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Der Unterschied zwischen Sternbildern und Tierkreiszeichen
Sabine Bends
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Montag, 27. August 2001, 14:45
Im Volksmund sprechen wir vom "Sternzeichen". »Welches Sternzeichen bist du denn?« fragen wir, und meinen damit, in welchem Tierkreiszeichen die Sonne zum Zeitpunkt der Geburt der betreffenden Person stand. "Sternzeichen" ist weder ein astronomischer noch ein astrologischer Begriff. In der Astronomie und in der Astrologie sprechen wir entweder von Sternbildern oder von Tierkreiszeichen . Bei beidem handelt es sich um etwas völlig verschiedenes.
Sternbilder
Schon vor Urzeiten haben die Menschen versucht, Ordnung in das Wirrwarr der Sterne am Himmel zu bringen. Sie haben einzelne Sternengruppen zusammengefasst und diesen Namen gegeben. So kennen wir z.B. die Sternbilder "Großer Wagen", "Waage", "Orion", "Schlange", "Rabe" oder "Stier".
Tierkreiszeichen
Die Erde bewegt sich einmal im Jahr um die Sonne. Durch diese Bewegung scheint die Sonne aus unserer Sicht von der Erde aus einmal jährlich um die Himmelskugel zu wandern. Diese scheinbare Sonnenbahn heißt Ekliptik oder Tierkreis. Dieser Kreis bezeichnet nichts anderes als den scheinbaren Lauf der Sonne um die Erde. Wenn wir ihn in 4 Abschnitte unterteilen, dann erhalten wir die 4 Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ein bestimmter Punkt auf diesem Kreis (der Schnittpunkt der Ekliptik mit dem Himmelsäquator) bezeichnet den Frühlingsanfang, ihm gegenüber liegt der Herbstanfang. Dazwischen liegen die Punkte der Sommer- und Wintersonnenwende. Wenn wir nun jedes dieser Jahreszeitviertel in 3 weitere Abschnitte unterteilen, erhalten wir 12 gleichgroße "Kuchenstücke". Unser Kreis hat insgesamt 360 Grad, geteilt durch 12 macht 30 Grad pro Abschnitt.
Diese Abschnitte sind die Tierkreiszeichen, die mit dem Widder am Frühlingsanfang beginnen. Bei ihrem scheinbaren Lauf um die Erde zieht die Sonne ihre Bahn an bestimmten Sternenkonstellationen vorbei. Diese Sternbilder standen Pate bei der Namensgebung der Tierkreisabschnitte. So kommt es, dass wir heute nicht nur ein Sternbild namens Widder kennen, sondern auch ein Tierkreiszeichen mit dem gleichen Namen. Dennoch sind beide nicht das gleiche, das eine ist eine Ansammlung von Sternen, das andere ein Abschnitt der Erdbahn auf ihrem jährlichen Lauf um die Sonne.
Verwirrenderweise kommt nun noch hinzu, dass der Abschnitt Widder des Tierkreises zur Blütezeit der antiken Astronomie, also etwa 200 vor Christus bis 200 nach Christus, mit der Position des Sternbildes Widder übereinstimmte. Man hatte damals den Nullpunkt der Ekliptik, des Tierkreises, mit dem Frühlingspunkt gleichgesetzt. Da der Frühlingspunkt mathematisch exakt definiert ist durch den Schnittpunkt der Äquatorebene der Erde mit der Ekliptik, glaubte man, einen festen Bezugspunkt zu haben. Der Punkt des Frühlingsanfangs lag damals im Sternbild Widder.
Die Äquatorebene ist wiederum gegeben durch die Lage der Erdachse im Weltraum. Wenn die Erdachse im Raum stabil liegen würde, wäre auch der Frühlingspunkt stabil im Raum festgelegt. Dem ist aber nicht so. Die Erde ist nämlich keine exakte Kugel, sondern an den Polen abgeplattet, dafür hat sie einen Wulst am Äquator. Unter dem Einfluss der Gravitationskraft von Sonne und Mond reagiert sie wie ein Kreisel, dessen Rotation durch eine äußere Kraft gestört wird: Sie machte ein Pendelbewegung, genannt Präzession, das heißt, die Erdachse selbst bewegt sich in der Gegenrichtung zur Rotation der Erde immer im Kreis herum. Sie beschreibt einen Kegel um den festliegenden Ekliptikpol. Ein Umlauf um diesen Kegel dauert etwa 26.000 Jahre. Mit der Verlagerung der Erdachse verlagert sich auch die Äquatorebene; und der Schnittpunkt zwischen Äquatorebene und Ekliptik, der Frühlingspunkt, wandert auf dem Ekliptikkreis rückwärts, entgegen der Tierkreiszeichenrichtung.
In 26.000 Jahren läuft der Frühlingspunkt einmal um die ganze Ekliptik herum, durch alle zwölf Sternbilder. Für ein Sternbild braucht er also ungefähr 2.160 Jahre. Wenn der Frühlingspunkt in der Antike an der Grenze der Sternbilder Fische zu Widder lag und sich rückwärts bewegt, so liegt er heute – nach etwa 2000 Jahren – nahe der Grenze der Sternbilder Wassermann zu Fische und bewegt sich langsam auf das Sternbild Wassermann zu. Aus dem Phänomen leitet sich der Begriff des Wassermannzeitalters ab.
Da die Sternbilder jedoch keine genauen Abgrenzungen am Himmel haben, kann man nicht genau sagen, wann der Übergang des Frühlingspunkts von Fische zu Wassermann stattfindet, wann also das sogenannte Wassermannzeitalter beginnt. Je nachdem, wie man die Sternbilder einzeichnet, ist das irgendwann zwischen dem Jahr 2.100 und dem Jahr 2.500 der Fall. Es gibt Astrologen, die der Meinung sind, der Übergang würde jetzt schon stattfinden, da sich seit einigen Jahren die langsam laufenden Planeten Uranus und Neptun, und im Jahre 2024 auch Pluto, im Zeichen Wassermann befinden. Sie lassen dabei meiner Meinung jedoch außer Acht, dass sich Uranus dort in 84 Jahren, Neptun in 163 Jahren, und Pluto im Jahre 2271 schon wieder im Zeichen Wassermann befinden werden. Jedoch allein die Tatsache, dass zur Zeit zwei der Langsamläufer die Energie des Zeichens aktivieren, und wir ohnehin nicht viel mehr sagen können, als dass wir uns - aus der Betrachtungsweise der Präzession heraus - in einer Übergangsphase befinden, lässt verständlich werden, warum viele schon jetzt vom Wassermannzeitalter sprechen.
Falls Sie sich für die Be-Deutung des Begriffs Wassermannzeitalter interessieren, lesen Sie auch den Beitrag von Anita Cortesi vom 6.6., Das Wassermannzeitalter, sowie den kritischen Beitrag von Peter Kern vom 9.6. diesen Jahres in der gleichen Rubrik, Über den Irrtum mit dem Wassermannzeitalter. Ich persönliche teile einige seiner Bedenken, bin jedoch der Ansicht, dass es sich für uns Menschen dennoch lohnt, uns mit Zyklen zu beschäftigen, die unser eigenes Leben um ein Vielfaches überschreiten. Sicherlich können wir sie nicht immer überblicken und interpretieren vieles aus einer sehr subjektiven, persönlichen Sicht. Aber wenn wir nicht völlig kritiklos vorgegebene Ansichten übernehmen, haben wir immerhin die Möglichkeit, verschiedenste Interpretationen und Sichtweisen zusammenzutragen und wieder einmal zu versuchen, ein Stück über unseren Tellerrand hinauszuschauen.
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