Astrologie | Astrologie Grundwissen
Wassermann
Claus Riemann
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Dienstag, 20. Februar 2001, 21:06
Eine ausführliche Beschreibung des Tierkreiszeichen Wassermann
Die Wassermann-Zeit, das ist der mittlere Wintermonat; es ist jetzt tiefster Winter. Das Leben hat sich in eine innere Welt zurückgezogen, Mutter Erde hat ein Make-up von Schnee und Eis aufgelegt, sie zeigt uns die "kühle Schulter". Daher kann das Wasser-männische auch als sehr kalt empfunden werden; das Wort "cool" ist ein Modewort des beginnenden Wassermann-Zeitalters. Es ist kein sonderlich einladendes Szenarium, das sich dem Neuankömmling bietet; man scheint nicht mit ihm gerechnet zu haben. Der erste Gedanke, der ihm durch den Kopf geht, ist vermutlich: da gehöre ich nicht her. Sicherlich würde er am liebsten auf dem Absatz kehrt machen und sich mit dem wassermännischen Gruß "und tschüß!" empfehlen. Der zweite Gedanke dürfte wohl sein: die es hier aushalten müssen alle spinnen; mit denen verbindet mich rein gar nichts! In einem Astrologieseminar sagte einmal die Leiterin: "Das Lebensgrundgefühl des Wassermannes ist: ich bin anders als die andern!" Eine Teilnehmerin, deren Sonne im Zeichen Wassermann stand, sagte wie aus der Pistole geschossen: "Das trifft auf mich nicht zu!" Als echter Wassermann las-se ich mich nicht festlegen, auch nicht auf's Anderssein; denn schließlich bin ich ja auch diesbezüglich nocheinmal ganz anders.
Unter dem Zeichen Steinbock war es Thema, der Unwirtlichkeit der Winterwelt zu trotzen, ihr das Notwendige abzuringen und dabei bis an die äußerste Grenze der eigenen Belast-barkeit zu gehen; man brauchte dazu die Härte und die Zähigkeit eines Extrembergstei-gers oder eines Marathonläufers. Wenn wir beim Bild des Marathonläufers bleiben, so würde die Wassermann-Erfahrung jenseits des toten Punktes liegen, wenn plötzlich alles ganz leicht wird, wenn alle Körperschwere von einem abfällt und man wie von unsichtba-ren Flügeln getragen dahinschwebt. Es gibt kein Problem, und dennoch ist die Welt voller Narren, die das (nicht vorhandene) Problem lösen wollen. Die Erfahrung des Abhebens ist hier eine ganz wesentliche. Das Abheben ist das Abheben des Vogels oder eines Flug-zeugs, die Loslösung von Mutter Erde, die Überwindung der Schwerkraft, es ist auch ein inneres "Über den Dingen Stehen", aber auch das Verlassen des Bodens der Realität, das Verrücktwerden.
Uranus, der Herrscher des Wassermann-Zeichens, wurde 1781 als erster der mit bloßem Auge nicht mehr sichtbaren Planeten entdeckt. Er, der "Ver-rückte", stand außerhalb des alten Weltbildes, das durch die Saturnbahn begrenzt wurde. Saturn symbolisiert Grenze und Struktur, er ist der Herrscher über Raum und Zeit. Die uranische Erfahrung liegt jen-seits von Raum und Zeit. Uranus fragt nicht danach, aus welcher Familie ich komme, zu welchem Volk ich gehöre oder in welchem Zeitalter ich geboren bin; die uranische Frage lautet: wer bin ich jenseits all dieser Prägungen? Es geht nicht darum, dem Leben einen Sinn oder einen Wert zu geben, sondern um die Erkenntnis, dass das Leben an sich schon sinnvoll und wertvoll ist. Ich muss keine Titel und keine Verdienste erwerben, um jemand zu sein; es gilt ganz einfach: ich bin ich - nicht mehr und nicht weniger und vor allem: nichts sonst.
Der Zweck des Fliegens ist das Fliegen; in diese Worte könnte man die zentrale Aussage von Richard Bach's Buch "Die Möwe Jonathan" zusammenfassen. Nicht umsonst wurde dieses Werk als das Kultbuch unserer Zeit bezeichnet. Es enthält die Botschaft des Was-sermann-Zeichens: der Zweck des Lebens ist das Leben; nichts sonst. Vergiss alle künst-lich erzeugten Wichtigkeiten! Du bist frei! Lebe Dein Leben! In einer Geschichte von Lao-tse kommt der Meister mit seinen Schülern an einen Ort, an dem Holzfäller alle Bäume fällen bis auf einen, der riesig groß mit seinen tausend Ästen mitten auf der Wiese steht. Er sagt zu seinen Schülern, sie sollen hingehen und die Leute fragen, warum sie diesen einen Baum nicht fällen. Sie bringen ihm alsbald die Antwort, dass dieser Baum nicht ge-fällt werde, da er so schief und krumm gewachsen sei, dass man sein Holz zu nichts ver-wenden könne, man könne nicht einmal Feuer damit machen, da sein Rauch in den Au-gen brenne. Die Botschaft des Meisters ist daraufhin: "Werdet wie dieser Baum, wachst krumm und schief; denn wenn ihr glatt und gerade seid, dann wird man Euch zu Möbeln verarbeiten!"
Auf einen kurzen Nenner gebracht könnte man sagen: "Tauge nichts und freue Dich!" Damit ist gemeint, dass ich mich nicht für das tauglich erweise, was meine Eltern, meine Lehrer oder die Gesellschaft mit mir vorhaben, sondern meinem inneren Plan folge; das heißt, wenn ich Baum bin, dann ist es meine Aufgabe zu wachsen und für gute Luft zu sorgen und Schatten zu spenden und nicht, gehobelt und geschliffen, als Sekretär das Zimmer irgendeines Ministers zu zieren.
Das Grimm‘sche Märchen "Hans im Glück" zeigt uns einen Helden, der dieser Lebensde-vise folgt. Nachdem Hans seinem Herrn sieben Jahre gedient hatte, sprach er zu diesem: "Herr, meine Zeit ist herum, nun wollte ich gerne wieder heim zu meiner Mutter, gebt mir meinen Lohn." Der Herr ist mit Hansens Diensten zufrieden gewesen und sein Lohn ist ein Stück Gold so groß wie sein Kopf. Hans tauscht den Goldklumpen jedoch unterwegs ge-gen ein Pferd ein, da es ihm dünkt, dass es wesentlich reizvoller sei zu reiten, als sich mit dem Gold abzuschleppen. Nachdem ihn das Pferd jedoch einmal abgeworfen hat, tauscht er es gegen eine Kuh, da er zu der Überzeugung gelangt ist, dass es viel angenehmer sei, gemächlich hinter der Kuh herzutraben und dabei noch jeden Tag Milch, Käse und Butter zu haben. Als er jedoch merkt, dass die Kuh keine Milch mehr gibt, da sie schon zu alt ist, tauscht er sie gegen ein junges Schwein. Kurz darauf trifft er einen mit einer Gans, der ihm Angst einjagt, indem er ihm erzählt, dass in dem Dorf, von dem er gerade komme, ein Schwein gestohlen worden sei. Auf Hansens Bitte ist der andere bereit, die Gans für das Schwein zu geben. Im letzten Dorf, durch das Hans auf seinem Weg zur Mutter muss, trifft er auf einen Scherenschleifer, der ihn davon überzeugt, dass der Beruf eines Scheren-schleifers das Nonplusultra sei. Hans überlässt ihm daraufhin seine Gans für zwei Steine und zieht vergnügten Herzens seiner Wege. Zu guter Letzt macht er bei einem Brunnen Rast, legt die beiden Steine auf den Rand des Brunnens und, als er sie versehentlich an-stößt, fallen beide in den Brunnen. Nun springt Hans vor Freude auf und dankt Gott, daß er ihn auch von dieser Last noch befreit habe, ohne dass er sich Schuldgefühle machen müsse. Und das Märchen endet mit den Worten: "Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war."
Hansens Glück nachzuvollziehen fällt uns im allgemeinen nicht leicht, macht er doch von Anfang bis Ende schlechte Geschäfte und lässt sich ständig übers Ohr hauen. Wir schät-zen eher einen Menschen glücklich, der es im Leben zu was gebracht hat, der gewogen wird und nicht als zu leicht befunden. Hans jedoch ist anders: er erleichtert sich am lau-fenden Band. Als er alles durchgebracht, beziehungsweise verloren hat, ist er am glück-lichsten, als wäre das sein Ziel gewesen: endlich befreit zu sein von all dem Zeug! Wer schon einmal in einer Situation war, in der er nichts mehr zu verlieren hatte, weiß, wie be-freiend das ist. So gesehen sind wir alle Gefangene; denn wenn wir auch nicht viel zu ver-lieren haben, so haben wir immerhin noch unser Leben, und das wollen wir auf alle Fälle so lange wie möglich behalten. Auch hier ist Hans anders. Er freut sich auf 's Heimkom-men zur Mutter, das ist sein Ziel, und er verliert es nie aus den Augen. Gemeint ist natür-lich Mutter Erde; in die Geborgenheit ihres Schoßes kehrt er nach seiner lustigen Lebens-reise wieder zurück. Wer sollte ihn daran hindern? Was könnte ihm also schon viel passie-ren, außer vielleicht ein paar unwesentlicher Missgeschicke? Hans ist so ein rechter Was-sermann-Vertreter; wie auf der Durchreise durch ein fremdes Land, in dem man Urlaub macht, wandert er von Station zu Station, verweilt dort wie in einem Hotel, in dem man für ein paar Tage absteigt, und dann erfolgt der wassermännische Gruß: "Und tschüß!" So, das war's dann. So geht er auch mit seinem Goldklumpen, seinem Pferd, seinem Schwein und seiner Gans um. Wie gewonnen, so zerronnen - hier gehört ihm sowieso nichts, er ist ja nur Gast.
Die Wassermann-Thematik wird durch den Vogel symbolisiert; er ist eigentlich nicht von hier, sondern ein Himmelsbewohner und das stimmt aber nicht. Und damit sind wir mitten im Thema: "Mit dem stimmt doch was nicht, der hat doch einen Vogel!" Solche oder ähnli-che Einschätzungen muss man als Wassermann gelegentlich auf sich ziehen, sonst stimmt wirklich was nicht. Ist es die Aufgabe des Zwillings, die Welt in Atem zu halten und zu beleben, indem er geistig rege immer wieder ein neues Argument in die Waagschale menschlicher Wahrheitssuche wirft, und ist es gleichzeitig die Aufgabe von Waage, immer wieder einen Ausgleich, eine Synthese zu bewerkstelligen, so fällt dem Wassermann, dem zentralen Luftzeichen, die Aufgabe zu, die Antithese zu formulieren, das Noch-nie-Dagewesene, das, was sich bisher keiner vorstellen konnte, aus dem Luftreich des Geis-tes auf die Erde zu holen, so dass sich immer wieder von neuem Unteres mit Oberem, Denkbares mit Undenkbarem vermählen muss und kann.
Hierzu eine Geschichte: Ein Indianer kommt auf einer seiner vielen Wanderungen an einer Hühnerfarm vorbei. Zwischen den Hühnern entdeckt er einen Adler, der pickt und scharrt wie ein Huhn. Er erkundigt sich deshalb bei dem Farmer, ob dieser ihm das Tier verkaufen wolle. Der Mann erklärt ihm, dass er es umsonst haben könne; er sei froh, es los zu sein, da es nur Futter fresse und keine Eier lege. Der Indianer nimmt sodann das vermeintliche Huhn mit. Unterwegs schließt er Freundschaft mit dem Hühneradler und erzählt ihm Ge-schichten von den großen heiligen Vögeln seines Stammes. Der Indianer will seinem Freund helfen, sich wieder daran zu erinnern, dass er ein Adler ist und kein Huhn; dazu geht er mit ihm auf einen hohen Berg mit einem steilen Abhang. Am Tag darauf ist es so weit, er schleudert den Hühneradler über dem Steilhang in die Luft; dieser kann aber seine Flügel nicht bewegen und stürzt in die Tiefe. Erst knapp über dem Boden breitet er endlich seine Schwingen aus und fliegt. Der Indianer tanzt und lacht vor Freude und sein Freund steigt zu ihm auf, um sich von ihm zu verabschieden; dabei streift er mit einer Adler-schwinge fast sein Kopfhaar. Viele von uns leben wie Hühner, obwohl sie eigentlich Adler sind.
Uranus vermittelt dem Einzelnen, dass er viel mehr und vor allem auch ganz etwas ande-res ist, als das, was er zu sein glaubt, einerseits symbolisiert er die Anbindung an das Göttliche, andererseits hebt er das Individuum aus dem Alleinen heraus, macht es als Ein-zelwesen erfahrbar; er macht dem Menschen deutlich, dass er einerseits von Gott kommt, andererseits aber auch getrennt ist von Gott. Nach zwei Seiten hin erkennt der Mensch, was er nicht ist: er gehört weder ganz ins Diesseits noch ganz ins jenseits: er ist ein Aus-gestoßener, ein Außenseiter, ein Zigeuner, ein Ausländer, überall fremd, hier gehört er nicht hin und da nicht: ein Kind von Mutter Erde und Vater Himmel. Aber der Uranus-Mensch fühlt sich mehr zum Himmel hingezogen zum Ouranos, er ist eher ein Vatersohn oder eine Vatertochter. Wie der Urvater Ouranos, der mit der Urmutter Gaia Kinder zeugte und sich dann aus dem Staub machte, will der Wassermann-Mensch mit der irdischer Notwendigkeit und Verantwortlichkeit nichts zu tun haben. Er ist wie der Mann in dem Witz zu dem der Richter sagt: "Angeklagter, geben Sie zu, dass sie der Vater des Kindes sind?" Er antwortet mit "ja!" Daraufhin der Richter: "Und was ist mit den Alimenten?" "Ach," sagt er "da verlange ich nichts!"
Im Grunde kann der Mann nichts dafür, dass die Frau fruchtbar ist; er hat das weder so eingerichtet, noch fühlt er sich dafür verantwortlich. Das Weibliche, die Materie bindet das Männliche, den Geist. Die Bindung an die Materie, ist die Tragik des Wassermännischen; allein die Tatsache, einen Körper zu haben und sich um dessen Bedürfnisse kümmern zu müssen ist für ihn die Vertreibung aus dem Paradies (des rein Geistigen).
Zur Wassermannproblematik:
Saturn symbolisiert die Grenze von "soweit das Auge reicht"; diesseits von Saturn bleibt alles im Rahmen, die "Dinge" sind offensichtlich und wir meinen, das sei die Realität; wer diese Realität anerkennt bezeichnet sich gerne als Realist, aber eigentlich ist er nur ein Halbrealist oder vielleicht auch ein frommer Träumer; denn auch das Nichtoffensichtliche ist Teil der Realität. Und das Nichtoffensichtliche, das Andere, das Fremde, das "Ver-rückte" beginnt mir Uranus. Das Märchen "Die drei Federn", auf das anlässlich des Tier-kreiszeichens Krebs schon eingegangen worden ist, hat auch einen uranischen Aspekt. Wenn die Lösung eines Problems nicht klar ersichtlich ist, wenn nicht erkennbar ist, in welcher Richtung der Weg weiterführt, dann versucht man sich daran zu orientieren, in welche Richtung der Wind des Zeitgeistes weht, man wirft eine Feder in die Luft und ü-berlässt die Entscheidung dem sogenannten Zufall. Aber woher kommt das, was einem da "zufällt". Gibt es nicht eben doch eine höhere Instanz, die solche "Zufälle" arrangiert. Wir bekommen es mit dem zu tun, was C.G. Jung das Selbst nennt. Da gibt es außerhalb un-seres bewussten Ich jenes Zentrum, das uns aus der Ferne steuert. Wir verhalten uns wie ferngesteuert, wir können unsere Handlungen nicht mehr begründen; sie sind nicht mehr vernünftig, jenseits von Saturn und jenseits von Merkur.
Die Bezeichnung "Wassermann" irritiert den astrologischen Neuling oftmals in der Hin-sicht, dass man meint, es mit einem Wasserzeichen zu tun zu haben. In der griechischen Mythologie, war es Ganymedes, der Mundschenk der Götter, der später als das Tierkreis-zeichen Wassermann an den Himmel versetzt wurde. Der Planet Uranus ist ein Sendbote des Unbewussten also ein Botschafter der Großen Mutter. Der Himmel sendet der Erde sein Wasser und macht sie dadurch fruchtbar. Schlagartig wird alles anders: es mit ande-ren Augen sehen - Mitstreiter können zu Gegnern werden. Hans im Glück: Rückkehr zur Mutter, um wiedergeboren zu werden, der Weg durch die Tierkreiszeichen neigt sich sei-nem Ende zu.
Eine Ganzheit jenseits von Form und Struktur, jenseits von Saturn, eine Ganzheit, die wie ein Blitz in unser Leben einbricht, es mit einem Schlag verändert.
Textauszug aus:
Claus Riemann - Astrologische Seminare - Wassermann.
Erhältlich als CD bei
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