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Gut gebrüllt, Löwe! Löwe und Sonne: Was wollen sie?

Friedrich Maier Systemische Astrologie
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Montag, 12. November 2001, 10:36

'Gut gebrüllt, Löwe! Löwe und Sonne: Was wollen sie?' - Beitrag von Friedrich Maier Systemische AstrologieWarum zieht uns gerade das Tierkreiszei-chen Löwe fast magisch an? Was ist es, das uns antreibt, so zu werden wie eine helle, warme Sonne am Sommerhimmel? Einzigartig, und doch im Dienste der Ge-meinschaft? Unsere Titelstory beschreibt, was wir tun können, um unseren eigenen identischen Ausdruck zu finden - und wo die Gefahren lauern....
Von Christopher A. Weidner

So um den 23. Juli herum geschieht es: die Sonne tritt in das Tierkreiszeichen des Löwen ein. Ihr Lauf hat sich wieder dem Horizont zugeneigt, und sie steht nicht mehr so hoch wie im Monat davor, wenn sie, in den Krebs eintretend, den Sommeranfang verkündet und im magischen Augenblick der Mittsom-mernacht, der kürzesten Nacht des Jahres, innezuhalten scheint.... Danach wird ihr Bo-gen über den Horizont von Aufgang bis Un-tergang wieder kleiner, die Tage werden wie-der kürzer und die Nächte länger. Wenn dann der Löwe das Szepter in die Hand nimmt, fallen die Schatten bereits weiter, das Licht wird goldener. Doch die Erde hat die Wärme des Hochsommers gespeichert und gibt sie erst jetzt ab: so kommt es, dass wir die Zeit des Löwen als die heißeste Jahres-zeit erleben, als den Sommer schlechthin.
Der Schlüssel zur astrologischen Bedeutung des Löwe liegt in der Sonne selbst. Ihre Kraft wird in dieser Phase des Jahres am stärksten erlebt, nicht nur im positiven Sinne, denn die Glut der Sonne vermag aus fruchtbarem Land eine leblose Wüste zu machen. Doch wir ehren sie, weil sie Leben und Fruchtbar-keit spendet und mit ihrem Licht und ihrer Wärme dafür sorgt, dass die Früchte reifen... Nicht umsonst hieß der Löwe-Monat früher auch „Erntemonat“ oder „Ährenmonat“, denn jetzt stehen die Ähren des Feldes, Gemüse und Obst in vollem Saft und haben ihre größte Fülle. Was in der Krebs-Phase ange-legt wurde, sich nach der Befruchtung in sich zurückgezogen hatte, „ausgebrütet“ wurde, kehrt nun das reiche Innere nach Außen: aus unscheinbaren Fruchtständen reift Obst her-an, glänzt in verschwenderischer Farbpracht an den Zweigen, die sich von ihrer Last bie-gen, während durch goldenes Getreide der Wind streicht. In dieser Phase der drücken-den Wärme, auf der eine eigenartige Be-dächtigkeit liegt, konzentriert sich das Leben darauf, zu werden, was in ihm angelegt ist: alles drängt nach Selbstausdruck.
Krebs – das war die Zeit der Beeindruck-barkeit: die Natur hielt inne, um sich auf die inneren Prozesse zu konzentrieren, die durch die Eindrücke aus der Zwillinge-Phase in Gang gesetzt wurden. Löwe – das ist die Zeit des Ausdruckes dessen, was diese inneren Prozesse zu Wege gebracht ha-ben. Jetzt muss ans Licht, was sich verbor-gen hatte. Auf der Ebene der menschlichen Psyche regiert Krebs über unsere Gefühle, das, was wir in uns fühlen, womit wir uns identifizieren, unser zentripetales Selbst. Lö-we hingegen ist der Ausdruck der Gefühle, der Emotionen (lat. e-movere „hinaus-bewegen“), deren Summe wir als zentrifuga-les Ich erleben, das der Welt seinen Stempel aufprägen möchte. In der Krebs-Phase lie-ßen wir uns beeindrucken, befruchten – in der Löwe-Phase wollen wir beeindrucken, unsere Persönlichkeit zur Welt bringen.
Ausdruck - das ist das Schlüsselwort zur Thematik des Löwen. Denn im Löwen mani-festiert sich ein allgemeines Bedürfnis per-sönlicher Selbstentfaltung, das tendenziell ungebremst ist. Darin liegt seine Stärke, aber auch seine Schwäche. Später werden wir sehen, was geschieht, wenn sich die Persön-lichkeit weigert, in ein Stadium zu transfor-mieren, in dem egozentrisches Wachstum vom Respekt für andere abgelöst wird.
Um dies verständlich zu machen, wollen wir das Symbol der Sonne, der Herrscherin des Löwen, näher betrachten: ein Kreis, in der Mitte ein Punkt. Treffender konnten die Alten das Signum für die Sonne nicht wählen, selbst wenn sie nichts von ihrer Position im Zentrum unseres Planetensystems gewusst haben. Denn es ist wahr: Alles dreht sich um die Sonne. Sie ist der Nabel der Welt!
Man könnte im Sonnen-Symbol auch das Bild eines Steines sehen, der in das Wasser ei-nes Teiches geworfen wird. Der Ring reprä-sentiert die Kreise, die sich dort bilden, wo der Stein die Oberfläche des Wassers durch-drungen hat. Ebenso symbolisiert die Sonne das Ausbreiten der Persönlichkeit in alle Richtungen von dem einen Zentrum aus: dem Selbst, jenem Mittelpunkt, von dem aus jeder Mensch sein Universum aufbaut, seine Wirklichkeit konstruiert. Später, in der Jung-frau-Phase der Entwicklung, werden die ei-genen Kreise auf die Kreise anderer Men-schen mit ihren „Realitäten“ treffen, und es wird Interferenzen geben, sich überlagernde Schwingungen, die das perfekte Rund der eigenen Kreise deformieren werden... Doch jetzt in der reinen Löwe-Phase geht es nur um Eines: sich selbst auszubreiten und seine Persönlichkeit in die Welt zu strecken.
Ein letztes Bild sei noch gegeben: das Bild einer Insel mit einem hohen zentralen kegel-förmigen Gipfel, von dem aus alles überblickt werden kann. Hier wird besonders deutlich, wie sehr die Sonne auch ein Symbol der Macht ist. Inseln waren schon immer eine beliebte Allegorie so manches Philosophen für den idealen Staat - von Atlantis bis Uto-pia. Dahinter steckt der Wunsch nach Über-schaubarkeit, Abgrenzung und nicht zuletzt Kontrolle über alles, was geschieht. Eine In-sel garantiert bis zu einem gewissen Grad Unversehrtheit und damit Unantastbarkeit. In ihrer Mitte sitzt der Herrscher, der seine Un-tertanen überwacht.
Das Symbol der Sonne offenbart demnach mehrere Fassetten, die wir in der Bedeutung des Löwen wieder finden: auf der einen Seite die schöpferische Mitte, die ihre Grenzen immer weiter nach außen dehnen will, um so von der Welt Besitz zu ergreifen, sie für sich in Anspruch zu nehmen (wie eine Amöbe, welche die Umwelt in sich aufnimmt und an ihr wächst), und auf der anderen Seite die Grenze zur Umwelt hin, um sich nicht mit ihr zu vermischen, den Inselstatus der Persön-lichkeit nicht zu gefährden, die Integrität des Ego nicht zu verlieren.
Auf die Persönlichkeitsentwicklung in der Lö-we-Phase bezogen, lassen sich drei Stufen unterscheiden, die jeder durchläuft beim Ver-such, die eigene Integrität zu entdecken und zu bewahren:
1. Wir müssen unsere Persönlichkeit ab-grenzen. In dieser Stufe der Entwicklung bauen wir uns unsere Persönlichkeit erst auf, d.h. wir beginnen zu begreifen, wer wir sind. Dies geschieht im Zuge einer Abgrenzung von anderen hinsichtlich der Eigenschaften, die ich als typisch für meine Persönlichkeit empfinde: Wer bin ich und was sind meine Eigenschaften im Unterschied zu anderen?
2. Wir müssen dafür sorgen, dass unser Platz in der Welt sicher ist. Dies ist die kriti-sche Phase des Prozesses. Hier entscheidet sich, ob wir in die nächste Phase, die Jung-frau-Phase, eintreten - oder im Löwe-Stadium verharren. Wie wir noch sehen werden, leben wir in einer Welt, in der wir davon ausgehen, dass es nicht genug Raum für alle Egos gibt: die Möglichkeiten scheinen begrenzt und damit der Entfaltungsspielraum – ein Kampf um die Plätze in der ersten Reihe des Lebens scheint programmiert. Die Abgrenzung, die zuvor noch zur Definition der eigenen Per-sönlichkeit ausreichte, wird nun zum Instru-ment, sich gegen andere zu verteidigen. Das ist gefährlich, denn nun kommt etwas Neues ins Spiel: Der Kampf um die Macht. Dieser Kampf ist nichts anderes als ein Kampf um Möglichkeiten („Macht“ und „mög-lich“ sind etymologisch verwandte Wörter), seiner Per-sönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Daraus ergibt sich das problematische dritte Stadium der Löwe-Entwicklung, wenn wir den Schritt zur Jungfrau nicht schaffen:
3. Wir müssen andere von ihren Plätzen vertreiben und ihre Persönlichkeit verein-nahmen. Wer sein Licht nicht unter den Scheffel stellen möchte, muss dafür sorgen, dass er genügend Platz hat, um es strahlen zu lassen. Wenn wir den Weg aus dem Lö-we-Stadium nicht finden, d.h. uns weigern in die nächste Stufe der Entwicklung einzutre-ten (Jungfrau), in der es (auch) um das Ein-beziehen der Bedürfnisse anderer in das ei-gene Leben geht, bedingt dies fast automa-tisch einen Verdrängungskampf und im schlimmsten Falle gar einen Unterwerfungs-krieg, indem es nicht mehr nur genügt, den anderen in die Bedeutungslosigkeit abzu-drängen, sondern ihn auch noch in dieser Bedeutungslosigkeit zu halten.
Denn wo Licht ist, fällt auch Schatten. Und so wird jeder, der sich die Möglichkeiten ver-schafft hat, sein Licht in wachsenden Kreisen zu verbreiten, auch Schatten werfen – auf andere, die diese Möglichkeiten nicht haben. Hier ruht die Wurzel für den negativen Aspekt der Macht: sie kann andere in ihren Schatten zwingen, ihnen das Licht nehmen.
Damit gelangen wir zum Recht des Stärke-ren, einer weiteren Bedeutung des Sonne-Löwe-Prinzips. „Möge der Bessere siegen!“ – das hört sich zunächst nach ritterlichen Idealen an, nach einem fairem Kampf um die Hand der Königstochter. Heute haben aber viele Menschen den Eindruck, dass wir in einer Welt leben, in der nicht der Bessere siegt, sondern der Stärkere – der, der am berüchtigten „längeren Hebel“ sitzt. Was aus einem wird und ob man Erfolg im Leben hat, scheint ganz entscheidend von der Platzie-rung in der sozialen Rangliste abzuhängen. Der Weg dort hinauf ist ein Kampf gegen alle anderen, die dasselbe Ziel haben. Man ver-sucht, sich gegenseitig die Butter vom Brot zu nehmen, sich zu übertrumpfen, nur um ein Stückchen weiter zu kommen als der andere. Ein Existenzkampf wie im Urwald: alle stre-ben nach dem Licht der Sonne, jeder kämpft gegen jeden. Die Schwachen bleiben auf der Strecke und müssen ihr Dasein im Schatten der anderen verbringen. All dies scheint un-gerecht – aber gilt nicht eben das Recht des Stärkeren? Ist dies nicht ein ehernes Gesetz der Natur? Und warum sollte ausgerechnet der Mensch davon ausgenommen sein?
Alles Leben verbraucht Energie, indem es Energie aufnimmt und wieder freisetzt. Jede Handlung ist im Grunde nichts anderes als eine Freisetzung von Energie, die wir zuvor unserem Organismus zugeführt haben. Die Freisetzung von Energie ist eines der deut-lichsten Kennzeichen von Leben und in ge-wissem Sinne könnte man auch sagen: Le-ben heißt handeln – das Prinzip des Löwen.
Jede Handlung aber verändert die Umwelt. Die ursprüngliche Energie hat ihre Qualität gewandelt. In der Natur geschieht das wie von selbst: Pflanzen speichern das Sonnen-licht, Tiere fressen diese Pflanzen, und wer-den wiederum von größeren Tieren gefres-sen, diese Tiere sterben und ihre Körper die-nen als Quelle für neues Leben. In der Natur folgt alles einem biologischem Rhythmus von Werden und Vergehen, in den die Zyklen der Freisetzung von Energie fest eingebunden sind. Die Gesetze der Natur sind stets öko-nomisch – sie sind dazu da, um den rei-bungslosen Ablauf des Lebens zu gewähren.
Nun tritt der Mensch auf den Plan: er scheint das einzige Lebewesen zu sein, das diesem natürlichen Zyklus etwas entgegensetzen kann – seine menschliche Absicht. Er kann seinen Handlungen eine Bedeutung verlei-hen, die nicht an den Notwendigkeiten der Natur ausgerichtet ist, sondern seine Persön-lichkeit widerspiegelt. Für das Tier ist die Zu-kunft geprägt von der Wiederkehr des Glei-chen; seine „Handlungen“ vollziehen sich in keinem anderen Rahmen als den, den die Natur ihm auferlegt. Für den Menschen aber ist die Zukunft ein unbeackertes Feld an Möglichkeiten. Er kann sein Leben planen und der Zukunft den Stempel seines Willens aufprägen. Er ist prinzipiell der Schöpfer sei-ner Zukunft, und seine Handlungen sind nicht zwingend mechanische Reaktionen auf die Bedingungen der Natur, sondern kreativer Ausdruck seiner Persönlichkeit.
Eine solche Handlung setzt voraus, dass der Mensch sich frei und selbstverantwortlich entscheiden kann, wofür er seine Energie einsetzt. Was aber, wenn wir das Gefühl ha-ben, dass nicht wir es sind, die unseren Handlungen ein Ziel geben, sondern andere? Was, wenn wir unser Leben nur im Schatten des Lebens anderer führen und erspüren, dass andere unsere Handlungen zum In-strument ihrer Absichten machen? Wie viel Gewicht hat eigentlich unsere eigene Absicht, wenn wir unsere Zukunft gestalten?
Tatsächlich leben viele Menschen mit dem Grundgefühl, dass das, was sie tun, zwar einen Sinn hat, aber dass dieser Sinn sehr wenig mit dem zu tun hat, was sie sich für ihr Leben gewünscht haben. Wir tun viele Dinge, einfach weil sie von uns verlangt werden und lassen uns vor den sprichwörtlichen Karren anderer spannen. Wir tun, was man uns sagt – vielleicht weil jemand Macht über uns hat oder für uns eine Autorität darstellt, dessen Urteil wir nicht infrage stellen. Wir fügen uns dem Wunsch eines anderen, weil er be-hauptet, er wüsste was gut für uns ist, oder auch nur, weil er die Insignien der Macht trägt und wir uns sagen: "Er wird wissen, was er von mir verlangt." Viele Kinder haben solche Erfahrungen mit ihren Eltern gemacht.
Jeder Mensch ist in ein Geflecht aus Bezie-hungen eingebunden, in dem die einen auf die anderen Macht ausüben, mal offensicht-lich und brutal, mal subtil und versteckt. Je-der spürt den Druck dieses Systems und je-der hat Angst, diesem Druck nicht gerecht zu werden. Überall dort, wo wir auf Konkurrenz-denken und Ellenbogentaktik stoßen, sehen wir zwar die Bedrohung, von anderen zum Werkzeug ihrer Absichten gemacht zu wer-den. Doch wir glaubem insgeheim, dass dies so sein muss, auch wenn wir uns in diesem Glauben unglücklich fühlen. "Das Recht des Stärkeren" oder "Konkurrenz belebt das Ge-schäft" – solche Parolen klingen uns in den Ohren und treiben uns an, unsere Persön-lichkeit gegen die der anderen auszuspielen. Unsere Handlungen werden nicht mehr von dem Wunsch getragen, unserer eigenen Per-sönlichkeit Ausdruck zu verleihen, sondern sie so gut es geht einzusetzen, um im Leben gegen andere zu bestehen. Die Zukunft ist kein offenes Land der Möglichkeiten – sie ist ein geschlossenes Gefäß, dessen Form schon heute bestimmt, wie ich meine Energie einsetzen muss.
Eines aber vergessen wir dabei: wir werden kein Stück freier, wenn wir andere besiegen. Im Gegenteil: wir sind austauschbare Figuren in einem Spiel, dessen einzige Spielregel darin besteht, andere im Kampf um das Licht in den Schatten zu drängen. Und dieses Spiel funktioniert deshalb so gut, weil wir glauben, dass es so sein muss, dass dieser Kampf natürlich sei. Damit aber leugnen wir, was uns menschlich macht: nämlich die Fä-higkeit, den Handlungen eigene Absichten zu verleihen und frei zu entscheiden, wozu wir unsere Energien einsetzen. Der Glaube an die Natürlichkeit des Kampfes um die Macht spricht dem Menschen einen eigenen Willen ab, und damit das Menschsein schlechthin.
Wie aber können wir diesem Spiel entkom-men? Wie können wir unseren Handlungen wieder genau die Bedeutung verleihen, die unserer Persönlichkeit entspricht?
Zunächst müssen wir die Gewissheit haben, dass es so etwas wie eine freie, selbstver-antwortliche Handlung des Individuums gibt – und wir müssen den Trick des Machtspiels durchschauen. Der Trick besteht darin, dass wir glauben, es gäbe nur eine Sonne, nach der sich alle ausrichten müssten, und dass ein Platz an der Sonne eben nicht von allen ergattert werden könne. Diese eine Sonne kann zu verschiedenen Zeiten und an ver-schiedenen Orten unterschiedliche Inhalte verkörpern. Vielleicht ist es Erfolg und Aner-kennung im Beruf oder in der Liebe, vielleicht ist es aber auch einfach materieller Reich-tum, das neue Haus, der schicke Wagen usw. Diese Wünsche sind wie Magneten, an denen wir unsere Handlungen ausrichten: wir bündeln alle Energie auf das Erreichen die-ses einen Zieles. Diese Ideen und Inhalte bestimmen von nun an unser Handeln – nicht wir selbst. Und wie selbstverständlich ver-dächtigen wir zunächst jeden, der unseren Weg kreuzt, weil wir ziemlich sicher sind, dass er uns die Suppe versalzen will....
Es geht jedoch darum, aufzuhören so zu handeln. Vielmehr müssen wir wieder uns selbst als Mittelpunkt aller Handlungen wahr-nehmen. Das bedeutet ein Bewusstsein da-von zu gewinnen, dass alles nur von uns ab-hängt. In diesem Moment werden wir uns nicht mehr als Spielfiguren erleben, die dem Licht fremder Sonnen nachjagen und ver-zweifelt bemüht sind, dem Schatten anderer zu entfliehen. Wir erleben uns als eine eige-ne Sonne, die es nicht nötig hat, ihr Licht von anderen zu beziehen, um zu strahlen. Jede unserer Handlungen ist dann Ausdruck des eigenen Lichtes und trägt den unverwechsel-baren Stempel unserer Persönlichkeit. Wir handeln nicht so, wie man es von uns er-wartet, sondern aus dem Herzen heraus – wir handeln genau so, wie wir sind. Es gibt sie nicht, die eine Sonne für alle. Jeder von uns hat seine eigene Sonne, und niemand muss einer fremden Sonne nachjagen, wenn er weiß, dass es eine Sache gibt, in der ihn niemand, wirklich niemand über-trumpfen kann: nämlich genau der zu sein, der man ist. Das ist die unmissver-ständliche Lektion der Löwe-Phase.
Der astrologische Schlüssel zu diesem neuen Selbstverständnis liegt im Oppositionszei-chen des Löwen. Allgemein haben die „Ge-genpole“ im Tierkreis die Bedeutung einer Konfrontation, einer Herausforderung. Man könnte auch sagen: Jedes Tierkreiszeichen wird über das Oppositionszeichen stimuliert, sich zu entwickeln. Dieser Ansporn ist nicht immer angenehm, aber er hilft uns, nicht in einem bestimmten Stadium hängen zu blei-ben, sondern unsere Entwicklung voranzu-bringen. So hilft uns der Wassermann da-bei, den Löwen zu überwinden und in die Jungfrau einzutreten. So wie die Sonne dem Löwe zugeordnet wird, beherrscht Ura-nus den Wassermann. Wenn wir sein Sym-bol betrachten, werden wir eine erstaunliche Feststellung machen: es handelt sich um das Sonnensymbol – mit einem entscheidenden Unterschied: Von dem Kreis mit dem Punkt in der Mitte zeigt ein Pfeil nach oben weg! Wäre das Sonnensymbol ein Rad mit einer Nabe darin, so zeigt dieser Pfeil die Unwucht an, wie sie bei praktisch bei allen rotierenden Gegenständen auftaucht und unerwünschte Schwingungen hervorruft, die Rotation ab-lenkt und das Rad zum „Eiern“ bringt. Die Unwucht zerstört die Harmonie des Kreises und damit die Illusion von Perfektion: Un-wuchten treten immer dort auf, wo der Schwerpunkt eines Systems nicht exakt im geometrischen Mittelpunkt liegt – und dies ist im Realfall immer gegeben.
So gesehen holt Uranus die Löwe-Sonne von ihrem „hohen Ross“: er zeigt, dass nichts für die Ewigkeit geschaffen ist und sich niemand für immer seiner Machtposition sicher sein kann – irgendwo ist immer der Haken, die ungeschliffene Stelle, die minimale Abwei-chung vom Ideal. Wassermann ist das „Haus“ des Uranus, und in dieser Phase ler-nen wir, unsere Persönlichkeit nicht daran zu messen, wie viel Raum sie für sich bean-spruchen kann, sondern was sie so einzigar-tig im Unterschied zu anderen macht. Was-sermann zeigt uns, wo wir individuell sind, wo wir besonders, eben anders sind – und fordert uns auf, diese „Unwucht“ der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Durch unser bewusst gelebtes Anderssein sind wir in der Lage, einen Beitrag zur Ent-wicklung des gesellschaftlichen Ganzen zu leisten, wie nur wir ihn leisten können.
Deshalb ist der Wassermann die „Kur“ für das problematische Stadium der Löwe-Entwicklung: er bestätigt uns darin, einzigar-tig zu sein, aber er erinnert uns auch, dass jeder von uns darin einen Auftrag sehen sollte, den er gegenüber dem „großen Gan-zen“ hat, in das er eingebettet ist. Unsere Persönlichkeit ist nicht Selbstzweck! Das mag uns in der Löwe-Phase noch so erscheinen; wir mögen glauben, dass wir tun und lassen können, was wir wollen. Daher erleben wir den Übergang in die Jungfrau-Phase auch als Bedrohung unseres Selbstverständnis-ses: die Interferenzen mit anderen Kreisen von anderen Steinen, die in denselben Teich geworfen wurden, erfahren wir als Störung. Erst wenn wir mit Wassermann begriffen ha-ben, dass es nicht darum geht, unsere Per-sönlichkeit als Eigentum zu behandeln, das gegen andere verteidigt werden muss, son-dern in ihr das Potenzial zur Veränderung und Verbesserung der Situation aller Men-schen sehen, werden wir das Jungfrau-Stadium mit offenen Armen begrüßen.
Damit wird das oben genannte problemati-sche dritte Stadium der Löwe-Entwicklung umgewandelt, denn nun verlassen wir den egozentrischen Standpunkt und öffnen uns einem neuen Verhältnis unserer Umwelt ge-genüber, dass von größerem Respekt für die Persönlichkeit anderer geprägt ist. Die Wandlung des Löwen zur Jungfrau hin ist ein wichtiger Schritt, den heute nur wenige Men-schen bereit sind zu gehen, solange wir in einer Gesellschaft leben, für die das Recht des Stärkeren Gesetz geworden ist. Wer die-sen Schritt aber tut, macht eine interessante Erfahrung: so gewaltig sich unser Ego im Kampf um das Licht auch aufblähen mag - es wird unbedeutend, wenn wir es rückblickend vom Boden der Jungfrau aus betrachten.
Erinnern wir uns an die Insel, in deren Mitte der unantastbare Herrscher weithin sichtbar über seinem Imperium thront: er ist aus die-ser Sicht nichts weiter mehr als ein Schein-riese, wie jener Riese Turtur aus der Ge-schichte von Jim Knopf und dem Lokomotiv-führer auf der Suche nach Lummerland. Je näher man ihm kommt, d.h. je weniger man seine Abgrenzungs- und Ausdehnungsversu-che ernst nimmt, umso kleiner wird er, bis er auf Normalgröße zusammenschrumpft, wenn wir ihm Aug’ in Aug’ gegenüber stehen.
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Kontakt: „Phoenix Astrologie“
Christopher A. Weidner,
Buttermelcherstr. 17, D-80469 München
Tel/Fax: 0049 (0) 89 / 22 96 47
phoenix.astrologie@comquest.de
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notes
LÖWE (ca. 23. Juli bis 22. August)
Symbol: Schlange, altes Sonnen-Tiersymbol
Qualität: Männlich-aktiv. Yang. Fixes (verwer-tendes, konsolidierendes, festigendes) Zeichen.
Element: Feuer
Herrscher: Sonne
Häuseranalogie: 5. Haus
Botschaft: Handeln ist Leben. Ich bringe meine Identität kreativ zum Ausdruck
Quelle: B. Hamann. Die zwölf Archetypen, Knaur

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