Astrologie | Astrologie & Spiritualität
Der Feuerkopf: Warum Jupiter eine Schlüsselfigur ist Teil 2
Friedrich Maier Systemische Astrologie
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Donnerstag, 19. Juli 2001, 11:00
Verstand und Denken gehören eher in Jupiters Reich, nicht zu Merkur, wie allgemein angenommen. Dies jedenfalls meint der Autor unserer Titelstory. Und er hat dafür gute Gründe. Vor allem aber sieht er im Feuerelement Schütze/Jupiter eine Schlüsselrolle im Tierkreis. Ansätze einer Neubewertung ...
... von Wilfried Schütz
Zweiter und letzter Teil ( Teil 1 vom 17.07.01 zu finden unter „Mit Astrologie leben“)
Ein ambivalentes Verhältnis entsteht zum Ausland und den „Ausländern“. Einerseits sind auch sie die Basis jupiterhafter Sinnsuche und Reisetätigkeit, auf der anderen Seite aber begegnen wir fremden Kulturen mit Skepsis. Und wir sind schnell und gern bereit, unverstandene Kulturen als „primitiv“ abzuwerten. Jupiter, vom Prinzip her die Fülle und Großzügigkeit in Person, wird auch dort als Mäzen auftreten wollen, jedoch gleichzeitig von den anderen die Übernahme der eigenen Kultur und Anschauungen fordern. Aus dem Förderer wird die Kolonialmacht.
Unsere Volkswirtschaft zeigt sehr deutlich den Tribut, den wir an Jupiter zahlen: Es ist der Zwang zu stetem Wachstum (vor Jupiter ist Pluto!). Da Wachstum nicht unbegrenzt möglich ist, muß das System irgendwann zusammenbrechen. Was in der Wirtschaft gilt, gilt ähnlich auch für die Wissenschaft. Hier heißt das Paradigmenwechsel. Und der passiert ständig, was auch deshalb zwingend wird, weil durch die Teilung der Welt in „Richtig“ und „Falsch“ die Hälfte der Welt als Falsch in den Schatten fällt, und damit diese Hälfte in den Fundamenten der Denksysteme schlichtweg ausgeklammert bleibt.
Wieso entstehen solche Fehlentwicklungen menschlichen Geistes? Gleichnishaft gibt uns der griechischen Mythos des Prometheus (gr. Vorausbedacht) Antwort. Alle mythologischen Gestalten charakterisieren nach außen projizierte Kräfte in uns. So ist Prometheus eine Kraft in uns, die uns die Fähigkeit zum vorausschauenden Denken gibt. Sie bedient sich unerlaubterweise, weil gestohlen, des Jupiterfeuers und wird deshalb von unserem eigenen Jupiter an den Felsen gefesselt. Der Felsen steht symbolisch für Saturn. In unsere Sprache übersetzt bedeutet dies, daß unser Verstand an die Teilung der Welt in „gut“ und „böse“ bzw. „richtig“ und „falsch“ gebunden ist. Das so erzeugte Wissen trägt damit nur die halbe Wahrheit in sich. Die zweite Hälfte manifestiert sich als Projektion außerhalb des wissenschaftlichen Lehrgebäudes und stellt als bekämpfte Alternative dieses auf Dauer in Frage. Die Einseitigkeit wissenschaftlicher Grundannahmen werden nach langer Zeit der Unbewußtheit immer offenbarer und das Lehrgebäude bricht in sich zusammen (Paradigmenwechsel).
Genau diese Zusammenhänge zeigen sich auch bei Prometheus. In der Nacht (Unbewußtheit) wächst die Leber. Die Leber ist ein Symbol für Jupiter und steht damit als Gleichnis für ein Wissenschaftsgebäude. Bei Tage besehen, also unter bewußteren Bedingungen, hat die Leber (das Wissenschaftsgebäude) keinen Bestand und wird von einem Adler (Skorpion, Tod, Wandlung) herausgefressen. Das notwendigerweise stete Entstehen und wieder Vergehen (Skorpion, Pluto) immer neuer Weltanschauungen (Schütze, Jupiter) unter Sündenfallbedingungen (Steinbock, Saturn: richtig-falsch) wird in diesem Gleichnis wunderbar deutlich.
Die Befreiung aus dieser mißlichen Lage unseres Verstandes geschieht durch den Zentauren Chiron. Chiron ist die Kraft in uns, die als „Schlüssel“ in der Lage ist, ein Tor in der Grenze zwischen „richtig“ und „falsch“ zu öffnen, um damit einem uranischen Denken, das beide Pole in sich vereinigt, Bahn zu brechen.
Das bisher Geschilderte müßte uns nicht weiter belasten, wenn nicht Jupiter in uns eine Schlüsselposition inne hätte. Bei der Betrachtung des Tierkreises fällt auf, daß es im IV.Quadranten kein Feuerzeichen wie in den übrigen Quadranten gibt. Dies bedeutet, daß wir die Wirklichkeit nicht aktiv energetisch gestalten können, sondern daß deren Gestaltung Resultat übergeordneter Schöpfung ist. Durch den Saturn als Hüter der Schwelle in unserem Bewußtsein bleiben diese Zusammenhänge unbewußt. Bewußt kreativ sind wir nur im Geistigen (Jupiter, geistige Gestaltung), im Psychischen (Sonne, Wille) und im Körper (Mars, Tat). Jede körperliche Tat hat als Voraussetzung, daß wir sie auch wollen, wenngleich auch manchmal unbewußt. Das, was wir wollen ist aber seinerseits abhängig von unseren geistigen Schöpfungen. Diese mentalen Schöpfungen, unsere Überzeugungen und unser Glaube bestimmen damit unser Leben, psychisch wie auch körperlich. Hermann Meyer nennt es „das Gesetz des Denkens und Glaubens“. Die Befindlichkeit des Jupiters bestimmt damit in weitem Maße unser Lebensglück. Gehen wir mit ungebrochenem Optimismus an ein Unternehmen, so wird es sich glückhaft entwickeln. Begeisterung und Lebensfreude breiten sich aus. Leider befinden wir uns eher selten in diesem Zustand. Woher mag das kommen? Jupiter/Prometheus in uns ist mehr oder weniger gefesselt an Saturn (z.B. Saturn-Jupiter-Aspekte). Wir glauben an das Prinzip der Schuld und sind unbewußt zutiefst von unserer eigenen Schuld überzeugt! Desweiteren glauben wir auch daran, daß die Schuld der Strafe bedarf. Und schon ist der schönste Optimismus im wahrsten Sinne des Wortes beim Teufel (Saturn, Satan). Aus dieser Geisteshaltung kann nichts mehr so recht gelingen und die Freude am Leben erlischt. Selbst die jupiterhaften Aspekte in unserem Horoskop, die Trigone, können da nur bedingt ihre Wirkungen entfalten.
Positives Denken bedient sich der Zusammenhänge zwischen optimistischer Geisteshaltung und glückhafter Entwicklung. Dabei handelt es sich nicht um eine spirituelle Disziplin, sondern um ein mentales Training. Es entfaltet seine Wirksamkeit, kann aber das Grundübel nicht beseitigen: Den Glauben an die Schuld. Die Schuld wird nur noch stärker verdrängt, was das eigentliche Dilemma zusätzlich verstärkt. Wir bekommen dann Fülle, obwohl wir uns unbewußt schuldig und deshalb ihrer unwürdig fühlen. Zur Problembesänftigung vor uns selbst versprechen wir, die uns gegebene Fülle selbstverständlich mit anderen zu teilen und sie nur zum Wohl der Menschheit einzusetzen. „Wer´s glaubt, der glaubt´s“, spricht Jupiter in uns und läßt dreimal aufs Holz klopfen und dabei seine Beschwörungsformel sprechen: „Toi, toi, toi“!
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