Esoterik | alternative Heilmethoden
Chinesische Akupunktur im Test
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Montag, 4. September 2000, 18:46
Quelle: Stern Artikel vom 16.12.99 Autor/in *Günter Jentsch* *Elke von Berkholz*
MEDIZIN / Ein Heidelberger Forscherteam machte die Nadel-Probe: Die
traditionelle chinesische Akupunktur hat tatsächlich eine messbare Heilwirkung
Alles nur Psychokram - oder was ist dran an der Akupunktur? Deutsche Mediziner
haben die Probe aufs Exempel gemacht. Sie wollten wissen, ob die Kunst des Nadelns auch dann ihre heilsame Wirkung entfaltet, wenn der Kranke in Wahrheit gar nicht gestochen wird.
Dazu haben die Forscher Dr. Julia Kleinhenz und Konrad Streitberger der Heidelberger Universität eine Placebo-Nadel konstruiert. Sie funktioniert wie ein Theaterdolch: Setzt der Arzt sie an, wird die Haut lediglich gepikst, jedoch nicht durchstochen. Die Nadel verschwindet in ihrem Griff, sodass der Behandelte nicht weiß, ob sie tatsächlich eingedrungen ist. Hätten die Skeptiker Recht, müssten echte und falsche Nadeln die gleiche Wirkung zeigen - alles Einbildung eben.
52 Sportler stellten sich als Versuchspersonen zur Verfügung. Alle litten unter
schmerzhaften Sehnenansatzentzündungen an der Schulter. 25 Patienten wurden
gestochen, 27 gehörten zur Kontrollgruppe. Sorgfältig wurde darauf geachtet, dass die
beteiligten Ärzte die traditionelle Akupunktur perfekt praktizierten. 'Viele, die
hierzulande akupunktieren, beherrschen die Technik nicht richtig', sagt Julia Kleinhenz, die Initiatorin der Studie.
Grundlage der Akupunkturlehre ist die Vorstellung, dass der Körper eine Vielzahl
sensibler Punkte besitzt, deren Stimulation mit der Nadel die Funktion von Organen und Systemen beeinflussen kann. Der Heilkundige muss nicht nur die genaue Lage der Punkte kennen, sondern auch großes Geschick im Umgang mit seinem spitzen Handwerkszeug besitzen. Traditionalisten gehen von über 800 Akupunkturpunkten aus, in der Regel werden jedoch nur etwa 50 tatsächlich benutzt.
Die schulterkranken Heidelberger Athleten wurden an bis zu zwölf Punkten traktiert.
Das Ergebnis war eindeutig: Die echten Nadeln linderten die Schmerzen mehr als
doppelt so gut wie die Attrappen.
Um die Wirkung objektiv vergleichen zu können, haben die Heidelberger Mediziner
leicht abgewandelt ein anerkanntes Messverfahren zur Beurteilung von Schmerzen,
Bewegungseinschränkungen und Beeinträchtigungen des Alltagslebens angewendet,
den so genannten Constant-Murley Score. Der Maximalwert liegt bei 100 Punkten und
entspricht dem Zustand absoluter Gesundheit: keinerlei Schmerzen, volle Belastbarkeit und Beweglichkeit.
Die zufällige Auswahl der Probanden wollte es, dass es den Placebo-Patienten
durchschnittlich zunächst etwas schlechter ging (53,9 Punkte) als jenen, die
gestochen wurden (60,4 Punkte).
Der Test endete mit einem deutlichen Punktsieg für die Akupunktierten: Ihr
gemessenes Wohlbefinden steigerte sich um 19,2 Punkte auf 79,6. Die Behandlung
der Nicht-Gestochenen verbesserte deren Wert um 8,4 Punkte auf 62,3.
Die Wirkung der falschen Nadeln erklärt Julia Kleinhenz so: 'Ich bin als Ärztin das
wichtigste Placebo.' Schließlich verbrachte sie mit beiden Patientengruppen gleich viel
Zeit, Umgebung und Atmosphäre seien identisch gewesen. Allein die Tatsache, dass
ein Arzt sich der Probanden annehme und sie behandle, habe bereits einen
therapeutischen Effekt.
Gegenüber dem nadelnden Arzt gaben jedoch mehr als die Hälfte der
Placebo-Patienten an, sich besser zu fühlen - obwohl sie häufig weiterhin zur
Krankengymnastik mussten. 'Das subjektive Gefühl der Besserung resultiert aus dem
intensiven ArztPatient-Verhältnis, das besonders bei allen alternativen, sogenannten
weichen Heilmethoden entsteht', meint Kleinhenz. 'Deshalb sollten
Behandlungsergebnisse von Dritten beurteilt werden.'
Bildunterschrift: Dame sticht Skeptiker Die Ärztin Julia Kleinhenz bietet den Gegnern
der Akupunktur wissenschaftlich Paroli. Zur exakten Führung wurde die Nadel mit
einem Pflaster fixiert /
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