Astrologie | Geschichte der Astrologie
Ficinos Rückkehr: Die Seelen Astrologie eines alten Meisters
Friedrich Maier Systemische Astrologie
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Montag, 6. August 2001, 12:45
Der geniale Rennaisance-Astrologe Marsilio Ficino und seine „Therapie der Seele“ genießen vor allem in den USA immer mehr Anerkennung; insbesondere, seit Barbara Schermer, Pionierin der erfahrbaren Astrologie, den Florentiner Philosophen und Botticelli-Mentor in ihrem neuaufgelegten Bestseller „Astrology Alive“* gebührend würdigte.
Von Friedrich Maier
Sie erweist ihrem Vorbild die Ehre: Barbara Schermer sieht in der Arbeit des Rennaisance Philosophen Marsilio Ficino (1433 - 1499) die Basis dessen, was sie mit „erfahrbarer Astrologie“ beschreibt. Dahinter steckt mehr als „Astrotheater“ oder „Astrodrama“, nämlich eine Denk-, und Erlebensweise, die tiefste Seelennahrung ist, die wir in unserer modernen, aufgeklärten, kopfbetonten Astrologie viel zu oft gar nicht mehr wirklich wahrnehmen.
Wer war Marsilio Ficino? Er war der erste, der Plato ins Italienische übersetzte; und er übertrug die magischen Texte, die Hermes Trismegistus zugeschrieben werden, in seine Sprache. Zugleich leitete er die „platonischen Akademie“ in Florenz, die sein Patron Lorenzo di Medici ins Leben gerufen hatte. Vielseitig talentiert machte er sich einen Namen als Theologe und Kleriker, hermetischer Mystiker, Physiker; Psychotherapeut, Musiker - und Astrologe! Seine „Therapie der Seele“ verband platonisches Gedankengut mit Astrologie, Psychologie, hermetischer Mystik, Imagination, Kontemplation, Kunst und Musik aufs trefflichste.
Die Vorstellung der „Seele“, jene undefinierbare und doch allgegenwärtige Essenz, hat (wie bei allen „Neo-Platoniker“) ihren zentralen Platz in Ficinos Schaffen. Danach ist, was wir Seele nennen, unsere Erfahrung aller internen und externen Welten, der Mittler zwischen Geist und Körper, der „primäre Antrieb“, der unser Leben steuert. Zugleich durchdringt die Weltseele alles, was existiert - wir sind damit verwoben.
Ficinos Psychologie ist zutiefst astrologisch. Sie sieht das Horoskop als ein „Theater der Seele, ein Behältnis, in dem die Planeten mit ihren Bildern arbeiten und in dem die Seele leidet“. Die Planeten waren für ihn Planetengötter, zuständig für eine bestimmte Nahrung, bestimmte Blumen, Tiere, Metalle, Verhaltensweisen...“. Damit hat Ficino der Welt eine neue Dimension gegeben, die sich entfernt von der toten, klassifizierenden aristotelischen Sicht. Er hat die Welt beseelt.
Vor allem repräsentieren die Planeten für Ficino urprinzipielle Archetypen (wie sie auch Jung beschrieb), die der menschlichen Psyche innewohnen, wobei jede dieser Archetypen seine eigene Persönlichkeit entfaltet, und alle treten miteinander in Beziehung. Ficino ermutigt uns, diese Götter in unserem täglichen Leben auftreten zu lassen, um auf diese Weise mythische Sensibilität und disziplinerte Wahrnehmung zu entwickeln. Indem wir lernen, die Götter ins Leben „einzuladen“, beginnen wir, gemeinsam mit ihnen unser einzigartiges Sein mitzugestalten - und finden so unseren Platz im Kosmos. Ficinos Ideen haben seit einiger Zeit wieder Eingang gefunden in die Psychologie, in die post-jungianische „archetypische Psychologie“ eines James Hillmann und Thomas Moore.
Ficino war auch ein großer Förderer der Kunst; auch darin sah er eine Ausdrucksform göttlicher Planetenenergien. So unterstützte er den jungen Maler Botticelli an der Florenzer Plato-Akademie nach Kräften. Historiker wissen, daß Botticellis berühmtes Bild „La Primavera“ nach Vorgaben Ficinos entstand. Schönheit wie Reichtum des Gemäldes scheinen unsere eigene innere Schönheit und unseren eigenen inneren Reichtum widerzuspiegeln. Jeder Charakter des Bildes korrespondiert mit den planetarischen Archetypen und reflektiert die Energien des Tierkreis, angefangen vom Zephyr mit den dunklen Schwingen (Mars = Frühlingspunkt) fortgeführt über alle Figuren von rechts nach links. Barbara Schermer sieht in Chloris den Stier, Flora ist Zwilling, Venus/Maria Krebs; dann die Grazien Schönheit, Freude (Löwe), Keuschheit (Löwe/Jungfrau), Merkur (Jungfrau od. Waage). Merkurs Geste gen Himmel versinnbildlicht die letzten sechs Tierkreiszeichen Waage bis Fische und verweist auf die hermetische Weisheit: Wie oben, so unten.
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* Barbara Schermer: Astrology Alive. A Guide to Experimental Astrology and the Healing Arts, The Crossing Press 1998 (diese neue Version ist noch nicht in deutsch erhältlich)
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