Saturn und Uranus zwischen Himmel und Erde

Barbara Egert
Verantwortlich für den Inhalt ist der oben genannte Autor/Anbieter.
Donnerstag, 20. April 2017, 16:48

Zwei Gefahren bedrohen, laut Paul Valéry, unaufhörlich die Welt: die Ordnung und die Unordnung. Man kann es auch weniger bedrohlich sehen, nämlich als kreatives Wechselspiel zweier konträrer Prinzipien, ohne die nicht wäre, was aus dem Nichts entstanden ist. (Nur der Urknall war hörbar in der Stille des Nichts. Aber für wen? Zen-Fans würden sagen: Klingt ja sehr nach dem lautlosen Klatschen der einen Hand!) Uranus und Saturn, das bedeutet Idee und ihre Verwirklichung. Uranus ist der Gott der Idee und die geht allem voran, was sich materialisieren will. Deshalb sind von Uranus Inspirierte fasziniert von Ideen, deren Verwirklichung sie kaum interessiert. Dafür sind andere da, Saturnier etwa. Wenn man im Horoskop eine Uranus-Dominanz findet, sollte man sich also öffnen für die verborgene Idee und nicht auf ein markantes Ereignis hoffen.

Uranus bedeutet Firmament, Himmelsgewölbe, Weltall. Er ist der göttliche Erschaffer der Welt, der, der schon immer da war, und er gilt auch von Anfang an als männliches Element; das sollte wissen, wer ihn anruft. Seine Antworten empfindet man ansonsten oft als zu weltfremd, utopisch, zu kosmisch für uns Irdische. Wenn sie nicht gerade Liebe auf den ersten Blick meinen, dann können sie auch auf eine Revolution verweisen, die erst die Generation der Enkel betrifft. Zeit spielt keine Rolle. Und schon hier der Hinweis für alle, die Uranus deuten wollen. Ein uranisches Gewitter lässt sich vorhersagen und dass es zu Blitz und Donner kommen wird, nicht aber, wann und wo genau jener gewisse Blitz aus heiterem, nein, gewittrigem Himmel einschlägt.

Anfänge haben es in sich, und man tut gut daran, sich das Wissen der Experten über die Entstehung von etwas zunutze zu machen, wenn man ein Projekt beginnt. Ein Roman, ein Bild, ein Prélude von Debussy, was steht denn meist am Anfang anderes als ein Chaos von Gefühlen, ein Ungefähr gegensätzlicher Ideen? Und dann, irgendwann, gelingt es der Ordnung, gelingt es Saturn, den ersten Satz, die erste Skizze, das erste stabile Thema zu erschaffen. Versetzt man sich in diese heikle, instabile Phase jeglichen Anfangs, dann spürt man ebenso deutlich aber auch Uranus, den Zweifel, die Infragestellung, das Chaos, die Verwerfungsfreude. Wirklich nur aus Lust an der Verneinung? Nicht etwa zum Zweck der Vervollkommnung dieses ersten geordneten Satzes?

Was wissen die Experten über die Entstehung der Welt? Am Anfang waren die vier Grundkräfte: starke und schwache Wechselwirkung, die elektromagnetische Wechselwirkung und die Gravitation. Es wäre spannend, diese Naturkonstanten einmal astrologisch zu deuten, also Analogien zu den Planetenkräften herzustellen, mit denen wir arbeiten. Ich persönlich fühle mich dazu außerstande, da mein mathematisches Verständnis nur intuitiv agiert. Eher ahnend begreife ich, wie es in der Urzeit zuging, nämlich sehr dialektisch, wenn man sich der Einfachheit halber auf die beiden Prinzipien von Ordnung und Unordnung, Saturn und Uranus, beschränkt. Kaum baut sich etwas auf, wird es wieder zerstört. Und das wohl aus gutem, wenn auch uns noch unverständlichem Grund: nur eine geringfügige Symmetrie-Verletzung ermöglichte die Materie! Ohne sie wäre gar nichts.

Der legendäre Schmetterling, dessen Flügelschlag trotz exzellenter Rechenleistung Ergebnisse sabotiert, ist uns ja bekannt. Und nun komme ich sicher auf die Erforschung des Chaos zu sprechen. Genau! Und das liegt bei der Beschäftigung mit Uranus ja auch nahe. Seit den Arbeiten von Benoît Mandelbrot gibt es völlig neue Ansätze zur Erforschung des Übergangs von Chaos und Ordnung. Er fragte sich: Wann und wie gehen Prozesse von einem geordneten in einen ungeordneten Zustand über? Und mit Hilfe der Mathematik versuchte er dann, immer wiederkehrende Muster im Chaos zu erkennen. Er entdeckte fraktale Strukturen im Wetter, in der Verteilung von Sternhaufen in Galaxien, in den Börsenkursen. Und fand einen Weg, das Unregelmäßige bildlich darzustellen. Es lohnt sich, nach Fraktalen zu googeln. Es wird ein Trip in eine unerhörte Schönheit. Und all das ist pure Bild gewordene Mathematik.

In den Mythen, den Religionen, klingt Uranus immer dann an, wenn von Verfall und Zerstörung die Rede ist: etwas geht unter, weil es saturnisch erstarrt ist. Und danach ist es wieder an Saturn, aus den Überbleibseln des Chaos neue Ordnungen zu entwickeln. Welch ein Wechselspiel: Ehe sich so etwas wie Leben bildet, müssen Sterne explodieren, zu Staub zerfallen, aus dem sich, wenn alles gutgeht, ein Bewusstsein bildet, das sich fragt, was am Anfang war: Wort, Wille oder Tat? Oder etwas ganz anderes?

Helium ist, nach Wasserstoff, das zweithäufigste Element im Universum. Nach anerkannter Theorie vereinigten sich zehn Sekunden nach dem Urknall Protonen und Neutronen durch Kernfusion zu ersten Atomkernen. Von Sternen, die sich aus dem Staub dieser Atome bilden und dereinst zu Staub werden, ist noch lange keine Rede. Man (was auch immer das ist) hat unendlich viel Zeit. Und es gibt außer Ordnung und Unordnung noch etwas anderes, nämlich den Trend zur Komplexität. Anthropomorph betrachtet sieht es fast wie Liebe aus, wenn sich zwei Elemente zu einem dritten vereinen. Im Grunde geht es dabei um das urgewaltige Prinzip der Komplexität. Und das Prinzip der selbstorganisierenden Prozesse. Jeder kennt das: Man erhitzt Wasser, und sobald es siedet, bilden sich Blasen mit wabenartiger Struktur. Oder man unterkühlt Wasser, es organisiert sich selbst und kristallisiert hexagonal zu Schneekristallen.

Seit dem Anfang aller Anfänge kann man also sehr wohl sagen, dass ihm vielfacher Zauber innewohnt, nämlich der von Aufbau und Zerstörung, und jener von Komplexität und Selbstorganisation. Auch hier wäre der Versuch einer astrologisch deutenden Zuordnung wünschenswert: Wenn ich mir Jupiters Wunsch und Wille zur Sinnstiftung vorstelle, dann wäre Selbstorganisation eine mögliche Entsprechung. Und die lässt sich sehr einfach miterleben: Man denke sich statt eines lästigen Regenschauers das sanfte Rieseln von Schnee, also die faszinierende Metamorphose von unterkühlten Regentropfen in Schneekristalle. Oder aber die Wunderwelt einer zu Eisblumen, zu fraktalen Mustern also, sich wandelnden Fensterscheibe. Wer einmal staunend, verwundert zusah, wie sich da Welten von unglaublicher Schönheit bilden, aus nichts als Wasser und Kälte, der wird leicht verschmerzen, dass so etwas nur bei kaputter Heizung funktioniert.

Wer die Ordnung Saturns in der kalten Fensterscheibe sucht, der wird enttäuscht. Eher schon lässt sich die Signatur der Venus erkennen, der gleichen Venus, bei der Mathematiker zu schwärmen beginnen und von der eleganten Lösung eines Problems sprechen. Manchmal meine ich, Merkur habe auch seine Hand im Spiel, wenn es um jene eisigen Fraktale geht, die ja, wie man seit der Chaostheorie weiß, eine hoch komplizierte mathematische Struktur haben. Aber vielleicht überstrapaziere ich ja auch die Möglichkeiten astrologischer Analogie.

Übrigens, sobald die Heizung wieder anspringt, erscheint Uranus und entzaubert die künstlichen Paradiese der Blumen aus Eis. Etwas mag noch so schön sein, ihn langweilt alles nach gewisser Zeit. Neues muss her. Dieses Desinteresse am Bestehenden, diese Begeisterung für die Umwälzung jeglicher Ordnung kann nur missverstehen, wer Angst vor der Freiheit hat, und für wen die jeweilige Ordnung die beste aller denkbaren Ordnungen ist. Wer sich aber sein Gespür für den Geist der Freiheit bewahrt hat, tanzt im Geiste Sirtaki mit Alexis Sorbas oder liest nachts am Strand Bacchus samt Nymphen aus Nietzsche vor. Die uranische Welt ist unberechenbar, widersprüchlich, etwas für Außenseiter, Unangepasste. Und die, die das mögen, sind wirklich nicht "der nette junge Mann von nebenan", den man mal eben so in die Ordnung einer Ehe locken kann und auch nicht die „adrette unkomplizierte Schwiegertochter“…

Zunächst ist alles wüst und leer, wenn die Ordnung – aus welchem Grund auch immer – sich verflüchtigt hat. Jemand will die Scheidung, weil er die Erstarrung seiner Ehe nicht mehr erträgt. Er weiß, wenn er die Sicherheit einer gewissen Voraussagbarkeit des Lebens verlässt, bricht das Berechenbare zusammen, und Chaos breitet sich aus. Nur wenige halten diesen Zustand lange aus. Meist ist man froh, wenn am Horizont der Schein einer Hoffnung auf eine sich wieder ordnende Welt ahnbar wird. Welch ein Paradox, mit dem man leben lernen muss: Man sehnt in Zeiten des Umbruchs genau jenen Saturn herbei, vor dem man geflohen ist, als man Uranus anflehte, einen aus der Hölle des Immergleichen zu erlösen. Dieses dynamische Muster von Sicherheit und Wunsch nach Veränderung, dieses Spannungsfeld von Saturn und Uranus ist eine Quelle der Inspiration für Belletristik und Filme, für Kunst und Wissenschaft.

Um zu testen, ob man mit den uranischen Energien umgehen kann, sollte man sich fragen, wie man auf Neuigkeiten reagiert. Unter Uranus erfährt man ja auch die Liebe auf den ersten Blick oder das Plötzliche einer Erkenntnis gleich jenem Blitz aus heiterem Himmel. Je unkonventioneller man ist, desto weniger problematisch erscheint er einem. Sein Haus zeigt den Bereich an, in dem ein Mensch originell ist, zu spontanen Verhaltensweisen neigt, Grenzen sprengt und gerne ungebunden ist. Ist er schwierig gestellt, neigt die betreffende Person unter Umständen dazu, alles zwanghaft anders machen zu müssen. Auch elitärer Dünkel kann zu den uranischen Schattenseiten gehören.

Mag man das Neue wirklich oder denunziert man es etwa als verkapptes Remake? (Das gab es doch schon im alten Rom, in Ägypten, zur Steinzeit…) Es gibt Leute, für die es das Neue einfach nicht geben darf. Neueste Filme sind für sie nur Adaptionen aus den zwanziger Jahren. Nichts ist für sie originell, reißt sie vom Hocker, alles wird relativiert, zu altem Eisen gemacht. Sie schwelgen in dem unendlich wohltuenden Gefühl von Gewohnheiten. Nur Saturnier (mit Neptun im Verbund) konnten die Nostalgie erfinden, den Retro-Look und überhaupt alles, was früher einmal Mode war.

Ganz anders jene, die unter Uranus-Einfluss stehen. Sie sind schnell gelangweilt und sehnen sich nach Veränderung. Beide Haltungen sind weit verbreitet, spalten Stammtische, gestalten Parteiprogramme. Uranus drückt auch das revolutionäre Potenzial eines Menschen aus, verkörpert die permanente Revolte gegen jedes Establishment, alte Götter und Obrigkeiten. Institutionen sind ja gewachsene Konventionen, durch Gesetze abgesegnet, die sich nicht in Frage stellen lassen wollen! Glaubt an das Mögliche! Empört euch gegen den Status quo, gegen das Herrschende. Solche Empfehlungen sind nur unter Uranus denkbar.

Hierzu ein kurzer Blick in das Horoskop von Stéphane Hessel, der in der französischen Résistance gegen die Deutschen kämpfte, das KZ Buchenwald überlebte. Er war Sekretär der UN-Menschenrechtskommission und veröffentlichte 2010 im Alter von 93 Jahren die Protestschrift: „Empört Euch!“ („Indignez-vous!“)1 Er fordert darin die Menschen zum Engagement gegen den heutigen Status quo auf, kritisiert den Finanzkapitalismus, die Behandlung von Minderheiten u.v.a.m. 2011 wurde er mit dem Prix de l’Académie de Berlin ausgezeichnet. „Ich glaube nicht, dass wir wissen, was sein wird. Wir kennen die Zukunft nicht. Sie ist unvorhersehbar. Ich glaube an das Unvorhersehbare. Im Nachhinein merkt man dann, dass man nicht Bescheid wusste.“ 2

In Hessels Radix finden wir Uranus im Wassermann im Trigon zu Sonne und Merkur, Opposition zu Mars und Saturn sowie im Anderthalbquadrat zu Pluto. Leider ist die Geburtsstunde nicht bekannt; es könnte durchaus sein, dass Mond, AC und MC auch noch Uranus-Aspekte empfangen.

Eine andere Möglichkeit, sich für die Präsenz des Uranischen im Alltag zu sensibilisieren, besteht darin, aufmerksam zu werden für das Plötzliche, das Unerwartete. Man sollte es bemerken lernen, auch wenn es im Unscheinbaren auftaucht. Immer und ewig hält der Bus genau um fünf Minuten nach neun. Nur heute kommt er erst eine viertel Stunde später. Irritiert uns das Unerwartete daran? Was empfinden wir beim Warten? Saturnischen Frust oder uranische Ungeduld? Wer stark von Saturn bestimmt ist, wird nicht gerade erpicht sein auf plötzliche Veränderungen. Alles möge so bleiben, wie es nun mal ist. Wenn es nach Saturn gegangen wäre, die Evolution befände sich immer noch im Nullpunkt und von Leben keine Spur, außer vielleicht einige Pantoffeltierchen hier und dort. Wie Uranus die Evolution vorantrieb ist schon fast ein Witz: Wir sind das Ergebnis von Kopierfehlern. Das Neue schleicht sich durch Fehler ein, die letztendlich etwas Positives bewirken. Ein Trost für alle, die an der Deutung einer desaströsen Konstellation in ihrem Horoskop verzweifeln!

Uranus, das ist das Aufblitzen von Einsichten und originellen Ideen, die Fähigkeit intuitiven Erkennens, der plötzlichen Inspiration aus anderen, geheimnisvollen Dimensionen. Genialität aus den Tiefen des Himmels. Doch um real zu werden, sich in dieser Welt zu verwirklichen, bedarf es der Hilfe des realistischen Saturn. Sonst schwirrt man ab, verfällt diesem Zauber ewiger Neuheit, wird süchtig nach dem „Kick“, einer kurzzeitigen nervlichen und emotionalen Erregung, ohne die mancher nicht mehr meint leben zu können. Was gibt es Neues? Spuren von dieser Sucht finden sich in jedem von uns, wenn wir neugierig die Zeitung durchblättern.

Die uranischen Kräfte bringen Bewegung in unsere Entwicklung, und ermuntern uns, Gewohntes und Vertrautes zurückzulassen, und sich dem ungewissen Neuen zu öffnen. Das Neue kann einen aber auch zunächst einmal dermaßen erschrecken, dass man bemüht sein wird, es zu umgehen, es zu verhindern. Hier ist es wichtig zu wissen, welche Rolle uranische Kräfte in unserem Horoskop spielen: Sollten wir mit dieser Energie vertraut sein und sie zum Teil integriert haben, werden wir Uranus-Transiten etwas gelassener begegnen können. Es mag ja sogar sein, dass wir Veränderungen und Aufregungen gar nicht so ungern mögen.

Uranus, das ist auch die Suche nach geistiger Freiheit, Individualität und Unabhängigkeit. Dieser Freiheit kann sich aber erst erfreuen und sie leben, wer sich seiner saturnischen Ängste bewusst geworden ist, die ja Selbstbeschränkung und innere wie äußere Abhängigkeit bedeuten. Das heißt, man muss immer wieder hinterfragen und durchschauen lernen, was einen hemmt und behindert, und das sind meist Relikte aus der Kindheit. Dazu gehört auch, auf Menschen zuzugehen, sich einzulassen auf andere und neue Arten geistiger Weiterentwicklung auszuprobieren.

Wir alle haben sicherlich einige Erfahrungen mit unserem Saturn oder seinen Transiten gesammelt und kennen auch Menschen, die sehr stark von Saturn und/oder dem Zeichen Steinbock geprägt sind. Eines der hervorstechenden Merkmale ist eine gewisse Zurückhaltung, eventuell sogar Sprödigkeit, die einem signalisiert: „Komm mir nicht zu nahe!“ Ich spreche jetzt hier wirklich von einem Saturnier, der keinen freundlichen Ausgleich durch die weichen/weiblichen Horoskopfaktoren erhält. Dadurch dass er sich selbst begrenzt, absichert und beschränkt setzt er sich direkt oder indirekt auch Grenzen oder baut unsichtbare Barrieren auf. Saturn will bewahren, auch was längst überfällig ist, und indem er Neues nicht zulässt, hält er unser Ich-Bewusstsein unflexibel und starr, wodurch eine Erweiterung unserer Möglichkeiten behindert wird.

Er führt uns daher auch nicht an unsere existenziellen Grenzen, es sei denn, wir haben ein Horoskop mit viel Venus, Mond und Neptun und befürchten schon bei geringfügigen Grenzsetzungen unser Ende sei in Sicht. Unter Saturn sollte man lernen, fremde Maßstäbe durch seine eigenen zu ersetzen und einen konkreten Weg, ein selbst bestimmtes Ziel flexibel innerhalb eines sicheren Rahmens zu verfolgen. Denn er symbolisiert den Bereich, in dem ich, nach geduldiger Arbeit an mir selbst zur natürlichen Autorität, zum Vorbild für andere werde und wo ich durch meine erworbenen Fähigkeiten meine eigene Individualität ausdrücken kann, ohne Sturheit und Uneinsichtigkeit.

Bei all meiner persönlichen Sympathie für die Segnungen des Uranus, Saturn hat auch seine guten Seiten, verkörpert er doch die positive Kraft der Homöostase. Das meint die Aufrechterhaltung des Gleichgewichtszustandes eines offenen dynamischen Systems. Klingt etwas sperrig, dient aber einer guten Sache: Dieses Gleichgewicht muss sein, um eine gewisse lebensnotwendige Identität zu gewährleisten, ohne die man jeder Veränderung erläge wie ein Blatt im Wind. Stabilität ist das Zauberwort. Und man kann sie stärken, wenn man sich in „aufgeregten Zeiten“ erdet, sich den Geranien auf dem Balkon widmet anstatt bei „luftigen“ Philosophen Trost zu suchen.

Gleichgewicht zwischen Saturn und Uranus, auch das ist Gold wert, um sein Lebensschiff sicher zwischen seelenloser Konvention und überzogener Originalität hindurchzusteuern. Saturn braucht auf jeden Fall eine feste Struktur, d.h. mit dem Skelett muss alles stimmen, sonst funktioniert die Muskulatur nicht richtig. Geschweige denn die Haut und ihr samtiger Schmelz. Pflicht und Verantwortung kommen an erster Stelle, sind von höchster Bedeutung. Wie will man eine noch so geniale Erfindung verwirklichen, wenn das Fundament nicht trägt, keine Finanzierung da ist, die Vermarktung fragwürdig bleibt?

Da Uranus schon längere Zeit im Zeichen Widder seine Bahn zieht, sind besonders die Planeten in den kardinalen Zeichen von dieser Energie betroffen (und natürlich von Pluto im Steinbock). Obwohl ich mit Uranus auf freundschaftlichem Fuß stehe und mich unter seinen Transiten meist aktiv und belebt fühle, bin ich manchmal der Meinung: Jetzt reicht’s aber! Der transitierende Pluto im Quadrat zu meinen sechs Waage-Planeten ist für mich allerdings noch schwerer zu leben. Da ich viele Bekannte mit einem Waage-AC habe, ist es oft unglaublich zu beobachten, was Uranus im siebten Haus bzw. Pluto im vierten Haus „anrichten“. Bei einer Freundin mit diesen Transiten bricht gerade die Ehe auseinander, bei einer anderen Bekannten (da geht Uranus durch sechs) ist die vor zwei Jahren eröffnete Physiopraxis in Konkurs gegangen. Die Fragen an mich lauteten, war das nicht voraussehbar (mit dem versteckten Vorwurf: Hättest Du das nicht verhindern können…?)? Und wenn ich es gekonnt hätte, welche dringend notwendige Erfahrung wäre dadurch nicht gemacht worden? Hinzu kommt, dass bei beiden der mit dem Sonnenbogen vorgeschobene Uranus auch noch auf Saturn trifft.

Mancher fühlt sich unter Uranus-Einfluss besonders lebendig, jedoch ein harter Uranus-Transit auf unseren Saturn ist ein Problem, kann sogar zerstörerisch sein. Mit Uranus auf Neptun und Pluto kann man meines Erachtens besser umgehen. Doch die Bedrohung der durch Saturn abgesicherten Lebensstruktur, ein Angriff auf die schützenden Grenzwälle, z.B. der Familie, des Berufs, des Ersparten, die uns bisher Geborgenheit und Sicherheit gaben, kann in uns hilflose Angst und Panik vor den unergründlichen Mächten des Schicksals auslösen.

Bei herausfordernden uranischen Transiten sollte man einsehen lernen, dass viele unserer Zukunftsvisionen unrealistisch sind. Solche Szenarien gibt es oft im Vorfeld von Scheidungen. Wir ignorieren wütend warnende Hinweise, nehmen mutwillig die Zerstörung bestehender Strukturen in Kauf bzw. hoffen, sie verkraften zu können. Man rebelliert dann gegen alles, auch was sich als eine positive Lebenserfahrung erwiesen und bewährt hat. Persönliche Wertvorstellungen, Lebensanschauung und das befreundete Umfeld erscheinen einem plötzlich null und nichtig. Oder aber die Fesseln lassen sich nicht einfach so abstreifen, wie wir es erhoffen, wir bleiben an unsere saturnische Struktur gebunden, halten fest, wo wir längst loslassen sollten, und so rüttelt und schüttelt uns Uranus durch die Krisenzeiten. Wir geraten in Panik, und je länger wir uns an Überholtes klammern, umso heftiger setzt Uranus sein Werk der Umgestaltung und schlimmstenfalls der Zerstörung fort.

Sind die uranischen Kräfte (noch) nicht integriert, wehre ich, als Folge meiner Angst vor Begrenzung jeden – auch nur vermeintlichen – Angriff auf meine Unabhängigkeit rigide ab. Saturn und seine Helfer sind dann meine Feinde. Ist mein Uranus aber „erlöst“, werde ich so frei und souverän sein, dass ich meine Individualität in vollem Umfange leben und mich Restriktionen maßvoll-bewusst widersetzen kann. Uranus bedeutet auch, dass es mir gelingt, die äußeren Lebensumstände meiner inneren geistigen Entwicklung anzupassen. Wahl oder Zwang lautet der uranische Mechanismus.

Das Neue wäre nicht mehr neu, wenn sich schon heute etwas darüber aussagen ließe, was erst morgen passiert. Wenn wir also auf eine Uranus-Konstellation zusteuern, dann kann die Deutung nur generell sein, dass wir nämlich die Möglichkeit einer Veränderung erwarten, nicht aber, wann und wie sie sich auslöst. Metagnostisch wird alles klar, aber beim nächsten Mal werden wir wieder auch nicht um einen Deut schlauer sein. Aber vielleicht ist es ja schon hilfreich zu wissen, dass überhaupt eine Veränderung bevorsteht. Und dass Leben nun einmal so "funktioniert", nämlich immer überraschend, spannend, nie langweilig.

Wer über das Uranische nachdenkt, stößt unweigerlich auf das Phänomen der Vorhersagbarkeit bzw. deren Unmöglichkeit. Unter Saturn ist das überhaupt kein Problem: die Zukunft gleicht der Gegenwart und die gleicht der Vergangenheit. Das ist durch Gesetze so geregelt. Diese Gesetze annulliert Uranus. Alles ist dann zwar möglich, aber in welcher Reihenfolge? Vielleicht hilft es ja bei Aussagen über Uranus, sich auf die Grauzonen des Übergangs von Chaos und Ordnung einzulassen, Muster zu erkennen und sich dem eher intuitiven Erfassen zu überlassen, trotz erheblicher Fehlerquote. Im logischen Denken ist Saturn einfach besser. Aber zwischen den Zeilen kann man mit ihm nicht lesen; mit Uranus sehr wohl. Wenn auch etwas unscharf.

Zum Saturn- und Uranus-Prinzip gehören natürlich auch die Sternzeichen Steinbock und Wassermann. Ich sollte also nicht versäumen, die Sonne in diesen beiden Zeichen zu charakterisieren:

Die von Saturn beherrschte Steinbock-Sonne ist im besten Falle ein Musterbeispiel an Disziplin und Durchhaltevermögen - auch in schweren Zeiten -, an Pflichtgefühl und Belastbarkeit. Doch das allein macht sie nicht aus, denn wir finden hier auch Menschen mit einem starken Ehrgeiz und übermäßigen Hang zur Perfektion, den Prinzipienreiter ebenso wie den freudlosen Emporkömmling. Hier gilt es zu lernen, nicht allzu streng mit sich und anderen umzugehen, und zu beherzigen, dass Leben nicht nur Arbeit sondern auch Freude bedeutet. Durch Leistung kompensiert man doch meist nur fehlende Anerkennung und Zuwendung, setzt auf Tüchtigkeit und Pflichterfüllung, um Lob und Aufwertung zu ernten und seinen Selbstwert zu stärken. Wen es immer nur danach drängt, für alle und jeden Verantwortung zu übernehmen, dem bleibt wenig Spielraum für die freie Entfaltung seiner möglichen kreativen Anlagen. Allerdings wächst man ja auch durch ernsthafte und gründliche Arbeit. Durch was auch immer sich jemand ausdrückt, oft schimmert durch die Art, wie er sein Leben gestaltet, der strenge Vater der Kindheit hindurch. Schon früh, viel zu früh, war man gezwungen, Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen.

Mit der Sonne im Zeichen Wassermann ist man vor allem auf Einmaligkeit und darauf bedacht, unverwechselbar und einzigartig zu sein. Freiheit bestimmt das Denken, es geht einem um das Ideal der Gleichheit aller Menschen, und man ist offen für neue Dimensionen, wo immer sie sich zeigen. Mit einem der Zukunft zugewandten Denken strebt man nach Unabhängigkeit und Verbindung der Gegensätze. Zu dieser Einstellung gehört ein Handeln, das frei von persönlichen und egoistischen Motiven ist. Solch eine Haltung führt allerdings auch zu einer gewissen Distanz gegenüber allzu persönlichen Beziehungen und zu einer zu vertrauten Nähe in Partnerschaften. Auffällig ist oftmals ein extravagantes Verhalten, wodurch man sich vor allem von anderen unterscheiden und etwas Besonderes sein will. Das Schlimmste wäre es, in die Verliese des "Schubladen-Denkens" gesteckt und als wenig originell wahrgenommen zu werden. Diese Sucht, etwas Besonderes zu sein lenkt leider nur zu oft vom Wesentlichen und von höheren Zielen ab und ermöglicht im besten Fall einen Menschen, der mit intuitiver Herzenswärme sich übergeordneten humanitären und sozialen Aufgaben widmet.

Die Sonnen-Astrologie ist bei vielen, die von der Astrologie nicht viel verstehen, aber meinen, dennoch munter mitreden und ihr Statement abgeben zu müssen, ein idealer Ort für alle möglichen und unmöglichen Projektionen. Sobald man weiß, dass jemand Steinbock oder Wassermann ist, dichtet man ihm nach Herzenslust alle Eigenschaften an, die dazu passen könnten. Doch “Typisch Wassermann, typisch Steinbock“ ist und bleibt leeres Gerede. Wie ja überhaupt alles leeres Gerede bleibt, was nicht durch tiefes eigenes Erleben und Nachsinnen sich bewahrheitet, sich uns anverwandelt hat. „Typisch Saturn, typisch Uranus“, man hüte sich vor solchen Äußerungen. Erst wer die fast nicht wahrnehmbaren Anzeichen dieser Archetypen im Alltag aufzuspüren gelernt hat - die Praxis (Saturn) ist ebenso wichtig wie die Theorie (Uranus) - darf sich zu einer solchen Verallgemeinerung, wenn es denn gar nicht anders geht, hinreißen lassen. Meist geht es anders …


Stéphane Hessel – Empört Euch! – Ullstein 2011
Interview vom 19.02.2011 in der „Berliner Zeitung"!

Erstveröffentlichung in ASTROLOGIE HEUTE (astrologieheute.ch)

Diese Seite wurde bisher 273 mal aufgerufen.

Für weitere Informationen zu diesem Thema bitte hier klicken.

Widder
Hau den Lukas auf den Kopf
Stier
Abwarten und Bier trinken
Zwillinge
Wackelkontakt
Krebs
Achtung, Einschnappgefahr!
Löwe
Born to be boss
Jungfrau
Klare Aufgabenteilung
Waage
Partnervermittlung
Skorpion
Schwarzweiß- malerei
Schütze
Büttenredner- mentalität
Steinbock
Niet- und nagelfest
Wassermann
Kreuz- und Querdenker
Fische
Soll ich wollen?
Chinesisches Horoskop 2018 (Erde-Hund)
Breiter besonderer 925er Silberring
Ein sehr schöner und besonderer 15 mm breiter handgearbeiteter Ring aus Siber 925 mit eingearbeiteten Silberdraht.
Interessanter gehämmerter 925er Silberring
Ein außergewöhnlicher 9 mm breiter Ring aus poliertem Silber 925. Der nach innen gewölbte gehämmerte Ring ist zusätzlich mit einem beweglichen 2 mm starken poliertem Silberring besetzt.
Edler gebürsteter 925er Silberring mit Perle
Ein ausgesprochen schöner und gut verarbeiteter Ring aus Silber 925 besetzt mit einer Süsswasserperle. Der gebürstete Ring hat eine Breite von 10 mm.
Bildschöner 925er Silberring mit Lava
Ein ausgesprochen schöner Ring aus Silber 925 im schlichten Design besetzt mit schwarzem Lavagestein.
Die Astrologie kann helfen, sich selbst und seine Mitmenschen besser zu verstehen.
Chinesisches Neujahr 2017: Der Jahresregent Feuer-Hahn ist bunt und stolz: Er unterstützt kühne Visionen ...
Home
-Anzeigen-