Liebe Nivalis,
Aber es ist schwer, sich keine Sorgen um die anderen zu machen...
Glaube mir, das verstehe ich nur all zu gut.
Aber denke mal bitte genau nach, was bewirkt es, wenn Du Dir Sorgen machst? Ändert sich dadurch etwas an der Situation? Oder wird trotzdem geschehen was geschehen soll (muss)?
Die Menschen denken immer, sie könnten gewisse zwischenmenschliche oder psychische Dinge anderer beeinflussen. Ich kann Dir versichern, dass das ein rührender, aber sinnloser Versuch ist.
Nimm einmal an, Deine Eltern haben Eheprobleme. Die haben sie nicht deshalb, weil Du dafür verantwortlich bist, sondern weil sie mit sich selbst Probleme haben. Du denkst "vermitteln" zu können? Glaube mir, das kannst Du nicht im Geringsten.
In meinem Beispiel sind Deine Eltern in Ihrer Beziehung nicht im Einklang. Entweder dies richtet sich mit der Zeit oder eben nicht. Ob Du Dir darüber Sorgen machst oder nicht wird diese Harmonisierung weder herbeiführen noch verhindern.
Selbst wenn Du Einfluss nimmst und sich die Situation entspannt, so ist es ein Trugschluss, dass Du das bewirkt hast. Wenn es so ist, dass die Situation sich entspannen sollte, so war die Harmonisierung ein unabhängig laufender Prozess. Er kann genau so gut durch die gemeinsame Trauer um die zufällig zu diesem Zeitpunkt überfahrene Hauskatze ausgelöst werden.
Wir Menschen überschätzen uns in der Regel maßlos in unserer Möglichkeit Situationen, die unabhängig von unserer Anwesenheit ablaufen, zu beeinflussen.
Also lass den Dingen ihren natürlichen Lauf und belaste Dich nicht mit Sorgen um Dinge, an denen Du nichts ändern kannst. Sie werden alle so ablaufen, wie es ihrem Wesen nach unausweichlich ist.
Natürlich ist mir klar, dass das nicht so einfach ist. Auch ich werde belastet wenn ich sehe, dass jemand den ich liebe Probleme hat. Auch ich mache mir dann Sorgen und versuche zu helfen. Wenn ich jedoch erkenne, dass es sich um Dinge handelt, die ich nicht ändern kann, so versuche ich mich (so gut es eben geht) davon mental zu distanzieren und sehe zu was passieren wird. Nach dem Ablauf des Geschehens bin ich da und sehe was nun zu tun ist und wie ich dabei helfen kann. Dies ist wertvoller als in die Ereignisse zu geraten und darin selbst so gelähmt zu werden, dass ich anschließend nicht mehr in der Lage bin zu helfen.
Das ist eine der wichtigsten Lektionen die ich im Leben gelernt habe. Wenn ich mit Abläufen konfrontiert bin die ich absolut nicht beeinflussen kann, so warte ich ruhig ab, bis ich genau sehe was denn nun wirklich passiert ist und überlege dann was zu tun ist.
Einen rollenden Stein kannst Du nicht durch Sorgen aufhalten. Du musst sehen, dass Du nicht unter ihn gerätst, diejenigen die Du warnen kannst warnen, aber wenn sie nicht hören kannst Du nichts tun. Du musst warten bis der Stein zum Stillstand kam und dann sehen was er angerichtet hat und wie Du helfen kannst, den Schaden zu beseitigen.
Anders ausgedrückt: Ich kümmere mich um die Dinge, die heute
sind. Um die Dinge, die morgen sein
könnten, um die kümmere ich mich morgen. Etwas was ich ändern kann, das ändere ich. Etwas was ich nicht ändern kann, lasse ich laufen, ohne Angst, ohne Sorgen. Erst wenn ich weiß was daraus wurde, denke ich darüber nach, was ich nun tun kann.
Lieber Gruß
Franz