Astrologie | Astrologie & Spiritualität

Ist die Astrologie noch zu retten? Eine Anregung zur Diskussion

Friedrich Maier Systemische Astrologie
Verantwortlich für den Inhalt ist der oben genannte Autor/Anbieter.
Dienstag, 23. Oktober 2001, 10:45

'Ist die Astrologie noch zu retten? Eine Anregung zur Diskussion' - Beitrag von Friedrich Maier Systemische AstrologieAstrologen sind stockkonservativ, kaum in der Lage, aus ihrem Schneckenhaus herauszuspringen und am prallen Leben teilzunehmen. Sie pflegen ihre Kleinstzellen, spielen mit ihrer Macht und zeigen wenig Interesse, ihre Erfahrungen ernsthaft - und verständlich - unters Volk zu bringen. Böse Nestbeschmutzung oder ein gutes Stück Wahrheit? In jedem Fall will der folgende streitbare Text dazu provozieren, den Stellenwert der Astrologie in der heutigen Zeit neu zu definieren.

Von Claus-Dieter Marowsky

Noch recht gut erinnere ich mich an meine astrologischen Anfänge in den frühen 80er Jahren: mühsames Rechnen mit Ephemeriden und Häusertabellen, schweißtreibendes Arbeiten bis tief in die Nacht hinein. Und wie froh war ich, wenn mir ein befreundeter Kollege nach dem Nachrechnen bestätigte, keinen Fehler gemacht zu haben.
Dann kam die astrologische Wendezeit, die ersten computergestützten Hilfsprogramme erschienen auf dem Markt. Einer Erleuchtung gleichkommend erschien die Möglichkeit, auch die Radixzeichnung vom Mini-PC anfertigen zu lassen. Anfangs ließ die Größe des Ausdrucks noch ein wenig zu wünschen übrig, sie beschränkte sich auf etwa zehn mal zehn Zentimeter und kam von der Papierrolle im Kassenbonformat. Doch all dies war überhaupt kein Problem, das Zeitalter des Astro-Paradieses war angebrochen, vergessen war die mühsame Rechenarbeit, Horoskope wurden im Fünfminutentakt gefertigt.
Heute im Jahre 1998 hat sich die Rechenzeit bei schnellen PCs auf Sekundenbruchteile reduziert, die Ausdrucke sind dank moderner Tintenstrahldrucker von bemerkenswerter Qualität. Was also hindert uns, das Astro-Paradies quasi weltumspannend auszubauen?
Um es vorwegzunehmen - die Erfahrungen mit der Astrologie sind eher ernüchternd. Immer noch ist sie auf einen winzigen Personenkreis beschränkt, der offensichtlich kein allzu großes Interesse daran hat, ihre Erfahrungen und Aussagen so unters Volk zu bringen, daß sie auch verstanden werden. Es sieht so aus, als habe sich die Königin der Esoterik auf ein Nischendasein eingerichtet und auf jede Breitenwirkung verzichtet. Mit folgenden Thesen wird der Versuch unternommen, eine Neubesinnung über den Stellenwert der Astrologie anzuregen.

1. These:
Die Astrologen haben die Veränderungen der Zeitqualität nicht erkannt und entwickeln keine überlebensnotwendigen Perspektiven mehr. Der Schwerpunkt liegt auf dem Imponiergehabe des omnipotent Wissenden anstatt auf einer Verbesserung der Beratungsqualität.

Im Augenblick haben wir hervorragende Astrologen beiderlei Geschlechts, die allerdings höchst unterschiedliche Ausbildungsgänge absolviert haben: Da gibt es welche, die sich ihr Wissen in Wochenendkursen besorgten, andere wiederum brachten ein regelrechtes Studium der Astrologie hinter sich. Dazwischen liegen viele andere Möglichkeiten, sich mit der Astrologie vertraut zu machen. Bei der Diskussion um den Standard wird jedoch eines meist übersehen: Auch die fachlich qualifizierteste Ausbildung kann kein Beratungspotential erzeugen, wenn die menschlichen Qualitäten fehlen. Und daran hapert es letztendlich am meisten! Damit sind die Astrologen freilich in bester Gesellschaft. Fast durchweg in allen beratenden Berufen wird größter Wert auf differenzierteste und komplizierte Wissensstände gelegt, jedoch fast nirgends werden die Fähigkeiten zur Beratung gefördert.
Daraus resultiert in unserem Fachgebiet die von mir so bezeichnete „Horror-Astrologie”: Da werden dem Klienten zum Beispiel Schauergeschichten über sein Vorleben und die daraus resultierende Schuld aufgetischt - und dies, ohne daß der Ratsuchende auch nur die geringste Nachprüfungsmöglichkeit hätte.
Selbst in der Schulmedizin gibt es inzwischen Stellen, an die sich ein verunsicherter Patient in Zweifelsfällen wenden kann. Im astrologischen Bereich aber feiert die Selbstherrlichkeit weiterhin Triumphe. In einer Beratung kann man seinem Gegenüber alles sagen; Bedenken bezüglich einer traumatischen Schädigung gibt es kaum. Im Gegenteil, es wird noch als hilfreich deklariert, den Ratsuchenden mit Schreckensmeldungen zu konfrontieren.
Und nicht selten wird dann ein Angebot nachgeschoben: Einzig durch das Absolvieren eines längeren Seminars bei dem jeweiligen Astro-Anbieter könne sich der Klient „seine schwere Schuld“ erleichtern. Daß es bei dieser Form der Erleichterung in erster Linie um die Finanzen des „Opfers” geht, merkt dieses meist erst, wenn sein Geld knapper und seine Verwirrung größer wird....
Jeden Psychotherapeuten, der gleich bedenkenlos wie mancher Astrologe „Ratschläge” erteilt, würde man wohl verklagen. In der Astrologie dagegen herrscht offensichtlich in weiten Teilen Narrenfreiheit. Und es ist so: Je schräger und unseriöser die Beratung, desto länger sind häufig Kundenliste und Wartezeiten. Astrologen, die auf ein behutsame und einfühlsame Beratungsarbeit Wert legen, schauen hingegen in die Röhre: Es kommt kaum noch jemand. Woran mag das liegen?
Die Innovation im Bereich der Astrologie ist nachgerade stehengeblieben. Außer von einigen besonders engagierten Vertretern kommt kein Beitrag zum individuellen und gesellschaftlichen Fortschritt. Es fehlen Perspektiven und Visionen, die über das Aufspüren von Kleinstplanetoiden hinausgehen. Viele Astrologen sind faul geworden, ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus. Wenn es so weitergeht, wird die Astrologie wieder - wie schon mehrfach in früheren Zeiten - in die Bedeutungslosigkeit hinabsinken. Damit sind wir bei der Situation der Ratsuchenden angekommen.

2. These:
Die Klienten der Astrologen sind an echten Lebensveränderungen nicht interessiert.

Kommt jemand in die Beratung zum Astrologen, dann steht zumeist ein konkretes Interesse an einer bestimmten Frage im Vordergrund. Sehr selten will ein Kunde umfassend über seine Anlagen und die damit verbundenen Entwicklungsmöglichkeiten informiert werden. Die Fragen, die immer wieder auftauchen, drehen sich vielmehr um: Partnerschaft, Beruf, Geld, Gesundheit. Und dies in der angeführten Reihenfolge. Dabei ist das Interesse der meisten Ratsuchenden auch hier sehr oberflächlich an „Rezepten” orientiert; das heißt, es wird eine klare Anleitung und Richtungsweisung gewünscht, in der Partnerberatung etwa nach dem Motto: „Dieser Mann/diese Frau ist gut/nicht gut für Sie.” Der Astrologe steht somit unter dem Druck, eine Art Kaffeesatzaussage im Sinne von Wahrsagerei zu treffen. Dies entspricht jedoch weder dem Verständnis einer emanzipatorischen Astrologie, die dem Klienten Möglichkeiten eröffnen hilft, ihm die Entscheidung jedoch ganz bewußt selbst überläßt, noch den Grundregeln einer bewußtmachenden Beratungsqualität, bei der das Erteilen direkter Ratschläge als grober Kunstfehler gilt.
Natürlich ist kaum einer so naiv, nicht zu wissen, unter welchem Druck die Astrologen heute stehen. Einerseits müssen sie Geld verdienen, andererseits sehen sich der Wunschvorstellung der Klienten gegenüber, möglichst rasch und auch noch kostengünstig eine Problemlösung auf dem Teller serviert zu bekommen.
Doch jeder, der im Beratungsgewerbe arbeitet, weiß, wie problematisch es werden kann, wenn er nur auf die vordergründigen Wünsche seiner Klienten eingeht! Eine Astrologie, die sich lediglich um oberflächliche Deutungsmodelle bemüht, kann anfangs sicher wirtschaftlich erfolgreich sein, gräbt sich aber auf Dauer ihr eigenes Grab, weil sie ihre eigene Herkunft und Basis verleugnet.

3. These:
Das Elend der Prognose: Viele Astrologen glauben, korrekte Prognosen erstellen zu können und suggerieren dies der Öffentlichkeit; nur erweisen sich ihre Aussagen in der Praxis immer wider als nicht zutreffend.

Selbst ein astrologischer Anfänger wird schon bald mit dem Thema der Zukunftsdeutung, Prognose genannt, konfrontiert. Eine große Zahl von speziell zu diesem Thema geschriebenen Büchern suggeriert ihm, er bekomme kompetente Werkzeuge in die Hand. Mit Begeisterung stürzt der Novize sich in der Folge in nahezu endlose Ausbildungen, Workshops und ähnliche Aktivitäten, um dann nach langen Jahren frustriert feststellen zu müssen, daß alles menschliche Streben in dieser Hinsicht nur Stückwerk ist. Und so entspringt die Kunst der Prognose meist mehr der fantasievollen Begabung des jeweiligen Astrologen als konkreten Hinweisen und Fakten.
Zwar veröffentlichen hochbegabte Analytiker in den Fachzeitschriften spannende Artikel über die Vorhersehbarkeit von Ereignissen wie etwa bestimmte politische Entwicklungen, Naturkatastrophen oder auch Todesfälle von Prominenten. Was da geschrieben wird, ist oft beeindruckend und intellektuell bestechend, hat aber einen entscheidenden Haken: Die Deutungen werden in aller Regel immer erst im Nachhinein angefertigt! Es gelingt nur wenigen Astrologen, wichtige Ereignisse zuverlässig zu prognostizieren, und dies auch nur, nachdem sie ihre Aussage so weit wie möglich abgesichert haben - und immer verbunden mit Wahrscheinlichkeitsgrenzen. Doch allgemein wird nicht zuletzt in den Medien der Eindruck vermittelt: Die Astrologie kann und will konkrete Prognosen stellen, aus einem irgendwie geheimen Wissen heraus (womit wir dicht bei der Wahrsagerei sind!). Grundsätzlich bleibt festzuhalten: Auch wer sich ernsthaft an Prognosen wagt, wird letztlich Immer wieder ernüchtert, wenn die vorgelegten Einsichten auf ihren Gehalt überprüft werden.
Von den zahlreichen Methoden zeigt lediglich die Arbeit mit Transiten zukünftige Tendenzen an, die interpretier- und deutungsfähig sind. Dennoch muß der ernsthaft Suchende sich oft genug eingestehen, daß vieles, was herausgelesen wurde, nur partiell mit der Realität übereinstimmt - weil natürlich auch Transite keineswegs konkrete Ereignisse vorausbenennen können...
Der seriöse Astrologe sieht hierin vielleicht ein Zeichen für Bescheidenheit und Demut, damit es ihm nicht ähnlich ergeht wie den Medizinern, die sich göttergleich sehen und dennoch täglich das Desaster miterleben müssen, letzten Endes nichts gegen lebensbedrohliche Krankheiten ausrichten zu können. Für vermeintlich omnipotente Astrologen läge hier also die Chance zu lernen, demütig die eigenen Grenzen zu erkennen. In der Praxis ist davon allerdings nicht allzuviel zu verspüren. Die Botschaft, die vielmehr unter das gläubige Volk gestreut wird, lautet: „Wir wissen, was gut für Euch ist!” Damit kommen wir zur nächsten These:

4. These:
Viele Astrologen sind machtverliebt. Ihre Position ist für den Klienten kaum kontrollierbar und wird oft zu Grenzüberschreitungen mißbraucht.

Es gibt Untersuchungen astrologischer Art, die aufzeigen, daß speziell solche Menschen den Beratungsberuf wählen, deren Horoskop deutliche Pluto-Aspekte aufweist. Außerdem sind Besetzungen des 8. oder 10. Hauses oft anzutreffen. Was heißt dies für einen beratenden Astrologen?
Nicht mehr und nicht weniger, als daß er sich den Auswirkungen solcher Aspekte auf seine Klienten sehr bewußt sein sollte. Ist dies nicht der Fall, wird unweigerlich die unerlöste Schattenseite von Pluto zum Tragen kommen. Der Berater wird dann seine eigene, für den Klienten kaum kontrollierbare Machtstruktur ins Spiel bringen und zu Übergriffen neigen, die sich für den Ratsuchenden mehr oder weniger schädlich auswirken können.
Beliebt ist bei solchen „Horror-Astrologen” das Spiel mit den unterschwellig bei jedem Menschen vorhandenen Schuldgefühlen: „Ich kann dich zwar nicht von deiner Schuld erlösen, aber dir Erleichterung verschaffen!”
Ein anderes Beispiel: Im Horoskop, so behauptet der Berater mit unheilschwangerer Stimme, befänden sich „sehr problematische Aspekte”... Der astrologisch naive Klient befürchtet nun wirklich das Schlimmste und ist zu fast allem bereit, um größeres Unheil zu verhindern.
Wo bleiben da die Bescheidenheit und die Demut, die so oft von den anderen gefordert werden? Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, von einer Heerschar von Größenwahnsinnigen umgeben zu sein...

5. These:
Astrologie ohne Wissen um gesellschaftliche Hintergründe,
tiefere Kenntnisse der Psychologie und eine spirituelle Grundhaltung
wird zu einer Sackgasse, die ins Nirwana führt

Vielfach verkommt die Astrologie zu einer Pseudowissenschaft, die letzten Endes nichts anderes als Kaffeesatzleserei betreibt. Allzu willig und allzu rasch wird auf die Wahrsagewünsche der zahlenden Klientel eingegangen.
Eine Astrologie aber, die es versäumt, ihren gesellschaftlichen und spirituellen Kontext näher zu definieren, degeneriert entweder zur Kaffeeklatsch-Unterhaltung oder zur Gehirnakrobatik.
Was moderne Astrologie braucht, ist:
 die Liebe zu dieser wunderbaren Erkenntnisform - was die Astrologen aber nicht daran hindern darf, auch einmal die eigene Fachrichtung kritisch gegen den Strich zu bürsten, um nicht stehenzubleiben im Ozean der Nichtigkeiten und des sinnlosen Wortgetöses.
 eine klare Standortbestimmung: Warum berate ich? Was will ich bewirken? Wie ist mein eigener geistiger Hintergrund?
 eine spirituelle Grundausrichtung, um sich nicht in den Unwichtigkeiten dieser Welt zu verlieren und um einen Bezugspunkt zu haben, von dem aus man einen Standpunkt auch glaubwürdig vertreten kann. Um Spiritualität zu leben, bedarf es nicht nur kopfiger Einsichten, sondern auch des tatkräftigen Umsetzens in den Alltag. Vor allem gehört hierzu eine dem Ganzen dienende Grundhaltung, die auf dem Vertrauen basiert, daß uns alles geschenkt wird, was wir brauchen.
 eine von Humor und Akzeptanz getragene Grundhaltung, verbunden mit dem Wissen, daß es mehrere Wege zur Lösung eines Problems gibt und kein Berater über die alleinseligmachende Lösung verfügt.
 ein Wissen um die Gefahren des Beratungsberufes im Hinblick auf Selbstüberschätzung und Größenwahn.
 die Liebe zum Menschen trotz aller Enttäuschungen und Frustrationen angesichts all der Ignoranten und Dummköpfe, die den Fortschritt der Menschheit verhindern.
 eine Sprache, die auf die Klienten zugeschnitten und damit verständlich ist. Dies bedeutet einen Verzicht auf nebulöse Worthülsen und hochgestochene Fachbegriffe, hinter denen sich nur die eigene Arroganz versteckt. Nur eine klare Ausdrucksweise gibt dem Klienten die Möglichkeit, eine gute von einer schlechten Beratung zu unterscheiden.
 Innovationsbereitschaft und Offenheit für neue Formen, Herangehensweisen und Darstellungen in der Astrologie, die aus der Routine herausführen. Als Beispiele wären hier anzuführen eine tatsächlich brauchbare Geburtszeitkorrektur, die Suche nach verbesserten Prognosemethoden und die Einigung auf einen Beraterstandard, der die Berufsgruppe der Astrologen von Hellsehern und Magieren positiv unterscheidet.
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Claus-Dieter Marowsky, Jahrgang 1941 (Wassermann), ist Astrologe, Heilpraktiker und Lebensberater. Es ist ausgebildet in Psychotherapie, Spieltherapie, Supervision und Körpertherapie. Seit 1979 Praxis für Naturheilkunde und Psychotherapie in der Nähe von Frankfurt. Er bietet eine „Ausbildung zur spirituellen Lebensberatung“ an („Spiel des Lebens“).
Kontakt: Alt Falkenstein 12,
61462 Königstein-Falkenstein,
Tel.: 06174/38 18, Fax: 06174/2 41 45,
Email: CMarowsky@t-online.de

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Friedrich Maier
Tel. 089 185472
Fax 089 185472

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