Astrologie | Astrologie & Spiritualität
Der Feuerkopf: Warum Jupiter eine Schlüsselfigur ist Teil 1
Friedrich Maier Systemische Astrologie
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Dienstag, 17. Juli 2001, 09:20
Verstand und Denken gehören eher in Jupiters Reich, nicht zu Merkur, wie allgemein angenommen. Dies jedenfalls meint der Autor unserer Titelstory. Und er hat dafür gute Gründe. Vor allem aber sieht er im Feuerelement Schütze/Jupiter eine Schlüsselrolle im Tierkreis. Ansätze einer Neubewertung ...
... von Wilfried Schütz
„Ich denke, also bin ich“, sprach der französische Philosoph René Descartes am Anfang des 17. Jahrhunderts; also zu Beginn der Aufklärung, einer Epoche, auf die wir heute noch stolz sind. Ähnliches gab’s schon einmal im alten Griechenland (ca. 500 v.Chr.). Damals „klärten“ die Sophisten (Weisheitslehrer) auf; überschwenglich verkündeten sie: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ (Protagoras). Wobei sie schnell begriffen, daß Denken ein gar treffliches Mittel ist, so gut wie jeden Standpunkt scheinbar plausibel zu verteidigen. Das, was ursprünglich als Weisheit gedacht war, verkam zu Wortverdreherei und Klügelei. So wundert auch nicht, daß, im Zeitalter der modernen Aufklärung, der junge Descartes bei den „Sophisten der Kirche“, den Jesuiten, in die Lehre ging.
Descartes’ Horoskop weist wie das vieler klugen Köpfe eine signifikante Jupiter-Uranus-Verbindung auf - wobei hier die Fixierung auf den Verstand als Lebensinhalt besonders auffällt (geb. 31.3.1596, 02:00 Uhr, Le Haye). Albert Einstein ist mit Jupiter-Uranus gleich dreimal gesegnet (geb. 14.3.1879, 11:30 Uhr, Ulm); auch Immanuel Kants Radix offenbart deutliche Jupiter-Uranus-Qualitäten (siehe S....).
Uranus ist das Neue, das Sich-Heraus-Heben-Wollen. Jupiter steht für Philosophie, Weltanschauung, Kultur. Die Fähigkeit, die dahintersteht, ist das Denken! Mit „Denken“ versuchen wir die Welt, die uns begegnet, zu ordnen und die Beziehung der Dinge untereinander zu verstehen.
Aber wird in der klassischen Astrologie das Denken nicht Merkur zugeordnet? Beim Wort genommen, wäre demnach der Zwilling und nicht der Schütze der Gelehrte und Philosoph im Tierkreis, und jeder Redner oder Handwerker (Zwilling) wäre ein Gelehrter oder Philosoph (Schütze). Dem ist aber nicht so! Ich glaube, daß wir das Denken brauchen, um mit der Welt der Begegnung zurecht zu kommen (was ein Schütze/Jupiter-Thema ist).
Die alten Astrologen lösten das Problem, indem sie das Denken kurzerhand beiden astrologischen Prinzipien zuordneten. Thomas Ring unterscheidet z.B. in praktische (Merkur) und theoretische Intelligenz (Jupiter) oder „denkende Ökonomie“ und „optimale Denkfähigkeit“. Bei E.C.Kühr steht der auf das Einzelne gerichtete Verstand (Merkur) dem auf das Ganze gerichteten Verstand (Jupiter) gegenüber.
Solche Unterscheidungen kennt die Psychologie nicht. Für sie ist Denken eine einheitliche Fähigkeit, die uns die angetroffene Welt ordnen und die Sinnhaftigkeit der Beziehungen zwischen ihren Teilen verstehen läßt (Verstand). So erscheint die oben aufgezeigte Zweigleisigkeit der Astrologen zum Thema Denken eher wie ein Eiertanz, der grundlegende Unklarheiten zum Jupiterprinzip verdecken soll. Daher mag auch kaum verwundern, daß die astrologische Literatur zu Jupiter meist dürftig und altbacken ist. An sich wäre das Gegenteil zu erwarten, ist doch Jupiter das Prinzip der Fülle.
Die psychologische Astrologie teilt den Tierkreis in die vier Quadranten: I. Körper, II. Psyche, III. Geist, IV. Bewußtsein. Denken, als geistiger Prozeß, wäre logischerweise dem geistigen Quadranten zuzuordnen. Dort treffen wir aber nicht auf Merkur, sondern auf Jupiter, den Herrscher des Schützen. Merkur dagegen hat seine Aufgaben als Steuermann im Körper und in der Psyche. Dort hat er als „Götterbote“ (Körper: motorisches Nervensystem steuert die differenzierte körperliche Bewegung, Fingerfertigkeit, Sprache; Psyche: vegetatives Nervensystem, Adaptation, Nutzung) getreulich die Aufträge der anderen Götter zu überbringen. Nicht auszudenken, wenn er sich unterwegs noch eigene, vielleicht sogar abweichende Gedanken machen würde.
Andererseits könnte man sagen: Jupiter ist die dritte, feurige „Aussteuerung“ im Tierkreis. Er umfaßt die beiden vorhergehenden Merkurprozesse (Luft und Erde), will ihre Sinnhaftigkeit verstehen.
Apropos feurig. Das führt uns zu einem weiteren Argument dafür, Verstandestätigkeit und Denken Jupiter zuzuordnen. Denn hinter einer derart intensiven historischen Entwicklung wie die der Aufklärung mit all ihren Folgen muß eine spannungsgeladene Energie stecken! Feuer hat diese Intensität. Nicht aber Luft (Zwillings-Merkur) und auch nicht Erde (Jungfrau-Merkur); beide sind im Kern neutral, vermittelnd.
Wie sehen noch ein anderes Dilemma: Jupiter ist in der klassischen Astrologie Herrscher zweier entgegengesetzt polarisierter Tierkreiszeichen, dem männlichen Schützen und dem weiblichen Fisch. Allmählich setzt sich beim Fisch die alleinige Herrschaft des Neptun durch. Jupiter müßte nun konsequenterweise von den neptunischen Fähigkeiten entlastet werden. Aber welcher schützebetonte Mensch trennt sich freiwillig von solch wunderbaren Veranlagungen wie z.B. der Intuition, der visionären Empfänglichkeit, dem Hang zu höheren Werten, tiefer Weisheit, der Nähe zum Schöpfer? Auffällig leicht dagegen gelingt der Abschied gegenüber den „negativen“ Eigenschaften Neptuns: der Lüge, den Heimlichkeiten, dem Leid, dem Verlust, der Angst u.v.a.m. Fazit: Eine Neubewertung Jupiters und seines Schütze-Reiches erscheint überfällig!
Jupiters Reich liegt im III.Quadranten des Tierkreises. Dort sind die Fähigkeiten, die wir im Umgang mit unseren Begegnungen benötigen: 1. Eros, die Sehnsucht nach Begegnung und Liebe (Waage-Venus), 2. der Speicher unserer Erfahrungen mit der Welt, die inneren Bilder, unser Gedächtnis (Skorpion-Pluto) und 3. eben Schütze-Jupiter, dessen Bedeutung wir noch analysieren wollen. Es geht hier also um die geistitgen Fähigkeiten des Menschen. Doch Vorsicht, das Geistige ist schillernd und hat schon zu großen Verwirrungen geführt. Gemeint ist hier nicht die Ebene des heiligen Geistes, des Spiritus (lat. Geist), sondern die mentale (lat. mens, Denkkraft) Ebene.
Das Element des Schützen ist das Feuer, und Feuer ist ein Symbol der Kraft und Vitalität. Zusammen mit dem Geistigen entfaltet sich unsere geistige Vitalität und Kraft und unsere Begeisterungsfähigkeit der Welt gegenüber, die uns begegnet. Feuer, von seiner Grundqualität warm und trocken, erzeugt eine starke Spannung, die als männlich polarisierte Energie nach außen in die Extraversion drängt. In uns brennt das Feuer der geistigen Aktivität und des geistigen Interesses (in der Meditation können wir erkennen, wie schwer es ist, diese Energie zu beruhigen). Aus Begeisterung wird Überzeugung; Drang entsteht, uns anderen mitzuteilen und sie geradezu zu missionieren. Aus Überzeugungen wächst unser Glaube. Jupiter entspricht dem Hohenpriester im Tarot und gleichermaßen dem Priester der Kirchen. Beide verkünden auf der mentalen Ebene. Die bewegliche Qualität des Schützen verleiht unserer geistigen Aktivität hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, was sie zum potentiellen Diener vollkommen gegensätzlicher Interessen werden läßt. Gerade diese Fähigkeit, damit alles begründen oder widerlegen zu können, nutzten die griechischen Sophisten und heutzutage die Jesuiten im Dienst ihrer Kirche. Die eigentliche Aufgabe Jupiters als unser innerer Priester ist jedoch die Verkündigung der im IV. Quadranten verborgenen Wahrheit. Spirituelle Wirklichkeit will die Inhalte des mentalen Feuers in uns bestimmen.
Der bewußte Zugang zu diesem Quadranten ist aber in uns Menschen durch Saturn, dem „Hüter der Schwelle“, blockiert. Als Folge davon wendet sich unser geistiges Feuer anderen Betätigungsfeldern zu. Dies hat verheerende Wirkungen, mit denen wir uns noch beschäftigen werden.
Eine weitere Fähigkeit Jupiters entdecken wir in der ihm zugeordneten Zahl 3. Sie symbolisiert die Fähigkeit der Synthese, z.B. Ideen miteinander zu verbinden und daraus ein Gedankengebäude (Weltanschauung, Wissenschaftsgebäude, exoterische Religion) entstehen zu lassen. Diesen geistigen Syntheseprozess nennen wir Denken. Durch ihn wollen wir die Dinge und Ereignisse ordnen. Wir wollen ihr Zusammenspiel erklären und den Sinn des Ganzen erfassen. Auf der körperlichen Ebene besitzt die Leber als Jupiterorgan, wie könnte es auch anders sein, ebenfalls die Aufgabe der Synthese. Aus einzelnen Molekülen (Zucker, Fett, Eiweiß) baut sie langkettige Verbindungen auf. Zentraler Stoff ist dabei der Zucker, der wiederum in Analogie zu den Ideen (Waage-Venus) steht. Die Leber ist die Herrin des Synthese-Stoffwechsels.
Jede Synthese hat Wachstum zur Folge, und jedes Wachstum erzeugt Fülle. Geistiges Wachstum, sollte man meinen, führt zu mehr Verständnis und dieses zu mehr Toleranz. Es führt aber auch zu einer Fülle unterschiedlichster Anschauungen, Theorien und Glaubensrichtungen, und diese erzeugen oft anderen Anschauungen gegenüber Arroganz, Unverständnis und Intoleranz. Die Arroganz entspringt dabei dem Bestreben, die Angst im Unbewußten zu halten, die Angst nämlich, daß die eigene Anschauung falsch und die der anderen richtig sein könnte.
Um unseren geistigen Horizont zu erweitern, drängt es uns zu Reisen in die weite Welt, zu fremden Kulturen oder in die Welt der Literatur, in der diese weite Welt ihren Niederschlag gefunden hat. Selbst die Reisen in den Kosmos hinaus entspringen dem Jupiterimpuls. Sie sind der Ersatz für die fehlende Verbindung zu unserem inneren Himmel (IV.Quadrant). Gerade vor dem Zeitalter der Aufklärung fanden die großen Reisen eines Kolumbus oder Vasco da Gama statt. Die Aufklärung erhielt auch später wesentliche Impulse durch die Reisen z.B. Alexander v. Humboldts.
Da der Schütze seine „Früchte“ (Feuer) nicht mehr aus den Inhalten des IV.Quadranten bildet, setzt sich dessen geistige Frucht zusammen: 1. aus den Ideen (Waage), die Begegnungen in uns assoziativ auslösen, und 2. aus den im Skorpion gespeicherten Bildern der Erfahrung, unserem Gedächtnis. Da wir im Außen aber nie etwas anderes erfahren, als das, was wir in der Begegnung nach dem Gesetz der Affinität anziehen, entstammt die Erfahrung nie einer objektiven Welt. Folglich kann unser Denken ebenfalls niemals objektiv sein. Selbst durch Versuche erhärtete Fakten bleiben subjektiv, da der Untersuchende aus seiner subjektiven Affinität nicht aussteigen kann. Das traurige Ergebnis daraus ist: Es entsteht auf diese Weise kein Verständnis der Wirklichkeit, also kein wirkliches Verstehen! So bleibt unser Verständnis der Welt immer in einer subjektiven Illusion gefangen. Überraschenderweise kommt die Quantenphysik zu den gleichen Schlußfolgerungen.
Die Verbindung zwischen der Hohepriesterin, der Empfängerin des Numinosen (Neptun), der Pythia von Delphi in uns, die ihren Platz im Allerheiligsten unseres Tempels hat, und dem Verkünder (Jupiter) vor dem Vorhang des Tempels ist unterbrochen. Unser innerer Priester hat den Zugang zur Wirklichkeit verloren, und wir besitzen kein Verständnis mehr für den Fluß des Lebens, unser Schicksal. Wir beginnen an den nicht bestimmbaren Zufall zu glauben, und die Angst vor ihm wächst ins Unermeßliche. Um diese Angst zu bewältigen, denken wir über die Zusammenhänge des Erlebten nach, versuchen wir die dem Geschehen zugrundeliegenden Gesetze zu entschlüsseln, treiben wir Wissenschaft. Die Berechenbarkeit der Zukunft soll unsere Angst vor ihr vertreiben. Die Hoffnung, den endgültigen Schlüssel hierzu zu entdecken, treibt uns voran. Ende vorigen Jahrhunderts sagten die Gelehrten zu ihren Söhnen: „Studiert keine Physik, denn es ist schon fast alles entdeckt“. Danach kam Einstein und nichts blieb in der Physik, wie es einmal war. Heute heißt es: „Wenn wir erst das Gehirn, die Gene, den Weltraum entschlüsselt haben, oder die einheitliche Feldtheorie zum Elektromagnetismus, zur Gravitation und zu den Teilchenfeldern entdeckt haben, ist das Geheimnis des Lebens offenbar“. Immer glauben wir, kurz vor dem Durchbruch zur Wirklichkeit zu stehen. Nach jedem erfolgreichen Schritt müssen wir aber enttäuscht erkennen, daß sich die Wirklichkeit hinter einem weiteren Berg zurückgezogen hat. Sisyphos läßt grüßen.
Jupiter glaubt an das Optimum und läßt uns danach streben. Ein jupiterbetonter Mensch ist davon überzeugt, daß nur das Beste für ihn gut genug ist, und selbstverständlich steht ihm jedes Privileg zu. Eine ganze gesellschaftliche Schicht hat hier ihren Ursprung: der Adel. Aus deren höfischen Sitten entwickelte sich unsre Höflichkeit und unser Streben, ebenfalls edel zu sein. Wir entwickeln dabei ein Begegnungsverhalten, das die wirklichen Interessen und Motive hinter der Maske scheinbaren Verständnisses verbirgt. Selbstverständlich triumphiert hierbei der Verstand allzu oft über das Herz. Ohne rot zu werden gelingt es uns z.B., jeden - selbst den ärgsten Feind - von „Herzen“ willkommen zu heißen. Aus dem Optimum und der Begeisterungsfähigkeit entsteht ein Optimismus, der in einer oftmals grandiosen Überschätzung unserer Möglichkeiten und Problemblindheit enden kann. Wir befinden uns in einem Circulus vitiosus. Wir glauben, wenn wir unsere geistigen Anstrengungen erhöhen, könnten wir den Durchbruch zur Wirklichkeit doch noch schaffen. Die verstärkten Anstrengungen aber führen zu einer immer stärkeren Verstandesbetonung. Die Schule hatte einst die Aufgabe, uns Kinder Lesen, Schreiben und das kleine Einmaleins beizubringen. Das sind typische Merkurfähigkeiten, bei denen das Lernen alltäglich-notwendiger „Bewegungen“ vor allem mit der Hand und dem Mund ganz im Vordergrund stehen. Hieraus resultiert die Zuordnung der Schule zu Haus 3. Heute geht die schulische Tendenz recht früh zur Vermittlung komplexer geistiger Inhalte. Die Zuordnung wechselt schon im Gymnasium ins 9.Haus. Es folgt ein zehn Jahre und mehr dauerndes, fast exklusives Training unseres Verstandes (Studium inkl.), was in uns starke Kopflastigkeit erzeugt. Bildung und Studium bestimmen immer mehr den Wert des Menschen.
Früher waren die Kirchen die Träger geistiger Aktivität und die Universitäten waren kirchliche Institutionen. Spirituelle Überlieferungen und damit Ahnungen von der Wirklichkeit und menschliche Ratio standen noch in gewisser, wenn auch oft dürftiger Nähe zueinander. In der Epoche der Aufklärung trennte sich die universitäre Wissenschaft von der Kirche. Im Grunde entstand dabei eine neue „Kirche“ neben der alten. Ihre Religion nennt sich Wissenschaft, und ihre Priester nennen sich Professoren. Die spirituelle Dimension des Seins versank bei dieser Entwicklung immer mehr in der Bedeutungslosigkeit. Auch die Kirche geriet in den Sog der Aufklärung. Das entstandene spirituelle Vakuum wurde zunehmend von verzauberten Analogien des Neptun gefüllt, z.B. von der im 17. Jahrhundert aufkommenden Chemie oder den Drogen (Nikotin). Da wundert nicht, daß der Tabakkonsum zu Ende des 16. Jahrhunderts mit dem Beginn der Aufklärung seinen Anfang nahm.
In unmittelbarem Zusammenhang mit dem geistigen Überbau, der Überzeugung und dem Glauben einer Gesellschaft steht deren kulturelle Lebendigkeit. Die Betonung des Verstandes in unserer Kultur führt zur Vernachlässigung des Gefühlslebens (II.Quadrant), der Körperlichkeit (I.Quadrant) und nicht zuletzt, wie oben gezeigt, der spirituellen Dimension des Lebens (IV.Quadrant). Zwar gibt es in geringem Umfang musische und sportliche Fächer an unseren Schulen; wenn aber Unterricht ausfallen muß, trifft es fast nur diese Fächer. Deutlicher kann man deren geringe kulturelle Bedeutung nicht signalisieren. Das Defizit wird durch die Hochleistung weniger kompensiert.
Mit der Überbetonung des Verstandes wächst unseren typisch männlichen Fähigkeiten (Mars-Kraft, Sonnen-Wille, Jupiter-Denkvermögen) immer mehr Macht zu. Entsprechend geraten die weiblichen Anlagen zunehmend ins Abseits. Damit verlieren wir immer mehr unsere Identität, unser Wesen. So wie in uns unsere Natur verarmt, geht im Außen, als Projektion unserer innerseelischen Not, die Natur zugrunde. Das Waldsterben, das Aussterben vieler Tierarten und der Mangel an sauberem Wasser sind allzu deutliche Zeichen. Tragischerweise soll uns nun gerade die Wissenschaft, also das Feuer in unserem Kopf, das diese Entwicklung zu verantworten hat, aus dieser Not retten. Da wird doch der Bock zum Gärtner gemacht! Finden wir nicht wieder zu einem Gleichgewicht zwischen „Kopf“ und „Bauch“ zurück, und zwar jeder einzelne für sich, wird sich die Natur weder in uns noch um uns herum erholen können.
Selbst im männlichen Bereich sorgt der Verstand für Probleme. Bei sämtlichen Entscheidungen, die wir treffen, befragen wir nur selten das Herz. Vorrang hat auch hier der Verstand. Aber was sind das für Entscheidungen? Bedenken wir doch, daß der Verstand je nach Interessenlage alles und jedes als sinnvoll interpretieren kann!
Jupiter, unsere Denkkraft, leidet aber noch unter einem weiteren Problem. Durch den „Fall“ des Saturn (Engelsturz, Entmachtung des Uranus, Sündenfall) haben wir uns angewöhnt, die Welt in „gut“ und „böse“ zu teilen. Daraus entstanden die Urteile „richtig“ und „falsch“, und es entwickelte sich die Begriffe „Leistung“ und „Konkurrenz“ - weil wir nach Anerkennung strebrn. Auch unsere Wissenschaft sieht die Welt aus dieser Perspektive. Habe ich den richtigen Denk- oder Wissenschaftsansatz, dann muß jener der anderen falsch sein. Die richtige Religion, Wissenschaft und Weltanschauung tritt der falschen Religion, Wissenschaft und Weltanschauung gegenüber.
Auch in der Sternenkunde leiden wir darunter. Astronomie ist richtig, Astrologie ist falsch! So einfach ist das! Rationales Wissen wird zur entscheidenden Waffe im Konkurrenzkampf. Aus dem ursprünglichen Verständnis wird Unverständnis und Intoleranz Andersdenkenden gegenüber. Der eine versucht den anderen mit Feuer und Schwert zu überzeugen.
Fortzetzung folgt in Kürze!!
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