Gedanken zum Krieg der Welten - Wissenschaft vs. Astrologie

Birgit von Borstel
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Dienstag, 16. März 2010, 16:56

Wenn man bisher mit einem einigermaßen gesellschaftlich anerkannten Beruf durchs Leben gekommen ist und sich dann nach einer Sinnkrise hauptberuflich als die Astrologin outet, die man im Herzen immer schon war, dann kann man was erleben. Besonders, wenn man alte Bekannte zufällig auf der Straße oder auf einer Party wieder trifft.

„Ach herrje. Kann man denn davon leben?“

„Ist das denn auch wissenschaftlich?“

„Nein, danke, ich bin aufgeklärt!“

„Oh Gott. Und das machst du freiwillig???“

Staunend steht man sich gegenüber. Dass man so wenig voneinander wusste... da trennen einen ja Welten.

In Bruchteilen von Sekunden scheint sich die Chemie zwischen meinem Gegenüber und mir zu verändert zu haben, ein tiefer Graben tut sich zwischen den Weltanschauungen auf, und jedes Mal bin ich gespannt, ob sich die Kluft überbrücken lässt und mein Gegenüber auch in Zukunft noch ein wenig in meine Welt schauen will.

Wer sich der Astrologie oder ähnlichen Disziplinen verschreibt, gehört offenbar in eine ganz besondere Schublade, und für einige ist diese Schublade ganz weit unten.

Warum ist das eigentlich für manche immer noch so ein Problem?

Und warum ist diese Diskussion oft unterschwellig so emotional aufgeladen, wo es doch vordergründig um eine sachliche Ebene geht?

Weil es um mehr geht, als um bloße Fakten – es geht um die "Wahrheit". Es geht darum, was wir glauben sollen und wie wir ein gutes Leben führen. Es geht also auch um Werte.

Glaube ich an die Astrologie? Nein! Ich habe sie geprüft und über Jahre hinweg erfahren, dass sie funktioniert.

Warum sind die sogenannten Aufgeklärten so überzeugt davon, dass die Wissenschaft wahrer sei als alles andere? Was die Wissenschaft für richtig erklärt, wird in den wenigsten Fällen vom Einzelnen nachgeprüft. In der Astrologie mache ich sehr wohl und immer wieder eine persönliche Erfahrung von Richtigkeit bzw. Stimmigkeit.

In der Welt der Naturwissenschaft, die oft gemeint ist, wenn man fragt, wie wissenschaftlich die Astrologie denn sei, gelten andere Gesetze und Annahmen. Das ganzheitliche System der Astrologie und das Paradigma* der Wissenschaft von einem mechanistischen Universum schließen sich grundsätzlich gegenseitig aus. Quantitative Erhebungen, die sich auf die konkreten Auswirkungen einzelner Konstellationen (wie etwa Berufsbilder in Zusammenhang mit der Stellung der Sonne) fokussieren, können keine zufrieden stellenden Ergebnisse im Sinne der Wissenschaft hervorbringen. Und das aus gutem Grund: Die Astrologie funktioniert ganzheitlich, die Summe ist immer mehr als die einzelnen Teile. Gerade in der psychologischen Astrologie geht es um den qualitativen Symbolgehalt, der auch immer in Zusammenhang mit dem ganzen Horoskop gesehen werden muss. Dieser wirkt auf der psychologischen Ebene und gibt Auskunft darüber, welche Persönlichkeitsmerkmale man hat – und es ist einem dann selbst überlassen, ob man diese Merkmale in ein passendes Berufsbild übersetzt oder in die Kriterien, nach denen ein passender Partner gesucht wird. Mit anderen Worten: Die Naturwissenschaft sucht Fakten und Regeln, die Astrologie sucht nach Bedeutung. Beides funktioniert, und das ist auch gut so.

Dennoch hat es immer wieder Studien gegeben – immerhin arbeitet die prognostische Astrologie ja mit Behauptungen, die sich aus statistischen Wahrscheinlichkeiten ableiten. Jedoch geht es dabei, zumindest in der psychologischen Astrologie, um seelische Befindlichkeiten. Kann man die messen? Wohl kaum, und daher kann man sie weder für richtig noch für falsch erklären. In der Psychologie ist das nicht anders, und doch genießt diese ein ganz anderes Ansehen. Das mag daran liegen, dass sie nicht den Umweg über die Sterne geht, um die Seele zu ergründen. Denn eine Disziplin wie die Astrologie, die mit Entsprechungen arbeitet, fällt in die Kategorie der Esoterik, und die ist vielen suspekt.

Die Studien haben übrigens aus oben genannten Gründen keine ausreichenden Beweise geliefert, die nach naturwissenschaftlichen Kriterien Bestand hätten. Wenn es Ausnahmen gab, dann wurde z.B. darüber gestritten, wie man denn Eigenschaften wie „gutmütig“ oder „tapfer“ eindeutig definieren solle.

Und trotzdem hat es immer wieder Wissenschaftler und Skeptiker gegeben, die einst antraten, die Astrologie als Unfug zu enttarnen, und dann plötzlich zu ihren Anhängern wurden – wie z.B. das Ehepaar Gauquelin. Es gab aber auch den umgekehrten Fall, dass ein Astrologe versuchte, die Astrologie mit Studien wissenschaftlich zu untermauern – und daran scheiterte: Der Psychologe Peter Niehenke machte so eine Studie in seiner Dissertation. Er blieb der Astrologie trotzdem treu, da er in seiner astrologischen Praxis täglich erlebte, dass die Sternkunde genau und erfolgreich sei.

Was war passiert?

Die Erfahrung hat über die Theorie gesiegt.

Gegner bleiben Gegner, weil sie sich nicht näher mit dem Objekt ihrer Ablehnung beschäftigen. Das Ungeheuerliche daran ist, dass sie im Namen der Wissenschaft flammende Reden gegen den Unsinn der Astrologie halten, ohne zu wissen, wovon sie überhaupt reden! Ihre Abneigung richtet sich gegen ein Klischee der Astrologie, nicht gegen die seriöse Astrologie, denn die kennen sie überhaupt nicht. So eine Diskussion kann nicht sachlich sein. Die „Überläufer“ jedoch lernten die Astrologie kennen und beschäftigten sich mit ihr. Anscheinend liegt nicht nur die Schönheit, sondern auch die Wahrheit im Auge des Betrachters. Denn Erfahrungen sind subjektiv -  und prägen uns durch die Bedeutung, die wir ihnen geben. Oder wie Epiktet (antiker Philosoph, 1.Jhd n.Chr.) einst sagte: Nicht die Dinge beunruhigen uns, sondern unsere Meinung zu den Dingen.

Es gäbe noch mehr, was man den Gegnern und "Aufgeklärten "entgegnen könnte. Z.B. die Tatsache, dass die Teilchenphysik und andere moderne Ansätze wie die Systemtheorie schon längst der mechanistischen Weltsicht der Aufklärung nicht mehr gerecht werden.

Wir sollten nicht vergessen, dass auch die Wissenschaft mit ihren Methoden nichts weiter als Hypothesen untersucht und dass alle paar Jahre neue Studien veröffentlich werden, die vieles, was davor als richtig und wichtig galt, wieder revidieren oder modifizieren.

In den Jahrhunderte währenden Traditionen der Astrologie wird das Wissen zwar auch aktualisiert, aber nicht, indem das Vorhergehende immer mal wieder für ungültig erklärt wird, sondern indem das Neue, das sich bewährt, hinzugefügt wird. Das Prinzip bleibt und wird zum lebendigen Symbol.

Dann gibt es noch die Geisteswissenschaften. Ein gewisser Dilthey, der sie von den Naturwissenschaften schied, definiert sie u.a. so: Geisteswissenschaftliche Erkenntnisse können nicht verifiziert werden. Ob etwas gänzlich verstanden ist, lässt sich nie mit Sicherheit feststellen.

Die Geisteswissenschaften haben den Anspruch, zu erklären, was der Geist ist.

Das Problem ist, dass dies nur durch den Geist selbst geschehen kann, also: der Geist untersucht und erklärt sich selbst. Die Wissenschaft will objektiv sein, aber wie soll das objektiv gehen?

Und was ist mit Antworten auf so essentielle Fragen wie:

Was ist Leben?

Was ist das ICH? Was hat es abgesehen von den biochemischen Prozessen mit der Liebe auf sich?

Darauf hat die Wissenschaft bis heute keine Antwort.

Wie man sieht, kann es ganz heilsam sein, dem modernen Götzen Wissenschaft mal auf die Finger zu schauen, denn der hat auch nicht die Antwort auf alle Fragen. Das ist ja auch gar nicht so schlimm, sonst hätten wir ja nichts mehr zu rätseln und zu staunen.

 

Ich habe mal gehört, dass Hummeln so gebaut sind, dass sie eigentlich von der Aerodynamik her gar nicht fliegen können dürften. Es funktioniert trotzdem.

Wie die Astrologie.

 

 

 

*(Paradigma kommt aus dem Griechischen und leitet sich ab aus „para“ = neben und „deikynai“ = zeigen, begreiflich machen und bedeutet Beispiel, Vorbild, Muster, aber auch Abgrenzung, Vorurteil.)

 


 

 

 

 

 

 

 

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