforderung, die Balance zwischen dem Bewährten, unserer Struktur, den Traditionen der Vergangenheit - in welchem Lebensbereich auch immer - und dem Neuen, Aufregenden und Fortschrittlichen zu halten. Unser Bedürfnis nach Freiheit, Individualität und Originalität verführt uns zu Risiken und Experimenten, die bei mangelndem Verantwortungsgefühl, Missachtung von Grenzen, Gesetzen und der Einschränkung unseres physischen Körpers ein Scheitern provozieren.
Nehmen wir einen harten Winkel von Uranus auf Jupiter, der durchaus positive Auswirkungen haben kann, aber durch unsere provokative, irrationale und auf Trennung gerichtete Energie und die daraus resultierenden Verhaltensweisen (Ab-) Brüche herbeiführt, die z.B. ein geschäftliches Projekt, das so verheißungsvoll begann und in das wir so viel Geld und Mühe investiert haben, zum Scheitern bringt. Die Plötzlichkeit, mit der uns diese Reaktion überfällt, lässt uns keine Zeit zum Nachdenken. Nun haben wir zwar unsere Freiheit, aber was damit tun? Kündigungen (Haus 6 oder 10), Brüche von Freundschaften (Haus 7 und 11), nicht wieder gut zu machender Streit mit unserer Familie (Haus 4), je nach Hausstellung sind hier viele Möglichkeiten des Scheiterns gegeben. Bei diesem Aspekt mögen wir zunächst noch zu erregt sein und uns im Recht fühlen. Wir werden erst später, wenn wir uns wieder beruhigt haben, das Ausmaß und die Folgen unseres impulsiven Handelns erkennen, aber dann stehen wir bereits vor einem Scheiterhaufen.
Im Gegensatz zu plutonischen Herausforderungen mag das Scheitern weder bei Aspekten von Neptun auf Venus und Jupiter, noch bei Uranus/Jupiter-Aspekten a priori eine Katastrophe sein, weil sich doch meistens noch ein Ausweg finden lässt. Abgesehen davon, hat jeder Einzelne seine individuelle Einstellung zu einem erlittenen “Absturz“ oder „Schiffbruch“, die wir aus den anderen Horoskopfaktoren erkennen. Wie steht es um sein Selbstvertrauen (Sonne-Aspekte), seine Gefühlswelt und sein Sicherheitsbedürfnis (Mond-Aspekte), ist sein Denken optimistisch oder grüblerisch/ernsthaft (Merkur-Aspekte) etc.? Doch bei einem Scheitern, an dem plutonische Aspekte beteiligt sind, werden wir bis in die Tiefen unseres Seins getroffen.
Harte Pluto-Aspekte können uns in ihrer Unerbittlichkeit das Fürchten lehren, indem der Gott der Unterwelt uns alles nimmt, was uns lieb und teuer ist, an das wir uns so schön gewöhnt haben, seien es unsere Identität, unser Ego oder geistiger und materieller Besitz, Liebe und Glaube etc. Pluto ist der Planet, der uns am erfolgreichsten scheitern lässt, und manifestiert sich darin, dass er alles zum Einstürzen bringt, das zu unserer überholten inneren und damit auch äußeren Lebensstruktur gehört. Während Neptun in seiner Grenzen auflösenden relativen Sanftheit uns in eine Scheiterfalle lockt, stellt uns Pluto vor die Wahl: „Stirb oder Werde“.
Bei plutonischen Platzierungen in den Häusern muss nicht zwingend ein harter Aspekt vorhanden sein, um uns die drohende Möglichkeit oder sogar die harte Realität des Scheiterns vor Augen zu führen. Da wir allerdings durch Pluto-Einfluss in dem betreffenden Lebensbereich keine Grautöne kennen, sondern eine Haltung haben, die durch Alles oder Nichts bestimmt ist, werden wir Ereignisse, die für andere Menschen „nur“ bitter sind, als absolut zerstörerisch erfahren und uns selbst als gescheitert empfinden.
Mit Pluto im dritten Haus könnten wir zum Beispiel als Schriftsteller scheitern, obwohl vom Verlag nur eines unserer Bücher abgelehnt wurde, im fünften Haus als Künstler, weil eine Ausstellung kein Erfolg war oder wir fühlen uns in unseren Bemühungen als Mutter gescheitert, weil ein Kind seine Ziele verwirklichte und nicht unsere Erwartungshaltung erfüllte. So werden wir im siebten Haus das Ende einer Beziehung unverhältnismäßig intensiv erleben, im zehnten Haus unseren Beruf oder unsere Lebensziele als gescheitert betrachten, nur weil es eine Richtungsänderung gibt etc. Aber diese Erfahrungen werden uns nicht so dramatisch treffen, als wenn Pluto einen harten Aspekt zu einem unserer persönlichen Planeten, Jupiter und vor allem auch Saturn bildet.
Bei einem harten Aspekt von Pluto auf Venus sind wir mit unseren intensiven Emotionen oftmals zwanghaft an den Partner gebunden, und gerade hier kommt die Alles oder Nichts-Haltung stark zum Ausdruck. Je nach unseren Kindheitserfahrungen, meistens mit unserer Mutter, die ja die erste Liebesbeziehung unseres Lebens war, reagieren wir auf unseren Partner dominant, Besitz ergreifend und oftmals zwanghaft. Wenn wir nicht in unsere seelischen Abgründe steigen und unsere verleugneten Schattenanteile ins Bewusstsein heben, stehen wir schließlich am Ende einer durch Machtkämpfe bestimmten Beziehung oder Ehe, die so schön leidenschaftlich und intensiv begann. Wir sind gescheitert und werden wahrscheinlich den Partner verantwortlich machen, so dass wir uns zumindest als „unschuldig gescheitert“ fühlen können. Wo nun beginnt schuldig oder unschuldig scheitern? Wenn wir uns von Vornherein „unschuldig“ an den Scheiter-Ereignissen fühlen, vergeben wir mit Sicherheit die Möglichkeit, „Scheitern doch noch als Chance“ zu begreifen.
Bevor ich an einem Horoskopbeispiel eine konkrete Scheitererfahrung verdeutliche, hier noch die Manifestationen von Jupiter/Pluto, die Verlust unserer Glücksvorstellung, unseres Lebenssinns und ganz real unseres Besitzes und Vermögens bedeuten können, überhaupt, wenn die Häuser zwei und acht betroffen sind. Hier liegt die Gefahr in der Unersättlichkeit und Maßlosigkeit durch unsere Bestrebungen nach Macht, Führerschaft und dem Erwerb von Geld und Besitz. Der Jupiter/Pluto-Aspektierte fühlt sich latent bedroht – manchmal nur in seinen Vorstellungen -, dass ihm seine Mittel genommen werden könnten. Je mehr er sie festhält, umso größer ist die Gefahr, dass Pluto „zuschlägt“, besonders wenn sich der Betroffene durch diese äußeren, dem Ego dienlichen Werte definiert. Diese Katastrophe ist, wenn sie denn eintritt, total. Allerdings müssen noch andere Planeten auf solch einen Zusammensturz hinweisen oder aber die Transite sind wirklich massiv.
Ich bin – trotz einiger herber plutonischer Erfahrungen – immer noch und immer wieder der Meinung, dass dieser Unterweltherrscher nichts Böses „im Sinn“ hat, auch wenn er für uns manchmal wie der Teufel agiert. Im Leben allgemein und insbesondere für jedes individuelle Leben muss es Wachstum geben, sonst würden wir stagnieren, und es fände keine Höherentwicklung statt. Ein von Pluto bestimmter Mensch hat die größten Krisen, Zusammenbrüche und Leiden zu ertragen, aber er hat auch die besten Aussichten für eine nachhaltige Transformation und Höherentwicklung, die ihm schließlich Gleichmut und innere Stärke schenken.
Nun stelle ich das Horoskop eines Mannes vor, der zum Ende seiner beruflichen Laufbahntrotz harter Arbeit und beachtlicher Leistungen scheiterte.
In Alfons Horoskop finden wir eine Konjunktion von Sonne (Haus 10), MC und Saturn (Haus 9) in Steinbock; Merkur steht ebenfalls im Steinbock. Die Jupiter/Pluto-Konjunktion in Krebs im dritten Haus wirft eine Opposition auf diese Steinbock-Planeten. Uranus aus zwölf attackiert im Quadrat Merkur, Jupiter und Saturn. Aus diesen Platzierungen können wir folgern, dass Alfons ein sehr ehrgeiziger Mann ist, für den Erfolg und eine Position und Status in der Gesellschaft von ausschlaggebender Bedeutung waren. Nach seinem Studium promovierte er und begann langsam aber sicher seinen Aufstieg in der Wirtschaft. Sonderbarerweise hatte sein Berufsweg sehr viel mit den wirtschaftlichen Bereichen im Nahverkehr zu tun, wodurch die Jupiter/Pluto-Konjunktion in drei eine besondere Bedeutung erhält.
Als er schließlich ins Rentenalter kam, war er seit geraumer Zeit Geschäftsführer einer recht etablierten Firma, und schon im Jahr 1994/95 (ca. ein Jahr vor seinem Rentenbeginn) zeichnete sich ab, dass ein Konkurs wahrscheinlich nicht zu vermeiden sein würde. Seine letzte „Amtshandlung“ zu Beginn des Jahres 1996 war dann auch die Anmeldung des Konkurses.
Schauen wir uns die Transite an:
Uanus und Neptun gingen von 94 – Anf. 96 in Konjunktion über seine Sonne/MC-Konjunktion und Pluto transitierte im Halbquadrat bzw. Anderthalbquadrat Jupiter und Saturn. Die Faktoren im Radix verdeutlichen uns schon durch die Opposition von Pluto auf Saturn, MC und Sonne, dass im Laufe seines Lebens Zusammenbrüche, drastische Verluste und Transformation ein Thema werden könnten. Es gab tatsächliche einige Ein- und Umbrüche in seinem Berufsleben, die sich aber schließlich zum Guten wendeten. Die damals jeweils fälligen Transite waren auch nicht annähernd so eklatant wie bei diesem Konkurs. Dieses Scheitern ist umso grausamer, als es am Ende eines Berufslebens erfolgte und es für ihn nun keine Möglichkeit mehr gab, sich noch mal beruflich zu etablieren und zu beweisen.
Es ist auch hier müßig, von schuldig oder nicht schuldig zu sprechen, obwohl einer seiner Mitarbeiter mir sagte, dass Alfons alles kaputt gerechnet und selten eine eindeutige Position bezogen habe, auch gegenüber Belegschaft und Betriebsrat. Wenn wir seinen Neptun in fünf und sein Merkur/Uranus-Quadrat in die Ursachenforschung mit einbeziehen, könnte sich hier eine grundlegende Schwäche offenbart haben. Darüber hinaus ist die sehr starke Steinbock-/Saturn-Betonung sicher nicht von geringer Bedeutung, denn sie zeigt ihre Nachteile, wenn es um den großen Überblick geht, um Wahrnehmung von Chancen, neuen Möglichkeiten und einem flexiblen Geschäftsgebaren; auch das Kaputtrechnen gehört zu der ängstlichen Absicherung Saturns. Alfons fiel nach Abwicklung des Konkurses in eine tiefe Depression, u.a. hervorgerufen durch Pluto, der in der Folge das Quadrat zu Neptun und im Anderthalbquadrat seinen eigenen Platz transitierte.
Dieses Beispiel steht zwar exemplarisch für andere Scheiterhoroskope im beruflichen Bereich, aber dessen Manifestationen dürfen niemals eins zu eins auf ein Radix mit ähnlichen Aspekten/Platzierungen angewendet werden. Wir sehen hier sehr klar, wie die beteiligten Faktoren von Transiten herausgefordert werden können – nicht müssen. Ohne entsprechende Transite der Transsaturnier wird ein Scheiterereignis kaum gravierende Auswirkungen haben, wobei wir natürlich auch die Direktionen und Progressionen nicht außer Acht lassen dürfen. Meine persönlichen Erfahrungen haben gezeigt, dass vor allem harmonische Uranus-Transite nach solch einem Ereignis (Jupiter-Traniste sind erfreulich, haben aber nicht die Durchschlagkraft) uns die gewünschte Wende, das Unerwartete, den Neubeginn und die vitale Kraft zum Wiederaufbau des (auch in uns) Zerstörten bringen können.
Wir widmen uns im Allgemeinen dem Ziel, das wir vor Augen haben, wird das Ziel verfehlt, ist das Vorhaben gescheitert. Vergessen wird oftmals, dass die dabei gemachten Erfahrungen so bestimmend sein können, dass sie unser Leben verändern, unserer Identität etwas hinzufügen, auch wenn wir erst mal den Eindruck haben, dass wir nicht mehr wissen, wer wir sind und was wir anstreben können oder sollten. In der Antike wurde das Scheitern noch als ein Kampf zwischen den Menschen und dem Schicksal verstanden. Den Göttern oblag die Entscheidung, ob sie das Leben des Menschen durchkreuzen und ihn vernichten wollen. Diese Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein an das Schicksal, das Leben hat sich bei drastischen Scheitererfahrungen bis heute nicht geändert, obwohl wir der Ursache des Scheiterns einen konkreten Namen geben: Regierung, Firmenchef, Schulden, Ehefrau etc.
Es wird ein Geheimnis jeden Lebens bleiben, warum der eine „nur“ scheitert, um dann wieder aufs Neue beginnen zu können, während der andere keine Chance bekam oder sie nicht erkannte. Natürlich könnten wir dies vom karmischen Gesichtspunkt heraus erklären, aber wem nutzt das schließlich und endlich? Vielleicht sollten wir das Scheitern auch als einen Teil unserer Kultur begreifen lernen und somit unser Empfinden, es als persönlichen Makel zu betrachten, relativieren. Entscheidend ist dabei natürlich auch unser grundlegendes Selbstwertgefühl. Mag es in der Phase des Scheiterns auf dem Nullpunkt oder darunter liegen, wenn wir es einmal in gesundem Ausmaß besaßen und uns unserer Fähigkeiten und Stärken bewusst waren, werden diese Kräfte wieder kommen und uns für neue Aufgaben zur Verfügung stehen.
Der schottische Schriftsteller Robert L. Stevenson schrieb: „Es ist nicht unsere Aufgabe, in dieser Welt erfolgreich zu sein, sondern weiterhin frohen Mutes zu scheitern“. Wir wissen, dass wir jederzeit scheitern können, und so wäre ein Perspektivewechsel, wie von Stevenson vorgeschlagen, nicht allzu abwegig, aber dennoch für einen verzweifelten Menschen, der nicht weiß, wie es weitergehen soll, zunächst kein Trost. Aber vielleicht später, wenn er durch die Scheiterhölle gegangen, geläutert und gewandelt wieder hervorgekommen ist, dann könnte er sein vergangenes und zukünftiges „Scheitern als Chance“ (ohne Fragezeichen) begreifen, wozu ihm vor allem eine geistige Einstellungsänderung verhelfen wird.
Gehen wir noch mal zurück zu Alexis Sorbas und Basils Gedanken zu diesem grandiosen Scheiter-Erlebnis: „Selten in meinem Leben hatte ich solch eine Freude empfunden. Freude war das nicht mehr zu nennen. Es war erhabene, absurde, durch nichts zu rechtfertigende Heiterkeit. ......Wenn alles verquer geht, ist es eine Freude, die eigene Seele zu prüfen, ob sie Härte und Wert besitzt! Es ist, als überfiele uns ein unsichtbarer, allmächtiger Feind – die einen nennen ihn Gott, die anderen den Teufel -, um uns niederzuschlagen. Aber wir bleiben aufrecht. Jedesmal, wenn wir innerlich Sieger sind – gerade wenn wir äußerlich völlig geschlagen wurden, empfindet der echte Mann einen Stolz und eine Freude, die sich nicht ausdrücken lassen. Das äußere Unglück verwandelt sich in ein erhabenes und strenges Glück.“
*1 KAZANTZAKIS, Nikos Alexis Sorbas, Rowohlt 1967
(Erstveröffentlichung in ASTROLOGIE HEUTE)
Einen Probetext meiner "Psychologischen Charakteranalyse" für die Astro-Software Galiastro finden Sie unter:
http://www.galiastro.de/probedeutungen/barbara_egert
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