Astrologie | Astrologie & Kunst
Filmkritik "Die Prophezeiung"
Jürgen G. H. Hoppmann
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Samstag, 2. Dezember 2000, 18:44
Die Prophezeiung
Astrologie und Christentum aus der Sichtweise Hollywoods
von Jürgen G.H. Hoppmann (www.go.to/screenwriters)
Nein, dieser Film sei keine Propaganda der USA zur Vorbereitung eines neuen, christlichen Kreuzzugs gegen die Ungläubigen. Der hier dargestellte Kampf Gut gegen Böse sei nicht politisch zu verstehen, sondern psychologisch. Jeder von uns habe doch Licht und Schatten in seiner Seele. Wir wäre halt polare Wesen. Auch würde er mit der im Film mit linksgewendetem Neptun-Dreizack ausstaffierte, astrologisch-verbrämte Satanismus-Sekte nicht direkt auf die Aktivitäten der Scientology-Sekte abziehen. Es gehe nur um das Phänomen von Sektenmacht an sich.
Regisseur Chuck Russel weiß bei der Deutschland-Premiere seines neuesten Films „Die Prophezeiung“ (OT: Bless the Child) geschickt allen brenzligen Fragen auszuweichen. Und er hört sie nicht zum ersten Mal. Aber es sei halt nur ein Film, Hollywood halt. Und was das betrifft , muß man ihm recht geben! Russel hat Cathy Cash Spellmans Treatment durch ein Team von drei Drehbuchautoren dramaturgisch gekonnt umsetzen lassen und sich viel Mühe mit dem Casting gegeben. Auch sind die Spezialeffekte ausnahmsweise mal dem Plot untergeordnet. Wenn die Zuschauer auf der Leinwand Dämonen und Engel sehen, dann ist ihr Erscheinen bereits gründlich auf der emotionalen Ebene vorbereitet.
Mit der Astro-Logik schien es hingegen in der Geschichte ein wenig zu hapern: Es geht um einen teuflischen Ritualmörder, der zur Jahrtausendwende sechsjährige Kinder umbringt. Ihn interessieren alle mit dem Geburtsdatum 16.12.1993, als erstmalig sein 2000 Jahren der Weihnachtsstern wieder geleuchtet haben soll. Unter ihnen soll der neue Messias sein, so die Prophezeiung. Astrologen würden entgegnen, daß es sich bei Christi Geburt um eine Jupiter-Saturn-Konjunktion gehandelt hat, die sich gewöhnlich alle 20 Jahre wiederholt. Und 1993 war bestimmt nicht solch ein Jahr! Aber es ist halt Hollywood und nicht Bethlehem. Was bleibt? Ein sehr stark das Gefühl anregender Film über Christentum und Sternendeuterei. Und er fromme Wunsch, daß die Götter des Film-Olymps das nächste Mal mit leibhaftigen Astrologen zusammenarbeiten mögen.
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