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UNSCHULD
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Montag, 19. Dezember 2011, 17:42
U N S C H U L D
von Peter-Johannes Hensel
Was für den Körper der Schmerz, ist für die Seele die SCHULD. Der tiefste Schmerz der Seele ist jedoch jene Schuld, die sich in und aus der Biografie des Menschen nicht begründen lässt, eine Art “Schuld ohne Tat” – also eine wahrhaft grundlose Schuld. Die Tragik dieser Art der Schuld ist, dass sie die schmerzhafteste Form der Schuld ist, die der Mensch fühlen kann – ein grundloser Schmerz, ein Schmerz, dessen Grund eben unergründlich bleibt und dessen Ursache man daher letztlich oft nur im ebenso „unergründlichen Willen Gottes oder des Schicksals an sich“ meint sehen zu können.
Dieses irrationale Gefühl von Schuld treibt viele Menschen im Leben in Situationen, in denen sie dann doch “irdische” Dinge tun, an denen sie sich schuldig machen, schuldig nun aber im Sinne einer biografisch/diesseitig begründbaren Schuld. Es scheint, dass die Seele hier gleichsam wie besessen nach Möglichkeiten sucht, dem irrationalen Schuldgefühl eine biografisch beweisbare und damit rational nachweisbare Ursache zu verleihen. Nur: die Schuld, die sich der Mensch dann derart durch “irdische” Taten auflädt ist nie in der Lage, die Gründe für das eigentlich Irrationale zu liefern. Sie liefert nur Gründe, sich eben “irdisch plausibel” schuldig zu fühlen. Die Vermischung der irrationalen mit der realen Dimension ist in der Folge fatal, denn die Gründe für die “irdischen Taten” werden im Bewusstsein verwechselt mit vermeintlichen Gründen der eigentlich gefühlten irrationalen Schuld. Diese bleiben jedoch in Wirklichkeit unerkannt. Im Beratungskontext ist es von größter Wichtigkeit, um diese beiden Formen des Schuldgefühls zu wissen und oftmals ein kleines beraterisches Kunststück, sie im Gegenüber des Klienten klar zu erkennen und aus einander zu halten.
Es sind dies Erfahrungen zu SATURN-NEPTUN, jener Konstellation, die ich die „Samana-Konstellation“ nenne - in Anlehnung an jene Büßergestalten in Hermann Hesse´s “Siddhartha”, die er beschreibt als „… hagere Schakale im Reich der Menschen, fremd und feind der Welt … heiß weht hinter ihnen her der Duft mitleidloser Entselbstung …“; also jene, deren gefühlte Schuld sich zu beziehen scheint auf ihre „Anwesenheit im Leben an sich“, auf ihr bloßes „Geboren-worden-sein“. Jene greifen dann zum heftigsten Mittel der Buße, die dem Menschen möglich ist: der Selbstkasteiung. Dies ist gleichbedeutend mit einer “Vertreibung des Körpers”, welcher der schuldigen Seele als Unterschlupfort in der jetzigen Inkarnation dient. Diesen Schmerz, als Schuld gefühlt, gilt es mittels Selbstkasteiung zu vertreiben und immer weniger fühlbar werden zu lassen. Doch er bleibt liegen - wie ein eingravierter, untilgbarer, nicht zu vertreibender, unauffindbarer Schatten auf der Seele.
In der Seele ist es nun aber oftmals so, dass der Schatten die Energie liefert für das Licht, welches zur Heilung und zur Liebe verhilft. Und so kann es zuweilen kommen, dass die Schuld zum Licht der Heilung und Liebe wird. Wie kann dies hier möglich werden? Die Erfahrung lehrt: indem der Mensch sich ein zweites Mal zum Richter über sich selbst erhebt und sich nun BEWUSST - entgegen des ersten unbewussten Schuldspruches - FREISPRICHT von der Schuld, indem er sagt: „Ich war und bin unschuldig, heute entscheide ich neu. Ich spreche mich frei“.
Geschieht dies so, gibt es einen Grund für die Schuld – und damit einen Grund auch für die Unschuld. Der Grund der Schuld war, dass nicht Gott hier im Spiele war, sondern dass einzig und allein der Mensch vergaß, sich selbst freizusprechen. Dies ist eines der tiefen Geheimnisse der Saturn-Neptun -Konstellation, das sich mir in den Jahrzehnten über die Beratungsarbeit langsam offenbarte. Es gibt innerhalb der astrologischen Konstellationsbilder viele Formen des Vergessens. Jene des Saturn-Neptun ist aber eine die vergessen ließ, dass man vergaß. Die meisten Menschen scheinen mit diesem Vergessen, welches (scheinbar unerklärlich) MUTLOS macht, auf die Welt gekommen zu sein als gelte es, einen Vorwand zu finden, sich nicht lieben zu können. Es heißt: Nur was wir lieben lässt uns frei. Und so ist es wohl auch hier: Sich schuldig fühlend schuldfrei zu sprechen heißt, sich selbst lieben zu lernen.
Ich vermute: Gott, das Schicksal ... wissen diesen Mut zu schätzen.
***
So weit - so gut ... aber eigentlich auch nicht. Denn:
Ich habe ungezählte Menschen in meiner Praxis erleben müssen, die von astrologisch herkömmlich geschulten Vertretern/innen der allgegenwärtigen Mainstream-Astrologie ”beraten” worden sind und die sich nicht im Ansatz IN BEZUG AUF DAS HIER DARGESTELLTE THEMA DER IRRATIONALEN SCHULD gesehen, geschweige denn verstanden oder auf Lösungswege geführt fühlten. Dies ist natürlich kein Wunder, sind doch besagte Vertreter/innen der Zunft letztlich Zöglinge einer astrologischen Zeitströmung, deren Augenmerk vor allem auf Öffentlichkeitswirksamkeit, Verbandsbindung, ungerechtfertigt beanspruchter Ausbildungs- und Prüfungsmaßstäblichkeit sowie Beseitigung von standesbezogenen Anerkennungsdefiziten liegt und leider viel zu wenig auf dem Ausbau des für astrologische Arbeitsqualität entscheidenden Tiefenwissens über die überragend wichtigen astrologischen Konstellationsbilder. Denn diese sind die eigentlichen astrologischen Inhalts- und damit Aussageträger!
Nun, der Wunsch, dass ein Anderer dieses tiefe Gefühl der Schuld zu sehen und zu verstehen vermag, dessen Gründe zu (er)klären vermag und vielleicht sogar Lösungswege aufzuzeigen vermag ... dieser Wunsch ist bei einer derart lebensbestimmenden Saturn-Neptun-Konstellation seitens solcher Menschen nur allzu verständlich. In der Beratungspraxis zeigt sich häufig, dass die heutzutage viel zu oberflächlich charakterisierende und aufgrund ihrer diagnostisch angelegten Breite (bzw. Ungenauigkeit) oft nur die Hilflosigkeit des Arztes/Therapeuten widerspiegelnde Diagnose des “Borderline-Syndroms (BPS)” übermäßig viele Saturn-Neptun-Menschen trifft. Es scheint, als sei diese medizinische Diagnose wie ein Eingeständnis der Unerklärbarkeit des Leidens des Patienten zu verstehen - aus astropsychologischer Sicht in dieser Weise seitens der sog. Wissenschaft durchaus stimmig. Denn: Die Borderline -Forschung weiß bis heute nichts von jener ursächlichen, biografisch nicht begründbaren, irrationalen Schuld, die diese Menschen eigentlich prägt. Andererseits scheint aber die BPS bei intensiver Betrachtung der ihr zugeordneten Symptome geradezu eine Sammelstelle für den Großteil aller überhaupt möglichen psychischen Störungen bzw. Erkrankungen des Menschen zu sein. Eine fundierte astrologische Beratung muss deshalb in diesen Fällen das Ziel haben, der Undurchschaubarkeit der Borderline-Diagnose/Ursache die Aussageklarheit der “Irrationalen, in der Biografie nicht begründeten Schuld” gegenüber zu stellen. Meine dbzgl. Beratungserfahrung lehrt mich, dass der daraus zu folgernde “bewusst selbst bestimmte Freispruch” für diese Menschen ein Therapeutikum von LEBENSWANDELNDER Bedeutung ist.
Es ist dabei zu beachten, dass ein weiteres, soz. parallel zur Schuld existierendes Geheimnis des Saturn-Neptun die SCHAM ist. Schuld und Scham gehören immer zusammen. Scham - was etymologisch soviel wie “Schande” bedeutet - entsteht hier aus der Erfahrung des immer wieder nicht gesehen und immer wieder nicht verstanden werdens - was subjektiv i.d.R. gefühlt wird wie “In die Verbannung geschickt” und objektiv z.B. seitens der “Wissenschaft” oft als “Borderline” tituliert wird. Eine Scham, die in Diensten ihrer großen Schwester - der Schuld - steht und die in diesen Diensten in entwicklungspsychologisch paradoxer aber um so akribischerer Weise dafür sorgt, dass man - wie das Rumpelstilzchen - nicht erkannt (und damit eben nicht einem selbst gewählten Freispruch zugeführt) wird. Schuld erzeugt hier Scham und Scham festigt Schuld. Diese “Unerkannt-Bleibenden” jedoch weinen dann das, was ich im Zusammenhang mit Saturn-Neptun die “Sandtränen” nenne - jene Tränen, die nicht fliessen können, weil sie trocken sind wie Sand. In Beratungen zeigt sich hier oftmals das Bild des “tränenlosen Leids”, welches mich immer erinnert an André Gide´s “La Symphonie pastorale” wo es heißt: “Ich wollte weinen, doch meine Augen waren trocken wie die Wüste”. Ebenso typisch ist auch die astromedizinische Saturn-Neptun-Analogie zu Morphium, denn unter Morphium stehende Patienten haben oft das Gefühl, “Sand in den Augen” zu haben.
Wenn man als Berater/in dieses immanente, irrationale Schuldgefühl des Klienten in Unkenntnis dieses entscheidend wichtigen Teils der Saturn-Neptun-Konstellation nicht erkennt, nährt man also auch die Scham in ihm. Und damit wiederum das Gefühl der Schuld. Denn hier haben wir es mit dem reinen Prinzip des Sündenbocks zu tun: Wer schuldig ist, muss büßen ... und muss sich schämen. Aus beraterischer Sicht gilt es also, die im Klienten unbewusst installierte und weit vor geschobene Schamgrenze (Grenze = engl. borderline) bewusst zu durchbrechen und ihm zu helfen, sich den selbst in die Augen gestreuten Sand wieder heraus zu wischen. Nur so kann es möglich werden, dass der Mensch den MUT entwickelt, sich endlich FREI zu sprechen von etwas, das ihn prägte, doch in Wirklichkeit nie existiert hat.
- Was dagegen immer war ist UNSCHULD ...
Peter-Johannes Hensel ist Autor der Astrovitalis-Software und des Astropolarity-Fernstudiums. Sein Ausbildungspaket besteht aus über 120 Lektionen, rund 300 Stunden Seminar-Mitschnitten, Workshop-Mitschnitten, Astromedizin-Buch, rund 250 Seiten Lehrmaterial,...
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