Astrologie | Astrologie & Spiritualität

Astro-Praxis: Mangel als Chance

Friedrich Maier Systemische Astrologie
Verantwortlich für den Inhalt ist der oben genannte Autor/Anbieter.
Montag, 17. September 2001, 09:54

'Astro-Praxis: Mangel als Chance' - Beitrag von Friedrich Maier Systemische AstrologieSaturn-Transite durch die Häuser: Was lehren sie uns?

Meist erleben wir uns mangelhaft oder fühlen uns begrenzt, wenn wir nach Erfüllung unserer Bedürfnisse streben - ob in unseren Beziehungen, im Beruf oder in anderen Lebensbereichen. Welche Ängste stecken dahinter? Wo ist der Sinn? Was müssen wir lernen? Der individuelle Saturn-Zyklus bzw. der Transit Saturns durch die Häuser zeigt uns, wie wir erfahrene Defizite als Chance für unser persönliches Wachstum nutzen können (Teil II des Beitrages über die „Saturn-Zyklen“ in merCur 5/98*).

Die Reise des Transit-Saturn durch den Häuser-Kreis beginnt am Aszendenten und erfährt besondere Höhepunkte unserer Erfahrung beim Kontakt mit dem IC, dem Deszendenten und dem MC. Die Häuser stellen diejenigen Lebensbereiche dar, in denen wir durch Erfahrungen mit unserer Umwelt neue Lernprozesse für unsere persönliche Entwicklung machen. Hierbei sind die Häuser "keine isoliert für sich dastehenden Lebensbereiche", wie Howard Sasportas anmerkt. Vielmehr stellen sie einen Entwicklungs-Zyklus dar, innerhalb dessen wir uns zunehmend - durch die Erfahrung im Außen - unserer selbst bewußt werden.
Am Aszendenten und im 1. Haus sind wir zunächst in einem Selbstfindungs-Prozeß darüber, was wir in der jetzigen Lebensphase überhaupt wollen. Wir haben eine vage Vorstellung unseres Zieles und unserer Zukunft, müssen aber erst verschiedenste Erfahrungen machen, um konkretere Vorstellungen zu entfalten.
Das heißt: Erst müssen wir
 unser Erfahrungsfeld und unsere unmittelbare, greifbare Umwelt kennenlernen (1.-3. Haus),
 eine gefühlsmäßige Verankerung in der näheren Umwelt sowie Selbstbewußtsein und Geschick im Umgang mit anderen erlernen und finden (4.-6. Haus),
 nahe Beziehungen mit anderen Menschen erfahren, die uns die positiven Seiten und die schwierigen Teile unserer Persönlichkeit (Schattenthemen) spiegeln und uns zur Auseinandersetzung mit uns selbst und zu persönlicher Veränderung anregen (7. und 8. Haus),
 sowie die individuelle Sinnbestimmung und unseren eigenständigen Standpunkt für die jetzige Lebensphase finden (9. Haus),
Dies sind quasi die Voraussetzungen, bis wir unseren Platz und unser klares individuelles Ziel (10. Haus) gefunden und nunmehr geistigen Durchblick und innere Unabhängigkeit (11. Haus) erlangt haben.

Wie sehen Häuserstellungen
durch die subjektive Brille

Die Stellung von Planeten und Zeichen in einem Haus "beschreiben die innere Land-
schaft, die uns innewohnenden Bilder, die in diesen Bereich projiziert werden. Wir sehen das, was um uns geschieht, durch die subjektive Brille der Zeichen und Planeten in einem Haus" (Sasportas).
Durch die Erfahrungen, die wir in den verschiedenen Häusern machen, lernen wir, unsere subjektive Sichtweise der Dinge zu relativieren, zu verändern und zu erweitern. Wir machen Lernprozesse durch mit uns und anderen Menschen, die uns einesteils verstärken und in unserem So-Sein positiv unterstützen sowie anregend auf unser persönliches Wachstum wirken. Andererseits werden wir mit problematischen, schmerzhaften und schwierigen Erfahrungen konfrontiert, die unterschiedlichste Gefühle und Sichtweisen in uns auslösen können - von der Empfindung mangelnder Sicherheit, persönlicher Abwertung und Infragestellung, des Verlassen-Werdens, der Erfahrung von Grenzen der eigenen Freiheit über Gefühle von Wut, Ärger, Aggression und Zorn bis hin zur Einsicht in die Notwendigkeit, sich selbst zu verändern. Hierdurch erfahren wir in der Regel die grundlegendste und fundamentalste Veränderung unserer Persönlichkeit, indem wir alte Muster verändern oder ganz verabschieden und an deren Stelle neue Verhaltensweisen und innere Einstellungen treten lassen. Der Spiegel, den uns andere Menschen bzw. erlebte Situationen vorhalten, ist immer eine Auseinandersetzung mit unseren unvollkommenen Seiten. Aus dieser Herausforderung lernen wir, diese zu stärken und zu entwickeln.
Der Zyklus eines Transit-Planeten durch den Häuserkreis ist ein langjähriger persönlicher Entwicklungs- und Veränderungs
Prozeß, der uns durch verschiedene Etap-
pen und Facetten unseres Werdens und somit Wachstums begleitet.
Hierbei ist der Saturn-Zyklus ein Prozeß der Loslösung von inneren wie äußeren Abhängigkeiten. Er führt uns zur Übernahme von Selbstverantwortung in innerer Freiheit. Wir lernen, zu uns selbst zu stehen, vor allem zu den Folgen und Konsequenzen des eigenen Tuns, indem wir zunehmend größere Bewußtheit erarbeiten. Indem wir zugleich unsere Ängste erkennen, erwerben wir Klarheit darüber, durch welche selbst gesetzten Verbote und Gebote wir uns in unserer Handlungsfreiheit begrenzen. Es geht um den eigenen inneren Anteil an unserer Angst. Auf dieser Grundlage können wir dann durch neue praktische Erfahrungen an uns selbst arbeiten, selbst-bewußt Alternativen des eigenen Handelns erproben und schrittweise daran reifen.

Saturn als Erfahrung
des Mangels

Saturn hat immer damit zu tun, daß wir in einem bestimmten Lebensbereich einen Mangel empfinden. Häufig glauben wir, daß die Umwelt uns daran hindert, auf diesen Gebieten Erfahrungen der Fülle und Zufriedenheit zu machen. Wir haben das Gefühl, daß uns eine Tür von außen verschlossen bleibt, deren Schwelle wir nicht überschreiten dürfen. Ausgelöst wurde diese Empfindung lebensgeschichtlich dadurch, daß wir in früher Kindheit ein für uns wichtiges Bedürfnis nicht befriedigt erhielten. Dadurch fühlten wir uns in unserem Wachstums- und Entwicklungs-Prozeß gehemmt. Es ist aber eher unser subjektives Gefühl, daß uns etwas verweigert wurde. Als Mangel empfinden wir den saturnisch betroffenen Lebensbereich ohnehin nur, weil wir Ängste und mangelndes Zutrauen zu uns selbst haben, ihn zu leben, dies auch schon von Anlage und Charakter her mitbringen. Je weniger wir eine für uns wichtige Erfahrung machen können, desto sehnlicher wird der Wunsch nach Erfüllung und desto größer das Mangel-Gefühl: Der Mensch definiert sich durch seinen Mangel und das, was ihm fehlt.
Das Entscheidende ist, daß wir lernen, den Schlüssel zu den Ursachen unseres Mangel-Gefühls zu finden, und zwar in uns selbst. Erst durch das praktische Einlösen dieser Erfahrung in einer für uns neuen und gereiften Form gleicht sich diese Empfindung wieder aus. Denn: wenn wir - in einer eher passiven Erwartungshaltung - bei der alten Forderung unseres inneren Kindes nach Ausgleich dieses Mangels durch die anderen bleiben, werden wir gefühlsmäßig kaum auf unsere Kosten kommen. Liz Greene sagt dazu: "Selbst wenn andere Menschen uns wirklich bieten könnten, was uns fehlt, hätten wir doch vermutlich immer noch das Gefühl, zu kurz zu kommen, einfach weil unsere inneren Anforderungen und Erwartungen zu hoch sind“. Wir müssen lernen, die Erfüllung unseres Mangels in uns selbst zu suchen.
Saturn-Transite aktualisieren unsere sa-
turnische Grund-Angst, die durch Saturns Stellung im Radix symbolisiert wird. Im Zyklus des Saturn durch die Häuser erfahren wir dessen verschiedene Facetten und Gesichtspunkte in einem Entwicklungs-Zyklus des Werdens, Entwickelns, Wieder-Auflösens und des Neu-Beginns.
Beim Durchgang von Saturn durch das 12. Haus legen wir bisherige innere Kontrollmechanismen ab, die uns Struktur und Halt gaben und uns vor angsterzeugenden Erfahrungen zu bewahren schienen. Durch ihre Auflösung entsteht eine gewisse Strukturlosigkeit und Leere, gleichzeitig fühlen wir uns ungeschützt, angreifbar und im innersten Gefühl verletzlich. Der folgen-
de Durchlauf des Saturn durch den Häuserkreis ermöglicht uns auf dieser Grundlage im neuen Zyklus nunmehr, in 12 Lernaufgaben und Erfahrungsfeldern zu einer selbstbewußteren Identität zu finden. Es sind aufeinander aufbauende und folgende Erfahrungen, die die verschiedenen Spielarten unserer saturnischen Grundangst spiegeln. Durch die Empfindungen von Mangel und Begrenztheit in diesen Bereichen erfahren wir die Chance zur inneren Reifung und Aufarbeitung dieser subjektiv empfundenen Unausgewogenheiten.
Wie fülle ich die Leere, das Orientierungsdefizit und die innere Verletzlichkeit wieder auf, die durch das ungeschützte Aufbrechen einer im innersten verkapselten Angst nunmehr so bewußt, klar und sichtbar geworden ist? Wie schaffe ich es, diese offensichtlich gewordene verletzliche Stelle nicht erneut mit neuen Mechanismen der Selbstkontrolle zu verbergen und "zuzukleistern"? Wie kann ich durch die Schutzlosigkeit meiner Angst nach außen hin ein tieferes Verständnis meiner wahren Gefühle erfahren und mir auch erlauben, zu meinen Schwächen zu stehen? Wie kann ich Schwächen als Chance zur Weiterentwicklung zu innerer Stärke empfinden und nutzen? Wie kann ich durch die Anerkenntnis dieser Schwächen zu einer neuen Struktur und zu einem neuen Selbst-Konzept finden? Wie kann ich mein inneres Kind (Mond/Krebs) lieben und schätzen lernen und trotzdem bzw. gerade deswegen stark sein?
Nach Erin Sullivan erleben wir im Zusammenhang wesentlicher Saturn-Transite die
folgenden charakteristischen Phasen:
1. Verlust des Vertrauten, entweder durch eine Wahrnehmungsveränderung oder durch ein Ereignis, das den betreffenden Menschen aus seiner gewohnten Routine reißt.
2. Eine Periode des Ich-Verlustes oder einer Identitätskrise, während der ein Chaos der Polaritäten und gegensätzlichen Ereignisse ausbricht ...
3. Aus diesem Niemandsland steigen viele Bilder über das Mögliche auf.
4. Schließlich folgt eine Klärungsphase, in der die wirklichen Alternativen aus all den Möglichkeiten sich herausschälen, aus denen dann einzelne ausgewählt und als Teil des eigenen Lebens angenommen werden.

Der individuelle Saturn-Zyklus

Der Eintritt in einen neuen Saturn-Zyklus am Aszendenten setzt voraus, daß wir uns
von der vorhergehenden Periode unseres Lebens ein Stück weit gelöst haben; er beginnt daher bereits mit dem Eintritt des Saturn in das 12. Haus.

Saturn-Transit durch das 12. Haus. Unsicherheit im Loslassen und im Vertrauen auf die tiefsten inneren Gefühle. Hier lösen sich bisherige Kontroll- und Selbstschutzmechanismen auf, die häufig mit der Angst zu tun haben, innerste Gefühle offen zu zeigen. Wir erleben in dieser Phase plötzlich, daß wir uns Verhaltensweisen öffnen und Dinge tun, an die wir zuvor nur mit größter Vorsicht herangegangen sind. So werden viele unserer vertrauten Verhaltensmuster und alten Maßstäbe in Frage gestellt. Wir werden schutzlos, verwundbar, verletzlich. Zufgleich trauen wir uns, nach außen Gefühle zu zeigen, die wir uns bisher verweigert haben und suchen nach neuen Wegen. Lange wissen wir nicht, was wir überhaupt wollen und welches der innere Weg in die Zukunft sein wird. "Die wichtigste Aufgabe dieser Zeit ist, daß wir uns von den Erwartungen der anderen lösen" (Sullivan).

Saturn-Transit über den Aszendenten: Neu-Aufbruch und Wiedergeburt. Mangel an Selbstvertrauen, Standfestigkeit und Klarheit. Durch gänzlich neue Erfahrungen lernen wir auf der gefühlsmäßigen Ebene, uns von bisherigen Begrenzungen zu lösen und größere Eigenverantwortlichkeit zu übernehmen. Häufig erleben wir diese Phase als Zeit großer Unsicherheit, aber gleichzeitig auch als ein Stück Aufbruch und Wiedergeburt. Wir suchen nach uns selbst und einer neuen Kontur sowie nach einer neuen Selbstdarstellung gegenüber der Umwelt, fernab von den bisherigen Begrenzungen und Selbstschutz-Mechanismen.
Wir müssen lernen, mit dieser freieren Art umzugehen: Immer wieder werden wir dabei mit unseren Schattenthemen und alten Ängsten konfrontiert, und es geht darum, sie anzunehmen, "auszuhalten", hierdurch schrittweise positiv umzuarbeiten und aufzulösen. Wesentlich ist, eine größere Übereinstimmung zwischen den innersten Gefühlen und dem eigenen Selbstbild herzustellen, also sich selbst tiefer anzunehmen und auch authentischer leben zu können.

Saturn-Transit durch das 2. Haus: Mangel an innerer emotionaler Sicherheit und einer verläßlichen Basis. Nach dieser stürmischen Phase der Suche nach uns selbst kehrt vorerst etwas mehr Ruhe ein. Es geht jetzt darum, sich eine neue Basis aufzubauen, ein Fundament jener geistigen, emotionalen Qualitäten und Fähigkeiten, welche die Grundlage der Entwicklung unserer jetzigen Lebensphase bilden. Nicht nur ist es wichtig, Begren-
zungen in dem zu erkennen, was wir bisher als Werte bzw. wertvoll betrachtet haben. Es erscheint auch wesentlich, Sicherheit in uns selbst zu gewinnen, einen Eigenwert aufzubauen bezüglich der neuen Verhaltensweisen und Wertschätzungen, denen wir uns geöffnet haben und durch die alte Kontroll- und Selbstschutz-Mechanismen aufgegeben wurden.

Saturn-Transit durch das 3. Haus: Mangel an geeignetem Wissen und fehlendes Vertrauen in die eigene Intuition. Hier eignen wir uns neue Wissens-Gebiete an, bilden uns weiter und tauschen uns in interessanten und vielfältigen Kontakten aus. Wir suchen nach neuen Erklärungs-Modellen unserer gegenwärtigen persönlichen Realität. Dadurch finden wir auf der verstandesmäßigen Ebene ein Stück weit Struktur für das, was wir im Selbstfindungs-Prozeß des 1. Quadranten für unsere Persönlichkeit als neue Richtung herauskristallisiert haben. Dies hilft uns später (beim Übergang über den IC), gefühlsmäßig in die Tiefe unserer Seele hinabzusteigen. Wir erkennen aber auch die Grenzen unseres bisherigen Wissens, unserer vertrauten Art, zu kommunizieren und lernen, mit neuen Wegen zu experimentieren. Und vielleicht werden wir damit konfrontiert, daß es uns aufgrund der Vielfalt der auf uns einwirkenden Eindrücke schwerfällt, zu unserem inneren Kern zu finden und auf unsere innere Intuition zu hören. Wir müssen lernen, mehr Klarheit im eigenen Standpunkt zu finden.

Saturn-Transit über den IC: Mangel an Nähe zu sich selbst und den eigenen Gefühlen sowie an Nähe-Beziehungen, die die gegenwärtige Gefühlslage verstehen. Nun wenden wir uns eine Stufe tiefer unseren emotionalen und auch familiären Wurzeln bewußter zu und können einen tieferen Zugang zu unseren innersten Gefühlen gewinnen. Möglicherweise kommen jetzt Gefühle und Situationen aus der Kindheit hoch, durch die wir uns gehindert fühlten, unsere Bedürfnisse und Gefühle authentisch zu leben. Wir spüren, wie tief sie in uns verankert sind, und wie sie unsere Persönlichkeit prägten (und prägen). Möglicherweise stoßen wir jetzt z.B. an die Ursprünge und Grundfesten unseres Glaubens-Satzes: "Ich will immer lieb sein", und wir erkennen, daß wir deshalb zum (seine eigenen Bedürfnisse so sorgsam verbergenden) Geber geworden worden sind, weil wir selbst so sehnlichst nach Zuwendung, Liebe und Angenommen-Sein suchten. Wir spüren, daß wir sehr viel geben, aber wenig Zuwendung und Geborgenheit zurückbekommen. Wir müssen lernen, neue Wege zu finden, um unsere innersten Wünsche nach Aufgehobenheit zu verwirklichen: Vielleicht hilft es uns, mehr Selbst-Vertrauen im Umsetzen und Verwirklichen unserer Bedürfnisse zu finden. Indem wir uns mit den tiefsten inneren - vor allem schmerzvollen - Erlebnissen versöhnen, werden wir freier für uns selbst und können unsere Gefühle und Bedürfnisse mit großer persönlicher Überzeugung authentisch verwirklichen.

Saturn-Transit durch das 5. Haus: Mangel an Selbstbewußtsein und Sicherheit gegenüber der Umwelt. Hier verdeutlicht uns Saturn noch einmal Schwachstellen und Begrenzungen unseres Selbstbewußtseins im Auftreten gegenüber der Umwelt. Wenn wir uns zu stark auf die Reaktionen der anderen und ihr Feed Back konzentrieren, erleben wir, daß unsere Kreativität nicht mehr ungebremst fließen kann. Wir können das, was in uns steckt, nicht in vollem Umfang und entsprechend unseren positiven Potentialen zum Ausdruck bringen. Wir müssen lernen, stärker zu werden, zu unserem Ich und seinen Ausdrucksmöglichkeiten stehen zu können und uns hierbei weniger von den anderen abhängig zu machen. Souveränität im Zeigen unserer neuen Identität ist das Thema.

Saturn-Transit durch das 6. Haus: Mangel an Zufriedenheit mit sich und anderen Menschen; Überprüfung der Partnerschaft. Hier werden wir uns unserer inneren Veränderungen bewußt, bisherige Verhaltens- und Kommunikations-Muster tragen uns nicht mehr. Im Vorfeld des Deszendenten überprüfen wir kritisch, ob die gegenwärtige Partnerschaft den mittlerweile veränderten Ansprüchen an Beziehungen noch standhält. Hieraus ergeben sich häufig Konflikte und Trennungs-Wünsche, aber mitunter auch länger andauernde Krisen-Phasen, in denen die Zukunft einer Beziehung offen ist bzw. nach Alternativen gesucht wird. Häufig ist es auch die Routine des Beziehungs-Alltags, die die Grenzen der eigenen Entwicklungsfähigkeit so deutlich macht. Es entsteht eine gewisse Furcht, steckenzubleiben oder zu stagnieren. Hieran stellt sich die Frage nach der Wesentlichkeit der Beziehung für die eigene Entwicklung. Der hiermit einhergehende Veränderungs-Drang nimmt mit zunehmender Annäherung an den Deszendenten zu.

Saturn-Transit über den Deszendenten: Mangel an geeigneten, tragfähigen Beziehungen; Suche nach neuen Beziehungs-Formen. Beim "Schwellen-Übergang" in die bewußtere Ebene findet häufig eine bewußte und klare Entscheidung über die Zukunft der Partnerschaft statt. Zunehmend wird uns klarer, was sich in uns sukzessive verändert hat, und wir fragen uns, ob die Partnerschaft den neuen Anforderungen gerecht werden und Perspektiven pers"nlichen Wachstums eröffnen kann oder aber die Trennung angezeigt ist. Zuweilen wird jetzt erst bewußt, daß man über eine Beziehung hinausgewachsen ist. Der Deszendent ist ein Punkt der Spiegelung, d.h., das eigene Ich wird im Spiegel der anderen und in der Begegnung mit dem Du wesentlich bewußter erfahren. Häufig führt deshalb der Weg in dieser Phase darüber, daß über alternative Beziehungen, wesentliche Kontakte und Kurzzeit-Partner-Erfahrungen die Grenzen der eigenen bisherigen Beziehung so deutlich werden. Neue Spiegelungs-Erfahrungen relativieren die alte Beziehung und machen die eigene Unzufriedenheit erst bewußt. Saturn prüft im 7. Haus die Fähigkeit, eine der inneren persönlichen Entwicklung angemessene Beziehung leben und führen zu können, die Raum für die eigene Entwicklung läßt.

Saturn-Transit durch das 8. Haus: Unsicherheit gegenüber den eigenen tiefen Gefühlen; Angst vor dem Schatten. Saturn konfrontiert uns hier noch einmal mit den Begrenzungen, die wir deutlich empfinden, wenn wir uns weigern, uns mit persönlich schwierigen Themen und Seiten unserer Persönlichkeit, unseren gefühlsmäßigen Schattenthemen, auseinanderzusetzen. Je mehr wir die - zugegebenerweise nicht einfache und zuweilen schmerzhafte - Konfrontation mit diesen Seiten zulassen und uns ihnen stellen, je mehr wir daran arbeiten, alte Projektionen aufzulösen und an ihre Stelle neue, freiere Muster treten zu lassen, desto weniger Begrenzungen werden wir im Leben unserer Gefühle und in unseren Beziehungen erfahren. Ein Stück mehr Freiheit kann hinzugewonnen werden, eine echte innere Reifung hat festsitzende Gefühle gelöst, die von einer gewissen Schwere und gefühlsmäßigen Stagnation geprägt waren.

Saturn-Transit durch das 9. Haus: Mangel an Übereinstimmung zwischen der persönlichen Entwicklung und dem eigenen Weltbild, Mangel in Sinn und Ziel. Im Vorfeld des MC stellen wir uns zunächst die Frage, ob das bisherige weltanschauliche und philosophische Bezugssystem, das tragend für unsere Orientierung in der Welt ist, noch unserer veränderten persönlichen Entwicklung gerecht wird. Und vielleicht empfinden wir bisherige Werte-Systeme begrenzend und einengend. Wir suchen nach einer neuen Ausrichtung in unserem Werte- und Glaubens-System sowie nach einer Sinnbestimmung, die tragend sein kann für unsere Selbstverwirklichung in der Welt und den im 7. und 8. Haus gewonnenen Lebens-Einsichten entspricht. Das 9. Haus ist immer auch eine AuswertungsPhase dessen,was wir in unseren Beziehungen und Stirb- und Werde-Prozessen im 7. und 8. Haus neu dazuglernt haben.

Saturn-Transit über das MC: Mangel an Sicherheit in der Verwirklichugn der eigenen Ziele. Thema ist, die mittlerweile erworbenen inneren Qualitäten zu nutzen, um die eigene innere Berufung aktiv umzusetzen und sich individuell selbstzuverwirklichen. Hierzu wird noch einmal überprüft, ob die angeeigneten persönlichen Qualitäten und Sinn-Systeme ausreichen, um der persönlichen Berufung in vollem Umfange und in innerer Kongruenz gerecht zu werden. Es mag sein, daß wir nun mit großer Kraft und Energie, aber auch mit großem Einsatz und Arbeitsaufwand an eine neue Aufgabe herangehen, die uns Weiterentwicklung bringt und unsere innere Zielrichtung noch konsequenter gehen läßt. Es kann aber auch sein, daß unsere Grenzen bewußter in den Vordergrund treten und von uns eine Korrektur unserer inneren Haltung fordern. Bin ich wirklich schon gereift genug, um diese Aufgabe in voller Selbstverantwortung zu übernehmen und dabei auch meine inneren Grenzen hinter mir zu lassen, die mich an der Ausübung meiner Berufung hindern ? Bisher im Beruf Erreichtes wird in Frage gestellt, und der Ruf nach einer Veränderung stellt sich immer stärker ein. Kann ich mich von vertrauten Strukturen trennen und neue Wege gehen, fühle ich mich stark und selbstbewußt genug dazu ?

Saturn-Transit durch das 11. Haus: Mangel an innerer Unabhängigkeit und Freiheit. Sehr deutlich werden uns Grenzen unserer Unabhängigkeit und Freiheit bewußt. Wir erfahren noch einmal Begrenzungen in den Möglichkeiten unserer Entwicklung, wie wir sie uns ganz individuell für uns selbst vorstellen. Vielleicht haben wir die Empfindung, uns entgegen unseren inneren Impulsen zur Weiterentwicklung vorgegebenen Strukturen anpassen zu müssen. Stagnation und Rückschritt oder Durchbruch zum eigenen Ich entsprechend der eigenen Entwicklung - dies ist die entscheidende Frage. Der Sinn des 11. Hauses ist es, die eigene Individualität dadurch zu festigen, daß wir loslassen von Strukturen, die feste Sicherheiten bieten - immer sind sie mit Anpassung und teilweiser Aufgabe eigener Vorstellungen verbunden. Loslassen in in nerer Freiheit, den Sinn der Lernprozesse der letzten 29 1/2 Jahre in seiner Essenz zu begreifen - das ist der Schwerpunkt der Lernerfahrung des 11. Hauses.
Am Ende des Saturn-Zyklus lösen sich jene Kontrollmechanismen und Strukturen in uns auf, die uns für eine freie persönliche Entwicklung noch im Wege stehen. Ein neuer Zyklus der Selbst-Werdung und inneren Reifung beginnt.
In einer der nächsten Ausgaben befassen wir uns mit dem Uranus-Zyklus im Verhältnis zu seiner Geburts-Stellung und in den Häusern. Hier geht es um Phasen des Aufbruchs und Neuanfanges, aber auch um die Frage: wie kann ich meine äußeren Lebens-Umstände meiner veränderten inneren Lebens-Einstellung anpassen?

Literatur
Howard Sasportas: Astrologische Häuser
und Aszendenten, Knaur, München 1987,
Liz Greene: Abwehr und Abgrenzung, Chiron, Mössingen 1998
Erin Sullivan: Saturn im Transit, Knaur, München 1992,
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Dr. phil. Reinhard Müller ist Heilpraktiker in freier Praxis in Frankfurt/Höchst.
Schwerpunkte: Psychologische Astrologie, hier vor allem Lebenslauf- und Biografiearbeit, Partnerschaftsberatung und Orts-Astrologie, Psychotherapie (NLP, Gesprächstherapie), Bach-Blüten-Therapie und Homöopathie. Der Autor veranstaltet astrologische Seminare und bietet Aus- und Fortbildungen an.
Adresse: Dr. phil. Reinhard Müller,
Leverkurser Str. 6, 65929 Frankfurt-Höchst,
Tel.: 069/30 21 22, oder: 0177/22 22 103
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* Teil I beschäftigte sich mit den generischen oder allgemeinen Saturn-Zyklen, die allen Menschen gemeinsam sind; sie kennzeichnen Alters- und Entwicklungsphasen, in denen bestimmte Lernaufgaben und Erfahrungsprozesse anstehen (z.B. Saturn-Wiederkehr auf Radix-Position).

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Friedrich Maier
Tel. 089 185472
Fax 089 185472
Email: fm.merCur@t-online.de

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