astrodicticum hat geschrieben:Ich spreche niemandem Kompetenz ab. Ich will wirklich einfach nur eine Antwort auf diese Frage haben. Weil es mich interessiert. Und auch meine "Vorurteile" könnte man mit einer vernünftigen Antwort leicht reduzieren. Wenn sich aber alle Astrologen, die ich dazu befrage (und das waren im Laufe der Zeit schon einige) weigern, eine Antwort zu geben bzw. nur ausweichende Antworten geben, dann bestärkt mich das eigentlich nur in meinem "Vorurteil".
Hallo astrodicticum

Ich meine, die "Gesetze der Wissenschaft" sind ein Konstrukt, das sich auf Astrologie nicht anwenden lässt, da es sich dabei nicht um etwas Wissenschaftliches handelt. Ein Horoskop muss zwar "errechnet" werden, doch die Mathematik ist hier nur ein Hilfswerkzeug, um zu einem deutbaren Horoskop zu gelangen. Deutungen sind, egal wo sie stattfinden, nie wissenschaftlich, sondern eine Frage der Anschauung und der Sinnsuche.
Vielmehr ist Astrologie eine Kunst denn eine Wissenschaft, und Kunst ist quantitativ nicht messbar. Um auf deine Frage zurückzukommen, welche Planeten wichtig seien im Horoskop: mal anders gefragt: was ist wichtig am Bild der "Mona Lisa"? Was macht es zu dem, was es ist? Die Gesichtsform, der Augenausdruck, die Mundpartie, die Körperhaltung...?
Was ist wichtig im Horoskop? Die Sonne, der Mond, Merkur, Venus...?
Sowohl für die Mona Lisa als auch fürs Horoskop gilt: erst alles zusammen ergibt ein Ganzes. Mona Lisa ohne Augen wäre nicht "ca. 95% dessen, was wir kennen" - sie wäre nichts, niemand würde ein solch defragmentiertes Werk wiedererkennen und kein Mensch hätte sie jemals im Louvre aufgehängt, wenn Leonardo da Vinci keine Augen gezeichnet hätte.
Astrologie ist eine kustvolle Bildsprache, und Sprachen können nicht "gut" oder "schlecht" sein. Sprachen können nur gesprochen und verstanden werden, oder auch nicht - und jede Sprache ist erlernbar. Auch Astrologie.
Die Sprache der Wissenschaft ist eine andere. Auch sie kann nicht "gut" oder "schlecht" sein und erlernt werden. Aber wenn einer in dieser und der andere in jener Sprache spricht, kommt es klarerweise zu Verständigungsproblemen.
Um zu ERKENNEN ("Wissen" gehört zur Wissenschaft, Erkenntnis zur Einsicht - ich mache hier bewusst einen Unterschied, denn Wissen und Erkenntnis sind ein Ergänzungspaar so wie Zwillinge und Schütze), welche Planeten "wichtig" sind (WOFÜR EIGENTLICH??? - auch das gilt es, zu erkennen), müssen sie "erfahren" werden, (= eigene Erfahrungen gesammt werden), Grundwissen in Zusammenhang gebracht werden. Es reicht eben nicht, zu sagen, beispielsweise "Mond steht für Mutter, Bedürfnisse, Kind, Seele, Nestwärme, Heimat" (das wäre Grundwissen) - es muss ein Bild draus werden, Empfindungen hochkommen, so wie beim Betrachten des Bildes von da Vinci. Und da wird auch jeder etwas anderes dabei empfinden.
Erst die Verbindung von Empfinden und Wissen führt zum Erkennen (das Zeichen Krebs spiegelt sich vertikal im Wissenszeichen Zwillinge und horizontal im Erkenntniszeichen Schütze). Erkenntnis muss also immer Subjektives beinhalten - und gerade das Subjektive ist ja in der Welt der Wissenschaft ausgeschlossen, daher geht es dort um reproduzierbares, objektives Wissen und nicht um Erkenntnis; bei Astrologie ist es genau andersrum und beim Kunstgenießer auch. Wichtig: keine dieser beiden Sprachen ist "besser" oder "schlechter" - aber allenfalls manchmal "geeignet" oder "ungeeignet", jedenfalls sind beide Sprachen grundverschieden.
In der Bibel steht zu Recht: "...und er erkannte sie." Könnte ja auch stehen: "...und er zeugte mit ihr ein Kind..." - Nein, es geht eben mehr als um die greifbare Realität. Es geht um die Wirklichkeit, und ohne Erkennen ist der Zugang dorthin verwehrt. Wirklichkeit ist das, wo das Reale mit dem Göttlichen verschmilzt, das Objektive mit dem Subjektiven zu einem Ganzen wird.
Damit kann aber die Wissenschaft nichts anfangen - Leonardo da Vinci konnte es schon.
Alles Liebe
Gerry