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Unbequeme Helfer: Wie wir zu unserem Aszendenten geführt werden
Friedrich Maier Systemische Astrologie
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Sonntag, 2. Dezember 2001, 11:08
Der Aszendent im Geburtshoroskop zeigt uns das zentrale Anliegen eines Menschen: die Kernaufgabe seiner Existenz. Er versinnbildlicht das „in die Materie gestürzte Prinzip“, hineinverzaubert in die körperliche Gestalt. Wobei das Schicksal uns hilft, diese Kraft zu entwickeln - indem es gegenläufige Prinzipien im Sinne der Aufgabe auf wundersame Weise „zur Ordnung ruft“.
Von Christa Hammer
Oft wird der Aszendent (AC) als Kraft beschrieben, die der Mensch weit in den Schatten geschoben hat, die er an sich nicht wahrhaben will. Und dennoch entwickelt diese Kraft eine eine Eigendynamik, die vom Augenblick der Geburt an wirkt und alles daran setzt, ans Licht zu kommen. Wie macht sie das? Sie schafft beiseite, was ihr im Wege steht. Und im Wege stehen ihr „Energien“, die sie zu konterkarrieren suchen.
Nehmen wir als Beispiel das Geburtshoroskop von Albert Schweitzer. Der berühmte Arzt von Lambarene/Afrika hat einen Waage-AC (siehe Abb.). Dieser Mensch tritt also in die Welt, angetrieben von einer Energie, die ausgleichen und objektivieren will, die in der Lage ist, beide Seiten zu sehen. Und sie will die Anliegen der „anderen“, der Gemeinschaft, zu ihrer eigenen machen. Ob der Horoskopeigner sich dessen bewusst ist, zu all dem Ja sagt, oder keine Ahnung von seiner Veranlagung hat, sie an sich vielleicht gar nicht erkennen kann, spielt für die Struktur des Horoskops keine Rolle. Dennoch ist sein Lebensplan so angelegt, dass die Kraft des Waage-AC zur Entfaltung kommt. Daher stoßen alle gegenläufigen Bedürfnisse (zunächst) auf Widerstand bzw. verursachen Problem. Was könnte die Entfaltung des Waage-AC erschweren oder gar verhindern? Vermutlich das gegenüberliegende Widder-Prinzip am Deszendenten (DC), ein zu starkes Bedürfnis, den eigenen Kopf durchzusetzen (falls dieses Bedürfnis nicht auf einen „Partner“ projiziert wird). Wie geht es Mars, dem Herrscher des DC? Leicht hat es dieser gewiss nicht; er steht zu Uranus und Saturn im Quadrat. Will der „Krieger“ hier sein Schwert ziehen, um sich zu behaupten, machen ihn Uranus nervös und Saturn zaudernd. Fast erscheint es, als ob mit Uranus und Saturn „Schicksalsmächte“ von Beginn an dafür sorgen, dass die Eigendurchsetzung nicht überbordet und nur genehmigt ist, wenn sie höheren Zielen dient...Mars wird quasi erzogen (Saturn) und auf soziale Ideen hin ausgerichtet (Uranus). So darf er aktiv werden, so „getrimmt“ stellt er keine Gefahr mehr dar für den Waage-AC, dessen Anliegen ja Frieden und Gerechtigkeit und eben nicht Krieg und Streit sind...
Weitere nur schwer mit einem Waage-AC zu vereinbaren sind Prinzipien, die im Quadrat dazu stehen: Krebs und Steinbock. Der Mond als Herrscher des Krebses ist die subjektive Kraft schlechthin. Sie befähigt dazu, sich den ganz persönlichen Bedürfnissen zuzuwenden, nach innen zu gehen und über „Eigenes“ zu reflektieren. Sie steht damit als seelische Kraft im Widerspruch zu der geistigen, luftigen, objektiven Kraft der Waage. Damit nun die ureigenen seelischen Wünsche nicht die Oberhand gewinnen, wurde Neptun gleich mit daneben gestellt. Dieser mag das subjektive Prinzip zunächst lähmen, doch er sensibilisiert zugleich den Mond dahingehend, dass er auch die Bedürfnisse der Allgemeinheit und der Schwachen (Neptun) wahrnimmt. Wie schon bei Mars, so erkennen wir auch hier eine „Schicksalsmacht“, eine überpersönliche Kraft (Neptun), die den Lebensweg des Horoskopeigners im Sinne des AC rigendwie reguliert.
Saturn als Herrscher des Steinbocks ist die Kraft der Strukturierung. Sie steht für die Fähigkeit, Grenzen zu erkennen, auch zu setzen, indem man „Nein“ sagt - womit sie erst einmal in Konflikt gerät zur Waage, die ja Offenheit und Kompromissfähigkeit einfordert. Hier hat Uranus in Opposition zu Saturn die Aufgabe übernommen, im Zweifelsfall zu viel Starrheit aufzubrechen und den Weg wieder freizumachen für die Anliegen des AC, nämlich Ausgleich und Harmonie.
Derartige Zusammenhänge lassen sich in jedem Horoskop erkennen. Sie erklären gewiss nicht alle schwierigen Konstellationen. Doch sie bewirken, dass sich Energien, die dem Anliegen des AC zuwiderlaufen, nicht ohne weiteres entfalten können. Gemeint sind hier vor allem die archetypischen Kräfte, die jeweils in Opposition oder im Quadrat zum AC stehen. So werden Sie in Horoskopen mit einem Krebs-AC häufig einen „schwierig gestellten“ Mars finden. Im Tierkreis steht Widder im Quadrat zu zu Krebs. Und so muss, wenn das ureigene Empfinden (Krebs) dämmern will, die aktive Selbstdurchsetzung (Widder/Mars) erst mal „Platz machen“.
Sehr oft übernehmen Saturn oder die transpersonalen Planeten Uranus, Neptun und Pluto die Aufgabe, im Sinne des AC für „Ordnung“ im Horoskop zu sorgen, indem sie Gegenstimmen zum AC zunächst in Schach halten oder schwächen - solange bis der Mensch diese Kräfte so weit entwickelt hat, dass sie nicht mehr stören (also real, erlöst und erwachsen leben kann und leben darf).
Oft finden sich dann (wie im Beispiel) herausfordernde, harte Aspekte zwischen persönlichen Planeten (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars) einerseits und Saturn und den transpersonalen Kräften andererseits - was die Entfaltung persönlicher Bedürfnisse in der ursprünglichen Art erst erstmal abbremst (bei Saturn), irritiert (bei Uranus), schwächt (bei Neptun) oder fremdbestimmt unterdrückt (bei Pluto). Derartige Konstellationen stellen den Horoskopeigner lange Zeit häufig vor nicht geringe Probleme: Er empfindet sie als frustrierend, als enttäuschend oder gar zerstörerisch (Pluto). Hier ist wichtig, den Gesamtzusammenhang des Horoskops zu erkennen und folgendes zu verstehen:
Frustrationen oder Enttäuschungen in Zusammenhang mit solch schwierigen Konstellationen hängen oft damit zusammen, dass der Mensch noch nicht bewusst zur Kraft seines AC steht. Hat er zum Beispiel einen Widder-AC, so ist er damit aufgefordert, sich durchzusetzen und zu behaupten in der Welt. Solange er diese Kraft aber nicht bewusst lebt, stattdessen von seinen venusischen Bedürfnissen geleitet wird und sich ganz daraufhin ausrichtet, endlich die ersehnte Liebe und Zuneigung zu bekommen, solange wird er mit ziemlicher Sicherheit immer wieder enttäuscht werden. Denn fatalerweise wird sich der Widder-AC dennoch durchsetzen und die gesuchte Harmonie zerstören... (eine „schwierig“ gestellte Venus im Sinne des Widder-AC wäre hier zu vermuten).
Doch zum Glück muss es nicht bei solchen Schwierigkeiten bleiben! Auch der Mensch mit Widder-AC braucht keineswegs auf Liebe und Harmonie zu verzichten! Entscheidend ist jedoch, dass er erst einmal für sich die Kraft seines AC erkennt, sie bejaht und alles daran setzt, ihr bewusst und im entzauberten Sinne Ausdruck zu verhelfen. Er wird dann darüber hinaus ganz sicher auch seinen individuellen Weg finden, alle anderen Bedürfnisse (beispielsweise die erwähnten Venus-Bedürfnisse) und Anlagen ebenfalls zu leben. Vielleicht auf ungewöhnliche Art und Weise. Doch diese Bedürfnisse werden sich in der Form und in dem Maße verwirklichen lassen, die ihm und seiner Entwicklung gemäß sind.
Schon diese relativ einfachen strukturellen Zusammenhänge im Horoskop lassen ahnen, dass das, was der Horoskopeigner möglicherweise zunächst als große Hürden in seinem Leben empfindet, ihm eigentlich helfen will, sich bewusst zu werden darüber, wer und was er ist!
Anders ausgedrückt: Der Mensch wird, von unbewussten Kräften gesteuert, überall dort anecken, wo er von seinem Weg abkommt - solange, bis er zu sich gefunden hat und sich voll und ganz lebt.
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Christa Hammer ist geprüfte Astrologin DAV und Leiterin des DAV Ausbildungszentrums Würzburg. In ihrem Institut für Astrologie & Symbolik bietet sie Kurse, Beratungen und Einzelunterricht an.
Kontakt: Christa Hammer, Simon-Breu-Str. 37, D-97074 Würzburg, Tel: 0931/73 773
Quote:
„Der Mensch wird, von einer noch unbewussten Kraft gesteuert, überall dort anecken, wo er von seinem Weg abkommt - so lange, bis er zu sich gefunden hat“
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