Die Arbeiten des Herkules im Tierkreis

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Die Arbeiten des Herkules im Tierkreis

Beitragvon Arnold Buchenrieder » Fr 18. Sep 2009, 21:03

Die Arbeiten des Herkules im Tierkreis.

Hallo ihr Lieben,

Vielleicht kennen viele von euch bereits etwas über „Die Arbeiten des Herkules im Tierkreis.“ Für Astrologen ist es so gut wie unverzichtbar, da es viel tiefes Wissen in sich birgt! Mir persönlich gefallen die Ausführungen hierfür von Alice Bailey am besten. Im Grunde genommen werden hier alle Archetypen der menschlichen Eigenart beleuchtet, alle möglichen Probleme und Lösungen für die Menschheit aufgezeigt. Die Reise von Herkules durch den Tierkreis hat etwas tief schürfendes und befreiendes in sich! Herkules hat die „12 Tore“ zu durchschreiten, und hinter jedem Tor wartet für ihn eine Aufgabe.

In diesem Beitrag versuche ich diese 12 Reisen in kurzer Form darzulegen, da das Buch doch sehr ausführlich ist. Aber hier geht es mehr um die Essenz, um die wesentlichen Eckpfeiler in Hinsicht auf jede Aufgabe, welche Herkules zu meistern hatte.

Der Tierkreis.

Der Eine, der den Vorsitz führte, blickte auf die Söhne der Menschen, die die Söhne Gottes sind. Er sah ihr Licht und wo sie standen, auf dem WEGE, der zurück zum Herzen Gottes führt. Der Weg führt durch einen Kreis, durch die zwölf großen Tore, und Zyklus um Zyklus werden die Tore geöffnet und wieder geschlossen. Die Söhne Gottes, die die Söhne der Menschen sind, schreiten voran.

Trübe ist das Licht zuerst. Selbstsüchtig ist die Richtung menschlichen Strebens und dunkel die sich daraus ergebenden Taten. Langsam lernen die Menschen und im Lernen durchschreiten sie die Säulen der Tore wieder und wieder. Dumpf ist das Verstehen, aber in den Hallen der Disziplin, die in jeder Abteilung des kosmischen Kreisumlaufs zu finden sind, wird die Wahrheit allmählich erfasst, die nötige Lektion gelernt und die Natur geläutert und gelehrt, bis das Kreuz gesehen wird – das fixe, wartende Kreuz, das die Söhne der Menschen kreuzigt, ausgestreckt auf den Kreuzen jener, die dienen und erlösen.

Aus der Masse der Menschen ragte in alten Tagen einer hervor und zog das wachsame Auge des großen Älteren, der den Vorsitz führt, auf sich – Er, der ewig den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn. Er wandte sich zu einem, der dicht neben ihm stand und sagte: „Wer ist jene Seele auf dem Weg des Lebens, deren Licht jetzt schwach sichtbar ist?“ Rasch kam die Antwort: „Das ist die Seele, die auf dem WEG des Lebens Erfahrungen macht und das Licht sucht, das aus dem hohen Orte leuchtet“. „Lasst ihn fortschreiten auf seinem Weg, doch wacht über seine Schritte“.

Die schnell enteilenden Äonen verfolgten ihren Lauf. Das große Rad drehte sich und brachte im Drehen die suchende Seele auf dem WEG. Später kam ein Tag, wo der Eine in der Ratshalle des Herrn, der den Vorsitz führt, die suchende Seele wieder in den Kreis seines strahlenden Lebens zog. „Wessen ist die Seele auf dem WEG des Strebens, deren Strahlung schwach hervorleuchtet?“ Es kam die Antwort: „Eine Seele, die das Licht des Verstehens sucht, eine sich mühende Seele“. „Sag ihr von mir: den anderen Weg zurückzukehren, dann um den Kreis zu wandern. So wird sie das Ziel ihrer Suche finden. Wache über ihre Schritte und wenn sie ein verstehendes Herz, ein reges Denken und geschickte Hände hat, bringe sie zu Mir!“

Wieder vergingen die Jahrhunderte. Das große Rad drehte sich und trug im Drehen alle Söhne der Menschen, die Söhne Gottes sind, auf ihren Pfad. Und während die Jahrhunderte vergingen, entstand eine Gruppe Menschen, die langsam den umgekehrten Weg einschlugen. Sie fanden den WEG. Sie gingen durch die Tore und strebten nach dem Gipfel des Berges und nach dem Ort des Todes und des Opfers. Der überwachende Lehrer sah einen Menschen aus dieser Menge hervorragen und das fixe Kreuz besteigen; er verlangte nach den Taten, nach Dienst an Gott und zu den Menschen und zeigte die Bereitschaft, den WEG zu Gott zu pilgern. Er stand vor dem großen Einen, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn und hörte ein Wort ertönen:

„Gehorche dem Lehrer auf dem WEG. Bereite dich für die letzten Prüfungen vor. Gehe durch jedes Tor und in der Sphäre, die sie enthüllen und bewachen, verrichte die Aufgabe, die ihrer Sphäre geziemt. Lerne so die Lektionen und beginne mit Liebe den Menschen der Erde zu dienen“.

Dann erging an den Lehrer das letzte Wort: „Bereite den Kandidaten vor. Gib ihm die Aufgaben zu erfüllen und setze seinen Namen auf die Tafeln des lebendigen WEGES.“

Der Tibeter



Herkules der Jünger – der Mythos.

Er stand vor seinem Lehrer. Dumpf fühlte er, dass dies der Beginn einer Krise war, die zu einem Wandel der Sprache, der Haltung und des Planes führte. Der Lehrer sah ihn an und mochte ihn. „Dein Name?“ fragte er und wartete auf Antwort. „Herakles oder Herkules“ kam die Antwort. „Sie sagen mir, das hieße „Heras seltene Glorie“, der Glanz und das Strahlen der Seele. „Was ist die Seele, o Lehrer? Sage mir die Wahrheit!“

„Diese, deine Seele wirst du finden, wenn du deine Aufgabe erfüllst und die dir eigene Natur entdeckst und nützt. Wer sind deine Eltern? Sag es mir , mein Sohn.“

„Mein Vater ist göttlich. Ich kenne ihn nicht, es sei denn, dass ich in mir weiß, ich bin sein Sohn. Meine Mutter ist irdisch. Sie kenne ich gut und sie hat mich zu dem gemacht, was du siehst. Gleicherweise, o Lehrer meines Lebens, bin ich einer von Zwillingen. Es gibt noch einen anderen genau wie ich. Ich kenne ihn gut und kenne ihn doch nicht. Einer ist von der Erde, also irdisch, der andere ein Sohn Gottes.“

„Wie steht es um deine Erziehung, Herkules, mein Sohn? Was kannst du und was hast du gelernt?“

„In allen Fertigkeiten bin ich bewandert; ich wurde gut belehrt, gut geschult, gut geleitet und ich bin gut bekannt. Ich kenne alle Bücher, alle Künste, und alle Wissenschaften; jegliche Feldarbeit ist mir bekannt, dazu die Fertigkeiten jener, die reisen können und Menschen kennen. Ich kenne mich als einen, der denkt, fühlt und lebt. Eines, o Lehrer, muß ich dir noch sagen, damit ich dich nicht täusche. Alle jene, die mich in der Vergangenheit lehrten, erschlug ich vor nicht langer Zeit. Ich tötete meine Lehrer und auf meiner Suche nach Freiheit stehe ich jetzt frei. Ich suche mich selbst zu erkennen, in mir selbst und durch mich selbst.“

Mein Sohn, das war eine Tat voll Weisheit, jetzt kannst du frei stehen. Fahre fort dich zu mühen und denke immer daran, dass an der letzten Umdrehung des Rades das Mysterium des Todes erscheint. Vergiss das nicht. Wie alt bist du mein Sohn?“

„Ich zählte achtzehn Sommer, als ich den Löwen schlug und seit dem Tage trage ich sein Fell. Und dann, mit einundzwanzig begegnete ich meiner Braut. Heute stehe ich vor dir dreifach frei – frei von meinen früheren Lehrern, frei von der Furcht vor Furcht und, in der Tat, frei von Begierde.“

„Brüste dich nicht, mein Sohn, sondern beweise mir das Wesen dieser Freiheit, die du fühlst. Wieder im Löwen wirst du dem Löwen begegnen. Was wirst du tun? Wieder in den Zwillingen werden, die Lehrer, die du erschlugst, deinen Weg kreuzen. Hast du sie wirklich überwunden? Was wirst du tun? Wieder wirst du im Skorpion mit der Begierde ringen. Wirst du frei stehen, oder wird die Schlange dir mit ihrer List begegnen und dich zur Erde nieder ziehen? Was wirst du tun? Bereite dich vor, deine Worte und deine Freiheit zu beweisen. Rühme dich nicht, mein Sohn, sondern beweise mir deine Freiheit und deinen tiefen Wunsch zu dienen.“

Der Lehrer saß in Schweigen. Herkules zog sich zurück und stand vor dem ersten großen Tor. Dann sprach der Eine, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn, zum Lehrer und bat ihn, die Götter zu Zeugen des Strebens zu rufen und den neuen Jünger auf den WEG zu bringen. Der Lehrer rief. Die Götter antworteten. Sie kamen und brachten Herkules ihre Gaben und viele Worte weisheitsvollen Rates, da sie die Aufgaben, die vor ihm lagen, kannten und die Gefahren des WEGES.

Minerva reichte ihm ein Gewand, das sie selbst gewebt hatte, ein Gewand, das ihm gut passte, fein und von seltener Schönheit war. Er legte es an mit Triumph und Stolz, frohlockend in seiner Jugend. Er musste sich noch bewähren.

Vulkan schmiedete für ihn einen goldenen Brustschild, der sein Herz schützte, die Quelle des Lebens und der Kraft. Diese goldene Gabe wurde umgegürtet und, so beschützt, fühlte sich der neue Jünger sicher. Er musste seine Stärke noch beweisen.

Neptun erschien mit zwei Pferden und gab sie zusammengekoppelt dem Herkules. Sie kamen direkt von dem Ort der Wasser und waren herrlichsten Geblüts. Herkules war hocherfreut, denn er wusste seine Macht, die beiden Pferde zu reiten, noch beweisen.

Merkur nahte mit anmutiger Rede und glänzendem Witz. Er trug ein Schwert von auserlesenem Muster, das er in einer silbernen Scheide Herkules darbot. Er schnallte es Herkules um die Hüften und hat ihn, es scharf und glänzend zu halten. „Es muss trennen und schneiden“, sagte Merkur, „und mit Genauigkeit und erworbenem Geschick gehandhabt werden.“ Herkules dankte ihm mit freudigen Worten. Noch musste er seine gerühmte Geschicklichkeit beweisen.

Mit schmetternden Trompeten und dem Lärm stampfender Hufe nahte im fliegenden Lauf der Wagen des Sonnengottes wie ein flammender Blitz. Apollo kam und grüßte Herkules mit seinem Licht und seinem Zauber und gab ihm einen Bogen, einen Bogen aus Licht. Durch neun weit offene Tore muß der Jünger gehen, bevor er das Geschick erlangt, diesen Bogen zu spannen. Es brauchte diese ganze Zeit, um sich als Bogenschütze zu bewähren. Doch als ihm die Gabe geboten wurde, nahm Herkules sie im Vertrauen auf seine Macht, eine Macht, bis jetzt noch unerprobt.

Und so stand er gerüstet. Die Götter umstanden den Lehrer und beobachteten seine Possen und seine Freunde. Er spielte vor den Göttern und zeigte seine Tapferkeit und rühmte sich seiner Stärke. Plötzlich hielt er inne und überlegte lang. Dann gab er einem Freund die Pferde zu halten, das Schwert einem anderen und den Bogen einen dritten. Darauf verschwand er rennend im nahen Wald.

Die Götter erwarteten seine Rückkehr und wunderten sich, erstaunt über sein merkwürdiges Verhalten. Er kam aus dem Wald zurück und trug hoch erhoben eine Holzkeule, die aus einem lebendigen, starken Baum geschnitten war.

„Dies ist mein Eigenes“ schrie er, „niemand gab sie mir. Dies kann ich mit Macht gebrauchen. O Götter, achtet auf meine hohen Taten!“

Und dann, erst dann, sprach der Lehrer: „Geh nun und mach dich ans Werk.“

Der Tibeter


Die erste Arbeit
Das Einfangen der menschenfressenden Stuten – Widder
Herrscher exoterisch Mars, esoterisch Merkur

Der Mythos

Das erste große Tor stand weit offen. Aus dem Portal ertönte eine Stimme: „Herkules, mein Sohn, schreite voran. Geh ein durch das Tor und betritt den Pfad. Verrichte deine Aufgabe. Dann kehre zu mir zurück und berichte über die Tat.“

Mit Triumphgeschrei stürzte Herkules durch das Tor und rannte in übermütigem Vertrauen, sicher seiner Macht, durch die Säulen des Tores. So begann die erste Aufgabe und die erste seiner großen Diensthandlungen. Was sie erzählen sind Lehren, für die Menschensöhne, die die Söhne Gottes sind.

Der Sohn des Mars, Diomedes, von feurigem Ruf, herrschte im Land hinter dem Tor und züchtete dort in den Sümpfen Kriegspferde und Stuten. Wild waren die Pferde und hitzig und alle Menschen zitterten, wenn sie hörten, denn sie verwüsteten das Land weit und breit. Sie richteten großen Schaden an und töteten die Söhne der Menschen, die ihnen in den Weg kamen. Und ständig zeugten sie sehr wilde, böse Pferde.

„Fange diese Stuten und mach diesen bösen Taten ein Ende.“ War der Befehl, der die Ohren des Herkules erreichte. „Geh und rette das weite Land und die darin wohnen.“

„Abderis“, schrie Herkules, „komm, hilf mir bei dieser Aufgabe!“ So rief Herkules den Freund, den er sehr liebte und der ihm überall hin folgte, von Ort zu Ort. Und Abderis kam, nahm seinen Platz neben dem Freund ein und stellt sich mit ihm der Aufgabe. Nach sorgfältiger Planung folgten die beiden den Pferden, die über die Wiesen und Sümpfe des Landes schweiften. Schließlich trieb Herkules die wilden Stuten auf einem Feld zusammen, wo sie nicht weiterkonnten und hier fing und fesselte er sie. Er jubelte vor Freude über den Erfolg. So groß war sein Entzücken, über seine eigene Tapferkeit, dass er unter seiner Würde hielt, die Stuten selbst zu halten der sie auf den Weg zu Diomedes zu treiben. Er rief den Freund und sagte: „Abderis, komm her und treibe diese Pferde durch das Tor.“ Dann wandte er sich um und schritt voll Stolz von dannen.


Aber Abderis war schwach und fürchtete die Aufgabe. Er konnte die Stuten nicht halten, noch sie anschirren, oder in den Fußstapfen seines Freundes durch das Tor treiben. Die Pferde wandten sich gegen ihn, zerrissen ihn und zertraten ihn unter ihren Hufen; sie töteten ihn und entkamen in die wilderen Ländereien des Diomedes.

Weiser, doch gramzerstört, gedemütigt und entmutigt, kehrte Herkules zu seiner Aufgabe zurück. Wieder machte er sich auf die Suche nach den Stuten, von Ort zu Ort. Den Freund ließ er liegen. Und wieder fing er die Pferde ein und trieb sie selber durch das Tor. Aber Abderis lag tot.

Der Lehrer musterte ihn besorgt und schickte die Pferde nach dem Ort des Friedens, wo sie für ihre Aufgaben gezähmt und abgerichtet wurden. Das Volk des Landes, von der Furcht befreit, hieß den Befreier willkommen und proklamierte Herkules als den Retter des Landes Doch Abderis lag tot.

Der Lehrer wandte sich zu Herkules und sagte: „Die erste Aufgabe ist beendet, sie ist erfüllt, doch schlecht erfüllt. Lerne die wahre Lektion dieser Aufgabe und dann schreite voran, deinen Mitmenschen zu dienen. Gehe hinaus in das Land, das vom zweiten Tor behütet ist. Finde den geweihten Stier und bringe sie zum heiligen Ort.“




Die zweite Arbeit
Gefangennahme des Kretischen Stiers
Exoterischer Herrscher Venus, esoterisch Vulkan

Er, der den Vorsitz führt, sprach zum Lehrer des Menschen, dessen Licht hervorleuchtet unter den Menschensöhnen, die die Söhne Gottes sind: „Wo ist der Mensch, der mächtig vor den Göttern stand, ihre Gaben empfing und durch das weit offene Tor trat, um an seiner Aufgabe zu arbeiten?“

„Er ruht, o Großer, und denkt über sein Versagen nach. Er trauert um Abderis und sucht nach Hilfe in sich selbst.“

„Es ist gut. Die Gaben des Fehlschlags garantieren den Erfolg, wenn richtig verstanden. Lass ihn sich nochmals mühen, durch das zweite Tor gehen und rasch zurückkehren.“

Das zweite Tor stand weit offen und aus dem Licht, das die entfernte Szenerie verschleierte, erklang eine Stimme: „Geh durch das Tor, schreite fort auf dem Weg. Verrichte deine Arbeit, dann kehre zu mir zurück und berichte über dein Tun.“

Allein und traurig, sich seiner Not bewusst und müde vom tiefen Schmerz, ging Herkules langsam durch die Säulen des Tors in das Licht, das dort strahlte, wo der heilige Stier steht. Am Horizont erhob sich die schöne Insel wo der Stier weilte und kühne Männer das weite Labyrinth betreten konnten, das sie in die Verwirrung lockt – den Irrgarten des Minos, König von Kreta, des Hüters des Stieres.

Den Ozean überquerend, nach der sonnigen Insel, ( wiewohl uns nicht geklärt wird, wie ) begann Herkules seine Aufgabe den Stier zu suchen, ihn zu finden und zu dem heiligen Ort zu führen, wo die einäugigen Menschen wohnen. Von Ort zu Ort verfolgte er den Stier, geführt von einem schimmernden Stern, der auf der Stirn des Tieres glänzte, strahlende Leuchte an dunklem Ort. Dies Licht, das mit dem Stier sich bewegte, führte ihn von Ort zu Ort.

Alleine suchte er den Stier, alleine verfolgte er ihn zu seinem Lager, allein fing er ihn ein und stieg auf seinen Rücken. Um ihn standen der Schwestern sieben, die ihn auf seinem Wege weitertrieben, und in dem strahlenden Lichte ritt er den Stier über das schimmernde Wasser, von der Insel Kreta bis zu dem Land, wo drei der Cyklopen wohnten.

Diese drei großen Söhne Gottes erwarteten seine Rückkehr und beobachteten sein Näherkommen durch die Wellen. Er ritt den Stier, als wäre er ein Pferd, und mit dem singenden Schwestern näherte er sich dem Land.

„Er kommt mit Kraft“, sagte Brontes und ging ihm zum Strand entgegen. „Er reitet im Licht“, sagte Steropes, „sein inneres Licht wird heller werden.“ Dann fachte er das Licht zu plötzlicher Flamme. „Er kommt mit Eile“, sagte Arges, „er reitet durch die Wellen.“ Herkules kam näher, er drängte den heiligen Stier auf dem WEG indem er das Licht auf die Spur richtete, die von Kreta bis zum Tempel des Herrn in der Stadt der einäugigen Männer führte. Auf dem Festland, wo die Wellen enden, standen diese drei Männer, packten den Stier und nahmen ihn Herkules fort.

„Was hast du da?“, sagte Brontes und hielt Herkules auf dem Weg fest. „Den heiligen Stier, o Anbetungswürdiger.“ „Wer bist du? Sag uns jetzt deinen Namen“, sagte Steropes. „Ich bin der Sohn der Hera, ein Menschensohn und doch ein Sohn Gottes. Ich habe meine Aufgabe erfüllt. Bringt nun den heiligen Stier an den heiligen Ort und rettet ihn vor drohendem Tode. Minos wünschst ihn zu opfern.“

„Wer hat dir aufgetragen den Stier zu suchen und zu retten?“ sagte Arges und wandte sich nach dem heiligen Ort. „In mir selbst fühlte ich den Drang und suchte meinen Lehrer. Mit dem Auftrag des großen Vorsitzenden schickte er mich auf den Weg, wo ich nach langer Suche und großer Plage den Stier dann fand, vermittels seines heiligen Lichts und ritt ihn durch sich teilende Wogen hierher an diesen heiligen Ort.“

„Geh nun in Frieden, mein Sohn, dein Werk ist getan.“ Der Lehrer sah ihn kommen und ging ihm entgegen auf dem WEG. Über die Wasser kamen die Stimmen der Schwester sieben. Sie umsangen den Stier und näher noch der Gesang der einäugigen Männer im Tempel des Herrn, hoch in dem heiligen Ort.

„Du kommst mit leeren Händen, o Herkules,“ sprach der Lehrer. „Meine Hände sind leer, denn ich habe die Aufgabe erfüllt, die mir zubestimmt gewesen. Der heilige Stier ist gerettet, ist sicher bei den Dreien. Was nun?“

„Im Lichte wirst du das Licht sehen, wandle in diesem Lichte und dort sieh Licht. Dein Licht muss heller scheinen, Der Stier ist in dem heiligen Ort.“ Und Herkules legte sich auf dem Rasen nieder um sich von seiner Arbeit auszuruhen. Später wandte der Lehrer sich ihm zu und sagte: „Die zweite Arbeit ist getan und leicht war deine Aufgabe. Lerne nun aus dieser Lektion, die Proportion, Kraft zur Durchführung der mühsamen Aufgabe; Gewillt sein, die Aufgabe durchzuführen, die deine Kräfte nicht erfordert; das sind zwei gelernte Lektionen. Erhebe dich nun bald und suche das Land, das hinter dem dritten Tore liegt. Dort finde die goldenen Äpfel, Die bringst du her.“





Die dritte Arbeit
Das Sammeln der goldenen Äpfel der Hesperiden
Exoterischer Herrscher Merkur, esoterisch Venus

Der Mythos

Der große Eine, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn, hatte die Arbeiten des Sohnes der Menschen, der ein Sohn Gottes ist, beobachtet. Er und der Lehrer sahen das dritte große Tor sich öffnen vor dem Sohn der Menschen, das eine neue Gelegenheit enthüllte zum Weitergehen auf dem WEG. Sie sahen, wie der sich Mühende aufstand und sich anschickte, die Aufgabe zu beginnen.

„Schickt aus das Wort, den heiligen Baum zu hüten. Lasst Herkules die Kraft entfalten zur Suche ohne Entmutigung, Täuschung oder allzu große Eile. Lasst ihn Beharrlichkeit beweisen. Bis jetzt hat er es gut gemacht.“ So ging das Wort hinaus.

Weit im entferntem Land stand der heilige Baum, der Baum der Weisheit, und auf ihm wuchsen die goldenen Äpfel der Hesperiden. Der Ruhm dieser süßen Früchte war weit in die Lande gedrungen und alle Söhne der Menschen, die sich gleichermaßen als Söhne Gottes kannten, begehrten sie. Auch Herkules wusste von diesen Früchten und als das Wort ausging, sie zu suchen, ging er zu seinem Lehrer und fragte ihn, auf welchem Wege der heilige Baum zu finden sei, damit er die Äpfel pflücke.

„Sag mir den Weg, o Lehrer meiner Seele. Ich suche nach den Äpfeln und brauche sie rasch zu meinem Nutzen. Zeige mir den schnellsten Weg und ich will gehen.“

„Nicht so, mein Sohn“, antwortete der Lehrer. „Der Weg ist lang. Zwei Dinge nur will ich dir anvertrauen und dann ist es an dir, die Wahrheit dessen, was ich sage, zu beweisen. Bedenke, dass der heilige Baum gut bewacht ist. Drei schöne Jungfrauen pflegen den Baum und hüten seine Früchte gut. Ein Drache mit hundert Köpfen beschützt die Maiden und den Baum. Hüte dich wohl vor Stärke, die deine Kräfte übersteigt, vor Listen, die zu fein gesponnen für dein Begreifen. Sei wachsam. Das zweite, was ich dir zu sagen habe, ist dies, dass deine Suche dich so lenken wird, um den fünf großen Prüfungen auf dem Wege zu begegnen. Jede bietet dir ein Wirkungsfeld für Weisheit, Verstehen und Geschicklichkeit. Sei wachsam. Ich fürchte sehr, mein Sohn, dass diese Punkte auf dem Weg du nicht erkennen wirst. Doch nur die Zeit allein wird es beweisen. Gott helfe dir bei deiner Suche.“

Mit Zuversicht, weil weder Erfolg noch Fehlschlag ihm etwas anhaben konnten, ging Herkules voran auf seinem WEG, sicher seiner selbst, seiner Weisheit und seiner Stärke. Durch das dritte Tor ging er gen Norden. Er durchstreifte das Land, den heiligen Baum zu suchen, doch er fand ihn nicht. Er fragte alle Menschen, die er traf, aber keiner konnte ihn auf seinen Weg bringen; keiner kannte den Ort. Die Zeit verging, noch immer suchte er, von Ort zu Ort wandernd und oft zurückkehrend zum dritten Tor. Traurig und entmutigt suchte er dennoch überall.

Der Lehrer, der ihn von fern beobachtete, sandte Nereus um nachzusehen, ob er ihm helfen könnte. Immer und immer wieder kam er in verwandelter Form und mit anderen Worten der Wahrheit, aber Herkules reagierte nicht und erkannte in ihm nicht den Boten, der er war. Obwohl er gewandt in der Rede und klug mit tiefer Weisheit eines Gottessohnes, versage Nereus, denn Herkules war blind. Er erkannte die Hilfe nicht, die ihm so fein geboten wurde. Schließlich kehrte Nereus traurig zum Lehrer zurück und sprach von Fehlschlag.

„Die erste der fünf kleineren Prüfungen ist vorbei“, antwortete der Lehrer, „und Fehlschlag zeichnet diese Stufe. Lass Herkules fortfahren.“

Da Herkules auf dem nördlichen Weg den heiligen Baum nicht fand, wandte er sich nach Süden und setzte am Ort der Dunkelheit seine Suche fort. Zuerst träumte er von raschem Erfolg, aber Antaeus, die Schlange, begegnete ihm auf seinem Weg, rang mit ihm und überwand ihn in jedem Punkt.

„Er bewacht den Baum“, sagte Herkules, „das wurde mir gesagt. So muss der Baum in der Nähe sein. Ich muss die Wache sprengen und, indem ich ihn zerstöre und ihn nieder werfe, die Früchte pflücken.“ Aber obwohl er mit all seiner Kraft kämpfte, überwand er ihn nicht.

„Worin liegt mein Fehler?“ sagte Herkules. „Warum kann mich Antaeus überwinden?“ Als Kind schon in der Wiege habe ich eine Schlange getötet. Mit meinen eigenen Händen habe ich sie erwürgt. Warum versage ich jetzt?“

Wieder rang er mit all seiner Kraft mit der Schlange, ergriff sie mit beiden Händen, hob sie hoch in die Höhe, fort vom Boden. Und siehe! Die Tat war getan! Besiegt sprach Antaeus: „Ich komme wieder in anderer Gestalt am achten Tor. Bereite dich, erneut mit mir zu ringen.“

Der Lehrer, der von ferne schaute, sah alles was geschah. Er sprach zu dem Großen, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn und berichtete ihm von der Tat. „Die zweite Prüfung ist bestanden. Die Gefahr ist überwunden. An diesem Punkt zeichnet Erfolg seinen Weg.“ Und der große Eine antwortete: „Lass ihn fortfahren.“

Glücklich und vertrauensvoll schritt Herkules weiter, seiner selbst sicher und mit neuem Mut für die Suche. Nun wandte er sich nach Westen und als er sich dorthin wandte, befiel ihn Unglück. Gedankenlos ging er in die dritte Prüfung, versagte und war für lange Zeit auf seinem Wege aufgehalten.

Denn hier traf er Busiris, den großen Erzbetrüger, den Sohn der Wasser, ein naher Verwandter von Poseidon. Sein Werk ist es, den Söhnen der Menschen durch Worte scheinbarer Weisheit Täuschung zu bringen. Er behauptet die Wahrheit zu kennen und allzu schnell glauben sie ihm. Er spricht schöne Worte und sagt: „Ich bin der Lehrer. Mir ist Kenntnis der Wahrheit gegeben; opfere jetzt für mich. Nimm den Weg des Lebens an durch mich. Ich allein weiß und niemand sonst. Meine Wahrheit ist richtig. Alle andere Wahrheit ist unrichtig und falsch. Höre auf meine Worte, bleibe bei mir und sei errettet.“ Und Herkules gehorchte ihm und wurde täglich mehr geschwächt auf seinem frühen Wege ( dritte Prüfung ) und suchte nicht weiter nach dem heiligen Baum. Seine Kraft wurde untergraben. Er liebte Busiris, bewunderte ihn und nahm alles an, was er sagte. Von Tag zu Tag wurde er schwäche, bis dann der Tag kam, wo sein geliebter Lehrer ihn an den Altar band und während eines ganzen Jahres dort festgebunden hielt.

Plötzlich, eines Tages als Herkules damit rang, sich zu befreien und allmählich Busiris als das erkannte, was er war, kamen ihm Worte der Erinnerung, die Nereus vor langer Zeit zu ihm gesprochen hatte: „Wahrheit liegt in dir selbst. Wende dich nach innen und erwecke die ewige Kraft, die Macht und Erbe aller Menschensöhne ist, die gleichermaßen Söhne Gottes sind.“ Schweigen lag er als ein Gefangener auf dem Altar, an allen vier Ecken gebunden, ein ganzes Jahr. Dann, mit der Stärke, die die Stärke aller Söhne Gottes ist, sprengte er die Fesseln, ergriff den falschen Lehrer, der vorher ihm so weise schien, und band ihn an seiner Stelle an dem Altar. Er sprach kein Wort, ließ ihn dort nur lernen.

Der über ihn wachende Lehrer beobachtete von ferne den Augenblick der Befreiung, wandte sich zu Nereus und sagte: „Die dritte große Prüfung ist vorüber. Du lehrest ihn, ihr zu begegnen und zur rechten Zeit zog er daraus Nutzen. Lass ihn nun fortschreiten auf dem WEG und das Geheimnis des Erfolges lernen.“

Geläutert, doch voll fragender Erleichterung, setzte Herkules seine Suche fort und wanderte weiter. Das Jahr, das er auf dem Altar liegend verbringen musste, hatte in viel gelehrt. Mit größerer Weisheit begab er sich auf den Weg.

Plötzlich verhielt er seinen Schritt. Ein Schrei voll tiefer Qual drang an sein Ohr. Einige kreisende Geier über einem entfernten Felsen fesselte seine Aufmerksamkeit. Dann ertönte der Schrei wieder. Sollte er seinen Weg fortsetzen, oder den, der in Not schien, suchen und so wieder Zeit verlieren? Er sann über das Problem der Verzögerung nach; ein ganzes Jahr hatte er verloren und fühlte die Notwendigkeit sich zu beeilen. Da erscholl wieder der Schrei und Herkules eilte raschen Schrittes seinem Bruder zu Hilfe. Er fand Prometheus an einen Felsen geschmiedet und in großer Pein, weil die Geier an seiner Leber zerrten und ihn so langsam töteten. Er zerbrach die Ketten und befreite Prometheus, jagte die Geier in ihren entfernten Hors und pflegte den kranken Mann, bis er von seinen Wunden geheilt war. Dann machte er sich nach viel Zeitverlust wieder auf den Weg ( Siehe auch unter der zehnten Arbeit ).

Der Lehrer, der ihn von fern beobachtete, sprach nun zu seinem suchenden Schüler diese klaren Worte, die ersten, die zu ihm gesprochen wurden, seit die Suche begann: „Das vierte Stadium des Weges zum heiligen Baum ist durchschritten. Es war keine Verzögerung. Die Regel auf dem gewählten Pfad, die allen Erfolg beschleunigt, heißt: Lerne dienen.“ Der Eine, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn, sprach, „Er hat es gut gemacht, Fahrt fort mit den Prüfungen!“

Auf allen Wegen ging die Suche weiter. Im Norden, Süden, Osten und Westen wurde der heilige Baum gesucht, aber nicht gefunden. Dann kam ein Tag, da, müde und erschöpft vor Furcht, nach langem Wandern das Gerücht durch einen Pilger auf dem Pfade zu ihm drang, der Baum sein in der Nähe eines entfernten Berges zu finden. Das war der erste wahre Bericht, der ihm bisher gegeben wurde. Deshalb wandte er seine Füße nach den hohen Bergen des Ostens und an einem strahlend sonnigen Tag sah er den Gegenstand seiner Suche und beschleunigte die Schritte. „Jetzt werde ich den heiligen Baum berühren“, rief er voller Freude, „den Wächterdrachen überwinden, die hochberühmten schönen Maiden sehen und die Äpfel pflücken.“

Doch wieder wurde er zurückgehalten, durch das Verständnis tiefer Not. Atlas trat ihm entgegen, wankend unter der Last der Welten auf seinem Rücken. Sein Gesicht war leidgezeichnet, die Glieder schmerzgebeugt, die Augen in Agonie geschlossen. Er bat nicht um Hilfe. Er sah Herkules nicht, sondern stand niedergebeugt vor Schmerz unter der Last der Welten. Zitternd beobachtete ihn Herkules und ermaß die Größe der Last und Pein. Er vergaß seine Suche. Der heilige Baum und die Äpfel schwanden aus seinem Gedächtnis; er dachte nur den Riesen zu helfen und ohne Zögern; stürmisch eilte er vorwärts, hob die Bürde von den Schultern seines Bruders und lud sich die Last der Welten auf die eigenen Schultern. Er schloss die Augen, richtete sich mit Mühe auf und siehe, die Last rollte ihm vom Rücken und er stand frei, und gleicherweise Atlas.

Vor ihm stand der Riese und hielt in seiner Hand die goldenen Äpfel, die er liebend Herkules bot. Die Suche war beendet. Die drei Schwestern hielten noch mehr goldene Äpfel in Händen, drückten sie ihm gleichfalls in die Hand und Aigle, jene schöne Jungfrau, die der Glanz der untergehenden Sonne ist, sagte zu ihm, indem sie ihm einen Apfel in die Hand legte: „Der WEG zu uns ist immer durch Dienen gekennzeichnet. Taten in der Liebe sind Wegweiser auf dem PFAD.“ Dann gab ihm auch Erystheia, die das Tor behütet, das alle passieren müssen bevor sie allein vor dem großen Einen stehen, der den Vorsitz führt, einen Apfel, in dessen Schale mit Licht das goldene Wort DIENEN eingegraben war. „Denke daran“, sagte sie, „Vergiss es nicht.“

Zuletzt kam Hesperis, das Wunder des Abendsterns und sprach mit Klarheit und Liebe: „Gehe nun und diene und wandle den Weg aller Weltdiener von jetzt an und für immer.“

„So gebe ich denn die Äpfel zurück für jene, die nachfolgen“, sagte Herkules und kehrte zurück von wo er gekommen war.

Dann stand er vor dem Lehrer und gab genauen Bericht von allem, was geschehen war. Der Lehrer sprach das Wort der Ermunterung und wies mit dem Finger nach dem vierten Tor, indem er sagte: „Gehe nun durch jenes Tor. Fange die Hindin und betritt erneut den heiligen Ort!“

Der Tibeter



Die vierte Arbeit
Das Fangen des Rehs oder der Hindin
Krebs – exoterischer Herrscher Mond, esoterisch Neptun

Der große Eine, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn, sprach zu dem Lehrer, der an seiner Seite stand: „Was macht er?“ Wie wird er erprobt und mit welchem Dienst ist er jetzt beschäftigt?“

Der Lehrer sagte, indem er sein Auge auf den Sohn der Menschen richtete, der der Sohn Gottes ist: „Nichts im Augenblick, o Großer. Die dritte große Prüfung enthielt viel Lehrreiches für einen solchen Lernenden. Er grübelt und denkt nach.“

„Bereite eine Prüfung vor, die seine weiseste Wahl fordert. Sende ihn in ein Arbeitsgebiet, wo er entscheiden muss, welche Stimme von all den vielen Stimmen den Gehorsam seines Herzens wecken wird. Bereite gleichzeitig eine Prüfung vor von großer Einfachheit auf der äußeren Ebene, und doch eine Prüfung, die auf der inneren Seite des Lebens die Fülle seiner Weisheit und die Richtigkeit seiner Urteilskraft erwecken wird. Lasse ihn mit der vierten Prüfung fortfahren.“

Herkules stand vor dem großen vierten Tor – ein Sohn, der Menschen und doch Gottessohn. Zuerst war tiefe Stille. Er äußerte kein Wort und keinen Laut. Hinter dem Tor breitete sich die Landschaft in schönen Linien aus, und fern am Horizont stand der Tempel des Herrn, der Schrein des Sonnengottes, die schimmernden Zinnen. Nebenbei auf einem Hügel stand ein schlankes Reh. Und Herkules, der ein Sohn der Menschen und doch ein Sohn Gottes ist, beobachtete und lauschte, und lauschend hörte er eine Stimme. Die Stimme kam aus dem glänzenden Kreis des Mondes, dem Aufenthalt der Artemis. Und Artemis, die Schöne, sprach warnende Worte zum Menschensohn.

„Das Reh ist mein – so rühre es nicht an,“ sagte sie. „Seit langen Zeiten zog ich es groß und pflegte es, als es noch jung war. So ist es mein, und mein muss es auch bleiben.“ Dann zeigte sich Diana, die Himmelsjägerin, Tochter der Sonne. Mit Sandalen bekleideten Füssen sprang sie zu dem Reh und beanspruchte es ebenfalls.

„Nicht so“, sprach sie, „Artemis, schönste Maid; das Reh ist mein, und mein muss es auch bleiben. Bis heute war es jung, jetzt aber kann es nützlich sein. Das goldgehörnte Reh ist mein, nicht dein; und muss es auch bleiben.“

Herkules, der zwischen den Säulen des Tores stand, lauschte und hörte den Streit, und wunderte sich sehr als die zwei schönen Maiden um den Besitz des Rehs stritten. Eine andere Stimme drang an sein Ohr und sagte in gebieterischem Ton: „Das Reh gehört keiner von Beiden, o Herkules, sondern dem Gott, dessen Schrein du dort auf den fernen Bergen siehst. Gehe, rette es und trage es zur Sicherheit in den Schrein, und lasse es dort. Ein einfach Ding zu tun, o Sohn der Menschen, jedoch – ( und überlege meine Worte wohl ) als Gottessohn kannst du das Reh suchen und behalten. Gehe nun voran.“

Durch das vierte Tor sprang Herkules und ließ alle Gaben zurück, die er erhalten hatte, um sich nicht zu belasten bei der schnellen Jagd, die vor ihm lag. Aus der Ferne beobachteten ihn die streitenden Mädchen. Artemis, die Schöne beugte sich aus dem Mond, und Diana, die schöne Jägerin der Wälder Gottes, verfolgten beide die Bewegungen des Rehs und im gegebenen Moment versuchten sie Herkules irrezuführen und seine Bemühungen zunichte zu machen. Er jagte das Reh von Ort zu Ort, und jede täuschte ihn mit schlauer List. Das taten sie immer wieder.

Während eines ganzen Jahres verfolgte der Menschensohn, der ein Sohn Gottes ist das Reh von Ort zu Ort, erhaschte flüchtigen Schimmer seiner Form, nur um von neuem zu entdecken, dass er es in der tiefen Wälderweite verloren hatte. Von Hügel zu Hügel, von Wald zu Wald jagte er es, bis er es nahe eines ruhigen Teiches schlafend fand, in voller Länge ausgestreckt auf unzertretenem Grase, müde vor langer Flucht.

Ruhigen Schrittes, mit ausgestreckter Hand und sicherem Auge, schoss er den Pfeil ab und verwundete das Tier am Fuß. Unter Einsatz seiner ganzen Willenskraft ging er nun näher, das Reh aber rührte sich nicht. So kam er ganz heran, nahm das Reh in seine Arme und drückte es ans Herz. Artemis und die schöne Diana sahen ihm zu.

„Die Suche ist vorüber,“ sang er laut. „In nordische Dunkelheit ward ich geführt und fand kein Reh. Durch tiefes Wälderdunkel erkämpfte ich mir den Weg, fand aber kein Reh; und über öde Ebenen, durch dürre Wildnis, verlassene Wüsten, verfolgte ich das Reh, doch fand ich es nicht. An jedem der erreichten Orte wendeten die Jungfrauen meine Schritte, doch ließ ich nicht nach, und jetzt ist das Reh mein! Das Reh ist mein!“

„Nicht so, o Herkules,“ drang die Stimme an sein Ohr von einem, der dicht beim Großen Einen stand, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn. „Das Reh gehört keinem Sohn der Menschen, auch wenn er ein Sohn Gottes ist. Trage das Reh zu jenem fernen Schrein, wo die Söhne Gottes wohnen, und lasse es dort bei ihnen.“

„Warum das, o weiser Lehrer? Das Reh ist mein, mein durch langes Suchen und Wandern, und mein, weil ich es nah an meinem Herzen trage!“

„Und bist du nicht ein Gottessohn, obwohl ein Sohn der Menschen?“ Und ist der Schrein denn nicht auch deine Wohnung? Und teilst du nicht das Leben aller, die darin wohnen? Trage nun das heilige Reh zum Schreine Gottes und lasse es dort, o Gottessohn!“

So brachte Herkules das Reh zum heiligen Schrein von Mykenae, trug es in das Innerste des heiligen Ortes und legte es dort nieder. Und als er es vor dem Herrn niederlegte bemerkte er die Wunde an dem Fuß, die durch den Pfeil des Bogens, den er besessen und gebraucht hatte, entstanden war. Das Reh war sein durch das Recht seiner Suche. Das Reh war sein durch das Recht seiner Geschicklichkeit und die Kraft seines Armes. „Das Reh ist deshalb doppelt mein,“ sagte er.

Aber Artemis, die im äußeren Hof des höchsten Heiligtums stand, hörte seine Siegesruf und sagte: „Nicht so! Das Reh ist mein und war es immer. Ich sah seine Form, die sich im Wasser spiegelte; ich hörte seine Füße auf den Pfaden der Erde; ich weiß, das Reh ist mein, denn jede Form ist mein.“

Da sprach der Sonnengott aus dem Heiligtum: „Das Reh ist mein, nicht dein, o Artemis! Sein Geist verbleibt bei mir seit aller Ewigkeit – hier, im Innersten des heiligen Schreins. Hier kannst du nicht eintreten o Artemis, doch wisse, ich spreche die Wahrheit, Diana, jene schöne Jägerin des Herrn, mag einen Augenblick eintreten und dir sagen, was sie sieht.“

Für einen kurzen Augenblick trat die Jägerin des Herrn in den Schrein und sah die Form, die das Reh war, vor dem Altare liegen, scheinbar tot. Und sagte kummervoll: „Wenn aber sein Geist bei dir weilt, o großer Apoll, edler Sohn Gottes, dann wisse, das Reh ist tot. Das Reh wurde erschlagen von dem Manne, der ein Sohn der Menschen ist, wenn auch ein Gottessohn. Warum darf er in den Schrein, und wir müssen das Reh draußen erwarten?“

„Weiler das Reh auf seinen Armen trug, direkt an seinem Herzen. Am heiligen Ort findet das Reh Ruhe, und so auch der Mensch. Alle Menschen sind mein. Das Reh ist gleichermaßen mein, nicht dein; auch nicht des Menschen, sondern mein.“

Und Herkules, von seiner Prüfung heimkehrend, ging wieder durch das Tor und fand seinen Weg zurück zu dem Lehrer seines Lebens.

„Ich habe die Aufgabe erfüllt, die mir der Große Eine, der den Vorsitz führt, gestellt. Einfach war sie, außer der Länge der Zeit und der ermüdenden Suche. Ich hörte nicht auf jene, die auf das Reh Anspruch erhoben, noch zögerte ich auf dem Weg. Das Reh ist an dem heiligen Ort, nahe dem Herzen Gottes und gleicherweise – in der Stunde der Not, auch meinem Herzen nahe.“

„Gehe, Herkules, mein Sohn, schaue nochmals durch die Säulen des Tores!“ Und Herkules gehorchte. Hinter dem Tor erstreckte sich die Landschaft in schönen Linien, und am fernen Horizont stand der Tempel des Herrn, der Schrein des Sonnengottes mit schimmernden Zinnen. Und nahebei, auf einem sanften Hügel stand ein schlankes Reh.

„Bestand ich die Prüfung, o weiser Lehrer? Das Reh steht wieder auf dem Hügel, wo es schon früher stand!“

Aus der Ratshalle des Herrn, wo der Große Eine den Vorsitz führt, kam eine Stimme: „Wieder und wieder müssen alle Menschensöhne, welche die Söhne Gottes sind, nach dem goldgehörnten Reh suchen und es zum heiligen Orte tragen – wieder und immer wieder.“

Dann sagte der Lehrer zu dem Sohn der Menschen, der ein Sohn Gottes ist: „Die vierte Arbeit ist vollbracht. Doch der Natur der Prüfung und der Natur des Rehs gemäß, muss die Suche häufig sein. Vergiss das nicht, und denke nach über die gelernte Lektion.“

Der Tibeter



Die fünfte Arbeit.

Das Erschlagen des Nemeischen Löwen
Löwe – exoterisch Sonne, esoterisch Sonne

Der große Eine, der den Vorsitz führt, saß in der Ratshalle des Herrn und beriet den Plan Gottes für alle Menschensöhne, die auch Söhne Gottes sind. Der Lehrer stand zu seiner Rechten und lauschte seinen Worten. Und Herkules ruhte von seinen Mühen aus.

Der große Eine Ratsvorsitzende in der Ratshalle des Herrn betrachtete den ermüdet ruhenden Krieger und beobachtete seine Gedanken. Dann sagte er zum Lehrer, der dicht an seiner Seite stand in der Ratshalle des Herrn: „Die zeit für eine gefürchtete Aufgabe rückt jetzt heran. Dieser hier, der ein Sohn der Menschen und doch ein Sohn Gottes ist, muss vorbereitet werden. Lasse ihn die Waffen sorgsam prüfen, die ihm zu Eigen sind. Den Schild muss er gut reiben, bis er glänzt, die Pfeile in die Todeslösung tauchen, denn furchtbar und gefährlich ist die Arbeit, die nun kommt! Lasse ihn sich vorbereiten.

Doch Herkules, der nach den großen Mühen ruhte, kannte die Prüfung nicht, die vor ihm lag. Er fühlte seinen kühnen Mut. Er ruhte sich von seiner Arbeit aus, und immer wieder jagte er das heilige Reh hinter dem vierten Tor geradewegs zum Tempel des Herrn. Die Zeit kam, wo das scheue Reh den Jäger gut kannte, der es verfolgte. Es folgte zahm auf seinen Ruf. So nahm es Herkules wieder und wieder an sein Herz und suchte den Tempel des Herrn. So ruhte er.

Bis an die Zähne bewaffnet mit allen Gaben des Krieges und des Kriegers stand Herkules vor dem fünften Tor. Und als er so stand, sahen die zuschauenden Götter seinen festen Schritt, sein kühnes Auge und seine rasche Hand. Doch tief in seinem Herzen waren Fragen.

„Was tue ich hier“, so sagte er, „was ist die Prüfung und wozu versuche ich durch dieses Tor zu schreiten?“ Und während er so sprach wartete er lauschend auf eine Stimme. „Was tue ich hier, o Lehrer meines Lebens, bewaffnet wie du siehst, in voller Kriegsausrüstung? Was tue ich hier?“

„Ein Ruf ist ausgegangen, o Herkules, ein Ruf aus tiefer Not. Dein äußeres Ohr kennt gut die Not, denn es hat eine Stimme gehört, ja, viele Stimmen, die dir von dieser Not erzählen und dich zum Weitergehen treiben. Die Leute von Nemea suchen deine Hilfe. Sie sind in tiefer Trübsal. Der Ruf von deinem Mut ist weit hinaus gedrungen. Sie bitten dich, dass du den Löwen tötest der ihr Land verwüstet und Menschenopfer reisst.“

„Ist das der wilde Ton, den ich nun höre?“ fragte Herkules. „Ist es das Brüllen eines Löwen, das ich höre in der Abendluft?“ Der Lehrer sagte: „Gehe, suche den Löwen, der das Land verwüstet, das jenseits des fünften Tores liegt. Das Volk dieses verwüsteten Landes lebt still hinter verschlossenen Türen. Sich wagen nicht mehr ihren Pflichten nachzugehen, noch ihre Äcker zu bestellen oder zu säen. Von Nord bis Süd, von Ost bis West jagt der Löwe und raubend erfasst er alle, die seinen Weg durchkreuzen. Sein schreckliches Gebrüll ist durch die ganze Nacht zu hören, und alle zittern hinter fest verschlossenen Türen. Was wirst du tun, o Herkules, was wirst du tun?“

Und Herkules mit lauschendem Ohr, reagierte auf die Not. Diesseits des großen Tores, das das Land der Nemea fest beschützte, ließ er die ganze Kriegsausrüstung fallen, behielt für den Gebrauch nur seinen Bogen und die Pfeile. „Was tust du jetzt, o Sohn der Menschen, der gleichermaßen ein Sohn Gottes ist? Wo sind die Waffen und die starke Wehr?“ „Dies stattliche Gehäng von Waffen drückt mich nieder, verzögert meine Eile und hindert meinen Aufbruch auf den Weg. Sende den Leuten von Nemea jetzt die Botschaft, ich sei auf meinem Weg. Und bitte sie, ganz ohne Furcht zu sein.“

Von Ort zu Ort wanderte Herkules und suchte den Löwen. Er fand die Leute von Nemea, die sich hinter verschlossenen Türen verbargen, außer einigen wenigen, die sich aus Verzweiflung oder Not hinaus wagten. Sie gingen auf der Landstraße im Tageslicht, aber voller Furcht. Zuerst begrüßten sie Herkules mit Freude und sahen, ohne Waffen oder viel Kenntnis über die Gewohnheiten des Löwen, mit nichts als einem Bogen und Pfeilen.

„Wo sind deine Waffen, o Herkules? Hast du denn keine Furcht? Warum suchst du den Löwen ohne Mittel der Verteidigung? Gehe, hole deine Waffen und dein Schild! Der Löwe ist wild und stark, und Zahllose hat er verschlungen. Warum so viel riskieren? Gehe, suche deine Waffen und deine Ausrüstung der Stärke.“ Aber ruhig, ohne Antwort, ging der Sohn der Menschen, der ein Sohn Gottes war, vorwärts auf seinem Weg, die Spur des Löwen suchend und seiner Stimme folgend.

„Wo ist der Löwe?“ fragte Herkules. „Hier ist der Löwe.“ kam die Antwort. „Nein dort!“ befahl eine Stimme der Furcht. „Nicht so“, antwortete eine dritte. „Ich hörte wild sein Brüllen über dem Berg in dieser Woche,“ „und ich hörte es auch, gleich hier, in diesem Tal hier wo wir stehen!“ Und wieder eine andere Stimme sagte: „Ich sah doch seine Spuren auf dem Wege den ich ging. So höre meine Stimme, Herkules, verfolge ihn zu seinem Lager!“

So verfolgte Herkules seinen Weg, furchtsam und doch ohne Furcht, allein und dennoch nicht allein, denn auf der Spur, die er verfolgte, standen andere und folgten ihm voll Hoffnung und zitternder Angst. Tagelang und durch mehrere Nächte suchte er den Weg und lauschte auf des Löwen Brüllen, während das Volk von Nemea hinter verschlossenen Türen kauerte.

Plötzlich sah er den Löwen. Er stand am Rande eines tiefen Dickichts junger Bäume. Als er den Feind nahen sah, und einen, der ganz furchtlos schien, brüllte der Löwe und die jungen Bäume bebten bei seinem Brüllen, die Nemeer flohen und Herkules stand still. Er fasste seinen Bogen und die Pfeile, und schoss mit sicherer Hand und geübtem Auge einen Pfeil nach der Schulter des Löwen. Genau flog er ins Ziel, doch fiel er auf die Erde, denn er konnte in die Schulter des Löwen nicht eindringen. Wieder und wieder schoss Herkules auf den Löwen, bis kein Pfeil mehr in seinem Köcher war. Dann kam der Löwe auf ihn zu, unberührt und unverwundet, und wild vor Zorn. Ganz furchtlos. Den Bogen auf die Erde werfend stürzte der Sohn der Menschen, der ein Sohn Gottes war, mit wildem Schrei dem Löwen entgegen, der auf dem Pfad stand und ihm den Weg versperrte, erstaunt über die Tapferkeit, die ihm bisher noch nicht begegnet war. Denn Herkules kam näher. Plötzlich wandte sich der Löwe um und sprang vor Herkules in das Dickicht am felsigen Rand eines steilen Bergweges.

So ging die Verfolgung weiter. Und plötzlich, im Weitergehen auf dem Weg, verschwand der Löwe und war nicht mehr zu sehen und zu hören.

Herkules hielt inne auf dem Pfad und stand still. Er suchte nach allen Seiten, fasste fester seine starke Keule, die selbst geschaffene Waffe, die Gabe, die er sich selbst vermacht hatte in lang vergangenen Tagen – eine sichere Keule. Nach allen Seiten suchte er; auf jeden Seitenweg, weiter, von einem Punkt zum nächsten auf dem schmalen Pfad, der steil den Berghang querte. Plötzlich kam er an eine Höhle und aus der Höhle kam ein starkes Brüllen, eine rasselnd wilde Stimme, die nun zu sagen schien: „Stehe still, oder verlier dein Leben!“ Und Herkules stand still und rief dem Volk des Landes zu: „Der Löwe ist hier! Erwartet meine Tat, die ich jetzt tue.“ Und Herkules, ein Sohn der Menschen und doch ein Gottessohn, betrat die Höhle, ging durch die ganze dunkle Länge bis in das Licht des Tages. Er fand keinen Löwen, nur eine andere Öffnung in der Höhle, die in das Licht des Tages führte. Und als er dastand hörte er den Löwen hinter sich, nicht vorne.

„Was soll ich tun“, sprach Herkules zu sich. „Die Höhle hat zwei Ausgänge und wenn ich zu einer eintrete, verlässt der Löwe sie durch den anderen. Was soll ich tun? Waffen helfen mir nicht. Wie töte ich den Löwen und rette das Volk vor seinen Zähnen? Was soll ich tun?“ Und als er sich umsah, was er tun könnte, und auf das Brüllen des Löwen lauschte, sah er eine Holzstoß und eine Menge Äste und Bündel kleiner Zweige in der Nähe liegen. Er zerrte ihn zu sich mit aller Macht, legte die Äste und kleineren Zweige oben auf die Öffnung und versperrte so den Weg ins Tageslicht sowohl nach drinnen wie nach draußen, und sperrte so sich mit dem Löwen in die Höhle. Dann wandte er sich dem Löwen zu.

Rasch packte er den Löwen mit seinen beiden Händen, hielt an ihn fest und würgte ihn. Nahe kam ihm sein Atem und versengte sein Gesicht. Er aber hielt immer noch die Kehle fest in seinem Würgegriff. Schwächer und schwächer wurde das Gebrüll des Hasses und der Furcht, schwächer und schwächer wurde der Feind des Menschen; tiefer und tiefer sank der Löwe zu Boden, doch Herkules hielt stand. So tötete er den Löwen mit seinen bloßen Händen, ohne Waffen, nur durch die eigene große Stärke.

Er tötete den Löwen, zog ihm das Fell ab und zeigte es dem Volke vor dem Eingang der Höhle. „Der Löwe ist tot!“ riefen sie . „Der Löwe ist tot! Jetzt können wir leben, unser Land bebauen, die nötige Saat bestellen und in Frieden miteinander wandeln. Der Löwe ist tot, und groß ist unser Retter, der Sohn des Menschen, der ein Sohn Gottes ist, mit Namen Herkules!“

So kehrte Herkules im Triumph zurück zu dem Einen, der ihn ausgesandt hatte, seine Stärke zu prüfen, zu dienen und denen zu helfen, die in bitterer Not sind. Er legte die Haut des Löwen zu Füßen dessen nieder, der der Lehrer seines Lebens war und erhielt die Erlaubnis, das Fell anstelle des abgenutzten zu tragen.

„Die Tat ist getan, das Volk ist frei. Es gibt keine Furcht mehr, der Löwe ist tot. Mit eigenen Händen würgte ich den Löwen und tötete ihn“

„Wieder, o Herkules, schlugst du einen Löwen. Wieder würgtest du ihn. Der Löwe und die Schlangen müssen wieder und wieder erschlagen werden. Gut gemacht, mein Sohn. Gehe und ruhe dich aus in Frieden mit denen, die du vor der Furcht befreit hast. Die fünfte Arbeit ist vorüber. Ich gehe, dem Großen zu sagen, der den Vorsitz führt und wartend in der Ratshalle des Herrn verharrt. Ruhe jetzt aus in Frieden.“ Und von der Ratshalle kam die Stimme: „Ich weiß.“



Die sechste Arbeit.
Das Ergreifen des Gürtels der Hippolyta
Jungfrau – exoterischer Herrscher Merkur, esoterisch Mond

Der große Eine Ratsvorsitzende rief den Lehrer, der über Herkules wachte. „Die Zeit rückt näher, sagt er. Was macht der Menschensohn, der ein Sohn Gottes ist? Ist er bereit hinauszuziehen und seinen Mut mit einem Feinde anderer Art nun zu erproben?“

Der Lehrer sagte „Ja“. In seinem Inneren war er sich gewiss, der Jünger sei bereit zu neuer Arbeit, wenn das Wort an ihn erginge. Dies sagte er dem großen Einen in der Ratshalle des Herrn.

Sodann erging das Wort. „Erhebe dich o Herkules, durchschreite nun das sechste große Tor.“ Und gleicherweise ging ein anderes Wort, doch nicht an Herkules, sondern an jene, die an den Ufern des großen Ozeans wohnten. Sie lauschten und hörten.

An jenen Ufern lebte die große Königin, die alle Frauen der damals bekannten Welt regierte. Sie waren ihre Vasallen und ihre tapferen Kriegerinnen. Innerhalb ihres Reiches fand sich kein einziger Mann. Nur die Frauen, um ihre Königin versammelt. Im Tempel des Mondes verrichteten sie täglich ihr Gebet und opferten dem Mars, den Gott des Krieges.

Sie waren von ihrem jährlichen Besuch am Wohnort der Männer zurückgekehrt. Im Bereich des Tempels warteten sie auf ein Wort Hippolytas, ihrer Königin, die auf den Stufen des Hochaltars stand, den Gürtel tragend, den Venus, die Königin der Liebe ihr gegeben hatte. Dieser Gürtel war ein Symbol, das Symbol der Einheit, die durch Ringen, Kampf und Streben erreicht wird, Symbol der Mutterschaft und des heiligen Kindes, zu dem sich alles menschliche Leben wahrhaft wendet.

„Das Wort ist ausgegangen“, sagte sie. „Ein Krieger ist auf seinem Weg hierher. Sein Name ist Herkules, ein Sohn der Menschen und dennoch ein Sohn Gottes; ihm muss ich diesen Gürtel übergeben, den ich trage. Wollen wir dem Wort gehorchen, o Amazonen, oder sollen wir gegen das Wort Gottes kämpfen?“ Und während sie auf ihre Worte lauschten und das Problem bedachten, kam erneut Kunde. Er sei schon da, vor seiner Zeit, und wartete draußen, um den heiligen Gürtel der kämpferischen Königin sich nun zu holen.

Hinaus zu dem Sohn Gottes, der auch ein Sohn der Menschen war, trat jetzt Hippolyta, die Kriegerkönigin. Er focht und rang sogleich mit ihr und hörte nicht die schönen Worte, sie sie bestrebt war ihm zu sagen. Den Gürtel, den sie ihm mit den Händen bot, die seltene Gabe des Symbols der Einheit und der Liebe, des Opfers und des Glaubens, entriss er ihr mit seinen eigenen Händen. Und im Entreißen mordete er sie, und tötete damit die eine, die ihn mit dem beschenkte was er gewollt. Als bei der Sterbenden er stand, entsetzt über die eigene Tat, hörte der den Lehrer sprechen:

„Mein Sohn, warum erschlägst du was dir frommt, was nahe dir ist und teuer? Warum die Eine töten, die du liebst, die Geberin der guten Gaben, die Hüterin des Möglichen? Warum die Mutter des heiligen Kindes töten? Wieder verzeichnen wir ein Versagen. Wiederum hast du es nicht verstanden. Dieser Augenblick muss wieder gutgemacht sein, ehe erneut du mir vor die Augen trittst!“

Dann Schweigen. Und Herkules machte sich auf den Heimweg anzutreten, den Gürtel fest an seine Brust gedrückt. Die Frauen ließ er trauernd und ihrer Führerin und ihrer Liebe beraubt, zurück.

Wieder kam Herkules an die Gestade des großen Ozeans. Nahe beim felsigen Strand sah er ein Ungeheuer in der Tiefe, das zwischen seinen Kiefern die arme Hesione festhielt. Ihre Schreie und Seufzer stiegen bis hoch zum Himmel und drangen an das Ohr des Herkules, der reuevoll dahinschritt, ohne auf seinen Weg zu achten. Rasch eilte er hinab, um ihr zu helfen, jedoch er kam zu spät. Sie verschwand im Höhlenrachen der Seeschlange, des Untiers von so üblem Ruf. Sich selbst vergessend stürzte der Sohn der Menschen, der ein Sohn Gottes war, sich in die Flut, durchschritt die Wogen und erreichte das Ungeheuer, das sich im raschem Angriff nach dem Menschen wandte, und brüllend weit das Maul aufriss. Herkules stürzte sich in den roten Schlund seiner Kehle auf der Suche nach Hesione und fand sie tief im Bauch des Ungeheuers. Mit seinem linken Arm ergriff er sie und hielt sie fest. Dann bahnte er mit seinem treuen Schwert den Weg sich aus dem Bauch der Schlange in das Licht des Tages. So rettete er sie, zum Ausgleich für die frühere Tat des Todes. So ist das Leben, - eine Tat des Todes, eine Tat des Lebens – so lernen die Söhne der Menschen, die Söhne Gottes sind Sie lernen Weisheit, Ausgleich und lernen dadurch, den Weg mit Gott zu wandeln.

Aus der Ratshalle des Herrn sah der Eine Große, der den Vorsitz führt, ihm zu. Und auch der Lehrer der an dessen Seite wirkt, sah zu. Durch das sechste Tor ging wieder Herkules. Da er dies sah, und beides sah, den Gürtel und die Jungfrau, sprach der Lehrer und sagte: „Die sechste Arbeit ist vollbracht. Du tötetest was dich umsorgte, was ohne dass du es wusstest und erkanntest die nötige Liebe und Macht dir gab. Du hast gerettet, was dich brauchte, und so sind beide wieder eins. Denke erneut über die Wege des Lebens nach, indem du die Wege des Todes bedenkst. Gehe, ruhe nun mein Sohn.“



Die siebte Arbeit.
Das Fangen des Erymanthischen Ebers
Waage – exoterischer Herrscher Venus, esoterisch Uranus

Der große Eine, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn, bedachte die Art des Menschensohnes, der gleichermaßen ein Sohn Gottes ist. Er überlegte, was notwendig sei, damit noch mehr er seinem Vater gleichen möge. „Eine weitere Arbeit muss ausgeführt werden. Ausgeglichenheit benötigt er, gesundes Urteil, und Vorbereitung auf eine der großen Prüfungen und zukünftigen Dienst an der Menschenrasse. Hierauf möge er sich mit Sorgfalt vorbereiten.“ Der Lehrer, den Zweck der kommenden Prüfung auf seinen Tafeln vermerkend, ging hinaus und sprach zu Herkules: „Ziehe aus, mein Sohn, den wilden Eber jetzt fangen, zu retten ein verwüstetes Land. Doch nimm dir Zeit zu essen.“ Und Herkules zog aus.

Und Herkules, der ein Sohn der Menschen und doch ein Sohn Gottes ist, ging durch das siebte Tor. Die Macht des siebten Zeichens durchströmte ihn. Er wusste nicht, das zweifach nun die Prüfung war, vor der er stand. Die Prüfung seltener Freundschaft und des unerschrockenen Mutes. Der Lehrer hatte ihm gesagt, es gelte den Eber rasch zu suchen; Apollo gab ihm einen nagelneuen Bogen zu sicherer Verwendung. Doch Herkules sprach: „Ich will ihn nicht auf meine Weg mitnehmen, aus Furcht, erneut zu töten. Bei meiner letzten Arbeit a Gestade jenes Meeres mordete ich und tötete. Dieses mal will ich nicht töten. Ich lasse den Bogen da.“

Und so, unbewaffnet, nur mit der zuverlässigen Keule, erklomm er des Gebirges steile Pfade, den Eber suchend; und allseits sah er Furcht und Schrecken. Höher und immer höher stieg Herkules. Dann traf er einen Freund. Am Weg begegnete ihm Pholos, einer der Centauren, den Göttern wohlbekannt. Sie hielten an und sprachen, und eine Weile vergaß er seines Suchens Ziel. Und Pholos rief ihm zu und lud ihn ein, ein Weinfass mit ihm anzustechen, das aber weder ihm noch Herkules gehörte Das Fass gehörte einer Gruppe von Centauren, ein Geschenk der Götter mit der Bestimmung, das Fass dürfe nur angestochen werden, wenn allesamt darum versammelt wären. Das Fass war Eigentum der Gruppe.

Doch Herkules und Pholos stachen das Fass an, in Abwesenheit der Brüder und riefen Cherion, einem Weisen der Centauren zu, er möge kommen und ihr Zechgelage teilen. Dies tat er und alle drei tranken nun, vergnügten sich und machten sehr viel Lärm. Dies hörten die anderen Centauren an entfernten Punkten.

Sie kamen im Zorn und es entspann sich eine wilde Schlacht, und trotz seines weisen Entschlusses, wurde der Menschensohn, der ein Sohn Gottes war, zum Todesbringer und erschlug die zwei Centauren, mit denen er zuvor getrunken hatte. Während die anderen Centauren mit lautem Jammer trauerten, entkam Herkules in die hohen Berge und machte sich erneut auf seine Suche.

Bis zur Schneegrenze stieg er, den Spuren des wilden Ebers folgend; bis in die bittere Kälte verfolgte er das Tier, doch sah er es nicht. Die Nacht brach an, und ein Gestirn am anderen kam heraus, doch immer war der Eber weit von ihm. Herkules bedachte seine Aufgabe, durchforschte einen Sinn nach kluger List. Geschickt verfertigte er eine Falle, verbarg sich gut und wartete im dunklen Schatten auf das Tier. Stunde um Stunde verrann und Herkules wartete weiter bis es zu dämmern begann. Dann kam der Eber aus seinem Lager und suchte vom Hunger getrieben nach lang entbehrter Nahrung. Und im Schatten, nahe der Falle, wartete der Menschensohn. Der Eber fiel in die Falle. Nach angemessener Zeit befreite Herkules das wilde Tier und machte es sehr geschickt zum Gefangenen. Er rang mit dem Eber, meisterte ihn und zwang ihn das zu tun was er wollte, den Weg zu gehen, den er zu gehen wünschte.

Vom schneebedeckten Gipfel des hohen Berges kam Herkules herab, freudig den wilden, doch gezähmten Eber auf dem Abstieg vor sich hertreibend. An beiden Hinterbeinen hielt er den Eber fest und trieb ihn vor sich her auf seinen Vorderbeinen. Und alle auf dem Berge lachten über den Anblick. Alle, die dem Sohn des Menschen, der ein Sohn Gottes ist, singend und tanzend, auf seinem Weg begegneten, lachten über das Vorbeigehen der beiden. Und alle in der Stadt lachten beim gleichen Anblick, den stolpernden, müden Eber und dem lachenden, singenden Mann.

So erfüllte Herkules seine siebente Arbeit und kehrte zurück zum Lehrer seines Lebens.

Der große Vorsitzende in der Ratshalle des Herrn bemerkte: „Die Lektion des wahren Gleichgewichtes ist gelernt. Eine Lektion bleibt noch zu lernen. Im neunten Tor musst du dem Centauren erneut begegnen, ihn erkennen und ihn verstehen.“

Und der Lehrer sagte: „Die siebte Arbeit ist erfüllt, das siebte Tor durchschritten .Denke nach nun über die vergangene Lektion. Überdenke die Prüfung, mein Sohn Zweimal hast du erschlagen, was du lieben solltest. Lerne, warum.“ Und Herkules blieb innerhalb der Tore der Stadt und bereitete sich vor auf das, was später kommen sollte, die höchste Prüfung.

Der Tibeter



Die achte Arbeit.
Die Tötung der neunköpfigen Hydra
Skorpion – exoterischer Herrscher Pluto, esoterisch Mars

Der große Eine, der den Vorsitz führt, gehüllt in strahlende Ruhe, sagte nur ein einziges Wort. Der Lehrer hörte den goldglänzenden Befehl und rief Herkules herbei, den Gottessohn, der auch der Sohn der Menschen war.

„Der Lichtschein fällt jetzt auf das achte Tor“, sagte der Lehrer „Im alten Argos herrscht eine Dürre. Amymone erfleht die Hilfe Neptuns. Er gebot ihr an einen Fels zu schlagen und als sie es tat, entsprangen dort drei kristallene Ströme. Doch bald darauf nahm eine Hydra dort ihren Wohnsitz.“

Am Fluss Amymone liegt der schwärende Sumpf von Lerna. In diesem eklen Schlamm haust nun das Ungeheuer Hydra, eine Plage für dieses Land. Neun Köpfe hat diese Kreatur, und einer davon ist unsterblich. Rüste dich zum Kampf mit diesem hassenswerten Tier. Und glaube nicht, gewöhnliche Mittel könnten helfen; zerstörst du eins der Häupter, wachsen zwei neue an seiner Stelle.“ Wartend stand Herkules.

„Ein Wort des Rates nur darf ich dir geben“, fuhr der Lehrer fort. „Wir erheben uns, indem wir niederknien. Wir siegen, wenn wir uns ergeben. Wir gewinnen den Kampf durch Ergeben. Gehe jetzt, o Gottessohn, und Sohn des Menschen, und siege!“ Durch das achte Tor schritt Herkules.

Der stinkende Morast von Lerna war ein Schandfleck, der alle erschreckte, die in seine Nähe kamen. Sein Gestank verpestete die Luft, in einem Umkreis von sieben Meilen. Als Herkules näher kam, musste er anhalten, denn der Geruch allein überwältigte ihn fast. Der schlickige Treibsand war eine Gefahr und mehr als einmal zog Herkules rasch seine Fuß zurück, um nicht durch den nachgebenden Boden nach unten gesaugt zu werden.

Schließlich fand er das Lager, wo die ungeheure Bestie sich aufhielt. In einer Höhle, in ewiger Nacht, lag die Hydra verborgen. Tag und Nacht umstreifte Herkules das trügerische Moor, um eine günstige Gelegenheit abzuwarten, wenn das Tier ausfallen würde. Er wartete vergebens. Das Monstrum blieb in seiner stinkenden Höhle.

Nun besann sich Herkules auf eine List. Er tauchte seine Pfeile in brennendes Pech und schoss sie mitten in die gähnende Höhle, in der die Bestie verweilte. Jetzt gewahrte er Unruhe und Bewegung. Die Hydra kam hervor. Ihre neun wütenden Häupter spieen Flammen, ihr schuppiger Schwanz peitschte das Wasser und den Schlamm, die den Herkules von Kopf bis Fuß besudelten. Drei Klafter hoch erhob sich das Ungeheuer, ein Ding von solcher Hässlichkeit, als sei es wohl erdacht von allen schmutzigsten Gedanken seit Anbeginn der Zeit.

Zischend schoss die Hydra vor und suchte des Herkules Füße zu umschlingen. Er sprang zur Seite und versetzte ihr einen so vernichtenden Hieb, dass eines der Häupter abgetrennt war. Kaum war das schreckliche Haupt im Sumpf verschwunden, schon wuchsen zwei neue an seiner Stelle. Immer wieder griff Herkules das rasende Ungeheuer an, aber es wurde nicht schwächer, sondern stärker.

Da erinnerte sich Herkules der Worte seines Lehrers: „Wir erheben uns, indem wir niederknien.“ Herkules warf die Keule von sich, kniete nieder, fasste die Hydra mit seinen blosen Händen und hob sie in die Höhe. In der Luft hängend schwand ihre Kraft. So kniend hielt er die Hydra über sich empor, damit die reinigende Luft und das Licht die rechte Wirkung habe. Das Untier, nur stark in der Dunkelheit und im morastigen Schlamm, verlor rasch seine Macht als Sonnenstrahlen und Wind es berührten.

Zuckend wehrte es sich, ein Schauer durchlief seinen abscheulichen Körper. Schwächer und schwächer wurde sein Wehren bis der Sieg errungen war. Die Häupter sanken herab, mit keuchenden Mäulern und glasigen Augen fielen sie zu Boden. Aber erst, als die Hydra leblos lag, bemerkte Herkules das mystische Haupt, das unsterblich war.

Dieses eine unsterbliche Haupt schlug Herkules vom Rumpf der Hydra ab und vergrub das noch wild zischende unter einem Felsen.

Zurückgekehrt stand Herkules von seinem Lehrer. „Der Sieg ist errungen“, sagte dieser. „Das Licht, das an dem achten Tore scheint, ist jetzt mit deinem eigenen vermischt.



Die neunte Arbeit
Das Erlegen der Stymphalischen Vögel
Schütze – exoterischer Herrscher Jupiter, esoterisch Erde

Im Ort des Friedens stand der Lehrer uns sprach zu Herkules: „O Sohn Gottes, der du auch ein Sohn der Menschen bist“, sagte er, „die Zeit ist da, nun wieder einen Weg zu gehen. Am neunten Tor stehst du. Durchschreite es und suche den Sumpf von Stymphalos, wo jene Vögel hausen, die Vernichtung stiften. Entdecke sie und sieh, wie sie aus dem seit langem so sicheren Aufenthalt vertrieben werden können.“

Er machte eine Pause. „Die Flamme die jenseits des Denkens leuchtet, enthüllt unfehlbar dir die Richtung“, fügte er hinzu. „Die Aufgabe wartet deiner. Und du musst durch das neunte Tor jetzt gehen.“

Vorwärts schritt darauf Herkules, der Sohn der Menschen, der auch ein Sohn Gottes war.

Lange suchte er, bis er nach Stymphalos kam. Vor ihm lag der stinkende Sumpf. Unzählige Vögel erhoben heiser krächzendes Geschrei als er sich näherte, ein drohend misstönender Chor.

Als er hereinkam sah er die Vögel. Groß, wild und hässlich waren sie, jeder mit einem eisernen Schnabel, der wie ein Schwert geschliffen war. Auch ihre Federn schienen wie Stahlschäfte und konnten im Fallen die Schädel müder Wanderer in zwei Teile spalten. Die Klauen glichen an Schärfe und Stärke ihren Schnäbeln.

Drei Vögel, die Herkules gewahrten, stürzten auf ihn hernieder. Er wich nicht von der Stelle und wehrte ihnen mit der schweren Keule, die er trug. Einen der Vögel schlug er krachend auf den Rücken. Zwei Federn fielen zur Erde und blieben zitternd in dem weichen Grund stecken. Endlich zogen die Vögel sich zurück.

Herkules stand am Sumpf und überlegte, wie er die ihm gestellte Aufgabe wohl würde lösen können, wie dieser Ort wohl von der räuberischen Brut der Vögel zu befreien sei.

Auf viele Art versuchte er sein Glück. Zuerst verschoss er einen Köcher voller Pfeile, jedoch die wenigen, die er erlegte, waren ein Bruchteil nur der vielen, die übrig blieben. Sie erhoben sich in so dichten Wolken, dass sie das Sonnenlicht verdunkelten. Er wollte Fallen in den Sumpf legen, aber weder Boot noch Menschenfuß konnte das Moor durchqueren.

Herkules hielt inne. Dann fielen ihm die Worte ein des ihm gegebenen Rates, „die Flammen, die jenseits des Denkens leuchtet, enthüllt unfehlbar dir die Richtung.“ Nach langem Grübeln kam ihm eine Methode in den Sinn.

Zwei Zimbeln hatte er, die groß und ehern einen unheimlich kreischenden Ton erzeugten – einen Ton, so durchdringend und scharf, dass er Tote erschrecken konnte. Ihm selbst war dieser Ton so unerträglich, dass er sich die Ohren verstopfen musste.

In der Dämmerung, als der Sumpf dicht mit zahllosen Vögeln bevölkert war, kehrte Herkules zurück. Dann schlug er die Zimbeln hart aneinander, wieder und wieder. Es entstand ein so gellendes, betäubendes Getöse, dass er den Lärm selbst kaum ertragen konnte. Eine so ohrenbetäubende Dissonanz war nie zuvor in Stymphalos zu hören.

Verwirrt und aufgeschreckt durch diesen ungeheueren Lärm stiegen die räuberischen Vögel in die Luft, mit wilden Schlagen ihrer ehernen Flügel und kreischend laut in heiserem Entsetzen. Völlig verwirrt floh die riesige Vogelwolke in rasender Eile, um nie zurückzukehren. Stille breitete sich über dem Sumpf. Die schrecklichen Vögel waren verschwunden. Der sanfte Glanz der westlichen Sonne flimmerte über die dunkle Landschaft.

Als Herkules heimkehrte, begrüßte ihn der Lehrer. „Die mörderischen Vögel sind vertrieben. Die Arbeit ist getan.“



Die zehnte Arbeit.
Das Erschlagen des Cerberus, des Wächters des Hades
Steinbock – exoterischer Herrscher Saturn, esoterisch Saturn

„Das Licht des Lebens muss jetzt hinausleuchten in eine Welt der Finsternis,“ erklärte der große Eine, der den Vorsitz führt. Der Lehrer verstand.

„Der Sohn des Menschen, der gleichermaßen ein Sohn Gottes ist, muss nun durch das zehnte Tor durchschreiten“, sagte er. „Noch in dieser Stunde wird Herkules gehen.“

Als Herkules ihm gegenüber stand von Angesicht zu Angesicht, ihm, der sein Führer war sprach dieser: „Tausend Gefahren hast du getrotzt, o Herkules, und vieles ist erreicht. Weisheit und Stärke sind jetzt dein. Willst du sie nutzen um einen zu erretten, der sich in Seelenangst verzehrt und Beute wurde unaufhörlich großer Pein?“

Der Lehrer berührte sanft des Herkules Stirn. Vor dessen innerem Auge stieg eine Vision auf. Ein Mann lag ausgestreckt auf einem Felsen und stöhnte als ob das Herz ihm brechen müsste. Hände und Glieder waren gefesselt, die dicken Ketten, die ihn banden, waren an eiserne Ringe geschmiedet. Ein Geier, wild und angriffslustig, hackte nach der Leber des hingestreckten Opfers. Ein Blutstrom rannte aus seiner Seite. Der Mensch hob die gefesselten Hände und schrie um Hilfe. Doch vergebens verhallten seine Rufe in der Öde und wurden vom Wind verschlungen. Die Vision schwand. Herkules stand wie zuvor zu Seiten seines Führers.

„Der Gefesselte, den du gesehen, heißt Prometheus“, sagte der Lehrer. „Seit vielen Jahrhunderten hat er so gelitten und kann dennoch nicht sterben, denn er ist unsterblich. Vom Himmel stahl er das Feuer und dafür wurde er bestraft. Der Platz an dem er liegt ist uns bekannt als Hölle, er ist Bereich des Hades. Für ihn Prometheus, bist du als Retter aufgerufen, o Herkules. Gehe nun hinunter in die Tiefen und dort, auf deren äußeren Ebenen, erlöse ihn von seinem Leid.“

Nachdem er gehört und verstanden hatte, machte sich der Menschensohn, der gleichfalls ein Sohn Gottes ist, auf seine Suche und schritt durch dass zehnte Tor ( Siehe auch unter der dritten Arbeit ).

Abwärts und immer abwärts wanderte er in die bindenden Welten der Form. Die Atmosphäre wurde erstickend, die Finsternis immer tiefer. Doch war sein Wille fest. Der Abstieg in die Tiefe dauerte unendlich lang. Allein, und dennoch nicht allein wanderte er weiter, denn als er in sich lauschte, hörte er die silberne Stimme Athenes, der Göttin der Weisheit und die stärkenden Worte des Hermes.

Endlich gelangte er zu dem dunklen, vergifteten Fluss Styx, einem Fluss, den die Seelen der Abgeschiedenen überqueren müssen. Ein Obolus war zu entrichten an Charon, den Fährmann, damit er sie zur anderen Seite bringe. Der düstere Besucher von der Erde erschreckte Charon und, ganz auf seinen Lohn vergessend, setzte er den Fremden über.

Jetzt hatte Herkules endlich den Hades betreten, eine düstere, neblig verschwommene Region, wo die Schatten, die Hüllen der Abgeschiedenen an ihm vorüberglitten.

Als Herkules Medusa sah, das Haar verschlungen mit züngelnden Schlangen, ergriff er sein Schwert und hieb nach ihr, traf aber nichts als leere Luft.

Durch labyrinthische Pfade verfolgte er seinen Weg, bis er an den Hof des Königs kam, zu Hades, der die Unterwelt regiert. Dieser Finstere saß, grimmig, gefährlich und starr aufgerichtet auf seinem pechschwarzen Thron, als Herkules nahte.

„Was suchst du, lebendiger Sterblicher in meinem Reich?“ fragte Hades, und Herkules erwiderte: „Ich will den Prometheus befreien!“

„Der Weg ist bewacht von dem Ungeheuer Cerberus, einem Hund mit drei Häuptern, ein jedes von ihnen mit Schlangen umwunden“, antwortete Hades. „Wenn du ihn mit deinen blosen Händen überwinden kannst, eine Tat die noch keiner vollbrachte, so magst du den leidenden Prometheus losbinden.“

Mit dieser Antwort zufrieden schritt Herkules weiter. Bald sah er den dreiköpfigen Höllenhund und hörte sein durchdringendes Gebell. Fletschend sprang der Hund ihn an. Die erster der Kehlen des Cerberus packend, hielt Herkules ihn wie in einem Schraubstock. Zu wahnsinniger Wut getrieben schlug das Ungeheuer um sich. Schließlich ließ seine Kraft nach und Herkules bemeisterte ihn.

Nachdem dies geschehen war ging Herkules weiter und fand Prometheus. Er lag auf einer Felsenplatte in qualvoller Pein. Schnell zerbrach Herkules die Ketten und setzte den Leidenden frei.

Dann wandte er sich um und kehrte zurück, wie er gekommen war. Als er die Welt der lebenden Dinge wieder erreichte, fand er dort seinen Lehrer.

„Das Licht scheint jetzt in der Welt der Finsternis,“ sagte dieser. „Die Arbeit ist vollendet. Ruhe nun, mein Sohn.“



Die elfte Arbeit.
Die Säuberung des Augiasstalles
Wassermann – exoterischer Herrscher Uranus, Saturn, esoterisch Jupiter

Am Ort des Friedens, wo der Große Eine den Vorsitz führt, ließ er die Strahlen seines erhabenen Denkens ausströmen. Der Lehrer näherte sich.

„Die einzelne Flamme muss die übrigen neunundvierzig entzünden“, bestätigte der Große Eine.

„So sei es“, antwortete der Lehrer. „Da Herkules die eigene Lampe nun entzündet hat, muss er das Licht jetzt auch den anderen bringen.“ Bald danach rief er Herkules zu sich.

„Elf Mal hat sich das Rad gedreht, und jetzt stehst du vor einem weiteren Tor. Lange bist du dem Licht gefolgt, das erst unsicher flackerte, und dann zu steter Leuchte wuchs, und jetzt für dich zur strahlenden Sonne wurde. Wende nun ihrem Glanz den Rücken; wende die Schritte und gehe zurück zu jenen, für die das Licht ein flüchtiger Punkt nur ist; hilf ihnen, dass es wachse. Nimm deinen Weg zu Augias, dessen Königreich von altem Übel gereinigt werden muss. Ich habe gesprochen.“

Das elfte Tor durchschreitend ging Herkules auf die Suche nach Augias, dem König. Als er dem Reich sich näherte, wo Augias herrschte, da traf ein schrecklicher Gestank von weitem seine Nase, so dass er schwach und seiner Sinne nicht mehr mächtig war. Und dort erfuhr er dann, dass König Augias den Mist, den seine Herden machten, seit Jahren aus den königlichen Ställen nicht hatte entfernen lassen. Dazu waren die Weiden so stark schon überdüngt, dass keine Ernte darauf wachsen konnte. Infolgedessen überschwemmte eine verheerende Seuche alles Land, vernichtend alles menschliche Leben. Herkules ging zum Palast und suchte nach Augias. Als dieser davon unterrichtet wurde, dass Herkules die Ställe, die zum Himmel stanken, säubern wolle, zeigte er Unglauben und Misstrauen.

„Du sagst, dass du dieses gewaltige Werk vollbringen willst, ohne Belohnung zu erbitten?“ sagte der König misstrauisch. „Ich habe kein Vertrauen zu solchen Prahlern! Das ist ein Plan voll kluger List, o Herkules, um mir den Thron zu stehlen. Von Menschen, die ohne Belohnung der Welt je dienen wollten, habe ich noch nie gehört. Jedoch ich würde jeden Narren gern begrüßen, der hier mir helfen wollte. Aber es muss ein Handel abgeschlossen werden, sonst würde man mich einen dummen König schelten. Wenn du in eine einzigen Tage vollbringst, was du versprochen hast, dann soll ein Zehntel meiner großen Herde dir gehören; versagst du aber, so fällt dein Leben, Hab und Gut in meine Hände. Natürlich glaube ich nicht einen Augenblick, dass du die Prahlerei wahrmachen kannst, jedoch du magst es versuchen.“

Darauf verließ Herkules den König. Er wanderte durch den verwüsteten Ort und sah einen Karren, hoch beladen mit Toten, den Opfern jener schlimmen Pestilenz.

Zwei Flüsse, Alpheus und Peneus, flossen ruhig nahebei. Als Herkules jetzt an des eine Ufer stand, schoss wie ein Blitz die Antwort des Problems ihm durch den Kopf. Aus Leibeskräften machte er sich sofort an die Arbeit. Mit großer Mühe gelang es ihm, die beiden Flüsse aus ihrem jahrzehntelangen Laufe abzuleiten. Alpheus und Peneus wurden dazu gebracht, ihr Wasser durch die dunggefüllten Ställe des Augias zu ergießen. Die reißenden Ströme schwemmten den ganzen seit langem aufgehäuften Mist hinweg. Das Reich war nun gereinigt von allem stinkenden Schmutz. In einem Tage war die unmöglich scheinende Aufgabe vollbracht.

Als Herkules, äußerst zufrieden mit dem Resultat, bei Augias erschien, fing dieser an zu schimpfen.

„Du hattest Erfolg nur durch eine List“, schrie König Augias erbost. „Die Flüsse taten das Werk, nicht du. Das war ein Streich, mir meine Herde wegzunehmen, ein Anschlag gegen meinen Thron. Belohnung wirst du nicht erhalten. Gehe und entferne dich, ehe ich den Rumpf dir um den Kopf verkürze.“

Der wütende König verbannte Herkules und verbot ihm, bei Androhung des sofortigen Todes, je wieder sein Reich zu betreten. Nachdem Herkules, der Sohn der Menschen, der auch ein Sohn Gottes war, die ihm aufgetragene Arbeit erfüllt hatte, ging er dorthin zurück, woher er kam.

„Ein Weltendiener bist du geworden“, sagte der Lehrer als Herkules ihm näher kam. „Indem zurück du gingst, bist vorwärts du geschritten; du bist zum Haus des Lichts gekommen, jedoch auf anderem Pfad; du hast dein Licht gespendet, damit das Licht der anderen scheinen kann. Das Juwel, das durch die elfte Arbeit übergeben wird, ist nun für ewig dein.“



Die zwölfte Arbeit.
Das Einfangen der roten Herde des Geryon
Fische, exoterische Herrscher Neptun, Jupiter, esoterisch Pluto

In der heiligen Ratshalle eröffnete der Große Eine, der den Vorsitz führt, dem Lehrer den Willen, dessen was sein muss.

„Verloren ist er und gefunden; tot, jedoch vibrierend voller Leben. Der Dienende wird zum Erlöser und wendet nun sich heimwärts.“

Der Lehrer überlegte; dann rief er Herkules. „Vor diesem letzten Tore stehst du jetzt,“ sagte er. „Und eine Arbeit bleibt dir noch zu tun, ehe der Kreis vollendet und die Befreiung dann erreicht ist. Schreite voran nach jenem dunklen Orte, der Erythia heißt, wo selbst die große Illusion sich auf den Thron gesetzt; wo Geryon, das Ungeheuer mit den drei Häuptern, drei Körpern und sechs Händen der Herr und König ist. Gesetz und Rede verachtend hält eine Herde er von dunkelrotem Vieh. Die musst du von Erythia zu unserer Heiligen Stadt uns bringen. Doch hüte dich vor Eurytion, dem Hirten und seinem zweiköpfigen Hunde Orthrus.“ Er machte eine Pause „Nur eine Maßregel der Vorsicht kann ich dir dazu geben,“ fügte langsam er hinzu. „Rufe die Hilfe des Helios an.“

Das zwölfte Tor durchschritt der Menschensohn, der gleichfalls ein Sohn Gottes war. Er ging, den Geryon zu suchen.

In einem Tempel brachte Herkules dem Helios ein Opfer dar, dem Gott des Feuers in der Sonne. Sieben Tage lang verharrte er in tiefem Meditieren, dann widerfuhr ihm eine Gunst. Eine goldene Schale fiel plötzlich ihm zu Füßen auf die Erde. Er wusste nun in seinem Herzen, dass dieses schimmernde Gefäß ihn würde fähig machen, sicher das Meer zu kreuzen und auch das Land Erythia zu erreichen.

Uns so geschah es. Im sicheren Schutz des goldenen Gefäßes durchsegelte er die tosend wilden Wogen bis er Erythia erreichte. An einem Strand in jenem fernen Land entstieg er dem Boot.

Bald schon kam er zu einem Weideland, wo die rotbraune Herde graste. Sie wurde von dem Hirten Eurytion und dem zweiköpfigen Hund Orthrus gut bewacht. Als Herkules sich näherte, schoss der Hund vorwärts wie ein Pfeil fliegt in sein Ziel. Die Bestie stürzte sich bösartig knurrend und mit gefletschtem, wild zuschnappendem Gebiss auf den Besucher. Mit einem wohlgezielten Schlag erlegte Herkules das Ungeheuer.

Dann flehte Eurytion, voll Furcht vor diesem tapferen Krieger, der vor ihm stand, er möge ihm das Leben lassen. Herkules willfahrte seiner Bitte. Die blutigrote Herde vor sich treibend, wendete Herkules sein Angesicht der heiligen Stadt nun zu.

Er war nicht weit gegangen, als er in einiger Ferne eine Staubwolke gewahrte, die sehr schnell näher kam. Argwöhnend, dass der Unhold Geryon ihn zu verfolgen nachgekommen war, wandte er entschlossen sein Gesicht dem Feinde zu. Bald standen Herkules und Geryon sich gegenüber. Aus allen drei Häuptern Feuer und Flammen atmend, warf sich der Unhold nun auf ihn.

Geryon schleuderte mit Macht den Speer nach Herkules, der fast sein Ziel erreichte Geschickt sprang Herkules zur Seite und entging so dem mörderischen Schaft.

Straff seinen Bogen spannend, schoss Herkules jetzt einen Pfeil, der schier die Luft zu brennen schien, als er davonflog, und traf den Unhold direkt in die Seite. Mit solcher Kraft war dieser Pfeil geschossen, dass er sogleich alle drei Körper des wilden Geryon durchbohrte. Mit schrill verzweiflungsvollem Stöhnen wankte das Ungeheuer, und es fiel, um niemals mehr sich zu erheben.

Und nach der heiligen Stadt trieb Herkules die sanfte rote Herde. Schwer war das Werk. Wieder und wieder verliefen sich die Tiere und Herkules ging auf die Suche nach den Verirrten.

Über die Alpen trieb er das Vieh und nach Italien. Wo immer Unrecht konnte triumphieren, versetzte er den Mächten des Bösen vernichtend todbringenden Schlag und stellte wieder her das Gleichgewicht zugunsten der Gerechtigkeit. Als Eryx, der unbesiegte Ringer ihn angriff, warf Herkules so kraftvoll ihn zu Boden, dass dieser liegen blieb. Und als der Riese Alcyoneus einen Felsen, der eine Tonne wog, nach unserem Helden schleuderte, fing dieser ihn mit seiner Keule auf, warf ihn auf den zurück, der ihn geworfen hatte, und tötete auch ihn.

Manchmal verlor er seinen Weg, doch jedes Mal fand er zurück, um weiter ihn zu wandern. Obwohl ermüdet durch die sehr gewissenhafte Arbeit, kehrte Herkules endlich zurück. Der Lehrer erwartete sein Kommen.

„Willkommen, dir o Gottessohn, der auch ein Sohn der Menschen ist“, begrüßte er den heimgekehrten Krieger. „Das kostbarste Juwel, das Kleinod der Unsterblichkeit ist dein. Durch die zwölf Arbeiten hast du das Menschliche bezwungen, das Göttliche nun angelegt. Heim bist du gekommen, um nie mehr zu gehen. Im hell gestirnten Firmament wird dein Name stehen geschrieben, für alle Menschensöhne das Symbol ihres unsterblichen ewigen Ziels. Beendet ist für dich das Menschenwerk; kosmische Werke sollst du nun vollbringen. Aus der Ratshalle des Herrn kam eine Stimme: „Wohl getan, o Gottessohn.“



Zusammenfassung der in jedem Tierkreiszeichen zu lernende Lektion.

Die im Folgenden zusammengestellten Hauptmerkmale der einzelnen Tierkreiszeichen werden als Grundlage und Nachschlagehilfen für ein weiteres Studium dargeboten.

Widder

Temperament: Feuerzeichen ( wie Löwe und Schütze )
Qualität: Einleitend, Anfänge, Wille oder Macht drückt sich durch die großen schöpferischen Prozesse aus. In den frühen Stadien sind die Aktivitäten der materiellen Seite des Lebens, später der geistigen Seite zugewandt.
Polarer Gegensatz: Waage. Ein Luftzeichen ( Gleichgewicht ).
Regenten: Exoterisch Mars, esoterisch Merkur.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Es werde wiederum Form begehrt.“
Vom Standpunkt der Seele: „Ich trete hervor und herrsche von der Ebene des Denkens aus.“

Stier

Temperament: Erdzeichen ( Wie Jungfrau und Steinbock ).
Qualität: Begehren für die Masse der Menschen; Wille oder zielgerichtete Absicht, für den Jünger.
Polarer Gegensatz: Skorpion. Ein Wasserzeichen ( Konflikt der Dualität, überwundene Begierde, triumphierende Jüngerschaft ).
Regenten: Exoterisch Venus, esoterisch Vulkan.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Der Kampf sei unerschrocken.“
Vom Standpunkt der Seele: „Ich sehe, und wenn das Auge geöffnet ist, ist alles erleuchtet.“

Zwillinge

Temperament: Luftzeichen ( Wie Waage und Wassermann ).
Qualität: Dualität, Liebe-Weisheit. Flüssiger Zustand ( Fluidität ). Kontrolle aller einzelnen Gegensatzpaare. Die grundlegende Liebe der Gottheit erreicht unser Sonnensystem durch die Zwillinge.
Polarer Gegensatz: Schütze. Ein Feuerzeichen ( Eindeutige Zielrichtung, Vorbereitung auf Einweihung ).
Regenten: Exoterisch Merkur, esoterisch Venus.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Unbeständigkeit tue ihr Werk.“
Vom Standpunkt der Seele: „Ich erkenne mein anderes Selbst, und indem dieses schwindet, wachse und erglühe ich.“

Krebs

Temperament: Wasserzeichen ( Wie Skorpion und Fische ).
Qualität: Massenintensivität. Massenidentifikation mit der Form, für den Durchschnittsmenschen; Dienst an der Masse, für den Jünger.
Polarer Gegensatz: Steinbock. Ein Erdzeichen ( Geistige Wahrnehmung nach dem Ringen, Geburtsort des Christus ).
Regenten: Exoterisch der Mond, esoterisch Neptun.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Trennung sei die Regel, und dennoch existiert die Menge.“
Vom Standpunkt der Seele: „Ich erbaue ein erleuchtetes Haus und wohne darin.“

Löwe

Temperament: Feuerzeichen ( Wie Widder und Schütze ).
Qualität: Sensitivität, die zur individueller Wahrnehmung führt. Hervortreten aus der Herde. Selbstbewusstsein, Selbstbehauptung.
Polarer Gegensatz: Wassermann. Ein Luftzeichen ( Gruppengewahrsein, Weltdienst ).
Regenten: Exoterisch und esoterisch gleich: Die Sonne.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Mögen andere Formen bestehen; Ich bin weil ich bin.“
Vom Standpunkt der Seele: „Ich bin Das, und Das bin ich.“

Jungfrau

Temperament: Erdzeichen ( Wie Stier und Steinbock ).
Qualität: Der einzigartige Dienst in Jungfrau besteht darin, dass sowohl Form als auch Geist genährt werden; beschützend „den Christus in dir, die Hoffnung der Herrlichkeit!“
Polarer Gegensatz: Fische. Ein Wasserzeichen ( Christusbewusstsein, das sich als Welterlöser offenbart ).
Regenten: Exoterisch Merkur, esoterisch der Mond.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Die Materie regiere.“
Vom Standpunkt der Seele: „Ich bin die Mutter und das Kind; Ich bin Gott, Ich bin Materie.“

Waage

Temperament: Luftzeichen ( Wie Zwillinge und Wassermann ).
Qualität: Gleichgewicht. Eine Zwischenpause, wo Dualität erkannt und das Leben von Seele und Form ins Gleichgewicht kommt ( Gesetz, Geschlecht, Geld ).
Polarer Gegensatz: Widder. Ein Feuerzeichen ( Subjektiv, latentes Bewusstsein, Wille zu inkarnieren.
Regenten: Exoterisch Venus, esoterisch Uranus.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Es werde eine Wahl getroffen.“
Vom Standpunkt der Seele: „Ich wähle den Weg, der zwischen den beiden großen Kraftlinien hindurchführt.“

Skorpion

Temperament: Wasserzeichen ( Wie Krebs und Fische ).
Qualität: Konflikt, Erprobung, Prüfung, Sieg, Krisenpunkte. Ausblicke der Neuorientierung. Wendepunkt im Leben der Menschheit und des einzelnen. Herkules wurde der siegreiche Jünger im Skorpion.
Polarer Gegensatz: Stier ( Ein Erdzeichen ( Begehren und Wachstum des Seelenlichts ).
Regenten: Exoterisch Mars und Pluto, esoterisch Mars.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Maya gedeihe und Täuschung herrsche.“
Vom Standpunkt der Seele: „Krieger bin ich, und aus dem Kampf gehe ich siegreich hervor.“

Schütze

Temperament: Feuerzeichen ( Wie Widder und Löwe ).
Qualität: Zielgerichtete Haltung. Eindeutiges Handeln. In den frühen Stadien: Befriedigung der Begierde. In späteren Stadien: Streben nach dem Ziel der Einweihung.
Polarer Gegensatz: Zwillinge. Ein Luftzeichen ( Schließliche Kontrolle der Fluidität und der Gegensatzpaare; Fusion, Synthese, Einswerdung ).
Regenten: Exoterisch Jupiter, esoterisch Erde.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Es werde Nahrung gesucht.“
Vom Standpunkt der Seele: „Ich sehe das Ziel. Ich erreiche das Ziel und sehe ein weiteres.“

Steinbock

Temperament: Erdzeichen ( Wie Stier und Jungfrau ).
Qualität: Extreme Merkmale der schlechtesten und besten Typen. Ehrgeiz, Kristallisation. Überwundenes Ringen. Verklärung. Eingeweihten-Bewusstsein. „Das Einhorn Gottes.“
Polarer Gegensatz: Krebs. Ein Wasserzeichen ( Erstes Tor zur Einweihung ).
Regenten: Exoterisch und esoterisch gleich: Saturn.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Ehrgeiz herrsche und das Tor steht weit offen.“
Vom Standpunkt der Seele: „Versunken bin ich im überirdischem Licht, doch diesem Licht wende ich den Rücken.“

Wassermann

Temperament: Luftzeichen ( Wie Zwillinge und Waage ).
Qualität: Wille zu Dienen, erst dem niederen Selbst, dann dem höheren Selbst. Weltdienst. Individuelles Bewusstsein, umgewandelt in Gruppenbewusstsein.
Polarer Gegensatz: Löwe. Ein Feuerzeichen ( Individuelle Wahrnehmung. Drang zur Selbsterkenntnis. Schließlich Selbstbemeisterung, vorbereitend auf selbstlosen Dienst ).
Regenten: Exoterisch Saturn und Uranus, esoterisch Jupiter.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Begierde sei der Herrscher der Form.“
Vom Standpunkt der Seele: „Wasser des Lebens bin ich, ausgegossen für dürstende Menschen.“

Fische

Temperament: Wasserzeichen ( Wie Krebs und Skorpion ).
Qualität: Dualität, Fluidität. Begabt mit instinktivem Bewusstsein. Mediale Veranlagung. Polarisiertes, unerwecktes Denken. Schlafende Intuition. Tod der Persönlichkeit. Erlösung aus der Gefangenschaft der Form. Christus, der Welterlöser.
Polarer Gegensatz: Jungfrau. Ein Erdzeichen ( Materie, Christus in der Kaverne des Herzens ).
Regenten: Exoterisch Jupiter und Neptun, esoterisch Pluto.
Schlüsselworte: Vom Standpunkt der Form: „Und das Wort lautete: Gehe hinaus in die Materie.“
Vom Standpunkt der Seele: „Ich verlasse des Vaters Haus, und indem ich erlöse, kehre ich zurück.“
Leben ist Werden, nicht Sein...
Arnold Buchenrieder
 
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