Astrologie | Astrologie Grundwissen
Löwe
Claus Riemann
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Montag, 11. September 2000, 21:07
Eine ausführliche Beschreibung des Tierkreiszeichen Löwe.
Im Hochsommer durchläuft die Sonne den Himmelsabschnitt Löwe; die Hochstimmung der Natur hat ihre Entsprechung in der Lebensfreude des Südländers. Gott hat uns die Welt nicht gegeben, damit wir ihr entsagen, sondern damit wir sie feiern. Lasst uns sein, wie die Sonne am Mittag, total in allem, was wir tun! Alles geben die Götter ihren Lieblingen ganz: alle Freuden, die unendlichen, und alle Leiden, die unendlichen. Man ist hier geboren mit einer tiefen Ahnung seines wahren Wesens, der inneren Christus- oder Buddhanatur, des göttlichen Funkens, des Lichtwesens in einem. Welchen Namen man diesem inneren Sonnenwesen gibt, ist zweitrangig. Wichtig ist allein, dass man niemals die Achtung vor sich selbst verliert, das Bewusstsein, dass man als König bzw. als Königin geboren ist, und dass man aus einem tiefen und eindeutigen Ja zu sich selbst heraus lebt. Und: die innere Würde des Sonnenmenschen ist nicht wirklich abhängig von äußerem Glanz, von äußerer Pracht; sie entspricht vielmehr einer inneren Haltung: ein echter Löwe lacht wie ein König und weint wie ein König, er lebt wie ein König und stirbt wie ein König - und nicht wie ein Bettler. Dabei ist es egal, ob er in einem Schloss oder in einer Hütte lebt oder gar auf der Straße. Die Herrscherin dieses Tierkreiszeichens ist die Sonne. Auf der Körperebene entsprechen der Sonne das Herz und das Auge. Goethes Worte fallen einem ein: "Wär nicht das Auge sonnenhaft, nie könnt die Sonne es erblicken". In ihrer besten Art sind Löwe-Augen leuchtende, lebendige Augen, die Lebenskraft und Lebensfreude ausstrahlen; sie sind das Fenster des Herzens, dem Motor des Lebens, dem zentralen Sitz der Lebenskraft und des Lebensmutes. Nicht die verstehenden Mutteraugen und das liebende Mutterherz sind hier gemeint, wie bei Krebs, sondern der Weitblick und die vorantreibende Zuversicht und Kraft des Vaters. Ging es unter dem Zeichen des Mondes darum, eine ererbte Welt dankbar anzunehmen und sich in diese fühlend und verstehend einzuwohnen, so geht es unter dem Zeichen der Sonne um die bewusst gewollte Neu- und Weitergestaltung derselben. Wollte man sich für einen Moment als Löwe fühlen, so könnte man sich einfach vorstellen, die Sonne zu sein. Man würde unerschöpfliche Energien und Kräfte in sich spüren, sich gewissermaßen unsterblich fühlen. Weiterhin würde man ein selbstverständliches Gefühl von Bedeutsamkeit empfinden: man thront in der Mitte und die Planeten umkreisen einen ehrerbietend. Diese Art von selbstzentrierter Sichtweise liegt dem Weltverständnis des Löwe-Menschen zugrunde; seine Aufgabe ist es, durch seine Herzensenergie Kraft, Licht und Lebendigkeit in die Welt zu bringen; seine Botschaft an den Menschen lautet: "lebe, liebe, lache! Öffne Dein Herz, die Welt ist voller Liebe!" Im Rider-Waite-Tarot bringt die Karte "Die Sonne" diesen Zustand zum Ausdruck. Man sieht darauf ein unbekleidetes Kind, das mit weit ausgebreiteten Armen dem Betrachter der Karte auf einem Schimmel entgegenreitet, als wolle es die ganze Welt umarmen. Dieses Kind strahlt Sicherheit und Vertrauen aus: mir kann nichts passieren! Mit dieser Anlage ist man im Zeichen Löwe geboren. Dass einem diese Naivität oft schmerzhaft ausgetrieben wird, ist klar. Und doch ist es keine Lösung zum Taktiker und Strategen zu werden; denn man opferte dadurch seine wahre Stärke: sich jederzeit mutig und offen zu sich selbst zu bekennen, ohne dabei dauernd auf mögliche Reaktionen im Umfeld zu achten. Jeder Mensch hat Anteil an dieser unbesiegbaren Urlebenskraft; sie wird in seinem Horoskop durch die Sonne symbolisiert. Je nachdem, in welchem Zeichen die Sonne steht, ist dieses Kraftpotential zum Beispiel bei Stier eventuell mit einem persönlichen Standpunkt, den man verteidigt, oder bei Zwilling wahrscheinlich mit Intelligenz und/oder Bildung verknüpft.
Bei Löwe bezieht sich dieses Kraftpotential unabhängig von irgendwas direkt auf das "Ich bin". Als Löwe fühlt man sich als die Quelle des Seins, da ist man völlig autark. Damit kommen andere Menschen oft schwer zurecht; sie beschuldigen den Löwen als gefühlslosen, ich-zentrierten Egoisten. Auf manche Löwen mag das auch zutreffen, aber das Löwe-Grundgefühl kennt keine Abhängigkeit, es ist die Offenbarung des bedingungslosen "Ich bin" ohne Wenn und Aber. Unsere Gesellschaft könnte nicht bestehen ohne Menschen dieses Typs, ebenso wenig wie unser Sonnenkosmos weiterbestehen könnte, wenn die Sonne eines Tages das Bedürfnis bekäme, einen anderen Standpunkt einzunehmen oder sich irgendwo anzulehnen. Die Planeten brauchen ein Zentrum, um das sie kreisen können; der Sonne gereicht das sicher zur Ehre, aber abhängig ist sie davon nicht. Das Zeichen Löwe vermittelt das Gefühl absoluter Unabhängigkeit: ich bin aus eigener Kraft. Auch das Bild des Kindes ist eine Betrachtung wert; wir hatten es ja schon bei den Tierkreiszeichen Widder und Krebs. Aus der Widderperspektive betrachtet symbolisiert das Kind Unerfahrenheit und Unschuld, aus der des Krebses Prägung durch und Abhängigkeit von den Eltern und aus der Löweperspektive die göttliche Abstammung, das Gotteskind. Es handelt sich dabei nicht um das Kind, das man einmal war, obwohl das mit eine Rolle spielt, sondern um das archetypische Bild des Kindes, wie es zu jeder Zeit im Leben eines Menschen zum Beispiel in Träumen auftauchen kann. Nach C.G. Jung ist das Kind eine Ausdrucksform des Selbst. Er unterscheidet dabei einen Vergangenheitszustand und einen Zukunftscharakter des Kinderarchetypus. In der Funktion des Vergangenen sorgt der Archetyp für Kontinuität des Werdens, er sorgt dafür, dass die Rückbindung gewahrt bleibt; denn: das differenzierte Bewusstsein ist immer von Entwurzelung bedroht, weshalb es der Kompensation durch den noch vorhandenen Kindheitszustand bedarf. Im Horoskop ist diese Tendenz durch das Tierkreiszeichen Krebs, durch das vierte Haus und durch den Mond vertreten. In der Zukunftsfunktion kündet der Archetyp kreatives Wachstum an, im Horoskop wiedergespiegelt durch das Zeichen Löwe, die Sonne und das fünfte Haus. In enger Verknüpfung mit dem Kind-Archetypus sind der Vater- und der Mutterarchetypus zu sehen. Der Vater-Archetypus steht in Verbindung mit Löwe und Sonne, ebenso wie der Mutter-Archetypus mit Krebs und Mond korreliert. Vater und Mutter, Sonne und Mond bilden eine Einheit, für sich allein ist jedes unfruchtbar. So wie in der Menschheitsentwicklung das Bewusstsein sich aus dem Unbewussten herausbildete, wie im Einzelschicksal der erwachsene Mensch sich immer aus dem Kind entwickelt, so spiegelt sich dieser Umstand auch in der Abfolge der Tierkreiszeichen, welche alles andere als beliebig ist, wider. Ohne die verstehende Erfahrung der Krebsweisheit kann sich das Löwehafte nicht zum Nutzen des Ganzen in den Kreis einordnen.
Wir wollen an dieser Stelle nochmals das Märchen "Der Königssohn, der sich vor nichts fürchtet" betrachten, das starke Motive aus jedem der drei Feuerzeichen, Widder, Löwe und Schütze enthält. Der Königssohn verlässt seines Vaters Haus, gelangt nach einiger Zeit vor das Haus eines Riesen, mit dessen Kegeln er ganz respektlos spielt, bis der Riese aufwacht und ihn zur Rede stellt. "Ich kann alles, wozu ich Lust habe" ist seine Antwort, als der Riese ihn auf die Kegel anspricht. Daraufhin trägt der Riese ihm auf, für seine Braut einen Apfel vom Baum des Lebens zu holen, mit dem Hinweis, dass das noch keiner geschafft habe. "Mir wird es schon gelingen" sagt der Held siegessicher und zieht los. Er schafft das schier Unmögliche tatsächlich, holt nicht nur den Apfel, sondern bekommt auch noch einen Ring, der ihm Zauberkraft verleiht, sowie einen Löwen als Begleiter. Zurück beim Riesen möchte der ihm den Ring abnehmen und, als im Kampf keiner gewinnen kann, überlistet dieser den Helden, "der von Falschheit nichts wusste", und sticht ihm schließlich die Augen aus. Nur durch die Hilfe des Löwen überlebt der Königssohn und bekommt später durch das Wasser des Lebens sein Augenlicht wieder. Dann begegnet er, wie bereits im Kapitel über Widder besprochen, der wunderschönen Prinzessin, deren Hilfeersuchen er mit den Worten "mit Gottes Hilfe will ich's versuchen" beantwortet. Im Mittelteil des Märchens wird der Königssohn, "der von Falschheit nichts wusste", vom Riesen überlistet und geblendet. Hier begegnet uns die typische Naivität des Löwe-Helden, der nur die Sonne kennt, in dessen Bewusstsein es nichts Dunkles und Böses, im Grunde neben der Sonne nichts mehr gibt, was irgendwie von Bedeutung wäre; in seiner Sonnenwelt existiert zunächst kein Bewusstsein der Schattenseite des Lebens, deshalb ist er wie vor den Kopf geschlagen, als ihm Intrige, Hinterlist und dunkle Machenschaft begegnen. Diese sonnen-, d.h. ich-bezogene, Haltung, die Ausdruck der Kraft des eigenen Willens ist, die nur aus dem wollenden Denken besteht, ist, wie man im Märchen sieht, sehr gefährlich, da ihr alle warnenden Instinkte fehlen. Helmut Remmler meint dazu: "Der Königssohn muss also auch mit dem Herzen, mit dem Gefühl, sehen lernen. Fühlen ist eine urteilende Funktion, mit der ich eine Situation hinsichtlich ihres Wertes beurteile, und gerade das konnte der Königssohn bisher noch nicht... Erst wenn das Fühlen das verstandesmäßige Erkennen und die Urteilsbildung durchdringt und mitträgt, können wir zu einer reiferen Erkenntnis und zu einer abgerundeten Urteilsbildung in einer bestimmten Situation kommen."
Astrologisch gesehen kann man sagen, dass das Mondprinzip nicht gesund ist, solange es den Übergang zur Sonnenwelt nicht bewerkstelligen kann, und dass es kein gesundes Sonnenprinzip geben kann, das die Mondwelt nicht integriert hat. Die Astrologie lehrt uns, dass der Mensch in der ersten Lebenshälfte mehr sein Mondprinzip lebt, er ist Kind seiner Eltern und erfährt sich in Abhängigkeit von seiner Umwelt. In der Mitte des Lebens, das ist natürlich für jeden einzelnen ein anderer Zeitpunkt, aber im allgemeinen ist das so um die vierzig, kommt ein entscheidender Wendepunkt; der Mensch hat dann genug Substanz, um sein "Eigentliches" hervorzukehren. Die eigene innere Sonne zeigt sich in ihrer Einmaligkeit. Dieser Schritt erfordert viel Kraft und viel Mut; denn es ist der Schritt in die innere Unabhängigkeit und damit auch ein Schritt in die Einsamkeit. Es gibt den Spruch "beim Sterben ist jeder allein"; auch die Selbstwerdung beinhaltet einen Tod; man stirbt als Kind seiner Eltern, als Kind dieser Gesellschaft und das ist eine sehr einsame Angelegenheit, die in der Umwelt wenig Unterstützung findet.
Eigentlich kann dieser Schritt nur auf eine gute Art gelingen, wenn die Bindung an das Mondprinzip, an die Mutter, an die Eltern, an Umwelt und Gesellschaft gelungen waren; nur dann ist der Schritt in die Sonnenwelt des Väterlichen, in die Einmaligkeit des "Ich-Selbst" auf eine gute Art möglich. Der Satz: "ich kann alles, wozu ich Lust habe" ist dem Feuer-Menschen in die Wiege gelegt; mit Zuversicht, Siegesgewissheit und Vertrauen in die eigene Kraft geht er seinen Weg. Diese Haltung ist die Voraussetzung für das Gelingen großer Unternehmungen. Und doch ist im Laufe des Lebens zu lernen, dass der Ursprung dieser Kraft nicht im Ich, sondern im Selbst beheimatet ist - anders ausgedrückt: der kleine Eigenwille muss überwunden werden, damit man sich als Kanal für einen höheren, göttlichen Willen begreifen lernt. "Mit Gottes Hilfe will ich es versuchen", dieser Ausspruch zeigt einen gewandelten Helden, der Anschluss gefunden hat an eine transpersonale Kraft, aus der Sicht der Jung'schen Psychologie eben die Kraft, die aus dem Selbst kommt. Damit diese Wandlung sich vollziehen kann, muß das naive Ich-kann-alles-Konzept einen schmerzhaften Tod sterben, eine fundamentale Ohnmachtserfahrung durchleben, ausgedrückt durch die Ohnmachtserfahrung des geblendeten Königssohns. Helmut Remmler deutet diese Entwicklungsphase als die Krise der Lebensmitte: "Mit vierzig fängt das Leben an" lautet sein Untertitel für das Königssohn-Buch.
In der Realität kann diese Erfahrung durch Krankheit, Todesbegegnung, Ende einer langen Beziehung, beruflichen Karriereknick usw. in Erscheinung treten. Nicht jeder ist jedoch so gelehrig, wie der Königssohn. Es gibt eine Unzahl gekränkter, verbitterter Löwen, die sich vom Leben beleidigt und betrogen fühlen, und aus gekränktem Stolz heraus auch um sich herum kein Lachen und keine Lebendigkeit ertragen können.
Kollektive Aspekte des Sonnen- bzw. Löweprinzips sind heute aus zwei Gründen besonders interessant. Zum einen ist das Prinzip des Königs, des patriarchalen Herrschers zur Zeit alles andere als gefragt, da dieses lange Zeit ein derartiges Übergewicht hatte, dass die matriarchale Gegenbewegung nicht ausbleiben konnte. Zum anderen leben wir am Anfang des Wassermann-Zeitalters, und dies ist das Gegenprinzip zu Löwe. Das Löweprinzip und seine Vertreter haben heute schlechte Karten. So wird teilweise übersehen, dass der Patriarch sehr wohl schützende und nährende und nicht nur unterdrückende und destruktive Aspekte hatte und hat. Und, bei aller Vision von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in der großen Menschheitsfamilie (Wassermann), der Ausdruck persönlicher Macht einer bedeutsamen Persönlichkeit kann viel Positives bewegen und ist nicht primär zu verurteilen. Man kann das Löwe-Prinzip nicht aus dem Kosmos aussperren, da es dadurch ja nicht verschwindet, sondern lediglich destruktiv wird und im Verborgenen wie eine subtile, unsichtbare Krankheit nicht leben lässt, was ihm feindlich geworden ist. Wassermännische Anarchie hat grundsätzlich genauso viel für sich wie Hierarchie oder Zentralismus, aber so wichtig es ist, dass tyrannische Despoten und hierarchische Systeme wie Apartheit verschwinden, so groß ist auch die Gefahr des Chaos, siehe Sowjetunion. Symbolisch gesehen sind die Grünen eine Wassermann-Partei, entstanden aus dem und getragen vom Zeitgeist; sie geben sich besonders viel Mühe, das Löwe-Prinzip wegzurotieren. Was dabei herauskommt ist, dass sich das Sonnenprinzip eine neue Maske zulegen muss: wer am glaubhaftesten versichern kann, keine persönliche Macht zu wollen, bekommt sie bestimmt; gefährlich wird's, wenn die Macht auf diesem Wege in die Hände derjenigen kommt, die sie nicht lieben und daher auch nur schlecht mit ihr umgehen können. Die vaterlose Gesellschaft (Mitscherlich) und auch die große Problematik von uns Deutschen mit der Nazivergangenheit unserer Väter sind Sonnenprobleme. Väterliche Autorität wird primär misstrauisch beäugt, oft einfach nicht mehr ernst genommen, betreffe es nun den Lehrer in der Schule oder den Vater Staat und seine Organe, vor allem die Polizei.
Wenn das Sonnenprinzip des Königs zu sehr verachtet wird, besteht die Gefahr, dass es sich rächt, z.B. in der destruktiven Form neuer faschistoider Bewegungen. Die antiautoritäre Bewegung ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Das königliche Löwe-Prinzip sowohl individuell, wie auch kollektiv nicht abzuspalten, sondern es auf zeitgemäße Art neu zu entdecken, das ist heute eine große Herausforderung. Das müsste dann ein König sein, selbstbewusst und doch brüderlich, und ohne Angst vor dem Weiblichen.
Familien- und Beziehungssystem
Das Löwe-Familiensystem - idealtypisch gesehen - ist ein Königshof mit streng hierarchischer Organisation: König und Königin (Vater und Mutter) werden von ihren Untertanen (Kindern) mit Achtung und Ehrfurcht behandelt, vielleicht sogar mit "Sie" angeredet. Der Lebensstil ist großzügig, LEBEN wird großgeschrieben, aber bei aller Lebenslust ist man sich der Ehre bewusst, gerade in dieser Familie zu leben, besser gesagt, leben zu dürfen. Und: Adel verpflichtet. Das kann aber genauso gut der stolze Bauer, Arbeiter oder Beamte sein; denn Königsschlösser gibt es nun mal nicht so viele, wie es Löwen gibt. Aber in der echten Löwefamilie wird ein jeder stolz seine Zugehörigkeit bejahen. Allerdings darf hier keiner der Familie Schande bereiten; den familiären Sonnenstolz zu beleidigen, wodurch auch immer das im Einzelfall geschehen mag, ist das schlimmste Vergehen. Stärke, Kraft und Selbstbewusstsein werden von jedem einzelnen Familienmitglied erwartet, Helden und Amazonen sind willkommen, nicht aber bescheidene, zurückhaltende, sensible und ängstliche Charaktere, die man in dieser Familie eher als "Schwächlinge" bedauern oder gar verachten würde.
Die Botschaft dieser Familie, "sei glücklich, sei erfolgreich, sei berühmt und geachtet!", ist für Feuer-Menschen ein Segen, für Wasser-Menschen aber oft eher ein Fluch. Ein anderes Problem bei Löwe ist, dass man mit einer unsichtbaren Krone auf die Welt kommt, mit der Erwartung, wenn ich geboren werde, geht die Sonne auf und die Familie kann froh sein, dass ich da bin. Leider gibt es auch beim Löwe-Geborenen die Situation vom unerwünschten Kind oder den Buben, der eigentlich ein Mädchen hätte sein sollen oder es gibt in dieser Familie keinen Königsthron oder nur einen, der bereits besetzt ist, dann versteht das Löwe-Kind die Welt zuerst überhaupt nicht mehr: "wieso lieben die mich nicht so wie ich bin?" Natürlich möchte jedes Kind so geliebt werden, wie es ist, aber von der Erwartung her ist diese Thematik beim Löwen besonders stark und daher die daraus resultierende Verletzung besonders groß.
Auf der anderen Seite haben Löwe-Eltern oft das Gefühl: "ohne mich geht's nicht", d.h. wenn ich nicht wäre, wären die Kinder nicht lebensfähig; denn wenn man als Sonne mit seinen Strahlen nicht mehr da ist, dann gibt es kein Leben mehr auf der Erde. Oft ist es eine sehr große Enttäuschung und Verunsicherung, aber auch etwas, das sehr erleichtern kann, wenn ein Löwe merkt, dass es auch ohne ihn geht. Die helle Seite von Löwe-Eltern ist, dass sie ihr Kind als ein wunderbares Wesen, als ein göttliches Geschenk betrachten und ein unbedingtes Ja zu seiner Lebendigkeit ausstrahlen. Die dunkle Seite ist, dass fast immer die unbewusste Botschaft gegeben wird: "sei wie ich, mach's wie ich!" Der naive Löwe glaubt zu wissen, was für den anderen gut ist, und so wird oft mit den besten Absichten die Natur eines Kindes niedergebügelt. Als Löwe merkt man oft gar nicht, dass für das Kind etwas ganz anderes gut sein kann, als für einen selbst und dass das Kind in einer Welt lebt, die total verschieden ist von der seiner Eltern.
Eine Alltagssituation, in der die eigene Welt zum Maßstab der Welt des anderen gemacht wird, ist etwa die folgende: ein Löwe steigt mit seinem Kind einen steilen Berg hinauf und nach einiger Zeit sagt das Kind: "ich kann nicht mehr, ich bin müde!" Der Vater, der vorneweg gestiefelt ist, dreht sich um und sagt: "du bist nicht müde!" Beziehungen, in denen das Löwethema herrscht, können verschiedene Gesichter haben. Die helle Seite zeigt ein strahlendes Paar, einen Prinzen und eine Prinzessin, die bereit sind, ihre Liebe total und lebendig zu leben, die Fülle des Moments jederzeit voll zu genießen. Die Grundlage dafür bietet ein bedingungsloses und freudiges Ja zum anderen und zu sich selbst. Die Einstellung zur Beziehung lautet: "ich bin o.k. und Du bist o.k.!". Aus tiefem Wissen um den Lichtkern des geliebten Menschen, wird man an ihn glauben, ihn fördern und seine besten und hellsten Potentiale zu Tage bringen. Ein echtes "ich will, dass Du glücklich bist, dass Du lebst mit allem, was Du bist!" ist wichtiger als kleinliche Treueschwüre und Sicherheitsgarantien jedweder Art. Vertrauen heißt hier: in die kreative Lebendigkeit des Partners zu vertrauen, in seine Individualität und seine Lebenskraft. Man ist so zentriert in sich selbst, lebt aus einem so tiefen Ja zu sich selbst, dass man auch den Partner als eigenständiges Sonnenwesen mit seinem inneren Gesetz achtet und liebt. Aber mag man auch von ganzem Herzen lieben, so verliert man doch niemals seine Identität dabei oder wird sich selbst untreu. Jeder bleibt in seinem inneren Reich König oder Königin und kann sich hingeben, ohne sich zu verlieren. Man lebt und liebt wie die Sonne: total und verschwenderisch; es gibt keine Kosten-Nutzen-Rechnung; das Herz allein entscheidet. Die dunkle Seite drückt eine Fabel sehr gut aus: der stolze Pfau wird gefragt, warum er denn die unscheinbare Henne geheiratet habe. Seine Antwort darauf lautet folgendermaßen: "ich und meine Frau lieben mich bis zum Wahnsinn". Hier wird Liebe zur narzistischen Selbstbestätigung durch den Partner; einer/eine ist die Sonne, der/die andere der um sie kreisende Trabant. Die Eigenart des Partners wird großzügig übersehen; er soll für einen da sein, nicht als sorgende Mutter, wie bei Krebs, sondern als Lieferant von Streichel- und Schmeicheleinheiten für das Ego. Außerdem kann der Partner eh froh sein, dass er einen hat; er soll erst mal einen Besseren oder eine Bessere finden. Klar ist auch, wer Schuld daran hat, wenn etwas schief geht. Wer an der Sonne herumkritisiert, ist von vorneherein im Unrecht; wenn der andere nicht merkt, dass man ein göttliches Wesen ist, dann kann irgendetwas mit ihm nicht stimmen. Man setzt voraus, dass der andere so denkt, so fühlt und so handelt, wie's offensichtlich am Naheliegendsten und am Besten ist, nämlich so, wie man selbst das machen würde. Wenn jemand eine Sache auf eine dem Löwe-Menschen nicht vertraute Art angeht, dann kann man diesen ganz perplex ausrufen hören: "ja gibt's das auch!", da er sich nämlich nicht vorstellen kann, dass es jenseits seines Horizontes noch was Erwähnenswertes gibt. "SEI WIE ICH!" - diese Botschaft findet sich, bewusst oder unbewusst, in vielen löwegefärbten Beziehungssystemen, sei's nun Familie, Partnerschaft oder Freundschaft.
Die Planeten, die die Sonne umkreisen, sehen die Welt immer wieder einmal aus einer anderen Perspektive, erfahren verschiedene Gesichtspunkte, die Sonne erlebt ihre Welt immer vom selben Standpunkt aus: aus selbstzentrierter Sonnenperspektive gibt es eben nur die EINE Weltsicht. Erst der Gegenpol Wassermann lehrt, dass jeder in solch einer Sonnenwelt lebt und, dass alle diese Welten gleichwertig sind. Wird diese Lektion nicht gelernt, so bleibt der Löwe in seiner naiven Egozentrik gefangen, bleibt blind für die Welt seiner Mitmenschen und entwickelt sich allmählich zum einsamen, unverstandenen und ewig gekränkten Pascha oder zur schmollenden Prinzessin.
Als Mann wird man unter Umständen auch zum patriarchalen Herrscher, der sich von seiner Frau die Karriereschuhe putzen lässt, ohne einen Funken von Dankbarkeit zu empfinden. Als Frau entwickelt man sich vielleicht zur Prinzessin, die ewig auf der Suche nach der nächsten Erbse ist, abhängig von Huldigungen kastrierter Muttersöhne: "sie sehen stolz und unzufrieden aus - gewiss sind sie aus einem vornehmen Haus".
Gemäß den Strukturformen der weiblichen und männlichen Psyche haben wir es hier, wie bei Widder, mit Amazone und Held zu tun. Es geht weniger darum, sich um die gegenseitige Psyche zu kümmern, als vielmehr draußen in der Welt ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Die Löwe-Wärme ist eine, die wie die Sonne ist, die ausstrahlt. Man kann sich in die Sonne legen und die Sonne genießen, aber der Sonne ist das egal, ob man da liegt oder nicht. Wie's in einem aussieht und wie's einem geht, das bleibt der Sonne fremd. So ist auch die Löwe-Beziehung: man kann bei den Löwe-Menschen an ihrem Lebensmut, ihrer Lebensfreude und ihrer Lebenskraft teilhaben, und, wenn es echte Löwen sind, dann wird es einem gut gehen in ihrer Umgebung; denn da ist etwas, das das Herz aufmacht und mit Freude und Zuversicht zu tun hat. Und zugleich wird es einem oft so gehen, daß man das Gefühl hat: dieses Fest könnte genauso gut ohne mich stattfinden, hier bin ich nur Statist, der jederzeit durch jemand anderen ersetzt werden könnte - der meint gar nicht mich persönlich, dem bin ich gar nicht wichtig, er kümmert sich ja gar nicht um mich. Das heißt aber nicht, dass man dem Löwen auf einmal das große Mitgefühl beibringen soll. Er soll eine strahlende Kraftquelle sein, so dass jeder, der in seiner Nähe weilt, Lebensenergie und Herzenslust auftanken kann.
Eine andere Geschichte ist die folgende: Einer stark Löwe-betonten Therapeutin hat man bei Gruppenarbeiten immer vorgeworfen, dass sie sich zu sehr in den Vordergrund dränge und zuviel Raum für sich in Anspruch nehme. Sie hat dann, nach Löwe-Art, in Zukunft bei Gruppen von vorneherein gesagt: "ich mache immer wieder die Erfahrung, dass ich zuviel Platz einnehme. Wem das nicht passt, der soll es gefälligst sagen. Ich habe keine Lust, mich dauernd zurückzunehmen!" Dies ist genau richtig; denn wenn man den Löwen dazu umerzieht "Entschuldigung, ist es recht, dass ich da bin" zu sagen, dann ist er kein Löwe mehr. Als Löwe soll man einfach hereinkommen und da sein; dafür braucht man auch Platz. Es ist gar nicht so, dass der Löwe den jetzt beansprucht und ihn jemand anderem wegnehmen will; sondern der Löwe kann aufgrund seiner Ausstrahlung einfach nicht unbemerkt bleiben. Es kann natürlich schwierig sein, wenn mehrere Löwen in einem Raum sind. Zu dieser Situation gibt es einen Witz: Was darf man auf keinen Fall sagen, wenn zwei Löwen oder ein Löwe und ein Schütze in einem Raum sind? Man darf nicht "mein Gott" sagen, da sich in diesem Fall beide gleichzeitig angesprochen fühlen. In Beziehungen, in denen beide Löwe sind, gibt es meistens einen Ober-Löwen und einen Unter-Löwen. Meist ist es die Frau, die ihren Herrn und Gebieter blind verehrt und dabei ganz vergisst, dass sie selbst den kosmischen Auftrag hat, eine ausstrahlende Persönlichkeit zu sein. Löwen erzählen gerne Witze und können herzhaft darüber lachen; also noch einer: Ein Löwe steigt in ein Taxi und sagt: "fahren sie mich irgendwo hin, ich werde überall gebraucht".
Therapie
Eine alte Löwe-Krankheit ist, dass der Stolz oft unheimlich teuer bezahlt wird. Was solche Menschen einem Lebenskonzept von Stolz opfern! Nur damit man mit erhobenem Haupt irgendwo herausgeht, wo es tausendmal gesünder wäre, zusammenzubrechen und eine Niederlage einzugestehen oder wirklich zu verzweifeln, damit man sich hinterher wieder erholen kann. Es wird oft viel Energie in ein Siegerkonzept gesteckt, obwohl viele dieser Siege eigentlich Niederlagen sind, weil sie zuviel gekostet haben, nicht nur auf materieller, sondern auch auf ideeller Ebene, wenn man dabei nämlich sämtliche Freunde verliert und am Ende als einsamer, unbezwungener Rechthaber dasteht, der letztlich von den Menschen nicht mehr geliebt wird. Jedes Tierkreiszeichen hat seine Abwehrmechanismen oder seine Schutzmechanismen oder Neurosen, wenn es um die Bewältigung von schwierigen Lebenssituationen geht. Eine Extremform der Löwe-Neurose ist der Autismus: man geht in eine eigene innere Welt und ist letztlich nicht mehr auf das Außen bezogen. Ein junger Mann mit Löwe-Sonne und viel Schütze im Horoskop hatte grandiose Vorstellungen vom Leben, aber immer, wenn er versucht hat, seine hochfliegenden Pläne zu verwirklichen, ist er baden gegangen, weil sein Können dazu einfach nicht ausreichte. Das hat er nicht verkraftet und sein letzter Ausweg war: "jetzt gehe ich nach Australien und werde Farmer". Es war aber auch diesmal ohne jeden Boden, nur mit der grandiosen Vorstellung. Er ging dann tatsächlich nach Australien und fiel wieder auf die Nase. Dann war es aus. Seitdem ist er nicht fähig einen Bezug zu einem Menschen aufzunehmen und ist jetzt in seinem inneren Königreich. Autismus ist bei den Löwen dazu da, um dieses grandiose Selbst zu beschützen. Ehe man sich noch mal öffnet für die Welt und wieder erleben muss, dass jemand an der Königskrone rüttelt, geht man lieber in sein inneres Königreich, wo man weiß, dass man König ist. Man findet hier auch viele manisch-depressive Charaktere; wenn sie in Löwe-Stimmung sind, heißt es "was kostet die Welt?"; alles ist wunderbar und alle werden angesteckt. Auf der anderen Seite sind sie klein und vernichtet und werden von Schuldgefühlen gequält; das kommt sicher nicht aus der Löwe-Natur, sondern aus anderen Faktoren des Horoskops, aber vermutlich als Reaktion auf die Löwe-Pose; zum Beispiel aus Richtung des Mondes, der sich dafür rächt, dass er übergangen, übersehen und geringgeschätzt worden ist. Depression als Kehrseite der Grandiosität, das ist ein wichtiges Thema für alle Feuerzeichen. Die grandiosen Vorstellungen orientieren sich am Allerhöchsten, am Göttlichen im Menschen und entsprechend abgrundtief ist dann der Fall in die andere Seite der Realität; dazwischen gibt es beim Löwen nichts. Eine unglücklich gelebte Löwe-Thematik kann auch in die maßlose Selbstüberschätzung, in den Größenwahn oder nach harten Schicksalsschlägen in das ganze Gegenteil, in das Erlebnis der eigenen Nichtigkeit, in den Kleinheitswahn führen. Weiterhin ist Löwe ein äußerst narzisstisches Zeichen: dem Image, dem Selbstbild in der Gesellschaft wird oft alles andere untergeordnet und geopfert; ohne Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse, Gefühle und den Körper verlangt und erwartet man von sich ständig Höchstleistungen. Speziell, wenn man ein gekränkter Königssohn oder eine gekränkte Königstochter ist, vom Vater verwundet, nicht geliebt und nicht geachtet, dann muss man der Welt beweisen, wer man ist. Da kann es auch zu Racheprogrammen allererster Güte kommen. Egal, ob es der Chef, der Professor, der Therapeut oder der Vater Staat ist, der dran glauben muss - oder der Ehemann. Die intellektuelle Legitimierung des Vatermords fällt heute leicht. Sei's aus der Sicht der Feministin, die mit dem patriarchalen Herrscher abrechnet, oder aus der Sicht des Anarchisten, der in noch nicht verarbeiteter Erinnerung an den "Führer" "keine Macht für irgendjemand!" fordert. Wenn man allerdings alle Energie in die Rache an den Vätern steckt, bleibt man negativ auf sie bezogen und damit von ihnen abhängig und zudem verliert man den Kontakt zur eigenen Herzenergie, die nur eines will: lieben. Das tiefste Geheimnis der Löwe-Seele ist dort, wo nur noch reine Liebe und Licht existiert. Der Reich-Schüler John Pierrakos spricht in diesem Zusammenhang von dem "center of right energy". In seiner körperorientierten Arbeit, die er "core energetic" nennt, versucht er den Anschluss an diese Energie wiederherzustellen. Speziell Arbeit im Brustbereich dient dazu, das Herzchakra zu öffnen. Darüber hinaus sind auch Herzmeditation oder Lichtmeditation ein Weg zur inneren Sonne. Findet diese Arbeit in der Gruppe statt, so wäre es für den Löwen sinnvoll, sich als ein Zentrum der Kraft und der Freude zu erleben und nicht als einsamer Spitzenmann, der besser ist als alle anderen. Bei Lektionen in Demut und Bescheidenheit ist darauf zu achten, daß gewisse Löwen nicht zu den Demütigsten und Bescheidensten mutieren und somit wiederum in die Falle der eigenen Außerordentlichkeit tappen. Alexander Lowen bezeichnet in seinem 1983 erstaufgelegten Buch "Narzissmus - Die Verleugnung des wahren Selbst" den Narzissmus als die Krankheit unserer Zeit und unserer Gesellschaft. Aus der Sicht der Astrologie dürfte das damit zusammenhängen, dass die zwischen 1937 und 1958 geborene Generation den Planeten Pluto im Zeichen Löwe hat. Dieser Umstand weist auf eine tiefgreifende gesellschaftliche Entwicklungs- und Wandlungsherausforderung in Bezug auf das Selbst hin. Dabei führt der Weg von der maßlosen Überbewertung der Themen Selbsterfahrung, Selbstwert und Selbstverwirklichung bis hin zur Selbstzerstörung einer Gesellschaft, die sich selbst als größte steuernde Kraft im Universum betrachtet.
Sonne in Löwe
Steht Deine Sonne im Zeichen Löwe, dann ist Dein innerer Vater ein stolzer, selbstbewusster Sonnenkönig. Er herrscht in seinem Reich kraft der Souveränität seiner Person, durch natürliche Autorität und Würde. Er ist der Herrscher, der durch bloßes Dasein wirkt, er beansprucht keine Macht, er hat sie. Was er sagt und tut bekommt Gewicht, weil ER es ist, der es sagt und tut. Solange man ihn achtet und respektiert, wird man sich in seinem Reich von starker, wohlwollender Hand geführt und beschützt empfinden. Er regiert in großem bzw. großzügigem Stil, das Fest des Lebens wird ausgiebig gefeiert - unter seinem Vorsitz. Er selbst feiert die Nacht hindurch mit Gattin und Hofdamen; man soll von diesem Fest noch lange erzählen, von dieser Hymne an die Freude. In diesem Reich herrscht eine tiefe Ehrfurcht vor dem kostbarsten aller göttlichen Geschenke: dem Leben. Solch einen Vater wünscht Du Dir, wenn Du unter diesem Sonnenstand geboren bist. Du bist bereit, erwartungsvoll und ehrfurchtsvoll aus der Wiege aufzuschauen: mein Vater! Ich liebe Dich von ganzem Herzen, weiß ich doch, dass Du in Wahrheit ein göttlicher, königlicher Vater bist. Ich werde mit aller Kraft versuchen, Dir ein würdiger Königssohn oder eine würdige Königstochter zu sein. Sieh mich an! Ich möchte so sehr, dass Du stolz auf mich bist! Ich brauche Deine Anerkennung, Dein Ja zu mir, wie die wärmenden Strahlen der Sonne! Und ich möchte stolz auf Dich sein können, Du darfst mich nicht enttäuschen! Ich bin bereit, Dir alles zu glauben, was Du sagst; ich bin bereit, Dich total zu akzeptieren; weil Du mein Vater bist! Hoffentlich erweist sich der reale Vater für diese Projektion des Löwe-Kindes als gute Leinwand. Nirgends, außer bei Schütze-Sonne, kann der Vater tiefer fallen in der Achtung von Sohn oder Tochter als hier; nirgends ist nämlich das Podest, auf das man ihn zu stellen bereit ist, höher. Das wiederholt sich natürlich oft bei anderen Repräsentanten des Vater-Archetyps: bei Lehrern, Gurus und Vorgesetzten; bei der Frau spielt sich dieses Drama mit Männern ab. Mit dem Sturz des äußeren Vaters ist eine tiefe Identitätskrise verbunden, als ob damit der Glaube an die positive Vater-Gottheit insgesamt zugrunde ginge. Dieser Sturz ermöglicht aber, die Löwe-Projektion von äußeren Vätern zurückzunehmen, um sich dem wahren, inneren Vater zuwenden zu können. Und der wird Dich nicht enttäuschen. Der Zen-Spruch "Triffst Du Buddha unterwegs, töte Buddha" ist hier angebracht, sonst bleibst Du stecken in ewiger Sohn- bzw. Tochterhaltung, immer bereit, den Meister außen zu suchen, statt in Dir. An dieser Stelle sei nochmals an das Märchen vom Königssohn erinnert. Die Begegnung mit dem Riesen ist laut H. Remmler als Auseinandersetzung mit dem Riesen-Schatten des Vaters zu verstehen. Dem Großen Vater etwas beweisen zu wollen, ist ein wichtiges Löwe-Selbstfindungsmotiv, für Männer, wie auch für Frauen. Vor allem, wenn der Vater auch in der Realität ein mächtiger Mann ist. Wenn solch ein Vater auch noch sagt: "das schaffst Du nie!" wird sich ein Löwe-Held mit Sicherheit auf den Weg machen, das Gegenteil zu beweisen. Nur, er handelt in diesem Moment nach einem Fremdskript, er holt den Apfel nicht für sich selbst, sondern für den Riesen. Es ist für jeden Helden wichtig, irgendwann im Leben unterscheiden zu lernen, ob er seine Heldentaten in Eigenregie auswählt oder immer noch als ferngesteuerter Sohn des Vaters; ob er sich etwa einen Doktortitel zulegt, weil es sein Bedürfnis ist oder, weil der Vater auch Doktor ist. Zunächst aber ist es legitim und normal, sich an einer großen Vaterfigur zu orientieren, egal, ob es sich nun um den leiblichen Vater oder um einen Vaterstellvertreter handelt; es ist jedenfalls beizeiten durchaus gut, einem äußeren Meister zu folgen. Bhagwan meint dazu, der Meister sei wie ein Boot, das Du benutzen kannst, um einen Fluß zu überqueren; dann kannst Du das Boot in Liebe und Dankbarkeit zurücklassen. Es ist auch die Siegesgewißheit der Ich-kann-alles-Haltung in der ersten Lebenshälfte nicht nur kein Fehler, sondern ein Geschenk. "Vertraut Ihr Euch selbst, so vertraun Euch andre Seelen!" Dieser Satz illustriert das Geheimnis des Löwe-Erfolgs. Wenn ein Held mit zwanzig oder dreißig Jahren sagt "ich kann alles, wozu ich Lust habe", ist das in Ordnung.
Derselbe Satz von einem Fünfzig- oder Sechzigjährigen gesagt, wirkt peinlich. Potenzbeweise alternder Löwen sind oft entwürdigend, ein wahrer Löwe versteht auch zu altern wie ein König. Als Frau wirst Du, wie schon angedeutet, den König zunächst im Mann suchen; zumindest legt das alte patriarchale Beziehungsmodell das nahe. Als echte Vatertochter wird es Dich zu den "großen Männern" ziehen. Im positiven Sinne zu echten Persönlichkeiten, zu Männern, die einfach sie selbst sind, ein Herz haben und in ihrer Beziehung zu sich selbst unbestechlich sind. Oder Du entwickelst ein "Mann-von-Welt-Syndrom", suchst Dir den exponierten Mann und sonnst Dich als Frau an seiner Seite in seinem Glanz - völlig darauf vergessend, dass Du es bist, die die Sonne im Zeichen Löwe hat. Wie auch immer Du Beziehung lebst, vergiss nicht, dass der Sonnenkönig IN DIR leben will und soll; finde und definiere Dein eigenes Königreich, finde Deine Bühne, auf der Du die Hauptdarstellerin bist. Sonst besteht, neben der Tatsache, dass Dein wahres Selbst nie zum Vorschein kommt, die Gefahr, dass Du Deine Partner mit Deinen grandiosen Erwartungen permanent überforderst, sie zum Beispiel in eine Karriere puschst, die gar nicht ihr Ding ist. Selber machen!
Ob Mann oder Frau, wenn Du mit einer Löwe-Sonne geboren bist, ist es wichtig, wie Du das grandiose Sonnenmotiv für Dich im Lebensalltag Realität werden lässt. Vielleicht wird Dich lange Zeit eine Sehnsucht nach Ruhm und Geltung begleiten, nach äußerem Reichtum und Luxus. Ob diese Wünsche in Erfüllung gehen werden, steht in keinem Horoskop. Aber selbst, wenn Du im Lotto gewinnst, die innere Sonne ist dadurch nicht ersetzbar. Du wirst dann eben nur ein "armer Reicher" sein, solange Du Dir den Reichtum Deines Herzens nicht erworben hast, ebenso wie Du im umgekehrten Fall ein "reicher Armer" sein kannst.
Hier fällt einem unwillkürlich ein Filmheld ein, der wunderbare Grieche Alexis Sorbas; er besitzt die Löwe-Weisheit: unabhängig von der äußeren Realität lebt er total im Moment und feiert das Leben selbst dann, als es ihm Katastrophen beschert. Seine mit dem letzten Geld und in monatelanger Arbeit erbaute Transportkonstruktion für Baumstämme kracht zusammen und er tanzt am Strand und meint: "Hast Du jemals etwas so schön zusammenkrachen sehen?" Wahre innere Größe zeigt sich eben in Momenten der Niederlage; denn Siegen ist leicht. Es gibt eine Geschichte, in der Gott die zwölf Tierkreiszeichen auf die Erde schickt und jedem einen bestimmten Auftrag erteilt. Dem Löwen sagt er: "du sollst der Welt von der Großartigkeit meiner Schöpfung künden, aber vergiß bitte nicht, daß es meine Schöpfung ist und nicht Deine". Ein Löwe-Mann sagte einmal: "ich glaube nicht an Gott, weil dann müsste ich zugeben, dass es etwas gibt, das größer ist als ich". Das ist der springende Punkt. Sicher ist es wichtig für den Löwen, sein großartiges "Ich" zu entdecken und heranwachsen zu lassen, aber an irgendeinem Punkt endet seine Entwicklung, wenn er nicht erkennt, dass andere Egos genauso potent sind wie das seine; das wäre für ihn die Integration des Gegenpoles Wassermann. Das Selbstverständnis des Wassermanns könnte man mit folgenden Worten zum Ausdruck bringen: "einsam wie ein Baum, brüderlich wie ein Wald". Für den Löwen gälte es, daran zu begreifen, dass nicht der einzelne Baum das wirklich Große ist, sondern der Wald. C.G. Jung würde in diesem Zusammenhang vom "Selbst" sprechen, das größer ist, als das bewusste "Ich", weil es das Bewusste und das Unbewusste enthält. Die Ahnung dieses Selbst, die gespürte Anbindung an dieses, ist dem Löwen durch die Löwe-Färbung seiner Sonne sozusagen in die Wiege gelegt; aber die damit gegebene Wesensverwandtschaft des kleinen persönlichen Ichs mit dem großen Selbst beinhaltet neben dem Segen auch einen Fluch.
Allzu sehr ist der Löwe-Mensch der Versuchung ausgesetzt, sein Ich mit dem Selbst zu identifizieren, sei Ego als absolut zu setzen und zu leugnen, dass es etwas geben kann, was darüber hinaus geht. Erst die Annahme der Wassermann-Weisheit kann den Löwen aus dieser Sackgasse herausführen. Oskar Adler bezeichnet Löwe als das Zeichen des Siegers. Mehr als allen anderen Tierkreiszeichen kann man Dir als Löwen oder Löwin sagen: "Der größte und schwierigste Sieg ist der Sieg über Dich selbst". Eine der Aufgaben des Herakles war es, den nemeischen Löwen zu bezwingen. Dies konnte erst in der allernähesten Annäherung geschehen, da keine menschlichen Waffen dem Löwen etwas anhaben konnten; Herakles erwürgte ihn. Danach gelang es dem Helden weder mit einem Messer, noch mit einem scharfen Stein, das Fell des Tieres abzuziehen. Dies war erst möglich, als Herakles dessen Klauen dazu benutzte.
Auf das heutige Ringen einer Menschenseele mit dem Löwen übersetzt mag das vielleicht heißen: keine gutgemeinten Ratschläge von Freunden und keine therapeutischen Interventionen können wirksam dazu beitragen, dass in die alte Löwen-Haut der neue Herr einzieht; nur der Löwe kann den Löwen besiegen. Dies gilt natürlich für jeden Menschen, egal welchen Tierkreiszeichens, dass der wahre Retter oder Heiler aus dem eigenen Inneren kommt, aber nirgends wird das Aufscheinen oder Nichtaufscheinen dieser inneren Kraft so dramatisch offenkundig wie beim Löwe-Menschen; denn auf der Bühne des Lebens ist er ein Hauptdarsteller, und wenn er auftritt, sind alle Scheinwerfer auf ihn gerichtet. Wenn Deine Löwe-Sonne im Horoskop schwer verletzt ist, wenn Du einen brutalen oder herrschsüchtigen Vater gehabt hast, wenn Du gar keinen Vater erlebt hast, wenn Du gar kein Löwe bist und von einem grandiosen Löwe-Vater viel Demütigendes erfahren hast, wenn es in Deinem Herzen schreit "Vater, warum hast Du mir das angetan?" dann gehe in die Tiefe Deines Herzens und suche lange und gründlich; denn irgendwann, vielleicht in einem stummen Augenblick, vielleicht, als Du noch gar nicht geboren warst, hast Du von ihm die stille Botschaft seines Herzens erhalten "Du bist mein einzig geliebter Sohn! Du bist meine einzig geliebte Tochter!" - dieser Satz ist das ununterdrückbare Erbe der Väter - und was auch immer geschehen sein mag, berge den kostbarsten Schatz Deines Herzens, entdecke Deine Liebe zu Deinem Vater; im alten Ägypten war der Vater der Stellvertreter Gottes auf Erden, er symbolisiert die unendliche Liebe zu dem, was in Dir steckt, was Du bist und was Du werden kannst, so wie die Mutter das unendliche liebevolle Verstehen und Annehmen dessen ist, woher Du kommst und was Deine Bedürfnisse und Unzulänglichkeiten sind! Sei wie Du bist! Sei Du selbst! Wenn Gott Dich anders gewollt hätte, hätte er Dich anders gemacht!
Textauszug aus:
Claus Riemann - Astrologische Seminare - Löwe.
Erhältlich als CD bei
VanTastik
Lerchenstr. 20
84307 Eggenfelden
Tel/Fax 08721-7421
Email: info@vantastik.de
Internet: www.vantastik.de
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