5 Milliarden Euro verspielt

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5 Milliarden Euro verspielt

Beitragvon gerry » Do 24. Jan 2008, 17:20

Hallo zusammen :)

Die letzten Tage waren von crashartigen Tumulten an den Weltbörsen geprägt, denn es droht eine tiefe Rezession in den USA und Bernanke (Chef der Federal Reserve) reagierte nach Meinung der Anleger zu wenig auf die Immobilienkrise (subprime crisis... scherzhaft schon als subcrime crisis bezeichnet).

Interessanterweise war am Montag, 21.01.08 ein US-Feiertag, an dem die amerikanischen Börsen geschlossen hatten, der Freitag zuvor endete schon schwach - wie überhaupt der Jänner 2008 schon zweistellig im Minus performte.

Da kam an diesem 21.01.08 ein Milliardenverlust der Bank of China in die Nachrichten, mit der Ankündigung, "sich zu überlegen, aus dem US-Geschäft zurückzuziehen". Ebenso kursierten bislang unbestätigte Gerüchte durch die Anlegerreihen, der "arabische Scheck" zur Stützung der Citibank könnte platzen und die größte Bank der Welt ins Chapter 11 führen (US-Konkursantrag). Die Börsen stürzten ab, der S&P-500-Future, der ja nur an der Globex handelte, da die reguläre US-Börse zu war, verlor 70 Punkte (-5%) und war "Limit down" - der Handel war eingestellt. Im Dax und den meisten europäischen Börsen kam es zum Desaster, ca. -8%.

Es herrschte akuter Handlungsbedarf, eine Leitzinssenkung vor dem Termin am 30.01.08 schien nun sicher, um das Schlimmste abzuwehren. Tatsächlich wurde noch vor Eröffnung des US-Marktes am Dienstag, 22.01.08 um 14:20 MEZ (08:20 EST, New York) der Leitzinssatz um 0,75% gesenkt.

Die Märkte erholten sich, der S&P schloss den Tag mit -13 Punkten (-1% gegenüber Freitag) ab. Eine weitere Senkung am 30.01.08 wird erwartet.

Aber, und das war nun das Seltsame: während sie die US-Märkte nach der Zinssenkung erholten, schmierte der DAX ab und verlor nochmals 6% - gegenüber dem Freitag waren nun fast 13% Kursverlust zu verzeichnen (im Vergleich zu -1% in den Staaten).

Hier ist nun die Erklärung für diese relative Schwäche Europas zu den USA, und da bleibt einem nun der Mund offen:

Händler stürzt Großbank mit Milliardenbetrug in die Krise
Von Stefan Simons, Paris

Schock für das Bankensystem: Ein einzelner Aktienhändler hat die französische Großbank Société Générale um 4,9 Milliarden Euro geprellt. Er hebelte offenbar alle Kontrollmechanismen aus, Bankchef Bouton und viele in der Branche sind fassungslos. "Er hat einfach nur gespielt."

(Mehr dazu hier...)
Deshalb der starke Kursverlust: die Bank war von Montag (21.01.) bis Mittwoch (23.01.08) damit beschäftigt, die riesigen Positionen glattzustellen! :shock: :shock:

Was so alles passiert, wenn Pluto und Venus in engster Konjunktion im Vakuum stehen! Das Horoskop der Meldung (24.01.2008, 07:00 MEZ, Paris) ist jedenfalls etwas Besonderes, auch Merkur/Neptun/Mondknoten an der Spitze 2 schaut eindrucksvoll aus.

Damit ist der SocGen-Skandal noch weit größer als die Nick-Leeson-Story (er verspielte die Baringsbank, "nur" rund 1,6 Mrd Euro), aber es gab doch eine Gemeinsamkeit:

Der Betrug von Nick Leeson wurde bekannt, als Pluto in den Schützen wechselte, dieser hier, als Pluto den Schützen verließ... Nicht kleckern, sondern klotzen heißt die Devise - Jupiter voll und ganz erfahren.

Den Meldungen zufolge war dies ein Alleingang eines 30-jährigen Händlers, der mit einem mageren Gehalt (angeblich) kleine Summen jonglierte. Wie aus Mücken doch Elefanten werden! Ich mag den Alleingang nicht so recht glauben.

Sieht man im Horoskop der Meldung etwas? Oder in einem anderen?
(Die Societe Generale wurde am 04.05.1864 in Paris gegründet.)

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Beitragvon Skiron » Mi 30. Jan 2008, 04:41

was war denn die Aufgabe vom Herrn Kerviel ?

Er mußte, was ich mitbekommen habe, einmal darauf setzen , dass eine Aktie steigt und gleichermaßen darauf setzen, dass der Aktienindex fällt. Was für sinn hat denn das für die Bank, wenn es sich die Waage hällt ?


Wenn ich 100 Euro darauf setze, dass A gewinnt und 100 Euro dagegen setze, ... warum dann noch setzen ?
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Beitragvon gerry » Mi 30. Jan 2008, 12:45

Hallo Skiron :)

Seine Aufgabe war wohl das Arbitragegeschäft. Die risikofreie Arbitrage ist selten und nur kurz möglich, in dem Preisunterschiede eines Wirtschaftsgutes an verschiedenen Handelsplätzen ausgenutzt werden. Wenn eine Aktie etwa in Paris 100 kostet und in Frankfurt 101, kauft der Arbitrageur in Paris, verkauft in Frankfurt und behält einen Euro. Durch verstärkte Käufe (arbitrieren wollen ja viele) werden die Kurse in Paris steigen und in Frankfurt durch vermehrte Verkäufe fallen, bis sie einen einheitlichen Preis haben und die Arbitrage damit stirbt.

Eine andere Form der Arbitrage birgt Risken und ist nicht mehr risikofrei: es wird ein Portfolio P gekauft und ein Portfolio P' verkauft, die eine hohe Korrelation zueinander haben, also eine ähnliche Performance erwarten lassen.

Beispiel: Jemand kauft ein Portfolio deutscher Aktien im Wert von EUR 700.000, von denen er überzeugt ist, dass diese Aktien besser abschneiden als der DAX. Die Wette geht hier gar nicht auf einen grundsätzlich steigenden Markt, sondern ein besseres Abschneiden: also wird der Händler das Aktien-Portfolio (P) kaufen und gleichzeitig das Futures-Portfolio (P') verkaufen (1 DAX-Kontrakt hat einen Wert von 7000*25, daher entsprechen 4 Futures einem Wert von 700.000 beim aktuellen Kurs von ca. 7.000 im DAX). Also:

+ Kauf EUR 700.000 deutsche Aktien mit toller Aussicht
- 4 Dax-Futures @ 7.000 (Kontraktwert: -700.000)
---------------------------------------------------------------
Nettoposition: EUR 0 (+700000-700000)

Wenn zB die Aktien nun im Schnitt 5% fallen und der DAX 10% verliert, hat unser Händler gewonnen:

long deutsche Aktien, Wert EUR +665.000,--
short 4 FDAX @ 6300 Wert EUR -630.000,--
---------------------------------------------------------------
Nettoposition: EUR +35.000,-- (+665000-630000)

Wir sehen, es muß unseren Aktien nur besser gehen als dem Gesamtmarkt, dann gibts Gewinne, andernfalls Verluste. Wenn sich nun jemand nur die Risikoposition ("Value at risk") ansieht, ist die Zahl 0 zu Beginn und nachher 35000 eher unspektakulär. Dabei bewegt der Händler aber in Wirklichkeit 2*700000. Dafür muß ich nicht einmal etwas verstecken, sondern das Risk Management auch mal auf die Size (Kontraktwert) schauen.

Hier wird vermutlich noch einiges ans Tageslicht kommen, die Arbitragen und Positionsgeschäfte brachten immerhin 1,5 Mrd Euro Gewinn vor dem Kollaps und keiner hat den Mund aufgemacht. Es kann mir niemand erzählen, dass derartige Gewinne ohne Limitüberschreitungen möglich sind (ich lerne aber gerne dazu *gg*).

Eines ist bisher gewiß: Jerome Kerviel ist am 11.01.1977 in Pont l'Abbe (Bretagne) geboren. Vielleicht gibt es in der Synastrie zur SocGen interessante Aspekte, wer weiß...

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