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Quaoar - der neu entdeckte Planet

Holger A. L. Faß
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Freitag, 8. November 2002, 21:50

'Quaoar - der neu entdeckte Planet' - Beitrag von Holger A. L. FaßNeuer Planet entdeckt

Haben Sie schon einmal etwas von den Tongva-Indianern gehört? Oder kennen Sie gar deren Schöpfungmythos? Kennen Sie Quaoar?

Nachdem im Sommer diesen Jahres Forscher einen neu entdeckten Kleinplaneten nach einem Schöpfungsgott der kalifornischen Tongva-Indianer benannt haben, ist Quaoar in aller Munde. Überall tauchen plötzlich Experten auf und man wundert sich, warum man selbst bislang von Quaoar nie etwas gehört hatte.
Interessant ist vor allem, daß Quaoar im Horoskop bereits astrologisch gedeutet wird, einschließlich seiner Transite, Direktionen und rhythmischen Auslösungen.
Meine Bitte: Fuß vom Gas! Erst einmal in Ruhe beobachten, was da eigentlich im fernen Kuiper-Gürtel gefunden wurde, sich kundig machen über den indianischen Mythos und dann Erfahrungen sammeln.

Zuerst ein paar astronomische Daten:
Quaoar umkreist in ca. 6,5 Milliarden Kilometern Entfernung die Sonne auf einer erstaunlich runden, fast kreisrunden Bahn. Die Umlaufzeit beträgt 288 Jahre. Es handelt sich - ganz neutral gesprochen - dabei um ein transneptunisches Objekt. Den Namen Quaoar (sprich: „kwah-o-wahr“) erhielt der Himmelskörper von seinen Entdeckern Chad Trujillo und Mike Brown. Es handelt sich jedoch noch nicht um die offizielle Bezeichnung; die lautet etwas nüchterner „2002 LM60“. Über die Namensgebung entscheidet die Internationale Astronomische Union (IAU). In ein paar Monaten wird sie sich für einen offiziellen Namen aussprechen. In der Vergangenheit folgte die IAU fast immer dem Namenswunsch des Entdeckers, so daß die Wahrscheinlichkeit, daß 2002 LM60 zukünftig Quaoar genannt werden wird, relativ groß ist.

Quaoars Durchmesser wird auf etwa 1.260 km geschätzt und ist somit das größte seit Pluto entdeckte Objekt in unserem Sonnensystem. Die beiden bislang größten Kuiper-Gürtel-Objekt 2002 AW197 und Varuna sind deutlich kleiner: Beide erreichen lediglich einen Durchmesser von ca. 900 Kilometern. Insofern ist die Entdeckung dieses "großen Kleinplaneten" durchaus eine Besonderheit.
In diesem Zusammenhang flackert die alte Diskussion, ob es sich bei Pluto eigentlich wirklich um einen Planeten, oder doch eher um einen Asteroiden handelt, erneut auf.
Die Quaoar-Entdecker Brown und Trujillo sind sich einig, daß auch Pluto nur ein Asteroid im Kuiper-Gürtel sei – eben ein besonders großer. "Wenn Pluto heute erst entdeckt worden wäre, käme niemand auf die Idee, ihn als Planeten zu bezeichnen", meint Brown. Die beiden Astronomen sind davon überzeugt, daß es im Kuiper-Gürtel noch größere Objekte als Quaoar gibt.
Laut NASA wird ein Himmelskörper dann als Planet bezeichnet, wenn er unmittelbar um die Sonne kreist, also kein Mond eines Planeten ist und eine Atmosphäre besitzt. Nach dieser Definition wiederum wäre Pluto doch ein Planet.

Zurück zu Quaoar:
Es wird vermutet, daß Quaoar ein Eisplanet ist, der aus gefrorenen Steinbrocken besteht.
Interessant ist, daß er bereits 1982 von dem Astronom Charlie Kowal fotografiert, aber nicht als solcher identifiziert wurde. Die neuen Aufnahmen zeigen jedoch deutlich seine Wanderbewegung durch den Sternenhimmel.

Asteroiden wie z.B. Ceres werden von einigen Astrolog/innen durchaus in der Deutung berücksichtigt. Wie Quaoar gegebenenfalls interpretiert werden muß, läßt sich jetzt mit Sicherheit noch nicht sagen. Hinweise geben auf jeden Fall die mythologischen Namensvettern. Spannend ist, daß wir es nun mit einer mythologischen Figur zu tun haben, die außerhalb der europäischen Tradition steht. Es reicht bei weitem nicht aus, einfach in einem Lexikon ein paar Stichworte über Quaoar nachzulesen. Wir müssen, um diesen Schöpfungsmythos wirklich zu verstehen, ganz in das Denken und Fühlen der Tongva-Indianer einsteigen. Der Bezug zur lebendigen Natur ist hier viel stärker vorhanden – und erscheint uns bisweilen befremdlich. Wenn z.B. von Großmutter Mond oder Großvater Sonne die Rede ist, handelt es sich nicht einfach um schmückende Beiwörter für die Himmelslichter. Vielmehr wird eine tatsächliche, persönliche, ja familiäre Beziehung zu diesen Mächten hergestellt, die nicht intellektueller Art ist.
Vielleicht ist die Entdeckung von Quaoar mit einer Aufforderung verbunden, die indianische Kultur mehr in den Mittelpunkt der eigenen Betrachtungen zu stellen. Die Internetseite des Gabrieleno/Tongva Tribal Council mag dafür eine erste Anlaufstelle sein: www.tongva.com

Die Schöpfungsgeschichte der Tongva beginnt mit Quaoar. Als nur Chaos herrschte, sang und tanzte er. (Obwohl "er" nicht die richtige Bezeichnung ist, denn Quaoar wird keinem Geschlecht zugeordnet.) Durch das Singen und Tanzen werden die anderen Gottheiten erschaffen. Mich spricht dieses Bild sehr an: durch Bewegung wird die Welt geschaffen. Bewegung ist Leben. Eine Aussage, der jede/r Körpertherapeut/in zustimmt. Zunächst werden der Himmelsgott auf diese Weise erschaffen, dann die Erdgöttin. Ähnlichkeiten zu Uranos und Gaja, auch zum biblischen Schöpfungsmythos („Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“) fallen auf. Danach entstehen Großvater Sonne und Großmutter Mond / Mondin und immer mehr Naturgottheiten bevölkern die Welt. Sie alle stimmen in den Gesang und den Tanz mit ein. So ist alles ein gemeinsamer Reigen.

Die genaue Uhrzeit der Entdeckung ist bis auf die Sekundenangabe bekannt: 4.6.2002, 10:48:08 Uhr PDT, Palomar, Kalifornien USA. Um ehrlich zu sein: diese exakte Angabe wundert mich. Zumal die Astronomen doch das Objekt aufgrund seiner Bewegung als Kleinplanet identifiziert haben – und eine Bewegung kann schließlich nicht in einer feststehenden Sekunde sichtbar werden. Naja – es ist halt die offizielle Geburtsuhrzeit. Auf diesen Moment ein Horoskop berechnet steht Quaoar in Opposition zur Sonne. Bei den Entdeckungshoroskopen der anderen Planeten Uranus, Neptun und Pluto war stets Saturn mit im Spiel. Saturn ist es, der den Dingen Form verleiht. Bei Quaoar steht Saturn in einer sehr weiten Opposition (7 Grad) zum neuen Himmelskörper. Dafür trifft ihn ein exaktes Neptun-Sextil. Quaoar steht im vierten Haus in Schütze.
Das Horoskop ist stark wasserbetont mit einem strengen Mangel an Erde. Geht es tatsächlich darum, etwas zu schöpfen (ein Wasser-Wort), etwas neu zu schaffen? Ist es eine Kraft, die uns den Weg zu mehr spiritueller Ausrichtung (Neptun-Sextil, Sonne-Opposition) zeigt?

Erste Assoziationen – mehr nicht.




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