Astrologie | Geschichte der Astrologie

Einführung der Mitteleuropäischen Zeit

Holger A. L. Faß
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Sonntag, 16. März 2008, 07:43

Die Geschichte der Zeit ist auch eine Geschichte der Astrologie. Denn Zeit ist, anders als man vielleicht spontan meint, stets auch einer Veränderung unterworfen. Der Mensch "macht" die Zeit - oder besser gesagt: er misst und benennt sie.

1893 wurde in Deutschland beispielsweise die Mitteleuropäische Zeit eingeführt; per Gesetz vom 12. März 1893 am 1. April des gleichen Jahres. Darin heißt es: "Die gesetzliche Zeit in Deutschland ist die mittlere Sonnenzeit des fünfzehnten Längengrades südlich von Greenwich".

Vorher sah die Situation anders aus: Im Alltag kam es auf Sekunden oder Minuten, ja mitunter auf Stunden nicht genau an. Jeder Ort hatte seine eigene Zeit. Doch das war nicht das Ergebnis reiner Willkür, sondern die einzelnen Regionen orientierten sich an dem Zeitgeber, den sie am Himmel beobachteten: der Sonne.

Die Sonne teilt den Tag in eine Licht- und eine Nachtseite. Der Sonnenhöhepunkt eines Tages (wir sprechen auch vom "Kulminationspunkt") galt als Mittagsmoment: 12 Uhr. Da die Orte nun auf unterschiedlichen Längengeraden liegen, die Sonne von der Erde aus gesehen also zu verschiedenen Zeitpunkten genau über einem Menschen am Himmel steht, war es in Berlin ca. 25 Minuten früher zwölf Uhr mittags als in Köln. Für die Menschen bis einschließlich des 18. Jahrhunderts war dies jedoch kein Problem. Ohne Telefon, Internet oder schnelle Verkehrsverbindungen war es dem Berliner ziemlich schnurz, dass man in Köln 25 Minuten später zur Arbeit ging und umgekehrt störte es die Kölner nicht, dass der Feierabend in Berlin 25 Minuten früher eingeläutet wurde. Alles hätte so bleiben können, hätte nicht Anfang des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn in Deutschland ihren Betrieb aufgenommen.

Die Fahrplangestaltung machte es nötig, eine einheitliche Zeit einzuführen. Denn wie hätte man es sich erklären sollen, dass man gegebenenfalls in einem Ort später losfuhr, um im nächsten früher anzukommen? Außerdem hätte jeder Bahnhof eigene Fahrpläne benötigt. Ein Riesenchaos. Zunächst behalf man sich, indem man die Fahrpläne auf eine Zeit ausarbeitete; doch die anderen Ortschaften mussten dann kompliziert umrechnen. So wurde fast im gesamten norddeutschen Raum die Abfahrzeit eines jeden Zuges in Berliner Zeit angegeben und in jedem Ort außerhalb Berlins musste dies dann in die eigene Zeit umgerechnet werden. Für den Zielbahnhof jedoch musste man schon wieder eine andere Umrechnungsformel nutzen. Im Süddeutschen gab es etwas ähnliches; hier nutzte die Eisenbahn die Münchner Zeit als Angabewert. Um dem Durcheinander beizukommen bot es sich an, Zeitzonen einzuführen.

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