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Das Kybernetische Modell: Der erste Regelkreis, die persönliche Wirklichkeit
Christopher A. Weidner
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Donnerstag, 20. Dezember 2001, 10:19
TEIL 4
Der erste Regelkreis: Die persönliche Wirklichkeit
Der erste Regelkreis ist der wichtigste überhaupt: gut 70% der Deutung kann von ihm abhängig gemacht werden. Roscher schreibt dazu: "Nichts beschreibt unsere persönliche Welt intimer und genauer als der erste Regelkreis. Oft sind uns seine Aussagen so nahe, daß wir sie gar nicht mehr wahrnehmen, wir uns gar nicht vorstellen können, daß man auch anders empfinden oder handeln könnte." Die Inhalte der restlichen Regelkreise sind im Vergleich zu seiner Bedeutung lediglich "Feinschliff" - der erste Regelkreis "thront" über allen anderen: er ist der Schlüssel zur Entwicklung unserer Persönlichkeit; hier muß die Reise durch das Horoskop eines Menschen beginnen.
Mond, Merkur und Sonne bilden das Trio der persönlichen Planeten: die Kombination aus diesen drei Faktoren legt den Grundstein für das, was man die ganz individuelle Art, sich eine Wirklichkeit aufzubauen, nennen könnte:
Der Mond ist zuständig für die Aufnahme aller Eindrücke, die ununterbrochen auf uns einströmen. Wenn er nicht wäre, würden wir in dieser Flut an Reizen und Signalen förmlich ertrinken, denn er filtert wie eine getönte Brille ein ganz bestimmtes Spektrum aus dieser Fülle, trifft eine Vorauswahl und legt damit fest, was überhaupt für uns Bedeutung besitzt und welche Eindrücke zu Bausteinen unserer Wirklichkeit werden können.
Merkur hingegen verarbeitet diese Eindrücke zu sinnvollen Informationen: er sortiert das ankommende Material und entscheidet, was davon im Augenblick Verwendung finden soll und was nicht. Dazu steht ihm das gesamte Netz archivierter Erfahrungen zur Verfügung, mit denen er die Eindrücke vergleicht und ihnen Bedeutungen zuweist. Indem Merkur bekannte Informationen mit neuen Eindrücken verbindet, ermöglicht er überhaupt, uns auch in unbekannten Situationen zurechtzufinden und die passende Antwort auf sich verändernde Umweltbedingungen zu geben.
Diese Antwort verkörpert die Sonne: sie münzt das Erfahrene in eine Äußerung um, seien dies Gefühle, Handlungen, Gedanken usw. und drückt ihm ihren typischen Stempel auf. Für uns und für unsere Umwelt ist sie der sichtbare Teil der Persönlichkeit, mit dem wir uns identifizieren. Jeder Ausdruck unserer Persönlichkeit aber bewirkt wiederum eine Veränderung der ursprünglichen Ausgangsbedingungen. Damit schließt sich der Kreis, denn diese werden wieder vom Mond als Eindrücke aufgenommen usw.
Ein Beispiel mag dies illustrieren:
Sie haben Durst und möchten trinken. Mond ist dafür zuständig, daß Sie das Empfinden von Durstigkeit überhaupt in sich wahrnehmen können. Dabei erhält Mond nicht so sehr einen spezifischen Impuls: "Ich habe Durst", sondern er nimmt eher eine Veränderung im allgemeinen Grundgefühl wahr, eine Abweichung vom Normalzustand oder einen Mangel. Dies leitet er mit allen Symptomen und Begleitumständen (z.B. daß Sie sich gerade in ihrer Küche befinden und nicht in der Wüste) an Merkur weiter - und erst dieser erkennt, daß es sich um Durst handelt: dies hat er durch Vergleiche mit ihrem inneren Empfindungs-"Archiv" ermittelt. Zugleich sucht er nach geeigneten Strategien, diesen Mangelzustand wieder ins Lot zu bringen. Auch hier hilft ihm der Zugriff auf sämtliche Erfahrungen und positive Strategien, die sie bereits gespeichert haben, um den geeignetsten Weg zu finden. Schließlich leitet er die beste Lösung an die Sonne weiter: diese öffnet den Kühlschrank und sucht nach etwas Trinkbarem. Jetzt übernimmt der Mond erneut das Ruder und sondiert gewissermaßen die Inhalte und fügt ihre persönlichen Präferenzen hinzu (etwas nicht so Süßes, kein Alkohol etc.), Merkur analysiert sie und gibt den aktuell besten Tipp ab, und Sonne greift zu etc.
Die folgenden Teile werden in den nächsten Wochen
veröffentlicht.
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Der Strom des Erlebens (Teil 1)
Eine Insel der Ordnung (Teil 2)
Das Kybernetische Modell (Teil 3)
Der erste Regelkreis (Teil 4)
Der zweite Regelkreis (Teil 5)
Der dritte Regelkreis (Teil 6)
Der Abyssos (Teil 7)
Der vierte Regelkreis (Teil 8)
Regelkreise und Quadranten (Teil 9)
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